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Aufstieg und Niedergang der heiligen Greta

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Wie bist Du vom Himmel gefallen, du schöner Morgenstern… (Jes. 14,12) In welche Abgründe und Schwefelhöllen hat es Dich verschlagen? Welcher schwarze Engel hatte Dich geleitet? Du hattest uns Deine Kröten zum Schlucken zum Schlucken gegeben, bewarzte und unbewarzte, und als Du schließlich gingest, da plagte uns der Hunger und die Furcht, in Schlaf zu verfallen.
Deine nackten Füße hatten den Atlantik bezwungen, der Leviathan trug Deine Habseligkeiten und den Mächtigen lasest Du die Leviten, alle knieten sie vor Dir. Der heilige Vater warf sich vor Dir in den Staub, küsste Deinen Ring, küsste Deinen Fußpilz und nahm mit devoter Miene Deine Ermahnungen entgegen. Die Furcht vor dem Wetter hatte uns zusammengebracht, sie vereinigte uns zu einer unüberwindlichen Macht. Auf den Straßen klebten wir und wenn unsereins den Atem anhielt, dann hatte die Welt stillzustehen. So mancher Sommer wurde heiß, andere Male blieb er kühl und verregnet, aber eine jede Wolke, die sich zusammenballte, war ein Menetekel für das kommende Weltende. Und zeigte sich der Himmel blau, dann krochen wir in die Tiefen unserer Kellergewölbe, denn die Ozeane würden zu kochen beginnen und der Boden würde glühen.
Manche Gletscher schmolzen dahin, andere breiteten sich aus. So manches Schiff fuhr gen Horden, um das Verschwinden des Eises zu dokumentieren, es blieb im Eise stecken. Die Reifen des Sommers wichen denen des Winters und nach dem Winter zogen wir die Reifen des Sommers auf. Die Kröten, die zu schlucken waren, die wechselten ihre Farben und ihre Warzen.

Und dann fielst Du vom Himmel. Hörtest auf, Kind zu sein. Fielst der Vergessenheit anheim. Wenn die Furcht sich nicht ausbreitet, wenn sie nicht anwächst, dann wird man des sich Fürchtens überdrüssig.
Doch ich greife vor. Eine Geschichte hat mit dem Anfang zu beginnen und nicht mit dem Ende.

Es war einmal… Mit diesen Worten fangen Märchen an. Es war einmal ein kleines, krankes Mädchen mit zwei blonden Zöpfen. Ein verbissenes Gesichtchen mit tieftraurigen Augen. Ein Kind, das man übersieht. Etwas zu klein für ihr Alter. Viel zu klein.
Für solcherlei Kinder ist die Schule oftmals eine Tortur. Das ewige Mobbing. Das Gelächter über ihr seltsames Verhalten. Die Augen werden immer trauriger. Das Antlitz immer verkniffener. Seltsame Kinder haben es schwer. So hätte es auch weitergehen können, es gibt unzählige dieser Biographien, die von Anfang bis zum bitteren Ende nichts als eine Kette fortwährender Enttäuschungen bieten.
Doch Gretas Schicksal sollte sich wenden: Irgendwann lief ihr irgendwo, irgendwie eine Fee über den Weg, sei es im Wald oder sei auf dem Marktplatz oder in einer der ungezählten Resignationsecken, in denen seltsame Kinder Zuflucht suchen, diese Fee war plötzlich da und fragte sie nach ihren Wünschen. Die Antwort kam prompt. „Ich will nicht mehr zur Schule gehen müssen und ich will berühmt werden, ich will es allen zeigen.“
Diese Wünsche wurden ihr erfüllt. Ein selbstgemaltes Pappschild. Stoisches Dasitzen. Eine Horde Photographen.

Die Botschaft war einfach: Es wird heiß. Es wird viel zu heiß. Morgen werden wir alle erschwitzen. Ein Wort, das es nicht gibt, aber wir haben ja alle Freitag für Freitag die Schule geschwänzt, und wir beherrschen unsere Muttersprache nur noch rudimentär, wir stehen auf Kriegsfuß mit der Grammatik, mit Orthographie und Interpunktion. Aber wir haben es um der guten Sache willen getan, unsere Lehrer forderten uns auf, nicht zum Unterricht zu erscheinen und verhängten Strafen für diejenigen, die freitags den Demonstrationen fernblieben. Zahlreiche Politiker drückten ihre Bewunderung aus, welch phantastische Jugend wir doch seien, weil wir die Schule geschwänzt hatten. Um das drohende Verhängnis abzuwenden, die unmittelbar bevorstehende Apokalypse. We don‘t have time… Es gibt keine Eisbären mehr auf Mallorca…. Keine Pinguine mehr in der Sahara. Das Meer überflutet den Kölner Dom, die Nordsee dehnt sich bis in den Alpenraum aus, das Matterhorn versinkt in den Wogen, da können wir doch alle nur noch zusammenrücken und mit schreckgeweiteten Augen hineinstarren in das Grauen einer Zukunft, in der keine Eisberge mehr schwimmen im Mittelmeer und der allerletzte Thunfisch aus dem Thuner See verschwunden sein wird und sogar auf dem Mars die Polkappen schmelzen. Nach der veröffentlichten Meinung stehen wir kurz vor dem Untergang, eigentlich sind wir lange schon darüber hinaus. Im Grunde genommen dürften wir doch schon längst nicht mehr am Leben sein, denn das Öl ist uns ausgegangen, die Bäume sind am übersäuerten Regen gestorben, das Ozonloch hat uns verbrannt, wer über ein wenig Lebenserfahrung verfügt und wer die Postulate des Club of Rome und der Umweltbewegungen schon ein wenig länger kennt, der hat sich an den allgegenwärtigen Weltuntergang gewöhnt. Der Fiebertraum vom unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Von den Zeugen Jehovas zu lernen, heißt siegen zu lernen, wie der Volksmund sagen würde, wenn dieser irgendetwas zu sagen hätte…
Also müssen wir etwas tun. Lasst uns den ökologischen Schuhlaufflächenabdruck verkleinern, am schnellsten und am effektivsten tun wir das, indem wir unverzüglich das Atmen einstellen. Denn ein jeder Atemzug belastet die Welt mit Kohlengasen. Nach wenigen Sekunden des Luftanhaltens sieht man, dass es nicht so einfach ist mit dem klimaneutralen Dasein. Die Luft wird knapp, es wird einem schwarz vor den Augen, irgendwann gibt man dem Lebensbedürfnis nach und holt ganz tief Luft, selbst um den Preis, dass es auf Grönland so heiß wird wie in der Sahara. Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach.
Man muss dann doch Kompromisse schließen. Also essen, atmen, das Smartphone aufladen.

Auf dem Bildschirm die Aufforderung, das Atmen unverzüglich wieder sein zu lassen. Unterlegt mit rührseligen Bildern von verhungernden Eisbären. Vielleicht ein Filmchen von einem Erdbeben im Irgendwo und eine Grabesstimme, die verkündet, die Erde habe nur deshalb gebebt, weil wir zu viel Kohlengase produziert hätten.
Eigentlich müssten wir vor Generationen schon von der Erde verschwunden sein, aber wir leben noch, das ist unsere Misere, das ist unsere große, unsere untilgbare Schuld. Eine Schuld, für die es keinerlei Vergebung geben kann, keinerlei Erlösung aus der Erbsünde des Geborenseins und aus dem Verbrechen des Selbsterhaltungstriebes. Man kann nicht in irgendeinem Beichtstuhl einem Geistlichen seine Sünden in die heiligen Ohrwascheln flüstern, dieser würde dann ein wenig Latein murmeln, der schlüge sein Kreuzzeichen und damit wäre dann alles vergeben und vergessen.
Die Klimasünde kennt keinen Klimabeichtstuhl, keine Vergebung, allenfalls kennt sie das Sakrament der Selbstzerknirschung, des Steuerzahlens, des Abdrückens der Abgaben zur Kompensation des Lebenstriebes, sie kennt und praktiziert den Ablasshandel, immerhin war ja die heilige Greta das Töchterlein eines Ablasspredigers, welcher seine Brötchen unter anderem mit dem Vertrieb von Kohlengaszertifikaten verdient, die Seele aus dem Fegefeuer springt, sobald das Geld im Kasten klingt...

Wer durch die Brille eines Glaubens, der ja bekanntlich Berge versetzen soll, in die Welt schaut, der denkt nicht, der schaut nicht nach der Faktenlage, der lässt sich von seiner religiösen Verzückung leiten und von den Aufwallungen des Hormonspiegels. Was früher der liebe Gott gewesen ist, das wurde irgendwann die Natur, also dieses grüne Zeugs links und rechts von der Autobahn, das da an uns vorbeiflitzt, wenn wir nicht gerade im Stau stehen. Und was früher die Fronleichnamsprozession gewesen ist, das wurde die Hüpfdemo – wer nicht hüpfte, der war für Kohle, der war für die Killerhitze, der war für unser aller Verrecken unter einer mehr als erbarmungslosen Sonne… zugegeben, der Spaßfaktor beim Klimahüpfen ist um einiges höher als irgendeinem Geistlichen langweilige Kirchenlieder singend hinterherzudackeln… in dieser Hinsicht hatte die Klimareligion so einiges zu bieten, zumindest mehr als der verstaubte Katholizismus oder der anämische Protestantismus, welche folgerichtig auch schleunigst zur Klimareligion konvertierten. Herumhüpfen auf der moralischen Siegerseite… Nicht in die Schule müssen… ein Traum für jeden, der auf das Stillsitzen im Klassenzimmer keine Lust hat. Auf sämtlichen Bildschirmen die Prophetin mit ihrem verbiesterten Kindergesicht. Eine, deren Augen das für den Rest der Menschheit unsichtbare Klimagas auf wundersame Weise erblicken konnte, eine, die schnurstracks leichten Fußes über die Wogen des Nordatlantiks wandelte, um den Mächtigen der Welt die Leviten zu lesen. Ein Buckelwal schleppte ihr Gepäck, ein Zitteraal lud ihr das Smartphone auf und den elektrisch betriebenen Heiligenschein. Angekommen auf der anderen Seite der großen Salzpfütze stellte sie sich vor die ganzen Machthaber und die ganze Welt wurde Zeuge, wie klein die Mächtigen mitsamt ihren Hüten sein können. Dem heiligen Vater in Rom gewährte sie huldvoll eine Audienz. Sämtliche Politiker bemühten sich um die Gunst der heiligen Greta, sie lagen ihr zu Füßen. Niemand kam gegen die heilige Greta an, er wäre von einer Volkswut ergriffen und in der Luft zerrissen worden.

Der Öffentlichkeit ward der Eindruck gegeben, dass die Wirtschaft, die Politik ganz kleinlaut geworden sei vor der moralischen Überlegenheit eines kranken Kindes, eine Interpretation, die falscher kaum sein konnte. War die Kamera ausgeschaltet, dann rieben die Politiker und Großkonzerne sich die Hände. Denn der zu erwartende Geldsegen ermöglichte der Politik neue Steuerquellen, neue, bisher ungeahnte Möglichkeiten zum Abmelken der Steuermelkkühe, neue Geschäftsmodelle für lausige, für überteuerte Produkte.
Und in den Chefetagen der Großkonzerne wusste man, dass die neuen Gesetze, die diese Klimareligion ihnen bescherte, ihnen jegliche Konkurrenz vom Leibe halten würden, dass sie auch weiterhin mit ihren mangelhaften Produkten durchkommen könnten, weil jegliche wirtschaftliche Tätigkeit mit so vielen Auflagen verbunden sein würde, sodass mögliche Konkurrenten gar nicht erst versucht wären, in Erscheinung zu treten. Wenn Großkonzerne grenzüberschreitend agieren, wer hindert sie daran, ihre Zentralen und Produktionsstätten irgendwohin zu verlagern, die Sklavenarbeit anderswo ist ohnehin billiger als die Sklavenarbeit hierzulande…

Die Frage also, wem nützt es? Und es hat gewaltig genützt, die Mächtigen sind noch mächtiger, die Reichen sind noch reicher geworden, die Masse der Menschen noch ohnmächtiger, als sie es bisher gewesen sind. Sie hüpften in den Untergang, doch wenn man endlich erkannt hat, dass man auf dem falschen Weg gelandet ist, so geht man ihn konsequent weiter, in der Hoffnung, er möge sich doch als der richtige erweisen…

Es hatte so schön begonnen. Mit diesem selbstgemalten Pappschild. Eine Graswurzelrevolution. Würden Sie oder ich mit einem solchen Schild am Straßenrand stehen, dann gingen die Passanten achtlos vorüber und man könnte Tag für Tag mit einer noch so wichtigen Botschaft dastehen, niemand würde es beachten. Nicht wichtig ist, was geschieht, sondern das, was und wie darüber berichtet wird.
Den Hinterleuten dieser Bewegung kann man nur gratulieren, das Casting war genial gewesen. Wer würde es schon wagen, ein so kränkliches Kind zu kritisieren… How dare you…! Alle gemeinsam vereint im Bußritual einer allumfassenden Flagellantenprozession. Doch dann kam die Schnupfenpest. Man war irgendwann auch ein wenig müde geworden des Schulschwänzens und des Klimahüpfens, also vergaß man das Wetter und ging auf den Maskenball. Dann kam der Krieg. Und noch ein Krieg. Das Heraufziehen eines Weltbrandes. Die drohende Invasion der Außerirdischen. Man vergaß die Schnupfenpest. Greta hörte auf, Kind zu sein. Sie empörte sich weiter, doch die Lemminge waren weitergezogen und liefen mit gänzlich anderen Parolen dem Abgrund entgegen.
Die ausgestorbenen Eisbären kümmerte das alles nicht. Die saßen auf ihren Eisschollen, vermehrten sich wie die Kaninchen und fraßen ab und zu einen Eisbärenthusiasten, der sich allzu weit in den Norden verirrt hatte.

Wer mit dem Klima Kasse gemacht hatte, rieb sich die Hände. Die Riesenvermögen wuchsen und wuchsen. Die Schnupfenpest mit ihrem inszenierten Stillstand lenkte einen größeren Teil der Reichtümer in die Hände derer, denen schon fast alles gehörte und die sich anschickten, den Rest sich einzusacken. Einige Pharmamultis machten den Reibach ihres Lebens, den Rest besorgte der Krieg. Die Außerirdischen sackten das Gold der Zentralbanken ein und flogen davon.
Alles war nichts als der ewige Klassenkampf gewesen, die Klasse der einem Paralleluniversum anderen Universum entstammenden Superreichen gegen den Rest dieser Welt.

Es war ganz still geworden um die heilige Greta. Eben war sie noch die Kaiserin eines riesigen Empöriums gewesen, plötzlich war sie nahezu vergessen. Die Klimajugend hatte sich verlaufen und sie fand bei einem Besuch des Stockholmer Zoos im Antifantengehege neue Spielgefährten. Mit diesen empörte sie sich weiter, denn ihr Körper war längst abhängig geworden von diesen ganzen Hormonen, die bei jedem Verzweiflungsanfall ausgestoßen werden. Allerdings verscherzte sie sich die Sympathie ihrer mächtigen Gönner, nachdem sie sich lautstark über das Gebaren eines kleinen Landes im nahen Osten empört hatte und das Treiben eines Rüstungsgiganten angeprangert hatte. Manche Themen sind eben erwünscht und andere eher weniger. Es gibt Themen, an denen man sich verbrennt, man könnte ebenso gut einen lodernden Scheiterhaufen besteigen. Dieser natürlich aus biologisch angebautem Holz von glücklichen Bäumen mit den dazugehörigen CO2 Zertifikaten.

So wurde aus der soeben noch gefeierten Heiligen der leibhaftige Antichrist. Ein Kunstprodukt, das aufgeblasen, das auf einen Sockel gestellt worden ist, und kaum hatte sie ihren Zweck erfüllt, da wurde sie zum Abschuss freigegeben.

Wie bist Du vom Himmel gefallen, Du so schnell verblühter Morgenstern... In welche Gefilde hat es Dich verschlagen? Die besten Tage hinter Dir, kaum dass Du das Dasein begonnen hattest. Die Gestade der Vergessenheit sind Dein Bestimmungsort, der Hohn und das Gelächter derer, die Dir soeben noch nachgelaufen sind, Dein Schicksal. Die Mächtigen, die Dir gestern zu Füßen gelegen hatten, die schreiten über Dich hinweg und stoßen Dich zurück in die Reihen der Namenlosen. Deine Jünger haben ihr Lastenfahrrad mit dem Schützenpanzer vertauscht, sie sind losgezogen und kaum einer kommt zurück, bald schon liegen sie erfroren im Schnee. In Deinen Ohren klingt das Gelächter derer, die Dich einstmals groß gemacht hatten...
 
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