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4 Seiten

Pater Pauli mysterious places 41.2

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
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Sagrada Família
(Barcelona, Spanien)
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Sagrada Família, oder: Wenn sich die Form über den Inhalt bzw. den Sinn und Zweck erhebt.


Liebe Globetrotter*innen,

ich weiß, ich weiß, ...es ist schon etwas seltsam, wenn man sich selbst noch einmal zitiert. Aber ich kann es einfach nicht lassen. In der Story „Pater Pauli mysterious places 39“ habe ich zur Igreja de Saint-Joseph-Le Havre geschrieben: „Bei diesem Bauwerk besteht die große Gefahr, dass die Bauweise einen höheren Stellenwert erhält, als der Glaube, welcher dort praktiziert werden soll.“

Diese fast schon philosophische These möchte ich mit einem weiteren Beispiel untermauern und gleich darauf hinweisen, dass dieses weltweite Problem (?) nicht nur bei sakralen Bauten besteht. Den gewaltigen Brüsseler Justizpalast habe ich bis heute z.B. in ähnlich analytischer Erinnerung.

Wenn Ihr mal nach Barcelona kommt, wird Euch fast jeder Touristenführer zu einer ewigen Baustelle führen auf der eine riesige skurrile, fraktale Basilika errichtet wird. Die Sagrada Família ist eine geplant ca. 172 Meter hohe römisch-katholische Kirche, -

(Barcelona, Spanien; GPS Breite 41°24'13.61"N Länge 2°10'27.55"E; Carrer de Mallorca, 401 Barcelona ; U-Bahn-Station "Sagrada Família" Linie 2 oder Linie 5)

- welche aufgrund ihrer außergewöhnlichen Bauweise weltweit einmalig sein dürfte. Diese steht auf einem ca. 140 * 120 Meter großen Areal. Bei meinem ersten Besuch hatte ich noch vermutet, dass der Surrealist Salvador Felipe Jacinto Dalí i Domènech diese entworfen hätte. Ebenfalls hatte ich dort Assoziationen zum Science-Fiction-Film von 1979 "Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt".

Dieses Bauwerk ist der Touristenmagnet Nummer 1 in Barcelona, ganz unabhängig davon, ob man nun gläubig ist oder nicht. Man schätzt, dass ca. 4.500.000 Touristen dieses Bauwerk jährlich besuchen. Immer wenn ich dort mal war, war es so brechend voll, dass man aufpassen musste, dass einem kein anderer Mensch auf die Zehen tritt. Wer in Barcelona war und dieses gigantische Gebäude nicht gesehen hat, war nicht in Barcelona. Der Stellenwert dieser Kirche für Barcelona entspricht der Bedeutung des Kölner Doms für Köln und des Eiffelturms für Paris. Dieser Bau, welcher vom spanischen Architekten Antoni Gaudí i Cornet -

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(Gaudi: 25.06.1852nC bis 07/10(?).06.1926nC, Vertreter der sogenannten „Katalanischen Modernisme“, in unseren Breitengraden auch unter „Art Nouveau“, Neugotik oder „Jugendstil“ bekannt. Gaudi starb im Hospital de la Santa Creu i de Sant Pau in Barcelona (Carrer de Sant Quintí, 89 08041 Barcelona; GPS Breite 41°24'45.59"N Länge 2°10'27.64"E ; Areal: ca. 270 * 160 Meter) an den Folgen eines Unfalls mit einer Straßenbahn. Da Gaudi damals keinen Smoking trug und auf die Retter vor Ort eher den Eindruck eines verunglückten Obdachlosen erweckte, wurde dieser zunächst zur Armenstation des nächsten Krankenhauses gebracht. Gaudi wurde später (12.06.1926nC) in der Krypta unter dem Altar beigesetzt. Gleich an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass dieses Hospital auch sehr sehenswert ist und nur 800 Meter Luftlinie von der Sagrada Família entfernt ist. Wenn man vor der Baustelle an Carrer Provenca (bei GPS-Position Breite 41°24'15.36"N Länge 2°10'28.06"E) steht, muss man nur mit Wanderkurs NORD 360° ca. 800 Meter immer geradeaus laufen uns schon ist man da. Genau 360 Grad? Und das soll Zufall sein? Bestimmt nicht, da in Barcelona vieles geometrisch nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet wurde.)
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- entworfen wurde, ist bis heute noch nicht vollendet worden. Nun das ist kein Problem, wenn man daran denkt wie lange am Kölner Dom gebastelt wurde. Der Kirchen Bau wurde am 19.03.1882nC begonnen und man plant diesen im Jahr 2026nC (100. Todestag Gaudís) zu vollenden. Na ja, ich war da ein paar Mal und habe keinen wirklichen Baufortschritt vor Ort festgestellt. Aber wie heißt es so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Kürzlich konnte man lesen, dass die Bauarbeiten sich wegen CORONA verzögern würden. Na? Ob das wirklich an der Pandemie liegt, dass man dort nie fertig wird? Der wirkliche Grund wird wohl eher der sein, dass das gesamte architektonische Gebilde bautechnisch ungeheuer kompliziert und teuer ist. Man wird die Frage irgendwann klären müssen, ob man allein mit Spenden so weiterbauen kann. Während man noch an einer Stelle dieser Kirche etwas neu erbaut, muss man an anderen Stellen schon wieder restaurieren. Auch hier teilt diese Konstruktion das Schicksal des Kölner Doms. Dieses Gebäude kann nur durch einen permanenten Kampf gegen den Zahn der Zeit, dem Zerfall, erhalten bzw. weiter gebaut werden. Ein weiterer Grund soll der Spanische Bürgerkrieg gewesen sein, da Anarchisten hier einen größeren Brandschaden anrichteten. Das kann natürlich sein, man sollte aber bedenken, welche Menschen zu Zeiten des Spanischen Bürgerkriegs von den dortigen Behörden alles als Anarchisten bezeichnet wurden.

Fazit:
Es gibt Strömungen in Religionen, welche den Wert und die Bedeutung der Lehre grundsätzlich über die Form und Ausstattung der Glaubensstätten stellen, indem ihr Glaube praktiziert wird. Diese statten die Innenräume bewusst schlicht aus, damit der praktizierende Gläubige nicht vom Wesentlichen abgelenkt wird. Spätestens nach gewissen Ereignissen in Limburg sollte jedem klar sein, dass nicht alle Vertreter von Religionen dieser Meinung sind. Auch das Ausstatten eines orientalischen und/oder asiatischen Gotteshauses mit einer Kuppel aus reinem Gold sollte vielleicht hinterfragt werden. Man sollte sich vielleicht mal klarmachen, wie viel Geld für diese Bauausführungen drauf geht. Geld, was an anderer sozialer Stelle für immer fehlt.

Wofür ist Religion eigentlich da?

Für die Menschen oder für ihre Bauwerke?

Ich habe mal eine TV-Reportage gesehen, in der ein indischer Rikscha-Taxifahrer im Alter von mindestens 70 Jahren gezeigt wurde, der Touristen barfuß mittels Muskelkraft kilometerweit von einem Ort zum anderen transportierte. Auf die Frage des Reporters, wie hoch sein höchstes Trinkgeld jemals war, antwortete er mit leuchtend verklärtem Gesichtsausdruck, dass es so viel wahr, dass er echtes Blattgold davon kaufen konnte und das er dieses im nächsten Tempel direkt wieder gespendet hätte. ........Da erhält ein bettelarmer Mann, welcher noch sieben Kinder gehabt haben soll, welche inkl. seiner Ehefrau alle zusammen in einer Regen undichten Mehrgenerationen Wellblechhütte mit zwei Räumen hausten, einmal in seinem Leben einen fetten Obolus und anstatt sich und/oder seiner Familie etwas dafür zu kaufen, spendet er alles an seine Götter im Tempel. Hier konnte man deutlich sehen, wie stark die Religion einzelne Menschen beeinflusst bzw. deren Leben und Handeln bestimmt. Muss man sich da noch über sakrale Protzbauten wundern?
Noch eins wurde mir auch durch diese Geschichte noch einmal klar: Die noch so große staatliche Unterdrückung von Religiosität bringt dem Unterdrücker gar nichts, da nach dem Ende der Oppression die Religion sich innerhalb kurzer Zeit wieder konstituieren wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die schnelle Renaissance der Religion nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Gestalt der Russisch-Orthodoxen Kirche, was natürlich auch an der dortigen "Symphonia" liegen kann, also einer von Kirche und Staat beidseitig gewünschten harmonischen Beziehung zwischen dem Staat und der Kirche.
 
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