Ode an meine Eltern - von: Jessica Reinsch.

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    Jessica Reinsch

Erstveröffentlichung: 5. Januar 2005
Bei Webstories eingestellt: 5. Januar 2005
Anzahl gesehen: 3.364
Erhaltene Punkte: 18
Seiten: 2

Liebe Eltern,
folgenden Text möchte ich an euch richten, da ich euch etwas wichtiges zu sagen habe. Ich möchte diese Gelegenheit -und somit die letzten Tintentropfen meines Federhalters- nutzen, um mich bei euch zu bedanken. Ja, ich möchte mich bedanken. Ich glaube nicht, dass euch an dieser Stelle klar ist, wofür euch dieses Wort zusteht, da es eurer Meinung nach sicher viele Anlässe geben könnte. Vielleicht denkt ihr, ich habe endlich eingesehen, mit welcher Zuneigung und Fürsorge ich liebevoll aufwuchs, oder dass ich nun euer grenzenloses Vertrauen zu schätzen weiß. Da wären dann noch die zahlreichen Fehler, die ich mit den Jahren gemacht habe, welche ihr mir mehr oder weniger verziehen habt. Ihr habt mir ein zu Hause gegeben, auch wenn ich mich bei euch nie wirklich zu Hause fühlte. Natürlich habe ich auch die überaus großzügigen Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke nicht in den Mülleimer des Vergessens geworfen (wie könnte ich auch). Möglicherweise, oder wohl ehr höchstwahrscheinlich erwartet ihr für all das genannte, ein kleines Wörtchen der Annerkennung, dessen Bedeutungsvielfalt euch nicht im geringsten klar zu sein scheint. Selbst wenn ich könnte, würde ich es nicht als Rühmung eurerseits über meine Lippen bringen. Zu tief saß der Schmerz, den ich ganz unten im tiefen Meer meiner Seele versenkt habe. Was kostete es mich an Kraft, in den hohen Wellen eures Egoismus nicht unterzugehen?! Meine Tränen ließen den Wasserpegel auf Rekordhöhe steigen und was blieb, war die Hoffnung, welche als lodernde Flamme in meinem Herzen nicht erloschen ist. Aber ich habe es geschafft. Letztendlich gelang es mir ein rettendes Ufer zu finden. Endlich sah ich einen Weg, die Wogen zu glätten und als dies geschafft war, war ich bereit für einen Rachefeldzug. Ich möchte euch ebenfalls nicht vorenthalten, wie ich es geschafft habe, gegen die Flut anzukämpfen. Das Geheimnis lag in einem einzigen Stift und einem Blatt Papier, denn ich entdeckte die Macht des Schreibens. Einfache Buchstaben zu unzähligen Worten und Sätzen zusammengefügt gaben mir neue Kraft und sollten zugleich als Waffe dienen.
Nun sitze ich hier in meinem teuren Wildledersessel und möchte euch als berühmte Schriftstellerin ,,Danke" sagen. Danke, dass ihr mir den Schreibstoff für meine, inzwischen zu Bestsellern gewordenen, Bücher geliefert habt. Ihr habt sie natürlich nicht gelesen, denn wieso solltet ihr euch auch jetzt für meine Texte interessieren, wo ihr es doch früher schon nicht getan habt. Die Hauptsache aber ist, dass ich mich von meinen schlechten Erinnerungen befreit habe, und solltet ihr jemals vor meiner Tür angekrochen kommen, versichere ich euch, werde ich Leute bezahlen, die euch von meinem Abtreter entfernen.
Am Ende habt ihr euch ins eigene Fleisch geschnitten, denn durch eure übertriebene Strenge, hatte ich etwas worüber ich schreiben konnte. Dafür, und für nichts anderes ein ganz herzliches Dankeschön!

In Liebe eure Tochter

Punktestand der Geschichte:   18

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Ich bin was ich bin

1.740 Aufrufe • vor mehr als 5 Jahren, Punkte: 48, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Trauriges
Es tut mir leid, ich soll nicht so sein.
Eine Frau die nur Frauen begehrt das darf nicht sein, passt in ...
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Lena

2.408 Aufrufe • vor mehr als 17 Jahren, Punkte: 28, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Wie gern wäre Bernd wie viele seiner Freunde auch ein Einzelkind. Doch leider hatte er eine vier Jahre jüngere Schwester, die er ohne Ende hasste.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 4 Min.

Verwandlung- Die Geschichte einer Dämonin

3.434 Aufrufe • vor mehr als 16 Jahren, Punkte: 210, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Fantastisches, Winter/Weihnachten/Silvester
Ich stehe draußen.
Um mich herum gibt es nichts außer Finsternis und den Mond, der Funken aus dem gefrorenen Schnee schlägt.
Es ist kalt.
Winter, eisiger, kalter, weißer Winter!
 Vorauss. Lesedauer: ca. 8 Min.

Weitere Stories des Autoren

Apathie eines Mörders

2.386 Aufrufe • vor mehr als 21 Jahren, Punkte: 26, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Schauriges
Sein Herz schlug schnell und das Blut, was an seinen Händen klebte, war noch warm. Reglos starrte er auf den leblosen Körper im Schnee. Sie sah immer noch wunderschön aus, mit ihrem langen, braunen Haar.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Der dunkle Raum

2.634 Aufrufe • vor mehr als 21 Jahren, Punkte: 19, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Umgeben von den dunklen, kalt wirkenden Wänden, eines kahl eingerichteten Raumes, saß sie auf einem nackten Holzstuhl. Vor ihr auf dem Tisch lagen einige unbeschriebene Blätter und mit ihren langen Fingern hielt sie verkrampft einen F
 Vorauss. Lesedauer: ca. 5 Min.

Erinnerung

2.423 Aufrufe • vor mehr als 21 Jahren, Punkte: 18, Favoriten: 0
 Poetisches - Erinnerungen
Vorbei ist die schöne Zeit,
die uns vereinte.
Werd sie nie vergessen,
deine Augen.
Hast meine Gedanken verzaubert,
sehe nur noch dein Bild,
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  hihi ich heiß auch jessica reinsch =)
dein text ähnelt meinen gedanken  
anonym  -  01.10.08 16:50

   Zustimmungen: 0

  Klasse. Da ist alles drin, was eine gute Geschichte ausmacht.  
Chris Stone  -  17.01.05 14:37

   Zustimmungen: 0

  Das ist zwar eigentlich sehr traurig, aber trotzdem wunderschön. Super!  
Lena N.  -  11.01.05 17:59

   Zustimmungen: 0

  Hi Jessy, den Text sollte man wirklich zu Ende lesen, richtig guter Schreibstil, (wenn man bemerkt das du erst 15 bist)

ps: hdl  
susi  -  06.01.05 21:38

   Zustimmungen: 0

Sharing is Caring

Sharing is Caring

Dir gefällt eine Story besonders gut?


╰┈➤ Teile sie! જ⁀➴


Den "Teilen" Button findest du unten rechts in jeder Story...


Jedes Teilen einer Story, hilft dem Autoren UND Webstories!

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Jochen" zu "Der Mythos vom edlen Wilden"

Super geschrieben und es ist herrlich, wie du die Hirngespinste von immerhin weltbekannten Persönlichkeiten entlarvst

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Einsamer Verlierer"

hm... ich halte das weggebellt für nciht so passend, weil man (bzw natürlich ich^^) an einen kleinen kläffer denkt, der zwar beachtung findet, aber an dem man - wie von regenwolke beschrieben - majest ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Sünde einer Nacht/2/erotische Geschichte 11" von rosmarin

-2- ____ Am nächsten Tag konnte ich mich kaum auf meinen Text konzentrieren. Unentwegt dachte ich an den Idioten Siggi. An seine Bernsteinaugen, die Küsse, seine offene Hose. Den Sternenhimmel.

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Sarajevo"

Wirklich zu tiefst ergreifend. Meisterlich geschrieben, wenn man das bei so einem Thema überhaupt sagen darf. Und durch die jüngsten Ermittlungen zum Stichwort "Heckenschützen Tourismus" leider wieder ...

Zur Story