52


1 Seiten

Poesie der Wechseljahre (fünf Gedichte)

Poetisches · Amüsantes/Satirisches
Mein Schätzchen im Garten


Ich stieg hinab in meinen Garten,
Mein Gärtchen der Fossilien,
Grub lustig um mit einem Spaten,
Fand dort versteinert unter Lilien
Mein Schätzchen und gar manche Arten
Verblühter Crocodilien.

Schau, süßer Geist der Nostalgie,
Was suchst, entschaufelt, Du bei mir
In meiner saub'ren Klause?
Schleich nicht so sacht um meine Tür
Und schlüpf mir nicht ins Hause!

Ach, Schätzchen mein im Garten,
Magst nicht ein wenig warten?


Ein Banause

Ich wandelte entrückt, in dichterischer Stimmung,
Inmitten frühlingssüchtiger Natur.
Und, ach, es öffneten sich Aug und Ohr
In leis poetischer Gesinnung;
Ich lauschte schon verzückt dem Chor, dem engelsgleichen!

Mein Geist jedoch, befangen in Verdummung,
Versank im Nu in trüben Schattenreichen
Der einsam dunklen Geistesleichen.
Und aus den müden Teichen der Verstummung
Trieb kaum ein dumpfes Wort empor.

So schritt, betrübt, ich denn nach Hause,
Mein Sinn verstrickt in die Ungeistigkeit
Von meiner dichterischen Pause.
Verzückter Drang nur, ein Banause,
Mag wandeln in der Ewigkeit.


Schnee


Meine Seele, brauchst Du Seife?
Hast Du denn, trotz Deiner Reife,
Schon das Reinigen vergessen,
Niemals Seife selbst besessen?

Deine Reinheit ist das Eis.
Deine Seife ist der Schnee.

Tut es auch dem Körper weh
Dieses schneidend kalte Weiß:
Dieses stetig sanfte Fallen
Von zerschmelzenden Kristallen,
Dieser weißen, leichten Flocken
Ewig leises, weiches Locken
Ist die Reinheit der Idee.


Schweigen

Ich selbst bin alt.
Entsetzliches Gesichte!
Nicht er. Nicht sie. Nein, ich!
Nicht dann, nicht bald?
Nein, jetzt, wenn ich dies dichte.

Und du, wenn du dies liest,
Nicht dann, nicht bald, nein: Jetzt!
Und ich bin kalt,
Vielleicht,...bereits...
(Doch werden diese Zeilen
Als Geist dich schon ereilen.)

Bedenk dann, daß auch du zuletzt,
"Warte nur - balde ..."
Und er, und ich,... und Du
Wir schweigen so ruhig im Walde.


Vergänglichkeit

Vergänglichkeit, Vergänglichkeit,
Verlaß mich nicht im Grabe;
Damit sich noch manch Würmchen dann
Am faulen Fleische labe.
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Du kannst einfach herrlich sakastisch sein und dazu auch noch perfekt reimen. Hat mir großen Spaß gemacht, das zu lesen.

doska (10.02.2010)

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Das geschüttelte Orchester  
Der Philosoph  
In einem kalten Schlummer von Kristall  
Schizophrenia Poetica  
Vier grausige Sonette  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Der steinerne Patriot  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
Counter

Counter Web De