Ich weiß heute nicht mehr genau, wie ich in diese Welt der Wunder gelangt bin. Meinen ersten Urlaub seit fast 10 Jahren machte ich in Irland, denn ich war schon immer fasziniert von diesem Land gewesen.
Bei einem Besuch einer geheimnisvollen Kultstätte aus der Zeit der Kelten, muß es dann irgendwie passiert sein. Plötzlich befand ich mich nicht mehr auf der Erde, sondern auf einer mir fremden Welt.
Das Erwachen war sehr schmerzhaft, als mich gleich mehrere Fußtritte unsanft aufweckten.
„Hey, du stinkender Mensch“, hörte ich eine rauhe Stimme sagen.
Als ich die Augen öffnete sah ich in die häßliche Visage eines Trolls. Jedenfalls nahm ich an, daß ich es mit einem Troll zu tun hatte.
Ich wollte meinen Augen nicht trauen und dachte zu träumen. Doch die vier Trolle belehrten mich eines besseren. Sie rissen mich hoch und stellten mich auf die Beine.
„Seltsamer Mensch“, meinte einer der fast zwei Meter großen Gesellen und deutete mit einigen Interesse auf meine Kleidung.
„Hast du schon mal so eine Kleidung gesehen?“, sagte ein anderer.
Als Antwort schüttelten die restlichen beiden Trolle mit ihren Köpfen.
„Und was machen mir nun mit ihm?“
Die Trolle grinsten hinterhältig und nickten sich gegenseitig zu.
„Na, ich denke“, meinte der Anführer der Trollmeute, „wir werden ihn einfach auffressen.“
Als einer der Hünen auf mich zustapfte, um mich zu packen, handelte ich instinktiv und schlug ihn mit meiner rechten Faust auf seine breite Kartoffelnase.
Wütend schrie der Troll auf. Mit einer Gegenwehr hatte er anscheinend gerechnet. Mein Herz klopfte wie wild, als mich der hünenhafte Troll aus seinen zusammengekniffenen Schweinsäuglein böse anschaute.
Unterdessen schaute ich mich nach einer Art Waffe um, obwohl ich mir keine sehr großen Chance gegen die Trolle ausrechnete, und bemerkte einen breiten Ast, der ziemlich robust aussah, auf den Boden liegen.
Ich nahm die Beine in die Hand und ergriff das Holz, gerade rechtzeitig vom Boden um einen weiteren Angriff des Hünen abzuwehren. Diesmal schlug ich ihm mit dem breiten Holzast quer übers Gesicht. Nun schien er wirklich wütend zu werden.
Unterdessen schauten seine drei Trollkumpane belustigt zu, machten aber keine Anstalten in den Kampf einzugreifen.
„Andras“, bemerkte einer der drei, „wirst du noch nicht einmal mehr mit einem einfachen Menschen fertig?“
Die Zurufe seiner Kumpanen machten den Troll nur noch wütender, aber zugleich auch unachtsamer.
Noch mehrere Male traf ich den schwerfälligen Gesellen ins Gesicht, doch dann brach der breite Ast. Der Troll grinste höhnisch und murmelte zwischen seinen breiten Gebiß so etwas hervor wie : „Jetzt bist du fällig, Mensch!“
Doch ein weiterer Angriff erfolgte nicht, zwei gut gezielte Pfeile landeten Zentimeter vor seinen großen Füßen und stoppten seinen Angriff abrupt.
Dann trat aus dem Wald eine Gestalt in die Lichtung, die einen Langbogen in Händen hielt. Als sie ihre Kapuze zurückschob, erkannte ich sofort, daß es sich um einen Elf handelte.
„Was willst du, Elf“, knurrte der Trollanführer grimmig. „Seit wann helfen Elfen lausigen Menschen.“
„Ich helfe nicht unbedingt diesen Menschen, Kartoffelnase, sondern ich finde nur den Zweikampf ziemlich unfair!“
Der Troll stutzte. Sollte er sich von den Elf beleidigt fühlen. Er schaute zu seinen drei Kumpanen und schien zu überlegen, ob sie sich gemeinsam auf den Elf und den Menschen stürzen sollten. Elfenfleisch hatte er lange nicht mehr gegessen. Das einzige was den Troll jedoch störte, war der gespannte Bogen in den Händen des Elfen und der Pfeil, der auf seine Lenden gerichtet war.
„Wir sehen uns wieder, Elf, und dann hilft dir auch kein Bogen mehr“.
Mit diesen Worten drehte sich der Troll um und verließ mit seinen Kumpanen die Lichtung.
„Es wird mir eine Ehre sein, Kartoffelnase“, rief der Elf der Meute hinterher und grinste dabei spöttisch.
Ich hatte dem ganzen Geschehen stumm zugesehen, schritt auf meinen Retter zu und bedankte mich.
„Kein Dank, Mensch. Ich liebe Euresgleichen nicht. Eure Rasse habt Tausende meiner Landsleute getötet. Ich hätte euch eigentlich den Trollen überlassen sollen!“
Ich schaute den Elf erstaunt an, ob des Hasses in seiner Stimme.
„Und warum habt ihr es nicht?“
Der Elf überlegte und fuhr sich mit seiner rechten Hand über sein bartloses Kinn.
„Na, ich weiß nicht. Für einen Mensch, seht ihr etwas komisch aus. Seid ihr etwa ein Außenweltler?“
Ich nickte.
„Wenn ihr meint, daß ich nicht von dieser Welt stammt, so liegt ihr richtig. Ich komme von der Erde ...“
„Der Erde? Meint ihr damit etwas die Welt der Menschen?“
Ich nickte wieder.
„Von dort flohen meine Vorfahren vor Jahrtausenden, nachdem sie von deinesgleichen vertrieben worden waren.“
Ich wußte ehrlich gesagt nicht, was ich darauf erwidern sollte. Irgend wie fühlt ich mich beschämt von den Taten meiner frühen Vorfahren.
„Ich bitte um Entschuldigung ...“, stotterte ich.
„Ihr bittet um Entschuldigung. Für was bittet ihr um Entschuldigung. Für das Morden?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein, dafür gibt es wohl keine Entschuldigung. Na, ich weiß nicht ...“
Der Elf winkte ab.
„Du kannst schließlich nichts dafür, Mensch. Wie bist du in diese Welt gekommen?“
Ich erzählte den Elf, der sich mir schließlich schlicht und weg als Silberauge vorstellte, wie es dazu gekommen war.
„Ah, ihr seid durch ein Dimensionstor gekommen. Wahrscheinlich eines durch deren vor Jahrtausenden auch meine Vorfahren in diese Welt gekommen sind. Seltsam“, murmelte er, „ich dachte, meine Vorfahren hätte sie alle unbrauchbar gemacht. Was hast du nun vor, Mensch.“
„Kein Ahnung, Silberauge, aber ich werde wohl einen Weg finden müssen, um in meine Welt zurückzukehren.“
Der Elf schüttelte mit den Kopf.
„Tut mir leid, Mensch, aber es gibt keinen Weg zuück!“
*
Wir wanderten wochenlang durch diese Welt der Wunder und während dieser Zeit begegneten wir keiner Seele, sah man Fernbegegnungen ab.
Silberauge brachte mir während unserer Wanderschaft sehr viel bei und wir wurden Freunde, obwohl immer noch eine gewissen Vorsicht seitens des Elfen herrschte.
Eines Tages sagte er Elf: „Heinrich, du bist ein sehr seltsamer Mensch. So einen Menschen wie dich, habe ich bisher noch nicht kennengelernt.“
Ich stutze über die Worte meines neuen Freundes.
„Menschen?“, fragte ich. „Leben denn auf dieser Welt auch Menschen?“
Der Elf nickte.
„Ja, hatte ich dir da nicht erzählt?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Ich kleiner Schelm“, erwiderte Silberauge und grinste spitzbübisch. „Als meine Vorfahren“, begann er, „vor Jahrtausenden von der Erde flüchteten, gab es auch einige Stämme der Menschen, die an unserer Seite gekämpft hatten. Und diese begleiteten uns in diese Welt. Wir nennen sie die Elfenfreunde. Doch es gelang auch einige der feindlichen Menschenstämme hier her zu gelangen. Seitdem herrscht Krieg zwischen den Elfenfreunden und den Elfenfeinden. Es ist ein ewiger Kampf.“
„Und die Elfen?“
„Wir stehen natürlich auf der Seite der Elfenfreunde. Doch dieser Kampf wird nie enden, denn auch die Elfenfeinde haben Verbündete.“
„Verbündete?“, fragte ich erstaunt. „Was für Wesen leben denn noch auf dieser Welt?“
„Feen, Zwerge, Minotauren, Zentauren, Medusen, Hexen, Dämonen ...“
*