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15 Seiten

Das Licht der Hajeps Band 6 / Zarakuma - Kapitel 8, 9, 10, 11 u. 12

Romane/Serien · Fantastisches
© Palifin
Kapitel 8

„Also echt, was man manchmal so alles macht?“, fragte sich George ziemlich laut und krauste verärgert die Stirn. Es war ihm dabei gleichgültig, dass Margrit seine Schimpferei, er grummelte bereits seit etwa einer viertel Stunde vor sich hin, mit anhören musste, denn George fand, irgendwie hatte sie das auch verdient. „Ich fahre hier an meinem einzigen freien Vormittag einer liebeskranken Zopfmarie hinterher, nur weil die liebe, gute Margrit Angst um ihren Teenager hat! Weshalb mache ich eigentlich für dich jeden Scheiß?“
„George, du musst sowieso in die Nähe Zarakumas, weil dort auf einem der Felder Jans Flug repariert werden muss. Da kannst du ja wohl für mich diesen winzig kleinen Umweg fahren, nicht?“
„Nicht!“, murrte er.
„Ach komm, du musst schon zugeben, dass es wirklich nicht ungefährlich ist, wenn sich Gesine so nahe an Zarakuma heran wagt.“
„Ich verstehe Eberhardt auch nicht, dass er das Mädchen im-mer bis dorthin bringt“, fauchte George und nahm dabei eine Abkürzung über einen kleineren Graben. Die dicken Reifen des Jambutos schafften es locker darüber. „Aber du erlaubst mir ja nie, ihn anzurufen, um ihm mal gründlich die Meinung zu geigen!“
„George, sie dürfen nicht wissen, dass wir ihnen folgen, aber du bist nicht mein Sklave und du kannst ja auch ...“
„Doch, doch, doch“, er nickte gleich dreimal, „bin ich! Das ist ja das Verrückte!“
Margrit musste lachen, aber sie fragte sich, ob sie George nicht endlich darüber aufklären sollte, weshalb diese ganze Verfolgung sein musste. Aber konnte sie ihm trauen? Würde er nicht gleich alles Günther Arendt weiter erzählen, von dem er im Grunde noch immer eine recht gute Meinung zu haben schien? Aber dann dachte sie an ihr Gespräch mit George, in dem er sich eher kritisch geäußert hatte, und daher begann sie zwar etwas zögernd, aber im Grunde ihres Herzens fest entschlossen: „Geor-ge ... hm ... kannst du schweigen?“
Er schnaufte verärgert durch die Nase. „Echt eine ziemlich behämmerte Frage, Margrit! Ich bin Guerilla, noch dazu Profiler, aber ich werde nicht schweigen können!“ Er schüttelte wild den Kopf.
„Gut, dann sage ich es dir endlich: Gesine besitzt einen Teil von Danox, den sie unbedingt Munjafkurin schenken will. Der hat heute Ausgang und darum erwartet sie ihn vor Radonk, dem großen Haupttor doska Ygons!“
„Ouuuh ... äh ... wie? Donnerwetter! Warum sagst du mir das erst jetzt? Scheiße, scheiße, scheiße! Ist derart breit der Graben, schafft die alte Kiste jetzt wohl nicht! Arrgh! He, doch noch, puh!“ George hielt den Jambuto erst Mal an. Der dampfte mäch-tig! „Kannst einen aber auch erschrecken!“ Er riss die Wagentür auf, sprang vom Jambuto und öffnete die Motorhaube. „Wie das dampft!“ Er wich dabei mit dem Gesicht den weißen Schwaden, die ihm plötzlich entgegen wallten, aus und holte gleichzeitig ein Taschentuch hervor, um den Kühler aufzuschrauben. Dabei fiel ein Foto aus seiner Hosentasche auf den Boden.
„Wen schleppst du denn da mit dir herum?“ Margrit beugte sich neugierig zu ihm hinunter, um die Personen darauf zu erkennen.
„Dieses Foto hast du mir doch erst neulich geschenkt“, knurrte George, „weil ich mich über die Gesichter, die deine beiden Kleinen darauf machen, halb tot gelacht habe. Weißt du das nicht mehr?“
„Oh Gott, ja!“ Sie grinste. „Hatte ich glatt vergessen bei dieser ganzen Hektik, George!“
„Hektik!“, murrte er. „Du machst doch hier den ganzen Rabatz!“ Nachdem er Wasser nachgegossen, den Kühler zugeschraubt und die Haube wieder zugeworfen hatte, hob er das Foto wieder auf und ließ es in seiner Hosentasche verschwinden. „Aber diese Geschichte mit Danox ist doch Quatsch, oder?“ Er war wieder eingestiegen, hatte neben Margrit Platz genommen. „Du willst doch nur, dass ich unserem Trotzköpfchen hinterher hetze und dann ...“
„Nein, George, das ist die Wahrheit!“ Und dann klärte Margrit ihn über alles genau auf.
George wusste nun, dass er Gesine ausgesprochen vorsichtig hinterher fahren musste, wollten sie keinen Verdacht erregen. Eberhardt durfte die Wahrheit auch nicht erfahren. Der würde zwar Gesine das Stück gewaltsam abnehmen, sich jedoch nicht davon abhalten lassen, es später dem Skorpion zu übergeben, da er den sehr verehrte.
„Und du hast Danox schon besessen, als er noch ganz war?“, knurrte George, während er weiterfuhr.
Margrit nickte schuldbewusst.
„Misstrauisches Weibsstück!“, erklärte er, aber dann lachte er doch. „Na, vielleicht ist das ja auch gar keine so tolle Waffe, denn sonst wäre die nicht so leicht zu zerkleinern gewesen!“
„Hmm ... weiß man es?“, konterte Margrit skeptisch.
„Du musst immer das letzte Wort haben!“ Er grinste und der Frühlingswind warf ihm einige Strähnen seines dichten Haares in die Stirn.
Es war wirklich ein wunderbares Wetter. Der Himmel war herrlich blau, goldenes Licht lag überall auf hellgrünen Knospen. Vögel flatterten über den frisch aufgewühlten Äckern und einige pickten Körner auf. Erste zarte Pflänzchen zeigten sich, schön ordentlich in der Reihe, in schwarzer, krümeliger Erde.

Kapitel 9

„Du Tobi ... duhuuh?“
„Mann, sollst still sein Jule, sonst hören sie uns vielleicht doch!“
„Aber du ... aber duhuh?“
Tobias seufzte unter der dicken Decke. Er schwitzte mächtig, denn die schweren Kartoffelsäcke für die Saat, welche Eberhardt gerade vom Kirchheimer Hof für Bauer Nölke erhandelt hatte, lagen zum Teil auf den Decken, unter welchen sich Tobias und Julchen versteckt hatten, um endlich mal etwas Spannendes zu erleben.
Sie hatten zuvor mitgekriegt, dass Eberhardt meistens um dieselbe Zeit in die Nähe Zarakumas fuhr. Die Kinder hatten sich entschlossen, heimlich die Hajeps zu besuchen, weil die jetzt immer so nett zu den Menschen waren. Schließlich waren sie ja auch ein Junge und ein Mädchen wie die Erwachsenen, welche in letzter Zeit immer reich beschenkt heim kamen. Zwar war ihnen nicht so recht klar, was die Menschen in Zarakuma für diese Sachen gemacht hatten, aber es schien etwas Lustiges zu sein. Julchen und Tobias wussten schon genau, was sie aus Zarakuma haben wollten, da sie heimlich beim Fernsehen zugeschaut hatten, und Margrit würde später gewiss stolz auf sie sein und natürlich von den Geschenken auch etwas abkriegen.
Der Jambuto schüttelte Säcke und Kinder mächtig durch, während er die schmale Landstraße entlang holperte und nur durch eine kleine Lücke konnten Julchen und Tobias den herrlichen blauen Himmel über sich sehen.
„Aber mein Bein, Tobi, das Bein ... puuuh ... das piekt jetzt richtig doll!“, ächzte Julchen schon wieder.
Tobias seufzte abermals. „Na, weil es eingeschlafen ist, Jule und ...“
Gott sei Dank machte der alte Jambuto einen derartigen Lärm, dass man die Kinder und auch Munk nicht hören konnte, welchen die Kleinen ebenfalls unter den Decken verborgen hatten, eisern festhielten und der sich deswegen stetig lauter werdend beklagte.
„Eingeschlafen?“, schnaufte Julchen zurück. „Nein, ich bin nicht eingeschlafen, Tobi! Nein, das bin ich wirklich nicht!“
Da reichte es Munk. Zwar hatte er nichts gegen längere Ni-ckerchens einzuwenden, aber nun war es des Guten echt zuviel! Er wollte jetzt an die Luft! Blitzschnell und schlangengleich, dabei nach allen Seiten fauchend und mit den Pfoten wild um sich kratzend, machte sich der Kater aus Julchens Armen frei.
Vor Schreck hatte Julchen vergessen laut zu schreien, wie das eigentlich sonst immer ihre Art war, wenn der Kater sie gekratzt hatte. Aber genau das war ihr Glück. So fiel Gesines Blick nur auf Munk und nicht auf die Decken, die unter ihm gezuckt hatten.
„Da ist ja Munk!“, rief Gesine überrascht und hangelte ziemlich umständlich von ihrem Sitz aus nach dem Kater hinüber, der inzwischen, wenn auch etwas wackelig, zu ihr über Säcke und Kisten geklettert kam, sich dabei laut jammernd beschwerend.
Eberhardt warf auch einen kleinen Blick nach hinten und schüttelte den Kopf. „Muss vorhin im Jambuto eingedöst sein, das freche Tier. Ist ja auch zu verstehen bei dieser herrlichen Frühlingssonne!“ Er grinste, als er sah, wie Gesine den Kater auf ihren Schoß nahm, um ihn zu streicheln. Doch Munk maunzte trotzdem weiter. Wo blieb das Fresschen, das jetzt dringend dran war?
„Tja, Katerchen“, sagte Eberhardt. „Nun musst du halt noch ein bisschen warten, bis wir dich hinauslassen können, damit du dir ein paar Mäuschen fangen kannst!“ Denn er sah, dass sich der Kater immer wieder die Schnauze beleckte, während er wehklagte.
Still bei sich dachte Eberhardt an etwas anderes. Auch er musste so lange Geduld haben, bis Gesine ihren Munjafkurin entdeckt hatte. Günther Arendt verlangte, dass herausgefunden wurde, ob Gesine nicht doch noch ein Stück von Danox besaß, das sie Munjafkurin schenken wollte. Eberhardt hatte bei jeder Fahrt Gesine unterwegs eine kleine Droge in Tablettenform, hübsch wie ein Bonbon verpackt, angeboten, damit er das Mädchen aushorchen und ihre Sachen durchsuchen konnte. Doch weder hatte er etwas bei ihr gefunden noch hatte sie ihm irgendetwas über Danox erzählen können. Woran das lag, konnte er sich nicht erklären. Heute wollte er es deswegen anders machen. Er wollte sie bei klarem Verstand lassen, sie verfolgen und sehen, was sie dann tat.
Der Kanzler legte großen Wert darauf, dass alles möglichst ohne großes Aufsehen getan wurde. Eberhardt trug dennoch unter seiner weiten Jacke die neuesten Waffen. Die hatte er erst kürzlich für diesen Auftrag vom Skorpion überreicht bekommen, für den Fall, dass Munjafkurin Gesine verteidigte. Er wurde bei all diesen Gedanken ein bisschen rot, denn er war stolz, dass der Skorpion ausgerechnet ihn für diese wichtige Aufgabe ausgesucht hatte.

Kapitel 10

„Aber wir halten uns an die Abmachung.“ George lenkte den Jambo auf die ehemalige Hauptstraße, die Sonne blendete ihn dabei und darum machte er ganz kleine Augen.
„Ja, George“, versprach ihm Margrit noch einmal, „sobald Gesine ausgestiegen ist, halten wir sie auf und reden noch einmal mit ihr. Vielleicht können wir sie doch noch überzeugen, dass sie auf uns hört und wir keine Gewalt anwenden müssen. Aber wenn uns das nicht gelingen sollte“, Margrit seufzte traurig bei diesem Gedanken, „hältst du sie fest und ich klopfe ihre Kleidung ab und ich hole mir das Teil einfach wieder. Komisch, dass Eberhardt das noch nie gemacht hat! Na ja, vielleicht denkt Günther Arendt auch nicht, dass Gesine noch ein Stück von Danox bei sich haben könnte.“ Sie nagte an der Unterlippe. „Hauptsache, Danox bleibt in den Händen der Menschen!“
„Übrigens, unsere Funkgeräte dürfen wir jetzt nicht mehr benutzen!“
„Ich weiß, ist für Menschen nicht erlaubt, die Gebiete in der Nähe Zarakumas zu betreten und sie könnten uns wegen der Funkwellen entdecken.“
„Sehr richtig. Mann, ist Eberhardt heute aber schnell!“
Schon sahen sie, wie Eberhardt hinter einem der Hügel verschwand. Auf der rechten Seite war Nölkes Gehöft, aber er fuhr noch ein Stückchen weiter, ziemlich nahe an Zarakuma heran.
Obwohl sich Margrit innerlich dagegen sträubte, musste sie doch zugeben, dass ihr Herz merklich schneller zu schlagen begann. Kaum hatten sie den Hügel umkurvt, der mit dichtem, saf-tigem Gras und leuchtenden Butterblumen bewachsen war, eine braune und zwei schwarzweiß gescheckte Ziegen grasten darauf, entdeckten sie auch schon, schmal und rätselhaft wie ein dünnes, glitzerndes Band, umgeben von dichtem Grün, am Horizont die ersten schemen¬haften Umrisse des gewaltigen Zarakumas!
Sowohl Margrit als auch George hielten den Atem beinahe ehrfürchtig an, nur Eberhardt schien diesen Anblick gewohnt zu sein, denn er brauste in gleichmäßigem Tempo Zarakuma entgegen.

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„So“, sagte Eberhardt, als Gesine gerade mit Munk vom Tritt-brett des hohen Jambuto hinunter gesprungen war, „weiter kann ich dir nicht helfen. Du weißt ja, der Nölke wartet schon! Ich wünsch dir nur, dass du endlich Glück hast und mal einen Blick auf Munjafkurin werfen kannst!“ Er zwinkerte Gesine aufmun-ternd zu.
„Das hab ich heute ganz gewiss!“, konterte Gesine fast trotzig und kraulte den Kater dabei am Kinn. „Denn Budjaronan aus Munjafkurins Einheit hat mir den Grund verraten, weshalb Munjafkurin bisher nie Zarakuma verlassen durfte. Der war neulich mit Bakirwango in Streit geraten und die beiden hatten dabei ihre Waffen gezogen. Die Strafe dafür war so brutal, dass sich Munjafkurin und Bakirwango anschließend für eine Weile in einem Chanuraja in Jink ba Rina auskuriert mussten.“
Eberhardt lachte. „Ja, ja, die Strafen fallen bei den Hajeps selbst für kleine Sünden ziemlich drastisch aus!“
„Richtig, und zusätzlich wurden sowohl Bakirwango als auch Munjafkurin in andere Einheiten strafversetzt.“
„Echt ganz schön hart!“, ächzte er.
„Munjafkurin untersteht jetzt Tjufat Warabaku, der zu seinen Soldaten noch strenger als Gwengheleston sein soll. Aber heute ist endlich der Tag, an dem Munjafkurin einen Subaja machen darf ... ach, komm Munk!“ Gesine setzte den Kater vor sich auf den Boden. „Maunz hier nicht so herum! Wirst ja wohl noch für dein eigenes Fresschen sorgen können, so jung wie du geworden bist!“ Und sie gab dem Kater einen kleinen Schups.
Munk kam trotzdem wieder und strich bettelnd um Gesines Beine, denn es war viel einfacher, für ein bisschen maunzen Fresschen zu bekommen als es sich zu erjagen.
„Bist du dir wirklich sicher?“, erwiderte Eberhardt und rieb sich dabei das stoppelige Kinn. Vielleicht würde er endlich Gesine mit Danox in den Händen erwischen!
Diese nickte und schupste den Kater abermals von hinten. „Ja, das bin ich mir ... nein, Munk, ich habe wirklich kein Fressen dabei!“
„Na ja, ich muss jetzt jedenfalls los!“, sagte Eberhardt etwas kurzatmig. Und dann tat Eberhardt so, als würde er zurück brausen, fuhr aber in Wahrheit nur ein Stück bis hinter einen Hügel, so dass Gesine ihn nicht mehr sehen und auch wegen des feh-lenden Motorengeräusches keinen Verdacht schöpfen konnte. Dann kletterte er auf den Hügel und beobachtete Gesine hinter einem der riesigen Farne, die hier überall wuchsen, gut versteckt mit dem Fernrohr.
In dem Moment sprangen die Kinder von der Ladefläche seines Wagens, leider etwas ungeschickt, da Julchen ja das Bein eingeschlafen war. Kaum auf dem Boden angekommen schliff sie es hinter sich her und das führte nicht nur dazu, dass sie et-was langsam voran kam, sondern sie fabrizierte auch noch ein schurrendes Geräusch auf dem Kies, das Eberhardt natürlich sofort hörte.
„He, ihr Gören!“, rief er überrascht und schaute sich nach hinten um. „Was macht ihr denn plötzlich hier?“
Gott sei Dank konnte Julchen endlich das Bein schneller bewegen und sich von Tobias mitreißen lassen, der sie beim Arm gepackt hatte, um in den gewaltigen, blauen Farngewächsen zu verschwinden.
Eberhardt überlegte erst, ob er den Kindern hinterher und sich einen Weg durch diesen außerirdischen Farn bahnen sollte. Aber dann hatte er doch eine gewisse Scheu davor. Was war, wenn diese mehrere Meter langen, fransigen Blätter giftige Stoffe entwickelten, wenn man die mit nackter Haut berührte? Nein, da wollte er doch lieber diesen seltsamen, schmalen Weg, auf dem dicht bei dicht transparente, hellgrüne Kieselsteinchen lagen, entlang und Gesine hinterher schleichen, denn von oben hatte er gesehen, wohin die sich gewandt hatte. Sie war in Richtung der drei weiß geschuppten, palmenartigen Gewächse gegangen, die ihre gewaltigen Blätter mit den feuerroten Blüten zum Himmel ragen ließen. Er würde sie schnell eingeholt haben, und schließlich war der Auftrag wichtiger als diese frechen Gören, welche Margrit verbotenerweise bei den Maden untergebracht hatte. Sollte die sich doch anständig um die Kinder kümmern, war doch selbst Schuld, wenn denen jetzt etwas passierte!
Er schob, während er weiterging, die eigenartigen Kiesel quietschten dabei merkwürdig unter seinen Füßen, mit dem Gewehrlauf mehrere etwa handgroße, löffelartige Gebilde von seiner Schulter, welche ihm an biegsamen, schwarz-gelb gestreiften Zweigen vom Boden aus entgegen ragten und dann lief er weiter.

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George und Margrit hingegen blieben, kaum dass sie ihren Jambuto verlassen hatten, erst einmal wie verzaubert stehen und schauten sich nach allen Seiten um. Kakteenähnliche, fleischige Bäume, deren giftgrüne Stämme mindestens einen Meter Umfang hatten und aus denen sich von der Wurzel aufwärts den ganzen Baum entlang etwa fingerdicke, tentakelartige Stacheln wanden, wechselten sich ab mit üppig wucherndem Buschwerk, dessen kurze Zweige dicht bei dicht mit zarten, schneeweißen Blüten-bällchen bewachsen waren. Dazwischen standen buschige, gelbe Stauden mit breiten, gezackten Blättern und blaue, dürre Pflanzen mit meterlangen Halmen, die wie riesige Fächer dazwischen erschienen. Pilzartige, muffige und einen bis anderthalb Meter hohe, orangefarbene Gebilde standen ähnlich verkrüppelter, kleiner Säulen mitten in dieser fremdartigen Botanik und in manch einem Zweig der seltsamen Gewächse erklangen von Menschenohren noch nie gehörte Vogelstimmen. Das ganze Gebiet rings um Zarakuma war hügelauf und hügelab auf solch eine sonderbare Art und Weise bepflanzt.
Nur sehr schwer konnten die zwei ihre Augen von diesem ungewöhnlichen, aber auch herrlichen Anblick lösen, denn immer wieder gab es neue, verrückte Pflanzen zu entdecken. Aber sie mussten Gesine und auch Eberhardt verfolgen, den sie gerade hinter einer der transparenten, geleeartigen Pflanzen, welche strahlenförmig aus dem Boden wucherten, entdeckt hatten. Komisch, warum fuhr Eberhardt heute nicht zu Nölke? Er schien Gesine scharf zu beobachten, und er trug auch ein Gewehr! Was hatte er vor? Sie durften ihn auf keinen Fall aus den Augen verlieren!

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Julchen und Tobias konnten eigentlich schon immer Spaziergänge völlig unbeschwert genießen, darum diesen abenteuerli-chen natürlich umso mehr.
„Sieh mal, was da is´!“, jubelte Julchen dabei immer wieder. „Und da ... und auch dort und Tobi ... hier!“
Die Kinder hatten dabei ihren guten Vorsatz vergessen, leise zu sein, denn auch Tobias musste Julchen immer wieder auf das aufmerksam machen, was er seinerseits aufgespürt hatte. So liefen sie dann jedes Mal wieder zusammen, um diese oder jene Entdeckung gemeinsam zu bestaunen und sich darüber zu freuen.
Ihr Staunen wurde umso größer, als sie in den kleinen Tälern die von Auleps angelegten Tümpel und Quellen entdeckten. Es waren wunderschöne, von verschiedenfarbenen Moosarten überwucherte, lauschige Plätzchen, in die man sich hineinku-scheln und ausstrecken konnte.
Tobias und Julchen vergaßen dabei immer mehr, weshalb sie eigentlich hierher gekommen waren, denn in der Nähe der kristallklaren Quellen wimmelte es von ungewöhnlichem Getier. Herrlich bunte Insekten und funkelnde, winzige Echsen huschten an sonderbarem Gestein vorbei.
Als Julchen einer etwa katzengroßen Echse mit leuchtend rotem Kragen hinterher jagen wollte um sie zu fangen, hielt Tobias sie doch lieber zurück. „Lass die Jule, können scheißgiftig sein!“

Kapitel 11

„Bei Ubeka“, knurrte Chiunatra, „du scheinst dich hier wirklich gut auszukennen, Gulmur! Außerdem war es ein guter Gedanke, die Lais einfach auf den Rücken zu nehmen und zu tragen. Fliegende Lais machen ziemlichen Krach und schließlich haben wir alle genügend Kraft und schaffen das schon!“
Nun schaute Gulmur doch ein bisschen stolz zum lotekischen Oberhaupt hinüber. Chiunatra war ein großer, kampferprobter Kerl, und mit seinem hellblauen, leicht verfilzten Haarkamm und dem dicken, unordentlichen Haarknoten im Genick sah Chiunat-ra beinahe so verwegen aus wie ein Weltraumpirat. Selbst seine Uniform war schlicht und an manchen Stellen sogar zerrissen. Das schien niemanden der von ihm befehligten Loteken zu stö-ren. Im Gegenteil, drückte dieser lässige Kleidungsstil doch gerade jene Wildheit, jenen Durst nach Freiheit aus, den sie alle ver-spürten.
Es waren nur zwanzig Mann, die übrigen kamen von der anderen Seite her und sollten die eigentliche Arbeit ausführen, die hier durch diesen sonderbaren Dschungel hügelauf hügelab Richtung doska ygon schlichen. Aber diese zwanzig Mann wuss-ten genau, was sie hier wollten, nämlich in einer Stunde hinter der Mauer ein Ablenkungsmanöver starten, und das sollte so aussehen, als wären es Menschen gewesen. Sie hatten aus diesem Grund mehrere Sprengsätze in ihren Taschen, doch leider keine Roboter mehr, welche diese gefährliche Aufgabe an ihrer Stelle hätten erledigen können, denn schon lange wurden die Loteken mit technischen Dingen nicht mehr von den Hajeps unterstützt. Darum mussten sie auch mit den größeren Kampffliegern sparsam umgehen, die in einiger Entfernung darauf warteten, dass es bald knallen würde. Dann würden diese Soldaten Menschen, Trowes und auch Loteken befreien.
Niemand konnte die vorsichtigen Schleicher sehen, denn je-der von ihnen hatte seinen eigenen Blunaska, mit dessen Hilfe sie sich getarnt hatten. So konnte auch keiner bemerken, wie Chiunatra gerade hinschlug, denn er war über einen mittelgroßen, kniehohen, jedoch recht kräftigen Duftpilz gestolpert. Sofort stoben als dichte Wolke die orangefarbenen und mit kleinen, buschigen Schirmchen ausgerüsteten Sämlinge aus dem weißen, deckelförmigen Hut des Pilzes, fielen auf Chiunatras Gesicht und Hände und er musste schrecklich niesen.

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Indes standen George und Margrit auf einem der üppigen, von wilden Blumen und Büschen überwucherten Hügel. George blickte durch sein Fernrohr immer noch Eberhardt hinterher und schüttelte verärgert den Kopf, weil dieser stetig schneller wurde und bald Gesine eingeholt haben würde, die sich gerade gebückt hatte und irgendetwas im Boden vor sich zu suchen schien.
Während George und Margrit von fremdartigen Insekten umschwirrt wurden, die sie immer wieder wegwedeln mussten, fielen ihre Blicke ganz automatisch auf Zarakuma und das Fernrohr wanderte schließlich doch kurz von Hand zu Hand.
Mit pochendem Herzen bestaunten sie abwechselnd durch die Linse die schier endlos erscheinende, hoch technisierte Mauer, welche in dreifacher Ausführung das riesige Gebiet umfassen sollte. So hatten sie es jedenfalls aus den Berichten der Men-schen in Erinnerung, die in Zarakuma gewesen waren.
Das alles sah keineswegs gefährlich aus, auch waren diese Mauern nicht hässlich, zumindest nicht der äußere Teil, den man von hier aus bewundern durfte. Ganze Flächen mit besonders geformten Steinen wechselten sich ab mit Wänden aus silber-nem, goldenem und rötlichem Metall. Die Steine waren mit ei-nem Material überzogen, dessen Farbe sich mit der Sonneneinstrahlung und Jahreszeit verändern konnte, weswegen wohl auch die Hajeps Ygon, ihre Mauer, doska, was bunt oder schillernd heißt, genannt hatten.
Heute zeigte sich doska Ygon in einem lachsrosa Pastellton und die Zinnen befanden sich gerade in einem zarten grün. Die mit weißen, gemusterten Platten verkleideten, sechseckigen Wachtürme reckten sich stolz hinter doska Ygon zum blauen Himmel empor. Ihre türkisfarbenen Kuppeln sahen so aus, als wären gerade kleinere Raumtassen auf deren flachen Dächern gelandet, doch dem war nicht so. Turm und Kuppel schienen fest miteinander verbunden, jedoch bekam man den Eindruck, wenn man länger hinschaute, dass sich die Kuppeln im Uhrzeigersinn drehen konnten. Sämtliche Türme waren durch zierliche, schneeweiße Brücken miteinander verbunden, deren verschnörkelte Geländer von hier aus wie geschnitztes Elfenbein aussahen.
George und Margrit ahnten, dass das hajeptische Volk Maschinen haben musste, welche selbst komplizierteste Muster millimetergenau in sämtliche Materialien fräsen konnten. Wenn man den Erzählungen der Menschen Glauben schenkte, so hatten die Hajeps schon lange die Schwerkraft überwunden. So sollten die Bauten dieses verwöhnten Volkes dementsprechend tollkühn und niemals gleich konstruiert sein, denn die Gefahr, dass diese oft verrückten und komplizierten Gebäude einstürzen konnten, gab es infolge der künstlichen Antigravitationsfelder nicht mehr. Über ganz Zarakuma schien die süße Leichtigkeit des Luxus zu schweben, von dem Margrit und George meinten, dass dieser bis zu ihrem kleinen Berg herüberwehte.
Doch gerade als sich Margrit auf die Zehenspitzen stellte, da-mit ihr Auge, trunken von diesem sonderbaren Anblick, noch mehr von all dieser märchenhaften Pracht erhaschen konnte, weckten höchst vertraute Kinderstimmen aus der Ferne sie aus diesem Traum.
„Du lieber Himmel, George!“, krächzte sie erschrocken. „Könnte ich noch mal das Fernrohr haben?“
„Ja, klar, ich laufe schon mal den Hügel hinunter. Verdammt, wir haben viel zu viel Zeit durch unsere dämliche Neugierde verloren. So ein Mist! Ich muss sofort mit Eberhardt sprechen, sonst vermasselt der uns alles!“
„Gut, geh du mal schon vor!“, keuchte sie aufgeregt, während sie durch die Linse guckte. Tatsächlich, da sah Margrit ihre Kleinen gerade einen der Hügel hinaufkommen, jedenfalls Tobias! Der half wohl seiner Schwester nach oben, indem er sie am Arm zog. Margrit sah ihn nur zum Teil hinter einem rosettenähnlichen Gebilde hervorlugen, das aus mehreren fleischigen, rotbraunen Blättern bestand, die geformt waren wie Rückenlehnen von Sesseln.
„Oh Goott!“, ächzte sie. „George, ich kann dich nicht begleiten! Hier sind meine Kinder! Verdammt, wo kommen die denn plötzlich her? In letzter Zeit sind sie immer so ungezogen!“ Sie knirschte mit den Zähnen, senkte das Fernglas und dann wandte sie sich um, weil sie in die entgegen gesetzte Richtung laufen musste.
„Na gut!“, rief er ihr noch schnell zu. „Ich werde Eberhardt fix eingeholt haben! Zur Not habe ich ja ihn, um Gesine am Wei-terlaufen zu hindern. Hole deine Kinder wieder her! Und nimm es ihnen nicht übel, ich war in diesem Alter auch so! Ist eben die Lust am Abenteuer!“
„Aberteuerlust!“ Margrit schüttelte verärgert den Kopf. Das alles war doch hochgefährlich! Nein, sie war stocksauer auf die frechen Gören! „Willst du das Fernglas wieder haben?“, fragte sie noch schnell, während sie den Wall hinab zum Weg rannte.
„Nein, ich habe Eberhardt auch so im Auge, den verliere ich so leicht nicht!“ Auch er schritt zügig aus. Eine Reihe merkwürdig geformter Bäume, deren Stämme sahen so aus wie riesige, mit weißem Mehl bestäubte Tannenzapfen, säumte dabei seinen Weg.

Kapitel 12

Gesine fuhr zusammen, gerade flog ein rosafarbener, nackter Vogel, er hatte lediglich an den Schwingen und am Bürzel lange, kaminrote Federn, erschrocken auf, dabei ein komisches Kreischen von sich gebend. Was hatte das Tier so erschreckt? Sie musste die Ursache herausfinden. Schade, denn eben hatten ihre Finger die fest verschnürte Tüte mit dem Stück von Danox im weichen Moos erfühlt, denn genau unter diesem eigenartigen Busch, welcher keine grünen Blätter besaß, jedoch mit kleinen, blauen Blüten wie überschüttet war, hatte sie damals Danox vergraben.
Wie gut, dass sie schon bei der ersten gemeinschaftlichen Fahrt Richtung Zarakuma misstrauisch gewesen war. Da ihre Jacke Schulterpolster besaß, hatte sie zuvor aus einem der Polster die Watte herausgetrennt und stattdessen das Teil von Danox dort eingenäht. Auch den von Eberhardt angebotenen Bonbon hatte sie als ehemaliges Straßenkind sofort als Droge erkannt, sich diesen nur in die Backe gesteckt und die Schlafende markiert.
Doch jetzt schien er ihr auf die Schliche gekommen zu sein, denn soeben hatte sie ihn, zwar immer noch mehrere Meter hinter ihr, an dem mannshohen Zebraschilfgras vorbei schleichen sehen, in dem der Vogel sein Gelege zu haben schien, denn der war in der Nähe von Eberhardt geblieben und beobachtete ihn, immer noch aufgeregt vor sich hin keckernd, bei jedem Schritt.
Gesine wühlte nun doch die Tüte frei und nahm die mitsamt Danox in die Hand, denn noch hatte Eberhardt sie wohl nicht gesehen, weil sie am Boden kauerte und hinter den vielen Pflan-zen verschwunden war. Sie nahm Danox aus der Tüte, wickelte das Stück in ein Taschentuch, knautschte das drum herum so zurecht, dass es ziemlich unappetitlich aussah, wie etwas arg Vollgeschnäuztes, packte alles zusammen wieder in die Tüte zurück und dann in ihre Jackentasche. Danach lief sie einfach weiter.

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Margrit hastete währenddessen mit zornrotem Kopf, wilde Flüche vor sich hin brummelnd, die schmalen Pfade mit den sonderbaren Kieseln entlang. Wie das ekelhaft unter ihren Füßen quietschte! Vielleicht war es besser, wenn sie sich einfach einen Weg durch diese riesengroßen Farne bahnte! Sie blieb kurz ste-hen, schaute empor – mächtige Pflanzen!
Ein Windhauch spielte dabei zart mit Margrits sonnenerwärmtem Haar, trug ihr den süßlichen Duft frischer Blüten zu. Sie schnupperte - oh, duftete das gut! Dann aber schob sie entschlossen die prächtigen, breiten Blätter – es raschelte dabei ziemlich komisch - des gelben Farns zur Seite und sich an diesem vorbei. Immer weiter lief sie zwischen den prächtigen Stauden und blinzelte dabei unablässig in die Ferne. Diese dicken, braunen Fleischpflanzen waren doch weiter entfernt als sie ge-dacht hatte.
Konnte sie einfach laut rufen: ‚Julchen, Tobias, wo seid ihr?’, Sie wagte es nicht, denn diese herrlichen Gebiete rings um Zarakuma waren allein zur Erholung des hajeptischen Volkes gedacht und irgendwelche holografische Schilder sollten eigentlich darauf hinweisen. Aber wie das eben so manchmal mit der verflixten Technik ist, gerade heute war davon nichts zu sehen.
Wieder nahm Margrit das Fernrohr zur Hand. Dort weit vorne gab es zwar eine richtige Kolonie dieser braunen, wulstigen Gewächse, aber weit und breit nichts mehr von einem kleinen Ärm-chen oder Bein zu entdecken. Sie horchte in die Stille hinein. Nicht einmal Georges Schritte über den quietschenden Kies konnte sie jetzt hören! Und von Eberhardt und Gesine drang schon lange nichts mehr bis zu ihren Ohren vor, wurde wohl erstickt von all der Pflanzenpracht. Dafür vernahm sie aber jede Menge Vogelstimmen.
Was war passiert? Wo waren die Kleinen so plötzlich hin? Sie war voller Sorge und Verzweiflung und auch der reinste Wüterich! Weiter lief sie, diesmal an fächerartigen, roten und blauen Stauden vorbei. Der schwere Blütenduft wurde dabei immer intensiver, betäubte sie fast, aber schließlich befand sie sich inmitten jener Kolonie der dicken, braunen, rosettenartigen Gebilde. Aber nein, da war kein Blondschopf, kein struwweliges Jungenhaar zwischen all den wulstigen Blättern zu entdecken und auch kein kindliches Flüstern mehr zu hören.
Dafür entdeckte sie aber den Urheber des betörenden Blütenduftes. Die braunen Stauden sahen zwar aus wie riesige, klobige Rosen am Erdboden, doch in deren Mitte prangten in einem zarten Beige trichterförmige, etwa unterarmlange Blütenkelche.
Margrit taumelte, denn sie war an derart intensive Düfte nicht gewöhnt, an einem dieser Gewächse mit Mühe vorbei, stieß dabei versehentlich mal gegen diese und jene Blüte, ohne das richtig zu bemerken. Sie war nur froh, wenn sie endlich von hier weg kam, denn von den Kindern war hier ohnehin nichts zu sehen! Die waren gewiss längst viel weiter! Da flatterte plötzlich leise fiepend aus einem der zarten Kelche etwas insektenartiges, knallrotes Margrit hinterher. Es hatte etwa die Größe einer Feldmaus und war ein geschickter Flieger, denn es konnte mitten im Flug inne halten und für einige Sekunden schwebend hinter Margrit verharren. Verdutzt drehte Margrit sich danach um, denn sie hatte nicht nur das merkwürdige Fiepen sondern auch das Flattergeräusch herannahen gehört.
„He, wer bist denn du?“, wisperte sie erschrocken. Ein Kloß saß ihr plötzlich im Hals, denn es war ein winziger, feuerroter Saurier. War das Viech giftig, welches sie mit seinen etwa stecknadelkopfgroßen und jadegrünen Augen ebenso verwirrt zu mus-tern schien, die zierlichen, lederartigen Schwingen dabei auf und nieder schlagend. Lästigerweise sauste der seltsame Winzsaurier plötzlich immer rund herum um Margrits Kopf. Sie versuchte zunächst, den kleinen Saurier wegzuwedeln, schlug schließlich nach dem Vieh, traf es aber nicht und so fuhr es mit seinen eifrigen Umkreisungen fort, inzwischen seltsame, schnarrende Töne von sich gebend. Hielt es sie etwa für eine Blume oder was? Warum flog es nicht endlich fort?
Margrit war plötzlich danach, entnervt loszuheulen, doch dann lief sie einfach weiter, dabei immer wieder in die Luft schlagend, aber der Saurier ließ sich nicht abschütteln. Margrit passte nun höllisch auf, nicht schon wieder einen der Kelche beim Vorübergehen zu berühren, falls noch mehr von diesen Viechern da drin saßen.
War es besser, sich jetzt doch Zarakuma zu nähern, weil da noch George, Eberhardt und Gesine um Danox verhandelten?
Plötzlich meinte Margrit, aufgeregte Stimmen in der Nähe doska Ygons zu hören und dann ein seltsames Knattern und Zischeln. Ihr Herz krampfte sich zusammen. Verdammt, wurde da vorne etwa geschossen? Das hörte sich ja verdächtig nach mehreren außerirdischen Gewehrsalven an. Was war dort passiert?

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Singoawin hatte jetzt so richtig die Nase voll. Denn, bei Ubeka, es war jetzt schon das zehnte Mal, dass er alleine die Überwachungssysteme auf dieser Seite Doska Ygons zu kontrollieren hatte, nur weil die anderen sich bei dem schönen Wetter einen guten Tag machen wollten. Xorr, alle durften jetzt Pause haben, nur er wieder mal nicht! Dann nahm er eben diese Arbeit auch nicht mehr so ernst.
Ganz unschuldig war er an diesem Schicksal nicht. Er hatte nämlich wieder Mal mit seinen Kameraden gewettet, was von Pasua streng verboten worden war und – xorr - dabei verloren, und darum war er schon wieder mit dieser grässlichen Kontrolle der blödsinnigen Apparaturen dran. Er hasste Bildschirme, Roboter und Holografien inzwischen!
Nanu? Xorr, da hatte er ja schon wieder dieses verrückte Lumantimädchen im Monitor! Bei sämtlichen Göttern des Alls, konnte die denn nie Ruhe geben? Wirklich sehr stur! Ständig wollte die ´nur einen Blick´ auf ihren Munjafkurin werfen! Seine Kameraden hatten ihm geraten, bei dieser Lumanti eine Aus-nahme zu machen, denn sie mochten Munjafkurin sehr, und keinen Alarm zu geben. Heute hatte Munjafkurin Ausgang. Bei Anthsorr, wer wusste schon, was die dann ´mit einen Blick werfen´ meinte!
Singoawins rechtes Auge zuckte bei diesem Gedanken ziem-lich nervös. Diese Lumanti musste doch wissen, dass es ziemlich harte Strafen gab, wenn mehr als nur Blicke riskiert wurden! Das wollte er auf keinen Fall durchgehen lassen. Er würde Meldung machen, damit die beiden auf frischer Tat erwischt wurden. Bei allen Göttern, dann wurde er wohl auch abgelöst, kam auf diese Weise endlich an die frische Luft! Hach, schien die Sonne dort draußen schön!

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George zitterte am ganzen Körper. Verdammt, wie konnte das nur geschehen? Vor ein paar Minuten hatte er Gesine in der Ferne verzweifelt schreien gehört, dann Eberhardts energische Stimme und schließlich Kampfgeräusche, wobei allerdings keine Waffen gezogen worden waren. George hatte sich beeilt, die beiden Gue¬rillas zu erreichen, um ihren Streit zu schlichten.
Bald hatte er die Stätte ihres Kampfes erreicht, denn dort war sämtliches Gras und Moos niedergetreten und die Blätter der riesigen Farne geknickt, doch nach den beiden Streithähnen hatte er erst einmal weiter suchen müssen. Und dann kam dieser Schock, denn er wäre dabei beinahe über Eberhardt gestolpert, der völlig vertrocknet und kohlschwarz am ganzen Körper, wie eine Mumie in halb verwesten Lumpen, mitten im Wege lag.
Oh Gott, George hielt diesen Anblick jetzt einfach nicht aus. Er war in die Hocke gegangen, weil es ihn plötzlich im Hals würgte. Aber er musste doch wieder darauf gucken, denn er konnte sich ja auch geirrt und diesen Mann nur für Eberhardt gehalten haben. Auch wenn es im Bauch rumpelte, starrte er abermals in dieses Gesicht, was nach innen eingezogen und so verhutzelt wie eine uralte Kartoffel war. Ja, es war wirklich Eberhardt! Auch wenn diese Tatsache George einfach nicht ge-fallen wollte, denn dessen typische Gesichtszüge waren leider in diesem unwirklich erscheinenden Antlitz doch ziemlich deutlich erkennbar.
George musste heulen, als er Eberhardt die Waffen, das Fernrohr und andere wichtige Dinge abnahm, auf welche wohl die Außerirdischen, die ihn umgebracht hatten, keinen Wert gelegt hatten.
Ach, allzu viel hatte George mit Eberhardt an Abenteuern erlebt, um dabei gelassen zu bleiben. Außerdem hatte er diesen komischen Kauz richtig gerne gehabt. Das Teil von Danox hatte Eberhardt nicht dabei. Befand es sich inzwischen schon in hajeptischer Hand oder waren das Loteken oder gar Jisken gewesen? Wo war Gesine? Hatte man die ebenfalls getötet? Er holte eines seiner parfümierten Taschentücher hervor, um sich die Nase zu schnäuzen, als er plötzlich Kinderlärm in der Nähe hörte.


Fortsetzung folgt:
 
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Kommentare  

Marco hat schon alles gesagt. Und wann geht`s hier weiter?

Evi Apfel (06.08.2019)

Also noch einmal, ich habe mich gleich auf dieses Kapitel gestürzt. Es war wieder sehr spannend. Toll, dass du auch noch beim 6. Band das Tempo und deinen typischen lebendigen Schreibstil so gut durchhältst. Es wird nie langweilig. Ganz im Gegenteil, man hat eher das Gefühl, als würde die ganze Sache von Band zu Band spannender. Wie machst du das nur?

Marco Polo (25.07.2019)

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