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22 Seiten

Teil 2 DIE BÜCKLI-SCHULE

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Disclaimer zu Teil 2

Alle in der folgenden Geschichte namentlich genannten Personen, Institutionen (z.B. Bückli-Gymnasium..etc.) und Ereignisse sind völlig frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen bzw. tatsächlich existierenden Institutionen wären rein zufällig, sind absolut nicht beabsichtigt, aber auch nicht immer zu vermeiden.

Teil 2 DIE BÜCKLI-SCHULE

Aber kommen wir jetzt zur Bückli-Schule.

Im Gegensatz zu Ihnen, lieber Leser, konnte ich als Geistlicher damals nicht einfach „nein“ sagen, als mein Bischof Dr.T.Abernakel mich zu einem solchen Lehrdienst vor über einem Jahrzehnt einmal aus heiterem Himmel heraus zwangsverpflichtete.

Mir blieb damals nur ein Stoßgebet anlehnend an LUKAS 22,42:

„ ...Vater, so Du willst, so nehme diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Das Gebet wurde nicht erhört.

Was war geschehen?

Der eigentlich zuständige Junggeselle und Religionslehrer in der Bückli-Schule, von der nachfolgend die Rede ist, war überraschend nach einem Thailand Urlaub in Phuket lang zeit krank geworden und es musste ein Ersatz her.

Und ich sollte das Ganze nun wieder ausbaden.

Klar, dass Dr.T. Abernakel gleich auf mich zugekommen war und meinen Lehrhilfsauftrag mit einem zynisch anmutenden Zitat untermauerte, welcher in der Apostelgeschichte 19,8 und Römer 2,20 wie folgt grob skizziert wurde:

„Er (damit war ich gemeint) ging in die Schule und predigte drei Monate lang. Lehrte und beredete sie vom Reich des Herrn ....ein Züchtiger der Törichten, ein Lehrer der Einfältigen..."

Über die Bückli-Schule hatte ich vorher noch nie etwas Gutes gehört. Angeblich,so munkelten sich stets gut informierte Mitbürger auf der Straße hinter vorgehaltener Hand zu, hatte diese ihren Namen dadurch erhalten, weil Pädagogen aufrecht hineingingen und gebückt wieder herauskämen. Die Fluktuation der Lehrkräfte sollte dort angeblich exorbitant sein. Auf der Internet-Hompage www.rottenschool.edu stand diese seit Jahren auf Platz eins der Horrorliste.

Als ich damals montags, am ersten Schultag, die Schule mit meinem pechschwarzen Dienst-2-CV nicht sogleich fand, hielt ich kurz am Straßenrand an, klappte mein Seitenfenster an der Fahrertür hoch und sprach einen gerade vorbeigehenden Passanten an.

Pauli (freundlich): „Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir den Weg zur Bückli-Schule sagen?“

Passant (erstaunt die Augenbrauen hochziehend): „Wat wollnse denn da, in dem Chaosbunker?“

Pauli: „Ich soll da unterrichten.“

Passant: „Is ja doll! …....Da lernt keiner wat, da könnse von ausgehen. ....Dat et so wat noch gibt. …..Also, fahrnse jetzt die nächste rechts, dann ungefähr 2 km geradeaus und dann......einfach immer dem Lärm nach. …..Können se gar nicht verfehlen den Sauladen. …..........Haben se ne schusssichere Weste dabei?“

Pauli: „Hää?“

Passant(grinsend): „Na ja, wäre besser. …..Viel Glück noch! Sie werden es brauchen!“

Nach diesem seltsamen Disput gab ich meinem 2 CV, etwas nachdenklich geworden, die Sporen und folgte der Wegbeschreibung.

Der Passant hatte recht. Man konnte die Schule tatsächlich nicht übersehen und schon gar nicht überhören.

Als ich damals in die Bücklistraße einbog, musste ich gleich scharf bremsen, um nicht einem Polizeiwagen ins Heck zu rauschen, welcher mit blinkendem Blaulicht quer mitten auf der Straße stand. In der grünen Minna saßen vorne 2 Polizisten und im Fond ein ungepflegt aussehender Jugendlicher mit Rastafari Haartracht und Kabelbinder-Handschellen.
Ein Polizist stieg aus dem Polizeiwagen aus und klopfte an mein Klappfenster an der Fahrerseite.

Polizist: „Hier geht es nicht weiter Hochwürden, Sie müssen umdrehen!“

Pauli: „Ich muss hier zum unterrichten in die Schule. Um 10 Uhr beginnt mein Dienst!“

Polizist (mit großen ungläubigen Augen): „Zeigen Sie mir mal Ihren Führerschein und Personalausweis.“

Pauli: „Habe ich etwas angestellt?“

Polizist: „...Routinekontrolle. Sie befinden sich hier in einem polizeilichen Ausnahmegebiet.“

Ich übergab dem Beamten die Dokumente, welcher dieser ungewöhnlich gründlich studierte.

Polizist: „Also, Sie sind Herr Pauli.....hmmmm.....da sind Sie aber mutig.... Okay, nichts für ungut, Sie können zu den Parkplätzen da vorne durchfahren....und...ähhhh....passen Sie auf sich auf..!“

Ich kurvte am Polizeiwagen vorbei und versuchte direkt unterhalb der mächtigen, Graffiti verschmierten Schulfassade einen geeigneten gekennzeichneten Lehrerparkplatz zu finden.
Auf die Außenwand der Schule hatte irgendeine Geistesgröße, in riesigen Graffiti Lettern, einen Spontispruch gesprüht:

„DER ROHRSTOCK SCHWINGT
DER PAUKER KICHERT
HOFFENTLICH PRIVAT VERSICHERT!“

Das mit dem Lehrerparkplatz war gar nicht so einfach, da die Parkboxen mit umgefallenen Fahrrädern und gruppenweise zusammenstehenden schwatzenden Schülern verstopft waren, welche mich seltsam anstarrten.
Viele von Ihnen gafften mit Ohrfeigen verdächtigen Gesichtseindruck stumpf ins Leere. Einige hatten geöffnete Bierflaschen in der Hand.

Nun, das war nicht ungewöhnlich, da ich ja genauso wie der Polizeibeamte nicht in Zivil gekleidet war, sondern dort in meiner Dienstkleidung erschien, welche immer in der Öffentlichkeit eine gewisse Aufmerksamkeit erregte. Meine rabenschwarze flotte Dienst-Ente tat ein Übriges hinzu.
Nachdem ich endlich eine Parkbox gefunden hatte, stieg ich aus und begrüßte die dortigen Schüler freundlich, ohne dass mein Gruß von diesen erwidert wurde.

Mein Weg zum Lehrerzimmer war ein einziges optisch akustisches Spießrutenlaufen. Noch nie in meinem Leben war ich von so lauten anscheinend sinnlos herumlungernden Schülern so argwöhnisch gemustert worden.

Kurz vor dem Lehrerzimmer wäre ich damals beinahe über eine, über den Boden rollende, XXL-Wodkaflasche gestolpert.
Meine spontane Nachfrage, bei einer nahestehenden grell geschminkten Schülerin, ergab, dass diese Pulle wohl am letzten Freitag, (ich zitiere hier fast wörtlich) „nach dem periodischen Trinkgelage des Kollegiums, der sogenannten “pädagogischen Freitagsstunde” vom Hausmeister übers Wochenende hinweg, anscheinend nicht entfernt worden war.“

Liebe Brüder und Schwestern,

wenn jetzt jemand empört deswegen schnauft, dann sei dieser auf das Symposion bzw. das gemeinschaftliches Gelehrtenbesäufnis vor dem Hausaltar der alten Griechen zu Ehren des Daimon (positiver Geist) hingewiesen. Solche feuchtfröhlichen „pädagogischen Sitzungen“ haben eine über zweitausendjährige Tradition. Der jeweilige Schuldirektor übernimmt dabei die Symposiarchenfunktion. Er überwacht u. a. die gerechte Verteilung der geistigen hochprozentigen Getränke und hält einschläfernde Endlosmonologe. Im Gegensatz zum klassischen Altertum dürfen heutzutage auch Lehrerinnen daran teilnehmen. Es wird immer wieder berichtet, dass diese lebhaft, zur Freude ihrer Leber, von ihrem neuen Recht Gebrauch machen. Durchaus also ein Beweis geglückter Emanzipation, aber auch ein Glück, dass Platon das nicht mehr erleben muss.

Im Lehrerzimmer angekommen, bemerkte ich sofort, dass dort die übliche schlechte Stimmung gemäß Markus 5,38 herrschte, wo geschrieben steht:

„Und er kam ins Haus des Obersten der Schule und sah das Getümmel und die da weinten und heulten.“

Eine solche getrübte Stimmung hatte ich schon einige Male auch in anderen Schulen erlebt. Dies war deswegen nichts Ungewöhnliches für mich.

Der Direktor Dr. paed. Alfons Luckless kam herein, schloss hinter sich die Tür und bat die Anwesenden laut um Aufmerksamkeit.
Nachdem er mich kurz, als neuen Kurzzeit-Religionslehrer, dem Kollegium vorgestellt hatte, verkündete er, dass in der Nacht zuvor, im Physiksaal, welcher auch als Ersatzraum für den Religionsunterricht der Klasse 11 e verwendet wird, eingebrochen worden war und dieser von der Kripo-Spusi erst einmal auf Spuren hin untersucht werden musste. Schon jetzt würde die Kripo vermuten, dass der oder die Täter Ortskenntnisse gehabt hätten und wahrscheinlich der Schülerschaft zuzuordnen wären. Dementsprechend stände dieser bis 13 Uhr nicht zur Verfügung. Als Ersatzunterrichtsraum für den Religionsunterricht stände nur der Baucontainer ähnliche Bungalow neben dem Sportplatz zur Verfügung. Leider wäre dieser dachseitig beschädigt und es müsste damit gerechnet werden, dass ab 10:00 Uhr Regen auf die Köpfe der Schüler tropft, da sich über der Stadt gerade ein Unwetter zusammenbraute.
Weiterhin hätte man ein Schreiben des Verwaltungsgerichts bekommen. Dort sei Klage wegen einer „angeblich grob fehlerhaften Benotung“ einer Religionsarbeit in der Klasse 11 e erhoben worden.

Klasse 11 e !?

Das war doch meine Klasse! Oder?

Die Schulglocke klingelte laut zum Unterrichtsbeginn.
Der Direktor nahm mich noch kurz zur Seite, führte mich konspirativ in einen Nebenraum seines Dienstzimmers, schloss die Tür hinter sich ab und öffnete einen Wandschrank, aus dem er einen großen Karteikasten holte, den er auf einen Tisch stellte. In dem Karteikasten waren unzählige Karteikarten einsortiert. Jede Karteikarte hatte oben rechts das Foto eines Schülers (m/w) und darunter geheimnisvolle Vermerke zu jedem dieser Schüler.

Direktor (fast im verschwörerischen Flüsterton): „So Herr Pauli, ich zeige Ihnen mal rein prophylaktisch meine private Ermittlungsdatei. In dieser habe ich alle Querulanten, Schlägervisagen, verhaltensgestörte Dödelmaler und Grasdealer dieser Schule gesammelt und teilweise daktyloskopisch ergänzt bzw. katalogisiert, sodass ich von einigen sogar die Fingerabdrücke habe. …..Einen der Grasdealer zeige ich Ihnen aber nicht, da sich der Fall heute erledigt hat. Der sitzt bereits gefesselt im Polizeiwagen. ......Sie haben richtig Glück, da in der 11e nur folgende schwer erziehbare Pennäler ihr Unwesen treiben, die da wären: Fred Rudal, Frank Mäserich, Ayse Günsal, Petra Stromberg, Olaf Berkenholz, Uwe Seidlich und Oliver Tromwell. Merken Sie sich die Gesichter auf den Fotos genau! Besonders der Tromwell ist nicht von Pappe. Bei dem müssen Sie vorsichtig sein, da dessen Vater den Förderverein der Bückli-Schule mit einer großen Geldspende bedacht hat. ….Diese Karte spielt der Junge regelmäßig skrupellos aus. ........Ich will Ihnen etwas ehrlich gestehen, Herr Pauli. Der Tromwell hat als einziger Schüler sein ABI schon heute so gut wie in der Tasche. Der wird auf jeden Fall bestehen. Und wissen Sie auch warum? Den will kein Lehrer hier mehr länger auf der Schule ertragen müssen. Niemand hat ein Interesse daran, dass der sitzen bleibt und eine Klasse wieder holen muss. ..........Ach, noch was, der Krankenstand des Lehrerkollegiums unserer Lehranstalt beträgt seit Jahren durchgehend ca. 35 %, sodass Sie an Vertretungsstunden leider nicht vorbei kommen. ......Für heute habe ich Sie nur mit einer Schulstunde und der anschließenden Pausenaufsicht eingeplant, damit Sie erst einmal in Ruhe starten können.“

Bereits vorfrustriert von den Aussagen des Direktors,
dass man sich als Schüler anscheinend nur permanent außerordentlich daneben benehmen muss um seine Matura hinterhergeworfen zu bekommen, begab ich mich nach diesem Briefing zum undichten Bungalow, um den Schülern die frohe Botschaft bzw. die Worte unseres Herrn schmackhaft zu machen.

Als ich die Tür zum Klassenraum aufmachte, fiel vom oberen Türrand ein randvoll mit Wasser gefüllter Becher vor mir zu Boden. Es spritzte fürchterlich. Meine Hosenbeine waren sofort nass.

Nebenbei, an dieser Stelle erinnere ich mich an Markus 1,23 wo niedergeschrieben steht:

„Es war in ihrer Schule ein Mensch, besessen......., der schrie....“

Pauli (im laut wütenden Tonfall in den Klassenraum hinein brüllend): „Wer ist das gewesen?!“
Als Antwort schallte mir das hämische Gelächter der gesamten Klasse entgegen.

Im Klassenraum sah es wie auf einem Schlachtfeld aus und ähnlich ging es dort auch zu.
Auf meinem Lehrer Pulttisch lag ein provokativ geöffnetes laszives Erotik Magazin, was ich als eindeutige Kriegserklärung der Klassenmafia der 11e an mich als Religionslehrer interpretierte.
Man hatte mir den Fehdehandschuh damit hingeworfen.
Ich war bereit diesen aufzunehmen!

Die Schüler namens Fred Rudal und Frank Mäserich lagen auf dem Boden und prügelten aufeinander ein. Mäserich hatte schon eine blutige Nase, was diesen aber nicht davon abhielt, seinen Kontrahenten Rudal weiter verbal zu attackieren.
Lautstark angefeuert wurden diese durch die Schülerinnen Ayse Günsal und Petra Stromberg, welche beide zusehend auf einem Tisch standen und lauthals „Fred, mach ihn fertig“ schrien.

Die Schüler Olaf Berkenholz und Uwe Seidlich saßen in einer Ecke und spielten Poker um Geld. Das war denen, wie mir der Direktor noch im Vorfeld mitgeteilt hatte, ausdrücklich verboten worden.

Oliver Tromwell, nach Aussage des Direktors, der schlimmste der Truppe (rote Haare und Sommersprossen), war dabei, einen Stuhl aus dem Fenster zu werfen. Und was die anderen Schüler dort gerade anstellten, darüber reicht hier die Zeit nicht zu berichten.

Mir platzte damals fast der Kragen!

Es dauerte 20 Minuten, bis ich diese undisziplinierte Saubande halbwegs zur Räson gebracht hatte.
Nachdem endlich ein Ruhe ähnlicher Unterrichtszustand hergestellt war, ergriff dieser Tromwell das Wort.

Tromwell (Kaugummi kauend): „Hochwürden, ich habe da mal eine persönliche Frage.“

Pauli: „Ja bitte?“

Tromwell: „Von Ihrem gesalbten Vorgänger,...ich stehe auf,...ich verneige mich einmal,....ich verneige mich zweimal,... welcher völlig überraschend für uns an Hepatitis B erkrankt ist, habe ich eine ungerechte Note bekommen. Die Sache klärt ja jetzt das zuständige Verwaltungsgericht. ...Da ich ein Mann des Friedens bin, frage ich Sie mal, was ich eigentlich von Ihnen dafür bekomme, wenn ich mich von Ihrem Religionsunterricht abmelde?"

Pauli (ergreift die dicke Vollbibel vom Lehrerpult und hebt diese mit einem Arm für alle Schüler sichtbar hoch): „Herr Cromwell...ähhh...Verzeihung...Tromwell..wie lautet der Name dieses Buches?“

Tromwell: „Das ist die Bibel, was sonst?“

Pauli: „Ich sehe, dass Sie fundamentale Kenntnisse im Bereich unserer religiösen Literatur haben. Dieses Wissen könnte ich durchaus mit einer Note 2 belohnen, wenn es zur kurzfristigen Verabschiedung kommt.“
Tromwell (im Sitzstuhl wippend und anerkennend nickend): „Eine 2!? Das ist ein Wort! …...Okay, morgen haben Sie meine Abmeldung auf dem Tisch!“

Mein Herz hüpfte bei diesen Worten damals vor Freude. Den Typen war ich anscheinend spätestens Morgen los. Es verblieb dann nur noch der Rest, der Saubande. Irgendetwas musste mir hier noch einfallen.
Der Rest der Schulstunde verlief schleppend und ohne befriedigende Lernerfolge bei den Schülern der 11e.
Als die Schulglocke zur Pause ertönte, verließ ich in Windeseile das Klassenzimmer, da ich heute
unmittelbar nach meiner Pausenaufsicht so schnell wie möglich von hier verschwinden wollte.
Komisch war nur, dass mich dieser Oliver Tromwell an der Klassentür beim Rausgehen zur Verabschiedung halblaut mit zynischem Unterton fragte, ob ich als Kind auch immer abends vor dem Schlafen gehen das Sandmännchen geschaut hätte. Ich verstand diese Frage nicht und verließ das Klassenzimmer, ohne darauf zu antworten. Erst durch die folgenden Ereignisse wurde mir die Hinterhältigkeit dieser Frage später klar.

Meine Pausenaufsicht gestaltete sich wie folgt:

Als ich aus der Schultür nach draußen auf den Pausenhof trat, musste ich mich zunächst reflexhaft ducken, um nicht von einem ungezielt gepöllten Lederball getroffen zu werden.
Selbstverständlich wies ich die Fußballspieler darauf hin, dass das Ballspielen auf dem Pausenhof verboten ist. Als Reaktion darauf verkrümelten sich die Übeltäter im Schülergewühl, nicht ohne mir zur Verabschiedung noch einmal den Stinkefinger gezeigt zu haben.
„Nette Bande!“, dachte ich mir damals.
Auf dem Schulhof standen drei große Eichenbäume, die jeweils von Sextanern umringt waren, welche ihre, nach Ihnen benannte Blase, dort wohl erleichterten.

So eine Schweinerei ging gar nicht!

Ich ergriff einen von diesen, nachdem dieser sein kleines Geschäft erledigt hatte, am Oberarm und schüttelte diesen kräftig.

Pauli (im Brüllton): „Du verdammtes Ferkel! Bist Du eigentlich noch ganz gescheit? Warum benutzt Du nicht die Schultoilette? Wie heißt Du? Wer ist Dein Klassenlehrer?“

Sextaner (mit großen ängstlichen Augen): „Da dürfen wir nicht drauf, da ist immer besetzt.“

Pauli: „Erzähl mir keine Lügengeschichten! Für Euch Schüler stehen 20 Toilettenkabinen zur Verfügung. Warum geht ihr nicht darauf, sondern düngt die Eichen zugrunde?“

Sextaner (ängstlich, mit Tränen in den Augen): „Wenn wir da drauf gehen, werden wir danach zur Strafe gehöselt.“

Pauli (ungläubig): „Was werdet Ihr da? …Was ist denn höseln?....Wer macht so etwas? ….Sag mir mal sofort die Namen!“

Sextaner: „Die Namen darf ich nicht verraten sonst......., aber beim Höseln versuchen die einem mit einem Ruck, die Unterhose so weit wie möglich hoch zu ziehen, obwohl man noch die Jeans darüber am Körper trägt.“

Pauli (ungläubig den Kopf schüttelnd): „Das tut doch sau weh, oder? Das ist doch fast ein Fall für die Polizei!....Also, das kann so nicht weiter gehen!“

Sextaner (flehend, fast mit Tränen in den weit geöffneten Augen): „Ich möchte nicht gehöselt werden......, also Sie müssen mir versprechen, dass Sie nicht sagen, von wem Sie die Namen haben.“

Pauli (ungeduldig): „Okay! Versprochen! Aber nun, nenn mir sofort die Namen dieser ekligen Typen!“

Sextaner: „.......Olaf Berkenholz, Oliver Tromwell und Uwe Seidlich aus der 11e spielen in jeder Pause im Klo mit ihren Kumpels Poker und wollen nicht von uns gestört werden. Die haben gesagt, dass wir gefälligst an die Eichenbäume gehen sollen und das wir bei Weigerung alle gehöselt werden.“

Spätestens in diesem Moment wurde mir klar, dass diese Schule zumindest in Teilbereichen einem unmoralischen Saustall ohne Gleichen nahe kam, in dem der blanke Despotismus herrschte. Hier klagt Hebräer 11,36 zu Recht über das Leid der Opfer:

„......Etliche haben Spott und Geißeln erlitten.......“

Diese Schule hätte nicht den Namen Dr.Adolf Bückli-Schule verdient, sondern eher Niccoló Machiavelli Gymnasium.

Pauli (entrüstet): „Das darf doch wohl nicht wahr sein. …......Habt Ihr das nie dem Direktor Herrn Dr.Luckless, dem Vertrauenslehrer oder Eurem Klassenlehrer gemeldet?“

Sextaner: „Also, zum Vertrauenslehrer hat keiner Vertrauen, weil der alles gleich weiter erzählt und gemeldet haben wir das genau einmal. Dann war auch für einige Stunden alles wieder in Ordnung.“

Pauli: „Warum nur für kurze Zeit?“

Sextaner: "Ein Tag später hing der Informant des Direktors hilflos, wie ein im Baum hängengebliebener Fallschirmspringer, mit den Beinen in der Luft zappelnd, im Eingangsbereich an einem Kleiderhaken. Sie nennen diese Strafe KREUZIGUNG. Die Pokerfritzen haben den am Kragen mit seinem Parka zur Strafe an einen Garderobenhaken gehängt. ....Wenn man aber Glück hat, wird man von denen alternativ nur GESTEINIGT.“

Pauli (völlig entsetzt): „Was bitte? ….Was ist denn eine STEINIGUNG?“

Sextaner (mit großen ängstlichen Augen): „Die schubsen uns dabei in eine der Klokabinen und einer hält von außen die Tür zu. Ein anderer fängt dann an, auf den Eingesperrten von oben durch die Deckenöffnung alle dort vorhandenen Klorollen und Toilettenbürsten zu werfen.

Pauli (angeekelt das Gesicht verziehend): „Und das habt Ihr Euch gefallen lassen?“

Sextaner: „Ja! …....... Ist doch besser als gehöselt zu werden, oder?! .. Höseln ist wirklich das Schlimmste! ….Herr Pauli, Sie werden doch meinen Namen daraus halten.....oder?“

Pauli (empört über so wenig Vertrauen): „Ich kann schweigen, wie ein Grab. …..Wie kommst Du überhaupt auf die Idee, dass ich einen Informanten reinlegen könnte?“

Sextaner: „In Psalm 116,11 habe ich mal gelesen “....alle Menschen sind Lügner... .“

Pauli (weltmännisch über diese Antwort hinwegsehend): „Ich sehe Dir doch an, dass das nicht alles ist. Was geht hier noch so ab?“

Sextaner:„Das ist noch längst nicht alles. Letzte Woche war wieder eine "Nadel im Heuhaufen Aktion“ der Oberstufe. Da haben welche, während wir in der Turnhalle waren, in unserer Umkleide sämtliche Schuhe aller Schüler zusammengesammelt und gut durchgemischt auf einen Haufen geworfen. Vorher haben die aber noch die Schnürsenkel miteinander verknotet. Wir haben später 10 Minuten gebraucht um dieses Chaos aufzulösen bzw. das alles zu entwirren und manche sind deswegen 10 Minuten zu spät zur anschließenden Deutschstunde erschienen. Die haben alle deswegen einen Eintrag ins Klassenbuch bekommen. Und wir haben diesmal aber noch Glück gehabt. Normalerweise häufen die den Schuhberg in der Dusche auf und drehen dann die Kräne auf."

Also eins war sicher, unter Girolamo Savonarola wären solche Sauereien damals in Florenz nicht passiert. Dessen Fanciulli-Truppe, welche man heute wahrscheinlich PAULI-POLICE nennen würde (Anm. der Red: Wir verweisen hier auf die entsprechende Kurzgeschichte gleichen Namens), hätte in dieser moralisch verkommenen Schulanlage ruckzuck für Ordnung gesorgt.

Zum Glück klingelte in diesem Moment die Schulglocke das Ende der Pause ein, sodass ich keinen Sinn mehr darin sah, die Toilettenanlage persönlich aufzusuchen, um die Pokerrunde dort zur Rede zu stellen. Ich entschloss mich, das bei der nächsten Gelegenheit zu erledigen und zunächst den Direktor von diesem Gespräch zu informieren. So ging ich noch schnell beim Direx vorbei, welcher sich bezeichnenderweise wenig erstaunt von meinen Informationen zeigte und vielmehr etwas über schulübliche Initiationsriten zusammenfaselte, welche man beim American Football und im Eishockey noch viel schlimmer vorfinde. Da ich mich aber auf diese fatalistische Argumentation absolut nicht einließ und hartnäckig blieb, versprach er mir, dass meine Meldung der Namen der Übeltäter nicht ohne Folgen für diese bliebe. Wie sich später leider herausstellte, weniger Folgen für die Täter, dafür mehr Folgen für mich.

Nachdenklich, aber auch froh, diese sogenannte Schule am ersten Tag schnell verlassen zu können, ging ich zu meiner Dienstente, stieg ein und versuchte mehrfach erfolglos den Motor zu starteten.
“rrrrrrrrrrrrr rrrrrrrrrrrrrrrr”, machte es.

Der Motor sprang nicht an.
„Das hat mir gerade noch gefehlt“, kam mir in den Sinn und Sekunden später fiel mir auch noch siedend heiß ein, dass ich vor 3 Monaten die Mitgliedschaft im Automobilklub gekündigt hatte, was nichts anderes bedeutete, als dass ich keinerlei kostenlose technische Hilfeleistungen mehr von den „Gelben Engeln“ zu erwarten hatte.
Ich entschied mich trotzdem, die Straßenwacht nun eben kostenpflichtig, um Hilfe zu bitten. Als ich mein kleines Mobiltelefon aus der Innentasche meines schwarzen Jacketts herausgefischt hatte, stellte sich heraus, dass das Gerät nicht mehr funktionierte, da der Akku völlig entleert war.

Davon ausgehend, dass im Lehrerzimmer noch ein funktionierendes Festnetztelefon zur Verfügung stand, entschloss ich mich hilfsweise von dort aus zu telefonieren.

Da es draußen, bei nun überraschend plötzlich wieder wolkenlosem Himmel und hochsommerlichen Temperaturen, mittlerweile sehr heiß geworden war, rollte ich vorsorglich, vor meinem Gang zum Lehrerzimmer, noch das Tuchdach meines mit Liebe gepflegten 2 CV ganz zurück, damit sich der Innenraum nicht zu sehr aufheizte.

Im Lehrerzimmer angekommen, fand ich tatsächlich noch ein freigeschaltetes Telefon, mit dem ich die „Gelben Engel“ um Hilfe bitten konnte. Ich wurde gleich am Telefon freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen, dass für Nichtmitglieder die Wartezeit mindestens 2 Stunden betragen würde und das ich bitte am Pkw auf den Helfer warten sollte.

„Da kann man nichts machen“, dachte ich und ging wieder zu meiner ENTE zurück.

Gerade auf der Straße vor dem Schulgebäude angekommen, sah ich, dass ein größerer Gegenstand aus einem Fenster in der dritten Etage der Schule flog und laut aufklatschend mitten auf dem Fahrersitz meiner ENTE landete.

Aus der dritten Etage erschallte jubelndes Geschrei und irgendjemand schrie von oben voller Stolz:“ Volltreffer !!“

Das Fenster, aus dem die Wasserbombe geflogen war, wurde danach mit lautem Knall wieder geschlossen.

Der Fahrersitz meiner ENTE war völlig durchnässt und ich merkte, wie mein Blutdruck in Rekordzeit unkontrolliert anschwoll und es in meiner Ohren zu rauschen begann.

„Das waren garantiert einige der Soziopathen aus der 11 e“, schoss es mir durch den Kopf. „Na wartet!“ Ich rannte zum Schulgebäude, sprintete das Treppenhaus hoch und war fest entschlossen, den Übeltäter zu ermitteln um diesen dann unpädagogisch zügig einen „rein zu hauen“, egal welche disziplinarischen Folgen dies für mich haben würde.
Als ich die Klassentür erreichte, konnte ich diese nicht öffnen, da diese verschlossen war.
„Die feigen Typen sind abgehauen“, schoss es mir durch den Kopf und ich ging das Treppenhaus verärgert wieder runter.

Aus dem Schulgebäude heraustretend, glaubte ich meinen Augen nicht trauen zu können. Irgendwelche Idioten hatten meine ENTE in der Zwischenzeit angehoben und auf vier Ziegelsteinhaufen so hoch aufgebockt, dass der ganze Wagen, mit allen vier Rädern, ca. 30 cm in der Luft schwebte.

Also, schon häufiger hatte man sich dumme Scherze mit meiner ENTE erlaubt, aber dieses Mal fühlte ich mich schwer gedemütigt.
Ziemlich frustriert setzte ich mich auf eine Bank in der Nähe und wartete auf den bestellten Pannendienst.

Zwei Stunden später war der Pannenhelfer endlich da.

Dieser stieg aus seinem Wagen aus, begrüßte mich kurz und fragte, mitleidig und ungläubig auf den Zustand der ENTE blickend, ob dies alles „ein Scherz mit der versteckten Kamera“ sein sollte.
„Ihnen muss klar sein, dass wir beide alleine die Karre nicht ohne Probleme von den Ziegelsteinen bekommen“, sagte der Pannenhelfer zu mir.
Ich senkte ratlos und frustriert den Kopf.
Zum Glück erkannte der „Gelbe Engel“ meinen angeschlagenen Zustand und wurde damals anscheinend vom Mitleid erfüllt.

Pannenhelfer: „Ich habe da eine Idee. Wir holen jetzt meinen großen Wagenheber aus dem Kofferraum des Einsatzwagens und dann hebe ich die Karosserie 4 Mal in Höhe der Räder an. Sobald wir jeweils etwas Luft zwischen den Ziegeln und der Karosserie haben, ziehen Sie, auf Ihre eigene Verantwortung natürlich, die Ziegel unter dem jeweiligen Rad weg und ich lasse das entsprechend befreite Rad mit dem Wagenheber dann langsam wieder herabsinken, bis es den notwendigen Bodenkontakt wieder hat“, schlug der Nothelfer vor.

Gesagt, getan.

Eine Stunde später stand die ENTE wieder auf ihren Rädern und der Motorschaden war auch vom Gelben Engel bereinigt worden.

„Das macht dann 74 Euro“, klärte der Nothelfer mich auf, „zahlen Sie mit EC-Karte oder bar?“

Ich zahlte mit EC-Karte, stieg in den Citroën ein und fuhr zügig nach Hause zu meiner Dienstwohnung.

Von diesen Ereignissen war ich hungrig geworden und so öffnete ich, kaum zu Hause angekommen,
in freudiger Erwartung den Kühlschrank, da sich darin noch eine Tupperdose mit Essen vom Tag zuvor befinden musste. …........Leider fand ich dort nur gähnende Leere.
„Komisch“, dachte ich,“wo habe ich denn das Essen hingelegt?“

Mein Instinkt veranlasste mich auch den Gefrierschrank unter dem Kühlschrank zu öffnen und siehe da, …........da lag die Tupperdose in tiefgefrorenen Zustand.
Da der Auftauvorgang mindestens 4 Stunden dauern würde und in der Dienstwohnung keine Mikrowelle vorhanden war, entschloss ich mich ersatzweise den örtlichen PIZZA Service anzurufen.
Ich holte mir das örtliche Branchenbuch aus dem Wohnzimmer und wählte mit dem Festnetztelefon eine ix-beliebige Pizzahotline an, welche mit einer ganzseitigen Anzeige auf der Rückseite des Branchenbuches selbstbewusst für sich warb.
Zum Glück ging auch, nach nur 2-minütiger Wartezeit, jemand dort ans Telefon und fragte nach meinen Wünschen. Ich bestellte mir eine PIZZA-HAWAI und erhielt die Antwort, dass die Auslieferung aufgrund eines überraschend hohen Bestellaufkommens bis zu 3 Stunden dauern würde.
Tja, was sollte man dagegen machen? Also stimmt ich, in freudiger Vorfreude auf die Lieferung durch den Pizza Taxi Service, zu.

Kaum hatte ich den Telefonhörer aufgelegt, klingelte es an der Tür.
Vor der Tür stand mein Nachbar, Herr Kai Komanski, mit krebsrotem wütenden Gesichtsausdruck.

„Hören Sie mal Herr Pauli, ich bin gerade von der Arbeit gekommen. Was soll der Quatsch mit dem Sandberg vor meiner Garage?“, fragte der Nachbar in sichtlich verärgerten lautem Tonfall.

Pauli (verwundert): „Was für ein Sandberg?“

Komanski (laut schnauzend): „Ja der da!!“ Komanski zeigte dabei gleichzeitig auf einen riesigen Berg aus frischem Spielsand, welcher vor dem Garagentor dessen Einfamilienhauses, offensichtlich abgeschüttet worden war.

Pauli: „Was hab ich denn damit zu tun?“

Komanski (laut brüllend und Pauli einen Lieferschein vor das Gesicht haltend): „Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie keine Ahnung von der Lieferung haben?

Ich nahm den Lieferschein, las ihn durch und schluckte tief.

Da hatte anscheinend jemand, auf meinen Namen, eine Tonne Blitz-Sofort-Expresslieferungs Sand bei einem Baustoffhändler bestellt. Im Lieferschein war u. a. vermerkt:

TELEFONISCHER EILAUFTRAG!
TARIF: BLITZSAND – !KAUM BESTELLT. SCHON GELIEFERT! -
SOFORT ERLEDIGEN!..........BEZAHLUNG DURCH KUNDE PAULI, ERFOLGT NACH ÜBERGABE DER LIEFERUNG UND RECHNUNGSÜBERGABE, INNERHALB VON 3 TAGEN, MIT DER GEWÄHRUNG VON 3 % SKONTO! HINWEIS FÜR DEN AUSLIEFERUNGSFAHRER: Kunde ist zurzeit in Urlaub. Auf Wunsch des Kunden, Sand bitte heute noch vor die Garage kippen und Rechnung in den Briefkasten des Nachbarn Herr Komanski werfen. Dieser weis Bescheid.

Ich vermutete sofort, dass dies sicher wieder so ein blöder Schülerstreich der 11e war, welchen diese grauenhaften Psychopathen diesmal auch noch perfekt geplant hatten. Die seltsame verbale Verabschiedung von Schüler Oliver Tromwell, welcher mich nach dem Sandmännchen gefragt hatte, erschien mir nun in einem anderen Licht.
Die müssen erstens gewusst haben, dass er (Pauli), wegen dem Ärger mit seiner ENTE, nicht rechtzeitig zu Hause sein konnte und zweitens, dass er als Einziger der Reihenhaussiedlung keine Garage hat. Die nächste Garage war die des Nachbarn nebenan, welcher zur Anlieferungszeit auch nicht zu Hause gewesen war.

Komanski: „Und was jetzt? Der Sand muss da schleunigst weg, da ich gerne meinen Daimler morgen früh dort raus fahren würde! Da fährt man einmal im Jahr mit öffentlichen Verkehrsmitteln um die Umwelt zu schonen zur Arbeit, kommt abends zu Fuß von der Haltestelle zurück und dann sieht man so etwas! Ich fasse es nicht!!“

Pauli (beschwichtigend): „Tja, Herr Komanski, ich bitte um Verständnis, aber das ist sicher ein blöder Schülerscherz gewesen. ….......Was kann ich dafür? …........Ich habe 100%tig nichts bestellt. Am Besten ist, wir rufen die Polizei an und erstatten beide Anzeige gegen unbekannt.“

Komanski (mit lauter Stimme): „Ja, hören Sie mal, wovon träumen Sie eigentlich nachts? Was glauben Sie denn, was so eine Anzeige im Moment bringt? Meinen Sie tatsächlich, die Polizei schickt uns einen Streifenwagen vorbei, daraus steigen dann 2 muskelstarke hoch motivierte Beamte und schaufeln das Zeug für uns weg? ….......Häää ?? ….......Ich kann Ihnen sagen, was die machen, …....die lassen den ganzen Mist da liegen, nehmen die Anzeige auf, verweisen auf den Rechtsweg und verschwinden wieder!“

Pauli: „Dann rufen wir eben den Baustoffhändler an und sagen dem, der soll seinen Sand sofort wieder abholen.“

Komanski (die Augen verdrehend): „Haben Sie mal auf die Uhr geblickt, wie spät es schon ist? Beim Sandhändler geht garantiert nur noch der Anrufbeantworter dran.“

Pauli (wohl wissend, dass ab ca. 19:00 Uhr der Pizzaservice vor seiner Tür stehen könnte) „Ja und jetzt?“

Komanski: „Ja, was jetzt? Das kann ich Ihnen sagen! Ich stelle Ihnen jetzt eine Schubkarre mit einer großen Schaufel vor die Türe und Sie Hochwürden, schaufeln den gesamten Berg von meiner Garage in Ihren Vorgarten um. Und wissen Sie auch, was der Vorteil dieser Aktion ist? …. Ihr Vorgarten sieht danach besser aus als vorher!“

Nach dieser polemischen Bemerkung drehte sich Kowalski auf dem Absatz um und marschierte mit entschlossenem Schritt zu seinem Geräteschuppen.

„Der kann mich doch mal....“, dachte ich mir und schloss die Haustür mit der festen Absicht diese nur noch für den Pizzaservice letztmalig an diesem Tag zu öffnen.

Ich war kaum in der Küche angekommen, da klingelte jemand Sturm an meiner Haustür.
Da dies offensichtlich der Nachbar Komanski mit seiner Schubkarre war, ignorierte ich das Geläut und machte die Tür auch nicht auf, als etwas später eine deutliche Schimpfkanonade von draußen hereindrang. Das Einzige, was ich verstehen konnte, war so etwas wie“....na warte Bürschchen, so leicht kommst Du mir nicht davon...“.

Irgendwann klopfte es laut am Küchenfenster und eine Stimme von draußen rief: „Hallo! Pizza Service!“

„Warum klingelt der nicht an der Tür?“, dachte ich und sprintete zur Hauseingangstür, welche ich mit einem Ruck öffnete. ….....Was hereinkam, war nicht der Pizzabote, sondern kilogrammweise Sand. Der gesamte Türeingang war durch einen mannshohen Sandberg versperrt.

Es war klar zu erkennen, dass Nachbar Kai nun vollends durchgeknallt war und dabei war, den gesamten Sand vor meine Türe zu kippen anstatt in den Vorgartenbereich.

„Moment! Ich komme ans Fenster!“, schrie ich in den Sandberg hinein, erfüllt von der Hoffnung, dass der Pizza Bote dies draußen auch hören würde. Als ich das Fenster öffnete, sah ich nur noch, die Rücklichter des Pizza Autos, welches gerade davon fuhr. Im Vorgarten war, statt dessen Kai Komanski zu sehen, welcher es sich auf der Ladefläche der Schubkarre bequem gemacht hatte und gerade dabei war, meine Pizza Stück für Stück zu verspeisen.

„Hey! Was soll das? Die hatte ich bestellt!“, brüllte ich meinem Nachbar wütend zu.

„Wer hart arbeitet, muss auch gut essen!“, rief Kai spöttisch zurück, warf die inzwischen von ihm geleerte Pizzaschachtel im hohen Bogen in meinen Vorgarten, schnappte sich die Schubkarre und setzte seine Sandberg Versetzungsaktion ungeniert fort.

Ich schloss frustriert das Fenster und beobachtete hinter der Gardine eine Zeit lang, wie mein Nachbar, im Schweiße seines Angesichts, eine Schubkarrenladung nach der anderen vor meine Eingangstür kippte. Mir war klar, dass ich morgen nicht mehr aus der Tür herauskommen würde, da der Nachbar bis dahin eine Tonne Sand vor die Eingangstür geschaufelt hätte.

Was tun?

Ich griff zum Telefonhörer und wählte die 110.

„Polizeinotruf!?“

<< „Mein Name ist Pater Pauli, Perseidengasse 12, könnten Sie bitte mal jemanden vorbeischicken? Mein Nachbar ist gerade dabei mir eine Tonne Sand vor die Tür zu kippen >>

„Bedroht Ihr Nachbar Sie akut körperlich?“

<<“Nein, aber ich komme, wegen dem Unfug nicht mehr aus meiner Wohnungstür raus.“ >>

„Wenn keine akute Gefahr für Leib und Leben für Sie besteht, dann können wir leider im Moment nichts machen. Unsere Einsatzkräfte inklusive der Einsatzhundertschaft sind durch ein Fußballspiel und eine Massenschlägerei in der Großmarktschenke gebunden.“

<<„Ja, aber was mache ich denn jetzt?“>>

„Rufen Sie die 112 an, …...die Feuerwehr. …...Vielleicht hat die Zeit“, sagte der Polizeibeamte vom Notruf und unterbrach die Verbindung.

Ich überlegte nicht lange und wählte die 112.

„Feuerwehr Brandwache Mitte! Was können wir für Sie tun?“

<< „Mein Name ist Pater Pauli, Perseidengasse 12, können Sie mir helfen? Mein Nachbar ist gerade dabei mir eine Tonne Sand vor die Tür zu kippen“ >>

„Da müssen Sie sich an die 110 wenden und nicht an uns!“

<<“Aber die Polizei hat gesagt, dass ich die 112 anrufen soll, weil die keine Zeit haben.“ >>

„Ja, wir haben für solche Nachbarschaftsstreitigkeiten auch keine Zeit, es sei denn, der Nachbar hat ihr Haus angezündet. Und nebenbei, wie stellen Sie sich unsere Hilfemöglichkeit konkret vor? Sollen wir vorbeikommen und den Nachbarn verprügeln?“

<< „Die Idee ist nicht schlecht, das Problem ist, dass ich im Haus bin und nicht mehr durch die Türe raus komme, da davor ein riesiger Sandberg liegt. Was ist denn, wenn es plötzlich bei mir brennt?“

„Wohnen Sie im Erdgeschoss?“

<< “Ja, in meiner Dienstwohnung in einem Einfamilien Reihenhaus.“ >>

„Tja, dann springen Sie einfach aus dem Fenster, wenn es brennt. Nach dem Rausspringen können Sie uns dann gerne wieder anrufen. Für das Feuer löschen sind wir natürlich dann wieder zuständig. Schönen Abend noch“, sprach der Feuerwehrmann der Leitstelle und unterbrach ebenfalls die Verbindung.

Das durfte doch alles nicht wahr sein, schoss es mir durch den Kopf. Ich ging zum Fenster, stellte es auf Kipp und schrie Kai durch den Lüftungsschlitz zu: „Hier wird nichts mehr abgekippt! Nur über meine Leiche!“

„Das dürfte kein Problem sein“, brüllte Komanski wutschnaubend zurück, „komm nur raus und zwei Minuten später, kannst Du Deinem Schöpfer guten Tag sagen!“

Bei solchen Drohungen war nun aber wirklich Gefahr für Leib und Leben angesagt. Nun musste die Polizei aber kommen. Ich eilte zum Telefon und wählt die 110 noch einmal.

„Polizeinotruf!?“

<<“Ja, hier Pater Pauli nochmal, von der Perseidengasse 12. Nun ist es soweit. Mein Nachbar droht mir mit dem Tod. Können Sie bitte sofort jemanden vorbeischicken? >>

„Okay! Wir kommen vorbei!“, sprach der Polizeibeamte mit routinierter Stimme und legte auf.

Eines muss man der Polizei lassen. Nach noch nicht einmal zwei Minuten war ein lautes „TATÜ TATA!" zu hören.

Mit quietschenden Reifen kam ein Polizeiwagen vor meinem Haus zum stehen. Die Wagentüren flogen auf und 2 kräftige Cops sprangen heraus.

Ich lugte durch den Fensterspalt und schrie in Richtung Polizei heraus: „Da vorne, der Verrückte mit der Schubkarre, der will mich umbringen!“

Die beiden Polizeibeamten ergriffen daraufhin, den sich dagegen heftig wehrenden Kowalski rechts und links an den Armen, drehten ihm die Arme auf den Rücken und legten ihm Handschellen an.
Dann tat Kai etwas, was man in solchen Situationen tunlichst unterlassen sollte. Er begann die beiden Polizisten aufs Übelste zu beschimpfen.

„Sie sind vorläufig festgenommen, wegen Beamtenbeleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt. Hinzu kommt noch die Sache mit Ihrem Nachbarn. Sie kommen jetzt erst einmal mit zur Wache, damit wir die Anzeige aufnehmen können“, sagte einer der Polizisten zu Kowalski, während dieser mit dem Einsatz leichter körperlicher Staatsgewalt, von den beiden Beamten in den Streifenwagen gestopft wurde.

Nachdem sich einer der beiden Polizisten noch einige Details des Tathergangs von mir durch den Fensterspalt hatte schildern lassen, brauste der Polizeiwagen, mit Blaulicht davon.

Ich atmete erleichtert auf. Den war ich erst einmal los. Aus der Wohnung kam ich aber weiterhin nicht mehr heraus. Es blieb nur der Notausstieg durch das Fenster.

Ich überlegte kurz, dann kam mir eine Idee.
Ich suchte mir die Telefonnummer des Stammesleiters Ingo Guttat der Pfadfinder unserer Pfarre, Stamm COSMOS und BALDRIAN, heraus und teilte Ingo mit, dass ich eine Sandkastenspende für unseren Kindergarten aus anonymer Quelle erhalten hätte. Er versprach mit ein paar kräftigen Jungpfadfindern sofort vorbei zu kommen um den Sand in den Stammes-Bulli zu schaufeln. Danach würde dieser dann zum Kindergarten der GLAUBENSZWERGE transportiert und dort im großen Spielsandkasten abgeladen.

Auf die Jungs konnte man sich wenigstens verlassen, ging es mir durch den Kopf und tatsächlich, 90 Minuten später war der Sand beseitigt und abtransportiert.
Verblieb nur noch die Lösung der Frage, wer dem Baustoffhändler diesen jetzt im Endeffekt bezahlen musste.

Ich ergriff das Telefon und wählte die Telefonnummer der Baustoffhandlung. Es meldete sich der Anrufbeantworter, mit der Bitte nach Geschäftsschluss das Band zu besprechen.
<< „Pauli hier, Perseidengasse 12. Also, ich weis nicht an wen sie den Sand geliefert haben, aber bei mir vor der Garage liegt zurzeit nichts. Nun kann ich diesen nicht mehr gebrauchen. Stornieren Sie die Rechnung bitte wieder. …..Ach noch was, kann es sein, dass ihre Leute diesen aus Versehen zum Kindergarten der GLAUBENSZWERGE gebracht haben? Da wurde heute, glaube ich, auch was angeliefert. Der hat nämlich die Anschrift Perseidengasse 21. …....Könnte ja ein Zahlendreher sein. …....Wenn der Sand nun dort schon untergemischt wurde, könnten wir das mit einer großzügigen Spendenquittung für Ihre Firma gerne notfalls regeln." >>

Da es schon spät geworden war, fiel ich erschöpft und hungrig in mein Bett und versank in einen traumlosen Schlaf.

Am anderen Morgen klingelte der Wecker mit erbarmungsloser Härte.
Aufstehen war angesagt.
Der Schulunterricht wartete und die Zeit meiner 11e Rache war gekommen.
Gemäß Hebräer 10,30 galt hierfür: „Die Rache ist mein, ich will vergelten.“

Im Lehrerzimmer angekommen fand ich auf meinem Schreibtisch einen Flyer, indem ein selbst ernanntes Aktionskomitee die Schülerschaft ab einem Alter von 16 Jahren zu einer Disco-Fete im Schulfahrradkeller am kommenden Wochenende ab 20 Uhr aufrief. Im unteren Teil des Flyers war eine chimärenhaftes Bild abgedruckt, welches einen Hund zeigte, der statt seinem eigenen Hundekopf den stilisierten Wilhelm Busch Paukerkopf von „Lehrer Lämpel“ in schwarz-weiß trug. Versehen war dieses Bild mit der Fettdruckinformation: „! WIR MÜSSEN DRAUSSEN BLEIBEN !“, wobei mit „wir“ eindeutig die Lehrerschaft gemeint war.
Dieser Fetenaufruf, welcher auch noch mit V.i.S.d.P. Olaf Berkenholz und Oliver Tromwell unterschrieben war, war eine bodenlose Frechheit und Provokation gegen die gesamte Lehrerschaft.
„Na wartet!“, dachte ich mir und suchte gleich den DIREX auf.

Pauli (innerlich aufgewühlt vor Zorn): „Herr Dr. Luckless, haben Sie den Flyer gesehen?“

Dr. paed. Alfons Luckless (irgendwie uninteressiert wirkend): „Ja, natürlich......und was ist damit?“

Pauli: „.....Was damit ist?...Soll ich Ihnen mal erzählen, was mir gestern alles an seltsamen Dingen, nach Schulschluss widerfahren ist?“

Dr. paed. Alfons Luckless (im mitfühlsamen Tonfall): „.....Äh..tut mir Leid für Sie....,dann ist es also doch passiert..., ich gehe davon aus, dass Sie von Ihrer 11e EINGENORDET wurden......, stimmst?“

Pauli (ungläubig): „Eingenordet!?....Ach so nennt man das bagatellisierend?“

Dr. paed. Alfons Luckless: „Ja, aber was hat das nun mit der Fahradkellerdisco zu tun?“

Pauli: „Ich gehe davon aus, dass die V.i.S.d.P. Unterzeichner maßgeblich am EINNORDEN meiner Person gestern beteiligt waren. Es kann doch nicht sein, dass so etwas auch noch mit der Genehmigung einer Fete im Fahrradkeller der Schule honoriert wird!?“

Dr. paed. Alfons Luckless (fast im verschwörerischen Flüsterton): „Mhmmmm..., das Thema ist komplex und hochpolitisch Herr Pauli. Wenn dieser Tromwell nicht Mitinitiator der Fete wäre, dann würde ich, das kann ich Ihnen garantieren, kurzen Prozess mit dieser Veranstaltung machen. Die haben auch schon wie die Ameisen hektoliterweise Getränke in den Keller geschleppt und Grillutensilien, Stühle und Bänke, die kleine Bühne für die bestellte Rockband ist auch schon aufgebaut....ich...ich....wir können doch nicht plötzlich, wegen eines dummen Jungen Streichs, alle Schüler mit einer Kollektivstrafe belegen....ich...ich.....“

Pauli (empört unterbrechend und fortführend): „....ich kann Ihnen sagen, was ich jetzt mache, Herr Dr. Luckless.....,ich rufe jetzt das Schulamt an und werde die darauf hinweisen, dass der Fahrradkeller baupolizeilich nicht als Versammlungsort zugelassen ist und schon gar nicht als Grillplatz mit permanenter Kohlenmonoxid Vergiftungsgefahr, da dort u. a. ein Notausgang, Feuerlöscher und Rauchabzüge fehlen....., dann ist diesbezüglich ruckzuck Schluss mit der geplanten Fete!“

Dr. paed. Alfons Luckless (beschwichtigend): „.....Pater Pauli,....,ähäh, ….nun dramatisieren Sie doch nicht alles sofort,.....Sie sind doch erst so kurze Zeit hier und dann schon so ein Theater vom Zaun brechen,.....ähähäh...., der Tromwell,....ich meine natürlich dessen Vater, sponsert den Förderverein mit 5.000 Euro jährlich. Das ist Geld, was wir hier dringend benötigen..... Sie wissen doch, dass die öffentlichen Kassen leer sind und dann ist der Kerl noch Chefredakteur der Schülerzeitung BÜCKLI FIRST....und auch noch Mitglied der SMV dieser Schule...ähähäh...,ich verspreche Ihnen..... “

Pauli (ungeduldig dazwischen redend): „.....ich werde mich hier auf keinerlei Diskussion einlassen! Notfalls informiere ich heute noch das Ordnungsamt über die Brandschutzmängel.“

Dr. paed. Alfons Luckless: „ ….Gut....,ich sehe, dass weiteres Gerede nichts bringt. Ich werde den Schülern nun über die Haussprechanlage direkt in jedes Klassenzimmer mitteilen, dass die Fete wegen Ihnen ausfällt. Die Konsequenzen haben Sie dann zu tragen.“

Pauli: „Über die Konsequenzen machen Sie sich mal keine Gedanken, damit komme ich schon klar.“

5 Minuten später war es dann so weit. Der DIREX verkündete in meinem Beisein über sämtliche Lautsprecher der Klassenzimmer, dass die traditionelle Fahrradkeller Fete ausfällt, weil Pater Pauli Brandschutzprobleme sehe. Bevor der Direktor das Durchsage Mikrofon aus der Hand legen konnte, schnappte ich es mir blitzschnell und verkündete noch Folgendes:

„Liebe Schüler, hier spricht Pater Pauli. Es tut mir leid, aber die Sicherheit geht nun einmal vor. Wie ich Euren Schulkollegen Oliver Tromwell aber einschätze, wird er kurzfristig einen Ersatzveranstaltungsort für die Schul-Disco finden. ….....Lieber Oliver, ich habe mir erzählen lassen, dass Ihr zu Hause ein 12.000 qm großes Privatgrundstück habt. Wäre die Fete dort nicht ersatzweise machbar? Gerne stelle ich dem Festkomitee auch zehn kräftige Pfadfinder mit Kleinbus zur Verfügung, welche die Sachen, welche schon im Fahrradkeller sind, kostenlos zu Eurem Grundstück transportieren. Nach der Fete helfen die Dir dann beim Ab- und Aufräumen. Wenn Du damit einverstanden bist, spendiere ich für die Oberstufe zusätzlich 100 Liter Bier und einige wertvolle Preise für die Tombola. ...Überlege es Dir! …..Ende der Durchsage!“

Dr. paed. Alfons Luckless (überrascht und voller Anerkennung): „ Wow! Das hätte ich von Ihnen jetzt gar nicht erwartet Herr Pauli. 100 Liter Freibier! Ein sehr geschickter Schachzug. Nun haben Sie den Tromwell unter gruppendynamischen Zugzwang gebracht. Die Schüler werden den jetzt solange belabern und belagern, bis der nachgibt.“

Ich hatte alles auf eine Karte gesetzt und war ein Tag später sehr erfreut, dass Tromwell seine Eltern tatsächlich dazu überreden konnte ihr Grundstück ersatzweise zur Verfügung zu stellen.
Aber damit hatte ich noch keine Rache an diesem Würstchen genommen. Die sollte erst noch kommen. Ein Warnschuss fürs Leben, welchen Tromwell, dieser verdammte Schulsatan, nie wieder vergessen sollte.

2 Tage vor der Open-Air-Fete bei den Tromwells kontaktierte ich, anscheinend nun völlig verführt von den dunklen Weltplänen des Leibhaftigen, einen alten Bekannten, welcher in der Darknet-IT-Szene den Namen Charly Byte hatte und von mir vor Jahren als Gefängnispfarrer schon einmal erfolglos betreut wurde. Charly Byte war mir von damals noch etwas schuldig und hatte mir vor seiner Entlassung aus der Strafvollzugsanstalt versprochen, dass er mir helfen werde, wenn ich irgendwann einmal ein Problem mit dem Internet haben sollte.
Nun war die Zeit gekommen, das Versprechen einzulösen.

Ich hatte einen Veranstaltungsflyer entworfen, welcher nun von Charly Byte in elektronisch fetzig gestalteter Form in ein bedeutendes soziales Netzwerk implementiert und darüber verbreitet werden sollte.

Der Text des E-Flyers lautete wie folgt:

*********** DIGIT X ***********

DAS TECHNOMANIA EVENT VOR DEINER TÜR.
WANN? (eingetragen war hier 18 Uhr und ein Datum, was einen Tag vor der geplanten Fete bei den Tromwells lag)
WO?:(eingetragen war hier die genaue GPS-Position des 12.000-qm-Grundstücks)
EINTRITT?: KOSTENLOS

HIGH SEIN! FREI SEIN!
UND VIEL CHAOS, WIRD AUCH DABEI SEIN!

DJ SAND-SUPPLIER UND 3 WEITERE DJ LEGEN IN EINER 1A-LOCATION 600 MINUTEN EINE SATTE MUCKE AUF!

V.i.S.d.P.: FASTER! HARDER! TROMWELL!

DRUCKLUFTTRÖTEN, VUVUZELAS, TRILLERPFEIFEN ANGENEHM.
DENKT AN SCHLAFSÄCKE UND ZELTE.

********** SEE YOU! **********

Dieser Flyer wurde 10.000 Mal innerhalb von 4 Stunden angeklickt. Danach wurde es selbst Charly zu mulmig. Er verwischte noch schnell alle elektronischen Herkunftsspuren und teilte mir telefonisch mit, dass wir nun endgültig quitt seien. Ich hätte die Büchse der Pandora geöffnet und sollte nun selbst zusehen, wie die wieder geschlossen werden könnte. Ich habe danach nie wieder etwas von ihm gehört, was nicht verwunderlich ist, da ich niemanden, der sich in dieser partygeilen Szene auskennt, erklären muss, was am DIGIT X Tag auf dem Rasen der Tromwells und in den Straßen drum herum abging.

Sicherheitshalber hatte ich mir gleich nach dem Posting des E-Flyers für die nächsten 4 Wochen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besorgt.

Man kann ja mal krank werden, oder?

AMEN


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Weitere Bücher (EPUB) von Mike Bradfort zum Download findet man unter:
- (einfach die folgende ISBN Nummer kopieren und z. B. In GOOGLE eingeben) -

ISBN: 978-3-7396-1864-7 Beichtstuhlgeschichten (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-4083-9 Beichtstuhlgeschichten 2.0 "Vox Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-8323-2 Beichtstuhlgeschichten 3.0 "Lumen Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7438-8079-5 Beichtstuhlgeschichten 4.0 "Opus Pauli" (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-5902-2 Irgendwo in Mexiko (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-2478-5 SOM Supermarkt der Barmherzigkeit (Satire-Pauli-Reihe)
ISBN: 978-3-7396-2031-2 Lotterie des Todes (Esoterik)
ISBN: 978-3-7396-2494-5 Welche Rechte hat ein Alien? (Satire)
ISBN: 978-3-7396-2537-9 Der Exotenhändler (Science-Fiction)
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