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6 Seiten

Wie ein Haderlump Weihnachten die Erde rettete 1.3

Trauriges · Kurzgeschichten · Winter/Weihnachten/Silvester
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

ich, Pater Pauli, habe lange mit mir gerungen um für mich die Frage klären zu können, ob ich die folgende Geschichte hier überhaupt einmal in der Vorweihnachtszeit zum Besten geben kann. ........Ich bitte um Verständnis, irgendwie hat man ja immer Angst, dass man sich mit solchen Geschichten lächerlich machen könnte. Vor allem, wenn diese noch einige Elemente aufweist, die man gerade mir, einem weniger wichtigen Vertreter des Herrn, als versteckte Insultation gegenüber den eigenen Glaubensdogmen ankreiden könnte. ....Die Geschichte ist die Niederschrift eines Albtraumes, den ich einmal hatte. .......Gut ich gebe zu, ich hatte damals vorher etwas zu viel Messwein getrunken und war schon früh am Abend in meinem Ohrensessel, den aktuellen Perry Rhodan Groschenroman noch in der Hand, am offenen Kamin, gewärmt von rot glühend knisternden Holzscheiten, zunächst selig eingeschlafen.

....Irgendwann war es dann so weit. …....Ich befand mich plötzlich in einem Zustand, bei dem mir selbst nicht mehr ganz klar war, ob ich nun im Schlaf träume oder ob das alles Realität war, was mir plötzlich durch meinen Kopf ging. ....Irgendwie hatte ich das Gefühl eine Reise zu den Sternen zu erleben. .......Doch bevor es in die unermesslichen Weiten des Universums hinausging, musste erst noch eine Episode auf unserer Erde von mir im Traum bewältigt werden.

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Traum Kapitel 1
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Ein leichter Nieselregen fiel am späten Abend eines kalten Dezembertages.

Gemischt mit Eiswind fuhr er als Kältestoß in die Glieder von Martin Haderlump und sorgte bei diesem für nicht gerade vorweihnachtliche Freude. Schutz suchend hatte sich Martin in einen Hauseingang gestellt, den Kopf verlaust und nass, um ein wenig Schutz vor der Witterung zu suchen.

„Was suche ich eigentlich hier?....,.....wäre ich mal im Knast geblieben", fragte er sich zum X-ten Mal, und beobachtete aus verquollen und entzündeten Augen, wie eine elegant gekleidete Mutter, mit Geschenken unter dem Arm, ihn sehend und erbleichend, ihr Kind fest im Griff haltend, an ihm ängstlich vorüber eilte.

„Ich bin ein Ausgestoßener", dachte er laut vor sich dahin brummelnd, „und die Frau hat nur Angst, dass ich sie anquatsche und um einen Euro bitte.“

Martin zog mit zittriger blau geschwollener Hand einen Flachmann aus dem völlig verdreckten Hermann-Löns Mantel, um
einen Schluck zu trinken.
„Vielleicht hilft das, damit die Hand wieder ruhig wird", sinnierte er, während er die letzten Reste des billigen Fusels seine ewig durstige Kehle in Richtung geschrumpfte Leber hinunterspülte. .......Leergetrunken, hatte die Flasche für ihn keine Bedeutung mehr und so wollte er diese schon im hohen Bogen in den feinen Vorgarten von nebenan werfen, als er 100 Meter weiter eine Mülltonne erblickte.

„Ein letztes bisschen Ehre ist mir geblieben", dachte er trotzig und entschloss sich den leeren Flachmann dort
ordnungsgemäß zu entsorgen. Obwohl alles in ihm, nach drei Tagen des Hungerns, danach schrie, sich an Ort und
Stelle hinzulegen und vielleicht für immer einzuschlafen, raffte ihn eine weitere Hoffnung auf, in Richtung Mülltonne
zu schwanken. .......Es war nämlich bereits dunkel und somit die beste Gelegenheit, wunderbar ungestört zu containern, was nichts anderes bedeutete als das man die Mülltonne nach etwas essbarem durchsucht, ohne sich von angeekelten Passanten dabei anglotzen lassen zu müssen, wenn man hastig, verschimmeltes Brot aus dem Abfall fischte.

Mit diesen Gedanken, löste er sich aus dem Schutz des Hauseingangs und ging langsamen und schleifenden Schrittes,
die Mülltonne anvisierend, los.

Menschen der selbstverliehenden Marke "Homo Superior", kamen auf dem Bürgersteig auf ihn zu, wichen vor ihm nach links und rechts weit aus, als hätte er die Pest im Körper. Er kannte dieses Spießrutenlaufen nur zu genau und hatte sich im Gegensatz zu vielen anderen, die auf der Straße lebten, auch nach 5 Jahren noch nicht ganz daran gewöhnt, wie menschlicher Aussatz behandelt zu werden. Irgendwie hatte er sogar Verständnis für die Gaffer entwickelt. Er war früher nicht anders gewesen. ......Damals, als es ihm noch besser ging. Damals, als er den Sinn des Spruches noch nicht verstand:„Der Weg nach oben ist steinig und nur wenigen vergönnt, der Weg nach unten steht jedoch allen jederzeit offen und das zu jeder Tageszeit.“

Mit schlurfenden Schritten, schwer atmend, das rechte halb lahme Bein hinter sich herziehend, hatte er die potenzielle
Nahrungsquelle schon so weit erreicht, dass er gerade den Mülltonnendeckel aufmachen wollte, als er aus den Tiefen der Mülltonne ein leises klägliches Wimmern vernahm.

„Verdammt, das hört sich nach Ärger an", dachte er augenblicklich und eine innere Stimme rief ihm zu, einfach an der Tonne vorbeizugehen, als hätte er nichts gehört, wohl wissend, dass ein mit Haftbefehl polizeilich gesuchter Clochard, sich besser unauffällig klein macht.
Da er auf innere Stimmen noch nie etwas gegeben hatte und es ja auch nur eine Katze sein konnte, die in dem Behälter eingesperrt war und in die Freiheit wollte, öffnete er vorsichtig und auch mit aufkeimender Neugier den Metalldeckel.
Im Innern lag ein großer blauer Müllsack, halb unter Unrat und schimmelig stinkendem Abfall begraben.

Etwas im Müllsack bewegte sich zaghaft und leise klagend.

Durch Haderlumps ausgemergelten Hungerkörper ging ein Zittern, als er erkannte, was er da vor sich hatte.
„Das ist ein Mensch", schoss es ihm durch den Kopf, „was macht ein Mensch in einer Mülltonne?"

Martin fingerte sein Taschenmesser, das er letzthin im Supermarkt geklaut hatte, aus dem Mantelrest, den er trug,
klappte es auf und schnitt, vorsichtig wie ein Chirurg und soweit dies mit zittrigen Alki-Fingern möglich war, den
Müllsack auf.

Augenblicklich kam ein kleines nacktes und vor Kälte blau angelaufen zitterndes neugeborenes Kind zum Vorschein. Der
Säugling, offensichtlich ein Junge, schien nicht mehr viel Zeit zum Leben zu haben. Er sah schwer mitgenommen
aus, hustete kleine Blutstropfen und schaute Haderlump mit seinen kleinen runden verweinten Äuglein flehend, nach
Hilfe suchend, an.

Haderlump zögerte nicht lange, zog seinen Mantel aus, packte das schlecht abgenabelte Kind, hob es aus der Mülltonne
und wickelte es in seinen Mantel ein.

„Der Kleine muss ins Krankenhaus bevor es zu spät ist", schoss es ihm durch den Kopf. Haderlump wusste wo ein
Krankenhaus war, da er dort des Öfteren verbeult zwangsweise aufgewacht war.
Gleich um die Ecke, ca. 800 Meter entfernt.

Eine nie gekannte Kraft durchströmte Martin und wie ein Automat setzten sich seine Beine immer schneller werdend in
Bewegung, dass nun krampfhaft nach Luft röchelnde Kind im Mantel fest an sich gepresst, nur von einem Gedanken beseelt, es rechtzeitig ins Spital zu bringen.

Der Lauf verlangte Haderlump die letzten Kraftreserven ab.

Hechelnd, selbst nach Luft ringend, erreichte er mit rasendem Puls die Notaufnahme des Krankenhauses und schaffte
es gerade noch den Säugling einer Notärztin mit den Worten in die Hand zu drücken:„Schnell ....Hilfe.....Kind, braucht......Hilfe......in Mülltonne gefunden.“

Danach brach Martin Haderlump zusammen und starb.

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Traum Kapitel 2
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10.000 Lichtjahre von Haderlump, oder von dem, was von ihm auf Terra noch übrig war, entfernt.

Der oberste Hüter der Wahrheit, Pan Lumière, Sprecher und Vorsitzender der vereinigten Sternenreiche, hatte sich nun zum 10ten Mal das Live-Video des Spionagesatelliten über den Fall "Haderlump" vorführen lassen. Die Aufzeichnungen eines der 1.000.000.000 unsichtbaren Mikrosatelliten, die auf der Erde zur Langzeitüberwachung der Evolution der Erdbevölkerung, seit Jahrtausenden stationiert worden waren.

Er stand vor der schwersten Entscheidung seines bisher 500jährigen Lebens.

Nachdenklich fuhr er sich mit der Hand über seinen kahlen Kopf und lies seinen Blick über die 20 Gesichter des Ältestenrates schweifen. Zwanzig erwartungsvoll ihn ansehende Gesichter, die von ihm eine Entscheidung erwarteten.

Da die letzte Abstimmung über das Schicksal der Terraner im Verhältnis 10:10 ausgegangen war, musste er traditionsgemäß als 21zigstes Mitglied und Vorsitzender des Ältestenrates die Entscheidung fällen, ob das Zuchtexperiment Terra weiterleben durfte oder durch den Einschlag des Asteroiden 1997 XF11 vernichtet werden sollte.

„Ich gebe zu", sagte Pan Lumière, sich an alle wendend, „es gibt nicht viel, was für die Existenzberechtigung des Homo Sapiens spricht. ........Nachdem wir vor 500.000 Erdjahren die ersten gezüchteten und Umwelt angepassten Kreaturen auf Terra ausgesetzt haben, hat sich die gesamte Menschheit zu einem wahren Krebsgeschwür der terrestrischen Natur entwickelt. Bei dem Versuch eine Kultur zu schaffen, die friedfertig und wissensdurstig ist, ist am Ende nur der
Wissensdurst übrig geblieben, der von den Terranern nur dazu verwendet wird, sich Vorteile gegenüber anderen Terranern zu verschaffen. Die Entstehungsmöglichkeit von nachhaltigem Sozialverhalten, wird staatlich in sämtlichen Erdenländern seit Jahrhunderten durch aktives Tun oder Unterlassen u. a. staatlicher Stellen verhindert. Die Ellenbogengesellschaft ist die einzige "Staatsform", die über Jahrtausende die Menschheitsgeschichte, mit ständig wechselnden Namen, treu begleitet hat. Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf gewesen und wird es auch in Zukunft wahrscheinlich sein. Die Entwicklung eines sozialen Gewissen ist bei 80 % der Erdbevölkerung auch nach tausenden von Jahren der Beobachtung und Evolution nicht festzustellen. Selbst die Entsendung eines "Erlösers" vor über 2.000 Erdjahren hat nur kurzfristig positive Aspekte gebracht. ....... Ebenfalls ist der Versuch “Area 51“ fehlgeschlagen, da unsere damaligen Kosmo-Sozio-Psychologen von den Terranern abgeschossen wurden, bevor diese erstmals tätig werden konnten.

Festzustellen ist, dass im letzten Beobachtungszeitraum eine klare Tendenz zur Dekadenz und egoistischen Gewalttätigkeit festgestellt werden kann. Ganz zu schweigen von der fast schon planmäßigen Vernichtung der eigenen Biosphäre durch nicht mehr umkehrbare Umweltverbrechen der Erdbewohner selber.
Hieraus folgt: Die Menschheit kann nicht in den Kreis der galaktischen Gemeinschaft aufgenommen werden, da sie zu
primitiv ist!
Diese Feststellung müsste mich eigentlich dazu veranlassen, den Befehl zur sofortigen Vernichtung der Erdbevölkerung
durch den Asteroiden 1997 XF11 zu geben, da die Terraner eine Bedrohung für alle Populationen der vereinigten
Sternenreiche darstellen. ......Ich entscheide hiermit jedoch, dass wir ihnen noch bis zum 26.10.2028 terranischer
Zeitrechnung Zeit lassen, weil ich andererseits überrascht gewesen bin, wie dieser Erdling namens "Martin Haderlump" instinktiv positiv reagiert hat. ....Es ist ungerecht 20 % der Menschheit unter der Unfähigkeit der anderen 80 % leiden zu lassen und diese mitzubestrafen. .....Geben wir Ihnen somit noch einmal eine letzte Chance!"

Und so kam es, dass ein Mensch, den wir "Penner" nennen, die Erde vorläufig rettete, ohne es je erfahren zu haben.

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EPILOG
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Am 26.10.2028 wird der ca. 2 km große Apollo-Asteroid 1997 XF 11 mit einer Geschwindigkeit von 27.000 km/h in der Nähe der Erde sein. Mögliche Aufschlagsenergie 2.000.000 Hiroshima-Atombomben, was mit der Wirkung von 320.000.000 Tonnen Dynamit vergleichbar ist. Der theoretisch im Vorfeld berechnete Einschlagskrater hätte einen Durchmesser von mindestens 32 km.

Ob der Asteroid auf der Erde einschlägt ist bis heute unklar.

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Kommentare  

Eine wunderbar anrührende Weihnachtsgeschichte, die nicht nur zum Schmunzeln, auch zum
Nachdenken verführt. Ein toller lockerer Schreibstil. Sehr gelungen. War eine Freude für mich das zu lesen.


axel (11.12.2019)

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