die neue Eiszeit - von: Ela ela1000.

Poetisches · Schauriges

Von:    Ela ela1000

Erstveröffentlichung: 18. Januar 2005
Bei Webstories eingestellt: 18. Januar 2005
Anzahl gesehen: 2.466
Erhaltene Punkte: 42
Seiten: 2

sie sitzt da auf den Dächern der Stadt
starre Fratze wie ein Mörder sie hat
und ein hämisches Grinsen im Gesicht
doch vertreiben lässt dort oben sie sich nicht

und sie lauert hinter Mauern, jeder Ecke
überall hat sie heimliche Verstecke
stiehlt das Brot bei dem, der es noch hat
frisst es selbst, schmatzend, gierig und ist satt

löscht bei Nacht alle Feuer im Land
tilgt die Wärme, die sie irgendwo noch fand
lange Zeit hat man sie nicht mehr geseh’n
doch das Elend sollte bald schon weitergeh’n

sie packt ungnädig zu mit kalter Hand
und hockt meuchelnd im Schatten an der Wand
Augen farblos wie Kalk, Wangen hohl
Angst geht um, kein Mensch fühlt sich mehr wohl

und die Ämter schließen eiserne Türen
vor dem Volk, soll’s doch draußen erfrieren
verschanzen sich, sind zu allem bereit
was kümmert die von Millionen das Leid

doch die Rechnung, die sie ohne Wirt schreiben
wird ein Fluch sein für ihr herzloses Treiben
denn im Zimmer nebenan ist sie versteckt
Eiszeit, die sich schon die dürren Finger leckt

sie vernichtet ohne Anseh’n der Person
und ihr Flüstern hat gar bösen Unterton
”lauft nur weg, denn ich kriege Euch alle
Eure Wärme will ich haben in jedem Falle”

”lass kein Fleckchen, keinen Winkel Euch zum Leben
auch kein Grab, alles müsst Ihr mir geben
Eure Zeit die ist um - heute Nacht
Ihr seid mein, denn ICH habe die Macht”

und dann hat sie mit eisiger Hand
jede Straße poliert im ganzen Land
auf allen Wegen Unglück passiert
und verletzt man ohne Hilfe erfriert

und wer liegt auf dem Weg, halb erfror’n
gehört ihr, ist für immer verlor’n
gierig nimmt ihm den Mantel sie noch ab
zieht ihn über, schafft die Leiche ins Grab

hin und wieder huscht sie leise aus der Stadt
zum Palast aus Schnee und Eis, den sie hat
trinkt den Eiswein aus schwerem Pokal
ringsum Schätze aller Welt in dem Saal

da entdeckt sie die Kinder auf dem See
gleiten übers Eis dahin mit *Juch he*
gut versteckt ist der Teich hinterm Wald
und es schneit, langsam wird’s bitterkalt

dichtes Schneetreiben nimmt letztes Licht
Zeit vergeht, doch sie merken es nicht
ihre Laute verstummen bald im Weiß
durch den Schnee seh’n sie nicht den Riss im Eis

da, ein Blitz und ein fürchterliches Krachen
Frost erscheint nun mit klirrendem Lachen
grüßt die Eiszeit, denn er ist ihr Kumpan
und er stichelt sie böse noch an

dumpfer Schlag und der Riss auf dem See
er läuft weiter durch das Eis in Kindesnäh’
Frost und Eiszeit sitzen lauernd am Rand
schauen zu - mit dem Glas in der Hand

doch da hören sie die Rufe durch die Nacht
und die Männer haben Fackeln mitgebracht
aber Eiszeit und der Frost jetzt mit Wind
löschen ’s Licht und die Retter sind wie blind

und als endlich sie den Platz dann gefunden
sind für immer die Kinder verschwunden
so geht’s weiter Jahr um Jahr im ganzen Land
denn die Eiszeit hat die Zügel in der Hand

sitzt hoch oben auf dem Turm an der Uhr
sieht das Elend da tief unten und lacht nur
”ich bleib da, viele Jahre nun auf Erden
bis vergangen alles Leben, alles Werden”

und ihr Ruf schallt hinunter jede Nacht
”habt die Rechnung Euch doch selber gemacht
rieft die Eiszeit und nun bin ich ja hier
Eure Rechnung ward diktieret nur von mir”

”in der Kälte Eurer Herzen und ganz blind
schluget Ihr jede Warnung in den Wind
Wohl und Wehe vieler Menschen war nichts wert
und Ihr richtetet mit Feuer und mit Schwert”

”keine Angst, Frost ist schneller noch als Flammen
seine Kälte treibt Euch schneller zusammen
denn der Kältetod kennt kein Erbarmen
Ihr schlaft ein in des anderen Armen”

”Ew’ges Eis lässt Euch werden rasch zu Stein
gut erhalten bleibt das restliche Gebein
Jahrmillionen werden danach vergeh’n
eh’ die Seelen von Euch allen aufersteh’n”

”Heb’ zum Gruße nun noch einmal die Hand
bin die Eiszeit und nun herrsch’ ICH im Land”

Punktestand der Geschichte:   42

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Necromania

2.101 Aufrufe • vor mehr als 18 Jahren, Punkte: 4, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Fantastisches
Epilog
Vollmond. Stille lag über dem kleinen Dorf Cers. Es war mitten in der Nacht und alles schlief tief und fest. Plötzlich löste sich ein Schatten von einer Hauswand und
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

Runghold

2.686 Aufrufe • vor mehr als 14 Jahren, Punkte: 43, Favoriten: 0
 Poetisches - Nachdenkliches
Unter Gold verbirgt sich Lüge,
unter Trümmern haust der Tod.
Selbst die reichsten, gold'nen Städte,
treibt die Zeit manchmal in Not.
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Morgenspaziergang

2.496 Aufrufe • vor mehr als 20 Jahren, Punkte: 37, Favoriten: 0
 Poetisches - Nachdenkliches
45 Grad im Schatten,
grelle Sonne,
Geruch nach Verwesung,
kahle Bäume,
verwelkte Blumen,
vertrocknete Blumenbeete,
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Weitere Stories des Autoren

Nikolausgeschichte für Erwachsene ;-)

20.545 Aufrufe • vor mehr als 21 Jahren, Punkte: 76, Favoriten: 0
 Romane/Serien - Nachdenkliches, Winter/Weihnachten/Silvester
…auch in diesem Jahr ist wieder pünktlich wie immer die alljährliche vorweihnachtliche Hektik ausgebrochen, zwischen drängelnde Massen gezwängt, Pläne fürs Fest im Kopf zum Thema: wer kommt wann zu Besuch, was koche ich,
 Vorauss. Lesedauer: ca. 12 Min.

Der letzte Tag mit meiner Freundin ...

3.170 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 199, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Trauriges
ich flehte Dich an, halte durch …
Schneeflocken treiben durch die Dunkelheit
Feierabend, es schneit seit Stunden
starker Frost behindert den Straßenverkehr
ich komme aus dem Büro und stehe an der Haltes
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

… für einen kurzen Augenblick

2.971 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 205, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Aktuelles und Alltägliches
Der große Konzertsaal füllt sich schnell. Die angenehme Unruhe und das Warten auf die Musiker, ja das hab’ ich gerne, endlich mal wieder nach längerer Zeit live Musik hören, die man liebt.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 5 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  Ja, ich dachte, dass das die Richtung ist, in die die Aussage des Gedichts gut. Super jedenfalls.  
Lena N.  -  24.01.05 23:46

   Zustimmungen: 0

  pardon, bin in Büro, daher die eile, habe mich verschrieben, soll heißen nicht mehr jeder leisten, teuer erkaufen aber immer, LG Ela  
ela1000  -  18.01.05 15:38

   Zustimmungen: 0

  Liebe Lena, ich danke dir für die Punkte, es ist ausschließlich gesellschaftkritisch gemeint, und wer da genaue Kenntnis hat, was schon jetzt abläuft und noch kommen wird, dem muss eiskalt werden...in trauriger Gewissheit enstand der Text in deer nakten Realität... Grausamkeit macht vor nichts halt, den Status Mensch-Recht-Freiheit- kann sich heute nicht mehr jder kaufen, tuer erkaufen aber immer doch...
liebe Grüße Ela  
Ela1000  -  18.01.05 15:36

   Zustimmungen: 0

  Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob ich das Gedicht so verstehe, wie du es meinst, aber es gefällt mir. Schöne Reime, gute Bilder.
Nur der Rythmus holpert manchmal ein bisschen.
4 Punkte  
Lena N.  -  18.01.05 15:27

   Zustimmungen: 0

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Beliebte Kommentare

Kommentar von "Sven Jaelin" zu "traumtanz auf den trümmern babylons"

schön knapp

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Sünde einer Nacht/2/erotische Geschichte 11" von rosmarin

-2- ____ Am nächsten Tag konnte ich mich kaum auf meinen Text konzentrieren. Unentwegt dachte ich an den Idioten Siggi. An seine Bernsteinaugen, die Küsse, seine offene Hose. Den Sternenhimmel.

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Martin Guido Becker" zu "Mein politisch korrektes Tagebuch"

Bei dieser Geschichte habe ich herzlich gelacht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Denn die realität holt die Satire ein und die Welt wird so absurd, dass man es nicht mehr parodieren kann. Auch na ...

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "CC Huber" zu "Bitte bitte"

Hallo Rosmaro, auch wenn Du noch so schön bitte-bitte sagst, ich werde einen Teufel tun! Aufmüpfige Grüße CC

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Vor siebenundachtzig Jahren" von Michael Brushwood

Thema Krieg und Frieden

Zur Story