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Reise nach Bolivien

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©  antbast   
   
Flug und Ankunft
Endlich sitze ich im Flugzeug. Nach der ganzen Aufregung gespannte Neugierde, auf das was kommt.
Ich habe einen Fensterplatz.
Auf dem Routenplan kann ich sehen, über welche Orte die Maschine fliegt.
Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, der Rhone entlang. Die spanische Halbinsel. Malaga.
Über Spanien ist klares Wetter, es dämmert. In der Dunkelheit sehen die beleuchteten Städte aus wie Schneeflocken oder kleine bizarre Sterne.
Über dem Atlantik ist dunkle Nacht.
Kurz vor Sao Paulo steigt der Mond am dämmernden Horizont empor.
Nach Minuten rot glühendem Himmel erblicke ich die Lichter der Stadt.
Nach 11,5 Stunden Flug, bin ich endlich angekommen.
Mein Flugnachbar lebt in Sao Paulo, er erzählt mir von seiner Heimatstadt. Sie ist eine der menschenreichsten Städte der Welt, zwanzig Millionen Einwohner, ein Moloch, Korruption, Mord und Todschlag. Die Arbeitslosenzahl weit über dem Durchschnitt. Eine Stadt kaum zu regieren.

Nach eineinhalbstündigem Aufenthalt und zweimaliger Änderung des Abfluggattes, Weiterflug nach Santa Cruz-Bolivien.

Unter uns das Pantal - Mato Grosso, Brasilien. Sumpf, in dem Wasser zwischen den Bäumen spiegelt sich die Sonne. Weite, gerade Straßen. Flüsse, die im Nichts enden. Grüne dichte Vegetation, dazwischen kleine Anwesen. Ab und zu steigt Rauch auf. Der grüne Dschungel Brasiliens.
Plötzlich, wie braune Bretter ordentlich aneinander gereiht, der Natur abgetrotzte Felder.
Immer mehr, immer größere Flächen kultiviertes Land.
Anschnallen, Sinkflug. Es kracht, schaukelt, ruckelt, hüpft, die Häuser sind ganz nah. Der Pilot hat Mühe die Maschine waagrecht zu halten. Ein erlösendes Aufsetzen der Maschine.
Ich bin hundemüde.
Werde ich weinen, wenn ich meine Schwester sehe. Schon der Gedanke daran, lässt meine Augen in Tränen schwimmen. Meine Liebe, sage ich zu mir, das ist die Müdigkeit, es wird nicht geweint, denn du weißt, wenn du einmal angefangen hast, hörst du nicht mehr auf.
Rucksack auf und ab zur Passkontrolle. Der junge Mann vor mir muss seinen Koffer öffnen, mich lässt man durch.
„Antonia“, dringt es an mein Ohr. Wo steht sie? Ich nehme meine Schwester fest in den Arm und drücke sie. Damit ich nicht loslege meinen Wasserhaushalt zu regulieren, spreche ich von Gepäckübergewicht und andere banalen Dingen. Ich merke, meiner Schwester geht es genau so, auch in ihren Augen sehe ich ein paar Tränen blitzen.
Als wir das Gebäude verlassen, erkenne ich, warum die Maschine so schaukelte. Ein warmer Sturm fegt über das weite, flache Land. Die Sturmböen nehmen alles mit, was mit der Erde nicht fest verankert ist. Vom Wind zerzauste Palmen säumen die Straße. Sie begrüßen mich, in dem sie sich tief vor mir verbeugen.
Wir fahren durch Santa Cruz. Weitläufig ausgebaute Straßen und Häuser.
Boden gibt es hier genug, leider gehen die Menschen verschwenderisch damit um.
Ich denke an die Pflanzen und Tiere, die dadurch vertrieben wurden. Ob sich hier über diese Dinge Jemand Gedanken macht? Ich werde meine Schwester später fragen.
Ein großes Tor, ein Wachmann öffnet. In der Riesenstadt eine kleine Enklave, ca. fünfzig Häuser, von Mauern geschützt, alles sauber und gepflegt. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit meinem Schwager, früher hatten wir uns gut verstanden.
Meine Schwester warnt mich vor einem stürmischen Empfang. Zwei winzige, zottelige, bellende, hüpfende und beißende Wesen, rennen auf mich zu.
Das sind unsere Ersatzkinder werde ich aufgeklärt.
Vor lauter Hunde kann ich meinen Schwager kaum begrüßen.
Ich bin fasziniert von Annis Haus.
Im Erdgeschoss Küche, Esszimmer, Wohnzimmer. Alles offen bis zum Dach, nur die Küche sowie ein Schlafzimmer sind abgetrennt.
Zwischen Esszimmer und Wohnzimmer führt eine freie Treppe zum Obergeschoss.
Hier sind zwei Räume, in der Mitte ein Bad mit Toilette.
An das Wohnzimmer grenzt eine Terrasse, überall weicher Rasen. Blumen, Büsche und Bäume, die wir in unseren Breiten nur in Blumentöpfe hegen können. Bananenbäume, Palmen, Diffenbacheria, ein Benjaminibaum so groß wie eine Eiche.
Orchideen kleben an den Bäumen. Papaya- und Mangobäume tragen Früchte. Ein kleiner Pool Inmitten eines größeren Rasenstückes, umrandet mit blühenden Blumen. Wohin ich sehe, exotische Pflanze.
Ich denke an meine Wohnungspflanzen, wie mickerig sehen diese aus gegen ihre Originale. Ich glaube, wir haben unseren Zimmerpflanzen keinen großen Dienst erwiesen als wir sie, zu uns in den kalten Norden holten. Beim Koffer auspacken kommt mir ein Gedanke, warum holen sich die Menschen, die im Süden leben, keine Gänseblümchen, Löwenzahn oder Veilchen und als Zierbäume Tannen, Buchen, Erlen, Eichen ins Haus?
Mein Zimmer gefällt mir, zwei Betten, eine Couch, ein Tisch vor dem Erkerfenster und überall hängen Bilder signiert mit „Anni“.
Wir sitzen auf der Terrasse, mein Schwager hat eine Barillada vorbereitet, nur für uns drei. Es liegt eine Menge Fleisch auf dem Grill. Ich bin Vegetarierin, doch als ich sehe, wie viel Mühe sich mein Schwager macht, habe ich mich hingesetzt und tapfer Fleisch gegessen. Während meines Aufenthalts, wurde ich von vielen Bekannten zum Grillen eingeladen, jedes Mal mit Berge von Fleisch.
Ich vergaß, dass ich einen Kontinent besuche, in dem riesige Rinderherden gezüchtet werden.

Ich lege mich in die Hängematte.
Der Wind, fast Sturm, schaukelt mich hin und her. Ich schlafe ein, nicht nur aus Müdigkeit, auch die Begrüßungsgetränke haben mich vollends umgehauen.
Nach einer Stunde Schlaf, das erste Bad im Pool. Danach wird erzählt, gegessen, danach geduscht und ab ins Bett.

Fortsetzung folgt
 

http://www.webstories.cc 01.12.2021 - 11:16:33