Fast schon zärtlich geht er mit dem Leben um. Fast schon so, als sei es zerbrechlich, wie ein rohes Ei. Als sei es etwas Kostbares, das nicht auf den Boden fallen dürfte; das nicht zerbrochen werden darf; unter keinen Umständen – auch nicht aus Versehen.
Sein Leben ist ihm wichtig, ja, er weiß es zu schätzen. Er sieht es als Herausforderung; als Möglichkeit, an den Aufgaben, die das Leben an ihn stellt, zu wachsen. Als ein Fluch und als ein Segen zugleich. Als eine Wundertüte an Möglichkeiten, die ihm jeden Tag bereitgestellt wird.
Ein Traum und ein Alptraum, mit Ängsten, Verzweiflung, Neid und mit Liebe. Ein bunter Blumenstrauß also, der ihm an jedem verdammten Tag geboten wird. Das tiefe und bewusste Nachfühlen jener Emotionen, die durch die Umgebung um ihn herum in ihm ausgelöst werden. Das Entsetzen und das Entzücken neben seinem Hunger und seinen Schlafbedürfnissen. Befriedigung und unermessliche Begierde.
Die Luft tief einsaugen. Spüren, wie das Herz pocht. Wie das Blut durch die Adern gepumpt wird. Die Augen verschließen und dem tätigen Körper nachspüren. Die Bilder, die dabei im Geiste entstehen, zulassen. Den Gedanken folgen; mit ihnen auf Reisen gehen, wo sie ihn auch immer hinführen mögen.
Eine Reise, das ist das Leben. Keine gradlinige, sondern eine mit Ecken und Kanten. Eine Odyssee. Ein Spiel mit dem Zufall. Eine Lotterie mit dem Wunsch verbunden, einfach das Beste daraus zu machen.
Jeden Tag werden die Würfel neu gewürfelt. Jeden Tag erhält man ein neues Blatt auf die Hand. Es wird gepokert und Mau-Mau gespielt. Es wird „32, heb auf!“ gezockt und die Karten als Wurfgeschosse genutzt, um damit Kerzen auszublasen, ohne zu wissen, weshalb eigentlich.
Ein Spiel mit Möglichkeiten, das ist das Leben. Ein Spiel mit dem Sein. Eine Frage, die andauernd neu gestellt werden muss. Die Frage, wie ein menschliches Dasein ausgestaltet werden könnte. Wer man ist, wer man sein sollte, wer man nicht sein darf.
Gemeinschaft und Einsamkeit. Reizarmut und Reizüberflutung. Urbanes Leben und ländliches Dasein. Gewalt, Exzess und Leben in einem Kloster. Und immer ganz nah am Tode dran. Abstinent lebend und den Alkoholrausch aus-lebend. Frierend und Hitzewallungen. Gesund sein und kränkliches Dahinsiechen. Pandemie und Urlaub auf dem Bauernhof, mit einem Pony, das ständig gestreichelt werden möchte.
Das Menschsein ist eine Irrfahrt mit Irrlichtern und ungewissem Ausgang. Und gerade jene Ungewissheit ist es, die das Leben für uns erst lebenswert macht.