Die Stalker-Hotline - von: Robert Zobel.

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten

Von:    Robert Zobel

Erstveröffentlichung: 17. Juli 2007
Bei Webstories eingestellt: 17. Juli 2007
Anzahl gesehen: 2.659
Erhaltene Punkte: 28
Seiten: 2

Einen schönen guten Tag, mein Name ist Robert Zobel von der Stalker-Hotline. Habe ich dort Frau Hader?

Ich möchte nichts kaufen.

Aber Frau Hader. Sie haben doch vor einiger Zeit beim Sorgentelefon angerufen.

Woher…

Jetzt fragen Sie sich sicher, woher wir das hier wissen!

Ja.

Sie haben sich dort automatisch in eine Kartei eintragen lassen, auf die wir virtuell zugreifen.

Und das dürfen Sie einfach?

Einfach ist es nicht, aber wir dürfen.

Das sind ja Sachen.

Es wird sich gleich herausstellen, dass es nur zu Ihren Gunsten ist.

Ich bin gespannt.

Dürfen Sie sein. Laut der Unterlagen hatten Sie damals ziemlichen Liebeskummer wegen Ihres Exmannes.

Aber…

Beruhigen Sie sich. Wir geben das ja nicht weiter. Sie meinten damals, dass er sich nicht melden würde und so weiter.

Ja, das stimmt. Aber..

Denken Sie noch oft an ihn?

Ja!

Sind Sie oft traurig?

Ja!

Wollen Sie wieder durchstarten?

Ja.

Frau Hader, dann ist heute Ihr persönlicher Glückstag. Ganz speziell auf Sie haben wir ein Stalkingprogramm zugeschnitten. Sie können schon morgen am Telefon total fertiggemacht werden.

Hallo?

Frau Hader?

Was soll das?

Eine wirklich gute Frage. Sie haben ja moniert, dass sich Ihr Mann nicht gemeldet hat!?

Ja!

Und wir können Sie davon heilen. Frau Hader, Sie werden froh sein, dass er sich nicht mehr meldet oder sich nicht mehr gemeldet hat.

Aber..

Wollen Sie einmal testen, wie wir das meinen.

Ja, ähh

Wie heißt Ihr Exmann?

Jürgen.

Legen Sie bitte auf Frau Hader.


In diesem Moment legt Frau Hader mit offenem Mund auf, fühlt sich irgendwie weltfremd, überlegt gefühlte acht Stunden ob sie bei der Verbraucherzentrale anrufen soll, aber verwirft das, damit sie in keiner weiteren Kartei landet. Sie starrt noch immer auf das Telefon, der Brustkorb hebt und senkt sich in ungleichmäßigem Rhythmus. In dem Moment, in dem sie sich umdreht, klingelt das Telefon erneut.


Anna?

Ja?

Ich bin es.

Wer ich?

Jürgen.

Sie sind doch nicht der Jürgen. Sie sind doch der Mann von eben.

Nein, ich bin Jürgen.

Welcher Jürgen?

Dein Jürgen!

Quatsch, Jürgen würde niemals so durch die Nase sprechen.

Ich hab eine OP gehabt. Deshalb konnte ich mich auch nicht melden.

Sie sind doch der Mann von der Hotline!

Bin ich das?

Ja!

Ich gebe es zu, Frau Hader.

Was soll das?

So verdiene ich mein Geld. Für jeden Vertrag bekomme ich halt meine Provision.

Und was hab ich damit zu tun? Was hat Jürgen damit zu tun.

Sehr viel. Ich biete Ihnen ein monatliches Stalkerpaket für 50 Euro und dieser Service wird Sie diesen Jürgen vergessen lassen.

Indem Sie als dieser anrufen?

Ja.

Wie das?

Legen Sie auf Frau Hader und lassen Sie mich kurz Ihr Jürgen sein. Auch wenn es weh tut.

Aber..

Legen Sie auf.


Anna?

Jürgen?

Ja, ich bin es.

Schön.

Finde ich auch schön.

Wie geht es Dir denn?

Schlecht. Du hast Dich so lange nicht gemeldet.

Du Dich doch auch nicht.

Doch, habe ich.

Hast Du gar nicht.

Doch, Jürgen. Ich hab Dir einen Monat lang jeden Tag einen Brief geschickt und so lange auf deinen Anrufbeantworter gesprochen, bis Du ihn ausgeschaltet hast oder er kaputt ging.

Halt die Fresse.

Wie bitte?

Du hast mich schon verstanden, Du Scheißstück.

Stopp. Hier will ich das beenden.

Aber Frau Hader. Ich war noch nicht fertig. Spüren Sie nicht, wie sich eine Art Hass aufbaut?

Doch.

Sehen Sie, und diesen Hass bauen Sie unterbewusst schon jetzt gegen Ihren Jürgen auf.

Nein.

Doch, tun Sie.

Gegen Sie baue ich Hass auf.

Ja, und ich bin gerade Jürgen.

Das ist mir jetzt zu blöd.

Was spricht denn für Sie dagegen?

Alles.

Sagen Sie mir nur einen Grund und ich lege auf und wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Ich möchte mich nicht beschimpfen lassen.

Das ist gar kein Problem. Wir haben auch „Pervers“ zur Auswahl.

Wie bitte?

Ich würde als Jürgen anrufen und nur ganz obszöne Sachen hecheln.

Das würde mich auch verletzen.

Sie sind aber auch keine leichte Kundin. Probieren Sie das doch einfach mal einen Monat und wenn Ihnen das nicht gefällt, können Sie immer noch Nein sagen.

Ich sage jetzt Nein.

Dann wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.

Danke.



Sieben Tage später. Das Telefon klingelt und Frau Hader geht ran.


Hallo, Hier ist Jürgen. Du geiles Stück Scheiße.

Punktestand der Geschichte:   28

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Lied von der Arbeitsagentur

1.883 Aufrufe • vor mehr als 1 Jahr, Punkte: 406, Favoriten: 0
 Poetisches - Amüsantes/Satirisches
1. Suchst du Arbeit, hilft dir nur
deine Arbeitsagentur.
Man sucht Schornsteinfeger, Lehrer,
Treckerfahrer, Schafe-Scherer,
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Mein politisch korrektes Tagebuch

3.385 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 318, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Aktuelles und Alltägliches
7:30
Guten morgen! Fröhlich weckt mich die Hähnin des nachbarschaftlichen Öko-Bauernhofs aus meinem Schlaf mit einem stolzen Schrei. Auch Hinnerk, der Landwirt mit den Bodenhaltungshühnern ist schon zu Gange
 Vorauss. Lesedauer: ca. 10 Min.

Toleranz

1.938 Aufrufe • vor mehr als 6 Jahren, Punkte: 12, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Neulich traf ich auf der Straße meinen ausländischen Nachbarn,
und wir kamen ins Gespräch.
Ich fragte ihn, was denn so seine Integration mache.
Gut, gut, sagte er, und er arbeite
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Weitere Stories des Autoren

8 mögliche Arten sich das Leben zu nehmen!

472.344 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 85, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches
Es gibt vielerlei Gründe warum man auf den Trichter kommen kann, dass es nötig ist, sich umzubringen. Hinzu kommt auch sicherlich, dass Selbstmord der einzig vernünftige Ausweg aus einer schwierigen Situation ist.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 11 Min.

Christinas erotische Geschichte

51.312 Aufrufe • vor mehr als 23 Jahren, Punkte: 77, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Erotisches
Befreiend über die schmalen Straßen zwischen den Fliederfeldern zu fahren. Mit offenem Verdeck, guter Musik und brennender Sonne auf dem Gesicht. Der Asphalt flimmert und lässt die wenigen Wolken vibrieren.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 7 Min.

Claras Weihnachtsfest

3.935 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 216, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Romantisches, Winter/Weihnachten/Silvester
Der grüne, große Baum im Eingangsbereich ist schön. Ganz oben an der Spitze thront ein Engel mit gefalteten Händen. Schneeweiß ist sein Kleid und es glitzert wie Schnee im Sonnenlicht.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 9 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  muahahaaaaaa..obskure Storie..gelungen

wenn du da mal nicht sogar eine Marktlücke entdeckt hast :-O  
anonym  -  08.07.08 06:19

   Zustimmungen: 0

  Lol! Eine Mischung aus seltsam und lustig. Zobel halt. Lg Sabine  
Sabine Müller  -  23.07.07 11:31

   Zustimmungen: 0

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Aktuell gelesen

"Die neue Webstories Seite ist jetzt online!" von Profil gelöscht

Ihr könnt ab sofort alles auf der neuen Seite erledigen. Gebt gerne eure Meinung dazu ab. Es folgen auch noch Screencast-Videos, wie ihr alles, was ihr mit der "alten Website" erledigen konntet,...

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Bitte bitte"

es wirkt, rosmarin, mission erfüllt! ich denke bloß bei dem "bitte bitte" sofort an das lied von den ärzten... dennoch, von mir bekommst du 5p:) lg darkangel

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Kuro Neko"

Was für eine tolle Mischung aus niedlich, rührseelig, schön und doch nachdenklich. Ich war am Ende zu Tränen gerührt. Dickes Kompliment! Werde ich sofort weiter teilen.

Zur Story  

Aktuell gelesen

"hilflos ausgeliefert" von Christian Dolle

Sie war ihm hilflos ausgeliefert, saß zitternd vor ihm und die Angst loderte wie ein flackerndes Kaminfeuer in ihren Augen. Beinahe hätte er Mitleid mit ihr bekommen, denn sie wirkte

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "Sabine Müller" zu "das erlernen des schwalbengleitens"

Ein schöner Text. Gefällt mir richtig gut. schöne Vergleiche, Bilder etc. Lg Sabine

Zur Story