Gift - von: snow white.

Erinnerungen · Kurzgeschichten · Winter/Weihnachten/Silvester

Von:    snow white

Erstveröffentlichung: 4. Dezember 2012
Bei Webstories eingestellt: 4. Dezember 2012
Anzahl gesehen: 2.460
Erhaltene Punkte: 24
Seiten: 2

Es klingelt und mit dem öffnen der Tür weht ein kalter Wind die ersten Schneeflocken ins Haus. Wir umarmen uns und du drückst deine kalte Nase in mein Haar. Heute ist feiern angesagt.
Draußen gefriert mein Atem und der Geruch von gebrannten Mandeln und Mutzen erinnert daran, dass das Jahr fast vorbei ist. An der Schlittschuhbahn holen wir unser Grasmädchen ab. In ihrer Wohnung kochen wir Nudeln und trinken Wein, du zerkleinerst die Pollen. Wir drehen Joints und leeren die zweite Flasche Wein, dann die dritte.
Wir machen uns auf den Weg zur Party und rauchen den ersten Joint. Ich atme tief ein und spüre wie sich das Gift einen Weg durch meinen Körper sucht. Kaum sind wir angekommen wird der zweite Joint geraucht, dann geht es auf die Tanzfläche. Wir tanzen als wären wir allein, als wäre niemand da. An der Bar gibt es die erste Runde, wir fangen mit Tequila an. Gleich die zweite hinter, dann ein Stück Brot. Wir gehen raus und rauchen. Ich ziehe kräftig an meiner schlecht gedrehten Zigarette und spüre wie die Zellen in meiner Lunge sterben, spüre, wie das Gift meinen Körper angreift. So läuft es den ganzen Abend, tanzen,trinken, rauchen. Die Party ist langweilig, aber ich genieße die Augenblicke in denen ich zitternd in der Kälte stehe und den Rauch, das Gift, aus meinen Lungen in den Himmel puste. Bei der siebten oder achten Zigarette am Tag kotzt uns plötzlich das erste Absturzkind vor die Füße, sein Körper wollte das Gift loswerden.
Um kurz nach eins verlassen wir die Party, sie langweilt uns und wir laufen durch die verlassene Stadt, nur noch zu zweit, das Grasmädchen und ich. Ich genieße die Lichter, die Einsamkeit, dieses Gefühl, alles tun zu können ohne, dass irgendwer es mitbekommt, mitten in einer Großstadt.
Um zwei Uhr nachts klettern wir mit Rührei aufs Dach und ich genieße den Ausblick, oder probiere es zumindest. Ich habe Höhenangst, von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Mit zittrigen Händen drehe ich mir eine Zigarette und das ein- und ausatmen des Rauches beruhigt mich ein wenig. Und wie wir hier sitzen - so könnte es immer sein. Auf dem Dach sitzen, weit weg vom Boden und der Realität, dem Leben und Rauchen. Spüren, wie das Gift unsere Lungen zerstört.

Am nächsten Tag sitzen wir in dem Laden, in dem du arbeitest. Es ist kaum was los und ich warte darauf, dass mein Freund mich abholt. Ich habe die nach Rauch und Gras stinkenden Klamotten von gestern an. Wir langweilen uns und gehen hinter dem Laden eine rauchen. Es ist dreckig, überall stehen Mülltonnen und Abfälle vom Dönerladen gleich nebenan. Während ich einatme überlege ich wie viele ZIgaretten ich gestern geraucht habe, viele. Und mit denen der letzten zwei Wochen komme ich bestimmt auf 19, meine Lieblingszahl. Das wären mehr als in den letzten Jahren, seit ich meine erste Zigarette geraucht habe.
Kaum sind wir zurück im Laden kommt mein Lieblingsjunge auf mich zu und will mich küssen. Er hält inne und schaut mich an. Riechst du nach rauch? Vielleicht, antworte ich mit einem Grinsen. Ein wenig komisch schaut er mich an.

Auf dem Weg zu ihm drückt er mich gegen eine Hauswand und küsst mich.
Du schmeckst nach Rauch.
Ich weiß.
Fängst du jetzt damit an?
Nein, gestern war die Party, da ist es okay.
Okay. Rauchen... das schmeckt nicht, finde ich. Und es hat keine Wirkung. Man spürt nur, wie das Gift den Körper zerstört,wie es ihn kaputt macht.
Ja, das gefällt mir daran. Du spürst wie das Gift in deinen Körper dringt und sich seinen Weg sucht, wie es in deine Lunge gelangt und deine Zellen zerstört. Wenn du dir eine Zigarette anzündest, hast du Macht. Du kannst über Leben und Tod entscheiden. Jeden Tag.

Punktestand der Geschichte:   24

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Das Bekannte

769 Aufrufe • vor mehr als 2 Jahren, Punkte: 6, Favoriten: 0
 Poetisches - Nachdenkliches
Weiß ich einfach nicht wie man glücklich ist? Will ich einfach alles zerstören, was ich habe, weil ich nicht weiß, dass man einfach glücklich sein kann? Diese Seltenheit, des einfach
 Vorauss. Lesedauer: ca. 1 Min.

Kopfbahnhöfe, Teil 14 - DER MAI MACHT MANCHES NEU

2.674 Aufrufe • vor mehr als 4 Jahren, Punkte: 295, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches, Frühling/Ostern
Elender Zwiespalt zwischen Verstand und Gefühl, zwischen Hoffnung und Resignation. Was soll ich tun? Nichts kann ich tun. Ich bin gefangen zwischen Trauer und Verzweiflung, zwischen Vergebung und Zorn. Bin
 Vorauss. Lesedauer: ca. 13 Min.

LIEBE, WAS SONST? - Teil 3 von 5, Was passiert hier?

2.437 Aufrufe • vor mehr als 3 Jahren, Punkte: 353, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Nur noch 50 Kilometer bis Heilbronn. Allmählich überkommt mich ein flaues Gefühl. Bald werde ich bei Tante Lisa und Onkel Nobbie ankommen. Sie wissen Bescheid, wenn auch nicht so richtig.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 12 Min.

Weitere Stories des Autoren

Immer Du

2.468 Aufrufe • vor mehr als 13 Jahren, Punkte: 22, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Trauriges
Lächelnd umarme ich dich zur Begrüßung und wuschel dir durch deine blonden Locken. „Lass das“, sagst du lachend und alles ist so als würden keine 6 Monate vergangen sein seit
 Vorauss. Lesedauer: ca. 5 Min.

Schattendasein

2.240 Aufrufe • vor mehr als 13 Jahren, Punkte: 22, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Ich schaue zu dir herüber und sehe wie du lachst, sehe wie die anderen mit dir lachen. Sie haben dich sofort in ihr Herz geschlossen, ohne irgendwelche Fragen zu stellen.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

Betrogen

2.293 Aufrufe • vor mehr als 13 Jahren, Punkte: 20, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Wir waren zusammen, einfach so. Ich wollte nie etwas festes, aber ich hatte Angst dich zu verlieren. Also sagte ich, lass es uns probieren. Wir probierten. Ich genoss es in
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  Guter, kurzer Stil ohne Girlanden, der trocken die Leere "cooler" und abgefuckter Typen beschreibt und sich auf das Wesentliche beschränkt. Auch dein "Zeigefinger" ist nicht zu offensichtlich, sondern leicht versteckt. War angenehm zu lesen.  
   Michael Kuss  -  05.12.12 01:39

   Zustimmungen: 0

  nein, allein ist sie eigentlich, das grasmädchen ist da. nur
rückt das mehr in den hintergrund, denke ich, da es eher
um die dinge geht, sie sie denkt und erlebt.  
   snow white  -  04.12.12 21:54

   Zustimmungen: 0

  sehr gut geschrieben.
ich frage mich grade nur, ob sie jetzt die ganze zeit alleine ist und das 'Grasmännchen' nur in ihrem Kopf herrumgeistert  
   Sebastian Mortimer Grey  -  04.12.12 21:48

   Zustimmungen: 0

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Der Leuchtturm und das gebrannte Kind"

beim lesen dachte ich kurz: huch, so lang? die spannung wird sich wohl nciht bis zum ende halten... tja, falsch gedacht. du schaffst es, bis zum ende die stimmung aufrecht zu erhalten, stellst den ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Sünde einer Nacht/2/erotische Geschichte 11" von rosmarin

-2- ____ Am nächsten Tag konnte ich mich kaum auf meinen Text konzentrieren. Unentwegt dachte ich an den Idioten Siggi. An seine Bernsteinaugen, die Küsse, seine offene Hose. Den Sternenhimmel.

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Ohne Worte"

Wow. Kurz aber tiefgehend und wirklich ein Hammer Foto.

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Einsamer Verlierer"

hm... ich halte das weggebellt für nciht so passend, weil man (bzw natürlich ich^^) an einen kleinen kläffer denkt, der zwar beachtung findet, aber an dem man - wie von regenwolke beschrieben - majest ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Mein Lebensweg ( Kanzone)" von lillii

Mein Lebensweg - ist er mir vorgeschrieben? ist alles schon im Vorher festgelegt? Lässt sich durch mich vielleicht etwas bewegen? Was hätte mich sonst bis hierher getrieben,

Zur Story