Taubenliebe. - von: Gerald W..

Aktuelles und Alltägliches · Kurzgeschichten

Von:    Gerald W.

Erstveröffentlichung: 22. Februar 2011
Bei Webstories eingestellt: 22. Februar 2011
Anzahl gesehen: 8.580
Erhaltene Punkte: 315
Seiten: 3

Ich liebe Tauben, du auch? Weiß ja, die Meinungen gehen gerade bei diesem Thema ganz auseinander. Die einen hassen sie abrundtief, die anderen heben sie in den Himmel. Wobei man letzteres sogar wörtlich nehmen kann. Eine Freundin sagte neulich zu mir:
„Gerald, was findest du eigentlich an Tauben? Die sind doch nur fett und behäbig und scheißen die ganze Umgebung voll und verbreiten dadurch bestimmt Krankheiten und neulich hat mir sogar eine direkt auf die Motorhaube gekackt.“
„Tut mir echt leid“, erwiderte ich und machte ein Gesicht, als wäre ich es selbst gewesen.
„Ja, darüber solltest du wirklich mal nachdenken!“ , sagte sie wütend, „ denn das ist schon das dritte mal, dass mir so etwas passiert!“
„ Dir?“
„Quatsch, den Tauben natürlich! Hach, immer musst du einem die Worte im Munde verdrehn....Und es hat gedauert...“
„Das Scheißen hat gedauert?“
„Mann, natürlich bis ich das alles wieder weggekriegt habe. Ich finde es sollte keine Tauben geben.“
„Und ich habe jedes Jahr diese ekelhaften Lindeblüten an meinem Wagen kleben.“
„Ja und ?“
„Geht auch sehr schwer ab! Es sollte keine Linden mehr geben.“
„Haha wie witzig. Ich sehe schon, mit dir kann man heute wieder nur streiten und das nur wegen so einem Scheiß!“
„Tauben sind aber kein Scheiß“, sagte ich mit verzücktem Blick. „ Stell dir vor, jeden Morgen gurrt eine direkt vor meinem Fenster.“
„Grässliche Vorstellung!“
„Dieses Gurren hört sich so gut an, sage ich dir. So was macht mich ganz behaglich und wenn ich gut dichten könnte, würde ich folgendes schreiben. „ Warum liebt der Gerald Tauben? Weil sie ihm die Zeit nicht rauben.“
„Höhö, du mit deiner blödsinnigen Schreiberei. Da ähnelst du wirklich den Tauben, nichts als kleine Scheißhäuflein fabrizierst du da!“
„Aber das macht Spaß, wirklich. Probier`s mal!“
„Werde mich schwer hüten. Da wäre ich lieber ein stummer Lindenbaum!“
"Nein, jetzt mal ernsthaft, eine Taube ist gar nicht so dick. Schau dir mal den Eichelhäher an der ist doch richtig fett und ziemlich behäbig. Außerdem gibt es etwa 300 Taubenarten.“
„Und was nutzt mir das? Mir genügt schon diese eine Sorte! Wie heißt die übrigens?“
„Straßentaube und ist eine verwilderte Haustaube. Die größte Artenvielfalt befindet sich übrigens im Bereich von Südasien bis Australien.“
„Gottseidank, war ich da noch nie!“
„Sie würden dir gefallen. Einige von ihnen, dazu gehört die Fruchttaube, haben sogar äußerst farbenprächtiges Gefieder. Du kannst sie kaum von einem Papagei unterscheiden.“
„Papageien mag ich auch nicht! Die schreien nur herum und scheißen genauso viel.“
„Ich sehe schon, ich kann dich nicht überzeugen. Dann werde ich dich schocken. Weißt du dass die größten Arten etwa so groß wie ein Huhn werden?“
„Hört sich lecker an. Haben garantiert kein Dioxin im Fleisch.“
„Sadistin! Tatsächlich sollen Tauben sehr gut schmecken. Jedenfalls sind sie kräftig gebaut und ...“
„Also doch dick!“
„ ...und haben auffallend kleine Köpfe.“
„Brauchen ja auch nicht viel Hirn, die meiste Denkarbeit verwenden sie eh nur für ihre Hintern!“
„Jetzt wirst du aber richtig gehässig. „ Sie haben eben eine gute Verdauung und ernähren sich fast nur von pflanzlicher Nahrung, die unzerteilt geschluckt wird. Sie können mit ihrem Schnabel keine Körner oder Samen enthülsen und haben einen großen, zweiteiligen Kropf.
Tauben sind intelligent. Früher wurden sie als Brieftauben genutzt. Dazu brachte man sie erst einmal von ihrem Heimatschlag weg. Die Nachricht wurde am Fuß oder Rücken der Taube befestigt und dann flog sie in ihre Heimat zurück. Man nutzte sie im Krieg. Sie rettete Leben mit ihren Nachrichten.“
„Was war bisher die längste Strecke einer Taube?“
„Ah, ich sehe, du beginnst dich echt zu interessieren. Sie kann bis zu 1400 km bewältigen. Dazu benötigt sie allerdings enorme Energiereserven und die erhält sie über ihr Körperfett.“
„Und wie orientiert sie sich?“
„Man weiß noch nicht so richtig, weshalb eine Taube immer zielsicher wieder heim findet. Die Wissenschaft meint, dass Brieftauben wohl ähnlich wie Zugvögel funktionieren und sich nach dem Stand der Sonne und dem Magnetfeld der Erde richten. Der besondere Sinn magnetische Impulse zu spüren soll sich übrigens im oberen Teil des Schnabels der Taube befinden. Stell dir vor, es soll Tauben gegeben haben, die wegen einer Flügelverletzung zu Fuß nach hause marschiert sind. Tauben sind wirklich treu. Sie baut das Nest, er bringt die Zweige herbei. Beide füttern aufopfernd ihre Jungen mit der Kropfmilch. Wenn der Partner stirbt hält der andere Totenwache.“
„Tatsächlich?“
Ich nickte. Sie schien gerührt zu sein.
„Trotzdem hasse ich Tauben!“, fauchte sie plötzlich, wendete mir den Rücken zu und schon war sie gegangen.
Tja, da konnte man wohl nichts machen. Ich nahm nachdenklich meine Brille ab und begann den klebrigen Lindenblütenfleck wegzuputzen, den ich plötzlich von irgendwoher bekommen hatte oder sollte da etwa ....? Ich blickte zum Himmel. Irgendetwas landete flatternd in den Bäumen. Egal, ich liebe Tauben!

Punktestand der Geschichte:   315

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Kommentare zur Story:

  Eine sehr lustige geschichte. Ich musste oft schmunzeln. Des einen Freud ist des anderen Leid. Tauben können sehr nützlich sein, sie sind aber auch echte Krankheitsüberträger. Ich mag diese zwar auch nicht so, Ziervögel wie Sittiche oder Papageien dafür aber umso mehr.
LG. Michael  
   Michael Brushwood  -  01.03.11 09:52

   Zustimmungen: 0

  Hallo Else und Petra, freut mich, dass ich euch so gut unterhalten konnte.  
   Gerald W.  -  26.02.11 13:32

   Zustimmungen: 0

  Ich mag sie auch nicht, aber deine Story schon. Einfach süß.  
   Petra  -  23.02.11 11:48

   Zustimmungen: 0

  Das war eine kurze und sehr nette Unterhaltung. Durchaus gelungen.  
   Else08  -  22.02.11 16:31

   Zustimmungen: 0

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