Beisetzung einer flüchtigen Bekannten - von: Middel.

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    Middel

Erstveröffentlichung: 22. Januar 2004
Bei Webstories eingestellt: 22. Januar 2004
Anzahl gesehen: 2.862
Erhaltene Punkte: 104
Seiten: < 1

Die leise Orgelmusik verstummt, aufgebahrt liegt die Tote in einem ärmlichen anmutenden Sarg, nur ein kleiner Kranz zeugt davon, dass sie vermisst werden wird. Du hältst die Rede während der Trauerfeier, obwohl du die Verstorbene nur flüchtig kanntest. Während die Menschen um dich herum weinen, versuchst du zwanghaft, die Verschiedene zu beschreiben, doch ist dir schnell klar, dafür kanntest du sie einfach nicht gut genug. So prallen deine Worte bei den Anwesenden ab, man merkt es ihnen deutlich an, auch wenn sie schweigend trauern. Sie sitzen apathisch in den spärlich besetzten Reihen der alten Kapelle und erinnern sich an die Zeiten, als die sympathische und zutiefst ehrliche Erscheinung noch unten ihnen weilte. Sie Gedenken ihrer in stiller Schwermut, unterbrochen nur durch das leise Schnaufen in weiße Taschentücher hier und da. Du beendest deine fadenscheinige Rede mit den Worten: „...ist es fast so, als wäre sie noch unter uns!“ Und damit hast du zum ersten Mal Eindruck hinterlassen bei den anwesenden Freunden der Toten. Sie blicken dich an und beginnen zu lachen, erst einer, dann der zweite und irgendwann lachen sie alle hemmungslos. All die angespannte Trauer entlädt sich und sie beginnen zu verstehen... Man muss ihr nicht nachtrauern, man muss gar nicht trauern, man sollte lieber froh sein, dass sie gegangen ist, denn nun sind alle Blicke auf dich gerichtet und ohne sie wirst ihnen nicht standhalten. Und genau das macht die Menschen froh.
Als die Anderen nun strahlend den Raum verlassen, fühlst du zum ersten Mal Betroffenheit. Vielleicht stand dir die Verschiedene doch näher als du glaubtest, wie anders erklärst du dir das aufkeimende Gefühl der Einsamkeit? Und während du noch nach Erklärungen suchst, fällt dir der Spruch auf dem Kranz am Rande des Sargs auf: „Sie Ruhe in Frieden – Die Glaubwürdigkeit“
Und jetzt, da Niemand mehr da ist, wirst du sie eigenhändig begraben, mit den Taten, die deinen unehrlichen Worten folgten.

Punktestand der Geschichte:   104

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Kommentare zur Story:

  Und: Woher kriegt jemand drei Stimmen bei vier Kommentaren unter denen nur einmal gepunktet wurde

Find ihn gut, aber am Ende bricht der Text aus:
/als wär sie noch unter uns/
/man muß gar nicht trauern, lieber froh sein/

beißt sich dodahl mit der Schleife:
Warum sollten die Trauergäste jubeln, daß die Glaubwürdigkeit, die ja in Frieden auf der Schleife ruht, gegangen ist nu gott sei dank ruht?  
Sofi Díaz  -  03.05.06 09:22

   Zustimmungen: 0

  .  
Sofi Díaz  -  03.05.06 09:16

   Zustimmungen: 4

  Weil es erst seid kurzem so ist, dass nur mit Kommentar auch Punkte vergeben werden können, früher (und diese Story ist schon älter) war das nicht so.  
Robert Webmaster  -  06.02.06 21:49

   Zustimmungen: 0

  woher kriegt jemand 5 Punkte und 2 stimmen, wenn keiner welche verteilt und nur eine stimme vorhanden ist ?  
!  -  06.02.06 21:47

   Zustimmungen: 0

  Hab gedacht, ich schau mir gleich mal ein paar andere Sachen von dir an.

Das klingt jetzt wahrscheinlich unglaubwürdig, aber mir gefällt die Geschichte! ;-)
Super Ende, super Aussage. 5 Punkte.  
Lena N.  -  18.01.05 15:43

   Zustimmungen: 0

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