Das schöne Entlein unter der Dusche - von: PoetySmurf.

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    PoetySmurf

Erstveröffentlichung: 11. Februar 2007
Bei Webstories eingestellt: 11. Februar 2007
Anzahl gesehen: 2.583
Erhaltene Punkte: 16
Seiten: < 1

Geliebt, beneidet und überall geachtet, so sieht sein Alltag aus. Kein Tag vergeht, an dem ihm keine Blicke folgen und in Gesprächen dreht sich alles um die üblichen Oberflächlichkeiten: Mein Auto, meine neuen Markensachen, meine Aktienkurse.
Er ist stets freundlich und scheint keinen Kummer zu kennen, doch innen sieht alles anders aus. Niemand sieht dies und würde es vermutlich auch nicht glauben.
Einzig wenn er den guten Anzug ablegt, um sich zu duschen und zu reinigen tritt sein Innerstes hervor. Das warme Wasser prasselt auf seinen Körper und rinnt über die Muskeln bis auf die Kacheln. In der Dusche gefangen übermannt ihn die eigentliche Einsamkeit seines Lebens. So sehr er sich auch bemüht, diese lässt sich nicht wegwaschen, weder mit Seife noch mit Bürste. Erst als die Haut schon gerötet ist lässt er diese fallen. Gleichsam sackt der starke Körper zusammen. Auf dem Kachelboden zusammengerollt geben sich Fleisch und Geist dem Schmerz hin gegen den sie sonst den ganzen Tag kämpfen. Selbst wenn die Dusche jetzt ausginge, so würden immer noch stetig Tropfen auf die Kacheln fallen. Da sie aber nicht aus ist bemerkt niemand die Tränen unter dem Wasserschwall. In all seiner Stärke und Pracht liegt er dort zusammengerollt und fürchtet das was war und noch mehr, was wohl noch kommen mag. Was er mehr als einmal versuchte wegzuschrubben haftet noch immer an ihm. Das sind Lüge, Betrug, Tod und Liebe. Dies alles lässt ihn nicht mehr los. Obwohl diese Schmerzen von verschiedenen Personen verursacht, prasseln sie wie der Regen der Dusche gemeinsam auf ihn ein. Viele Minuten vergehen, bis er sich aufsetzt und das Wasser abdreht. Nein, die verheulten Augen passen wirklich nicht in sein Gesicht. Während er so da sitzt und mit leeren Blicken auf den Duschvorhang starrt gleiten noch einige Tränen oder Tropfen durch sein Gesicht. Erst als er beginnt zu zittern rafft er sich auf, greift hinaus zu den Handtüchern und beginnt die Feuchtigkeit erst aus seinem Gesicht und dann vom restlichen Körper zu wischen. Nachdem er schließlich aus der Dusche hinausgetreten und in den guten Bademantel gehüllt ist, wirkt er wie zuvor. Noch im Bademantel geht er überprüfen ob ihn irgendwelche Nachrichten erreicht haben: Lediglich die automatische Benachrichtigung über die neusten Entwicklungen an der Börse.

Punktestand der Geschichte:   16

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