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4 Seiten

PATER PAULI MYSTERY 55.3 ** DIE OMEGA AKTEN

Schauriges · Kurzgeschichten
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Saeculum obscurum * Pornokratie ** Die Leichensynode
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Nichts ist gruseliger als die Wirklichkeit!

Kein noch so fantasiebegabter Buchautor kann schaurigeres erfinden als es die Wirklichkeit uns vorlebt.

Es gibt einen historischen Zeitraum (ca. 872 bis ca. 1046 n.Chr.) innerhalb der Kirchengeschichte, welchen man "Dunkles Jahrhundert", Saeculum obscurum aber auch Pornokratie nennt.
Dieser Begriff Saeculum obscurum soll angeblich auf den Oratorianerkardinal Caesar Baronius (1538 bis 1607 n.Chr.) zurückgehen.

In dieser Zeit, welche von Intrigen, Brutalität, Mord und Totschlag erfüllt war, kam es zu einem fast beispiellosen moralischen Niedergang des Papsttums. Die Sitte und Moral, welche landesweit von den Kanzeln permanent salbungsvoll und wortreich gepredigt wurde, wurde von den obersten Würdenträgern mit den Füßen getreten.

Sie predigten dem Volk das Wasser und tranken selber Wein. Und den hektoliterweise!

Oft wusste man gar nicht mehr, ob nun der jeweils amtierende Papst einen Erlass verfügt hatte, oder dieser diesem durch eine seiner Mätressen (hier sei u.a. auf den Ideenreichtum
der römischen Senatorin Marozia (930 n.Chr. Senatrix Romanorum) hingewiesen) vorher diktiert worden war. Von einem der damaligen Päpste wurde sogar berichtet, dass dieser von einem eifersüchtigen Ehemann in flagranti erwischt und zeitnah von diesem an Ort und Stelle erschlagen wurde.

Bei solchen Geschichten muss man natürlich immer vorsichtig sein, da heute nach Jahrhunderten der Überlieferung nicht mehr genau festzustellen ist, wie hoch hier der Wahrheitsgehalt ist. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass in so einem Milieu, wo Ehebruch, Mord, Totschlag, Folter, Intrigen, Lug und Betrug, Inzest und Korruption an der Tagesordnung waren, es diesbezüglich "ordentlich zur Sache ging".

Begonnen hat damals alles wahrscheinlich mit der Ermordung (Hammermord) des Papstes Johannes VIII (852 bis 16.12.882 n.Chr.). Dieser "römische Junge", sofern er einer war, wurde am 14.12.872 zum Papst gewählt, was damals nicht allen gefiel.
Da zu jener Zeit weniger diskutiert als mehr gehandelt wurde, verstarben Würdenträger häufiger "plötzlich und unerwartet", wenn Widersacher diese ideenreich "bei Seite räumten".

Zum Ende des neunten Jahrhunderts prügelten sich teilweise im wahrsten Sinne des Wortes italienische Adelige (u.a Tuskulaner) um das Privileg Papst werden zu dürfen. Dies war nicht verwunderlich, da eine Ernennung gleichzeitig ein Freibrief zur persönlichen Bereicherung war und auch zur Erlangung größerer Macht.
Simonie war an der Tagesordnung.
Die Päpste, welche zwangsweise nur ihres Amtes enthoben wurden hatten vielleicht noch Glück, da diese sich manchmal ins Exil flüchten konnten. Die anderen wurden eingekerkert oder getötet. In der Wahl der Mittel war man nicht zimperlich.
Aufgrund einer nicht vorhandenen qualifizierten Gerichtsmedizin blieb so mancher Mord unerkannt und ungesühnt. Hinzu kam, dass Korruption weit verbreitet war und man sich für Geld oder andere Gefälligkeiten praktisch damals alles kaufen konnte.
Gefälschte Zeugenaussagen konnte man, da das soziale Elend im Volke groß war, an jeder Straßenecke günstig bekommen. Um so mehr Geld der Zeuge bekam, um so genauer konnte sich dieser wunschgemäß erinnern. Ein gewünschtes Richter-/ oder Kommissionsurteil war da schon etwas teurer, aber durchaus für die adeligen Widersacher jederzeit erschwinglich. Einen unbestechlichen Charakter zu haben und diesen auch zu zeigen war bisweilen für den Standhaften lebensgefährlich. Da war es doch gesünder, wenn man sich als Richter das fertige gewünschte Urteil schon einmal genau einprägte, bevor das Gerichtsverfahren überhaupt eröffnet wurde.

Die goldene Regel der Rechtsprechung im Zeitalter der Saeculum obscurum lautete:

- Recht hatte, wer die Macht hatte das Recht, oder das was man dafür hielt, durchzusetzen.
- Wer ausreichend Geld und Reichtum hatte, der hatte in der Regel auch die Macht.
- Und wer die Macht hatte, der hatte das Recht.

Eine Version der Todesursache von Johannes VIII war, dass dessen liebevolle buckelige Verwandtschaft zunächst einen Giftanschlag auf diesen verübte, welcher aber, da dieser über einen belastbaren Metabolismus verfügte, welcher eines Rasputin würdig gewesen wäre, schiefging.
Ersatzweise war die liebe Verwandtschaft dann überein gekommen diesen sicherheitshalber doch besser gleich mit einem Hammer zu erschlagen. Andere historische Quellen berichten aber alternativ auch, dass Johannes VIII im Kampf gegen die Sarazenen zu Tode kam, was aus damaliger Sicht ein ehren vollerer Tod gewesen wäre. Bis in die heutige Zeit hält sich zudem das Gerücht, dass dieser Papst in Wirklichkeit weiblichen Geschlechts (Päpstin Johanna) gewesen sei. Zur Klärung der geschichtlichen Unklarheiten wäre es von Vorteil, wenn Historiker endlich umfassenden und unzensierten Zugang zum vatikanischen Archiv erhielten, damit man mal untersuchen kann, was z.B. an den Überlieferungen des Chronisten-Dominikaners Martin von Troppau (ca. 1220 bis 1278 n.Chr.) wahr ist.

Besonders erwähnenswert und bezeichnend in dieser wenig ruhmvollen Zeit ist sicherlich die Synodus horrenda (Kadaversynode).

Hier ließ der verärgerte Papst Stephan VI

(oder war es doch eher Stephan VII, oder sogar der Papst "Der viertel vor zwölfte"? - da blickt doch keiner mehr durch, so schnell war der eine da und auch schon wieder weg-)

897 n.Chr. im Rahmen eines makaberen Amtsmissbrauchs-Schauprozesses (Leichensynode) seinen Vorgänger Papst Formosus (816 bis 04.04.896) exhumieren und diesen nachträglich als Häretiker dessen Schwurhand abhacken. Im Rahmen eines Gerichtsprozesses wurde dieser, bzw. das was von diesem übrig war, in den Gerichtssaal geschleppt, dort auf einen Thron gesetzt und so wie es sich gehörte, vorher natürlich neu eingekleidet, damit er vor dem Gericht auch einen guten Eindruck hinterließ (vgl. Gemälde von Jean-Paul Laurens) und auch den in der Verhandlung Anwesenden einen lebendigeren Eindruck vermittelte.
Am Ende dieses Prozesses wurden ihm die Schwurfinger abgetrennt, was dieser, nicht verwunderlich in Anbetracht seines Zustandes, aber klaglos hinnahm. Zur weiteren Strafe wurden dessen sterbliche, bzw. schon gestorbenen, Überreste angeblich unehrenhaft in den Fluss Tiber geworfen.
Einige historische Quellen berichten aber auch, dass dieser danach wieder ordentlich im Petersdom beigesetzt worden sei.

So ist es halt in der päpstlichen Geschichtsforschung. Der eine erzählt dieses. Der andere jenes.

Hierzu sei noch erwähnt, dass die Anhänger von Papst Formosus, welche man heutzutage wohl als verärgerte kritische Fans oder Hooligan bezeichnen würde und zu denen u.a. auch Papst Sergius III zählte, dessen Leichnam 904 n.Chr. erneut exhumieren ließen und diesen nach einer erneuten Leichenschändung in der Nekropole des Vatikans standesgemäß wieder beisetzen. Je, welcher historischen Informationsquelle man Glauben schenkt, kann es auch sein, dass man diesen wieder in den Tiber geworfen hat.
Berichtet wird, dass Stephan VI u.a. durch diese Leichenschändung in Ungnade unbekannter Mächte fiel und kurze Zeit nach der Leichensynode vom Thron gestürzt, aus dem Lateranpalast vertrieben und direkt in den Kerker geworfen wurde, wo man ihn dann erwürgte.

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Kommentare  

Hallo Mike, habe gerne deine schauerlichen päpstlichen Tatsachen gelesen. Gelungen vom Anfang bis zum Ende und dann dieser Titel - herrlich!

Gerald W. (10.06.2020)

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