Robinsons Seemannsgarn - von: holdriander.

Kurzgeschichten · Amüsantes/Satirisches

Von:    holdriander

Erstveröffentlichung: 26. Februar 2017
Bei Webstories eingestellt: 26. Februar 2017
Anzahl gesehen: 3.501
Erhaltene Punkte: 148
Seiten: 2

Robinson – Seemannsgarn
In einer Hafenkneipe sitzen Seemänner und klönen. Manchmal geraten sie dabei ins Spinnen und erzählen Unglaubliches. Da kam der Kapitän auf die Idee, dass derjenige, der das tollste Seemannsgarn spinnt, Sieger sein soll. Jens begann: „Ich saß mal auf einer einsamen Insel fest. So eine gaaanz kleine, wo nix wächst außer Gras. Eines Tages schwamm da ne Kiste vor der Küste, bin ich hin, hab sie gerettet und nun ratet mal, was darin war? Ein Rasenmäher. Da hatte ich wenigstens jeden Tag was zu tun“.
Jonny nickt: „Das ist das Schlimmste für einen Mann, wenn er nix zu tun hat. Auf meiner Insel gab es nix außer zwei steilen Bergen. Ich saß da direkt eingeklemmt! Aber ich hatte Kreide bei mir. Immer, wenn die Sonne aufging, habe ich einen Strich gemacht und wenn sie unterging, habe ich den Strich durchgestrichen. Da sind die Tage gleich viel schneller vergangen, du!“
Hannes meint: „Ja, auf so einer Insel kann es ganz schön langweilig sein. Als ich mal da war, kam jeden Tag Besuch. Da legte sich immer so ein Arm um meine Augen und ich musste raten, wem er gehört. Anne war es nicht, Jana war es nicht, Eva war es nicht – es war ne Krake!“
Darauf Moritz: „Einsamkeit ist eben nix für einen gestandenen Mann. Als ich auf so ner Insel war, hatte ich wenigstens den Fernseher mit an Land genommen. Leider kam da nur ein Film über ne einsame Insel, immer wieder, wie ne endlos-Schleife!“
Jörn berichtet: „Ich saß auch mal auf so einer gaaanz kleinen Insel fest, aber mit einer Frau zusammen. Wir waren beide nackelich und ich wusste gar nicht mehr, wo ich hinsehen sollte. Da kam Gottseidank ein Schiff, eine Mobile Bibliothek, nun konnte ich die Nase ins Buch stecken“.
Jonas erzählt: „Mit den gaanz kleinen Inseln ist das so eine Sache. Ich hatte auch mal das Vergnügen. Und was soll ich euch sagen – da kam ein Hai geschwommen mit so einem Affenzahn, der hat doch glatt mit seiner Rückenflosse ein Stück von der Insel abgeschnitten!“
Darauf Jim: „Ach, du Armer, da wurde ja die kleine Insel noch kleiner! Aber ist mir auch passiert. Bloß – bei mir war es ein großes Schiff, das hat fast die Hälfte der Insel abgeschnitten!“
Achim fügt hinzu: „Ihr armen Pechvögel! Als ich auf dem kleinen Eiland festsaß, kam schon am dritten Tag ein Schiff und ich versprach mir Rettung, aber ihr glaubt nicht, was der Maat gemacht hat – er hat das Hemd, das ich als Fahne an die einzige Palme gebunden hatte, durch einen BH ersetzt und mich da so zurückgelassen!“
Der Kapitän schüttelt den Kopf: „Die Geschichte ist ungültig. So würde sich niemals ein Seemann seinem Kameraden gegenüber verhalten. Hört nur, was mir passiert war: Ich hatte ein Schiff gesehen, ein kleines Schiff in der Ferne und ich habe gebetet, dass es zu mir kommt und mich rettet! Es kam auch tatsächlich zu mir, aber als es an meinem Strand lag, war es genau so klein, wir ich es in der Ferne gesehen hatte, zehn Zentimeter groß“.
Achim wollte seine Scharte auswetzen und begann von vorn: „Also ich saß auf einem kleinen Eiland fest und hatte meine Hose, von der sämtliche Knöpfe abgerissen waren, mit dem ebenfalls zerrissenen Hemd an der Palme befestigt. Nachdem ich da schon eine ganze Weile gesessen hatte und von einem Berg träumte, an dem ich wenigstens die Tage abstreichen konnte oder einen Fernseher, wo ich einen Film über was auch immer sehen könnte oder dass mich eine Krake besucht oder wenigstens ne Mobile Bibliothek vorbeikäme, sah ich eines Morgens eine Kiste in Küstennähe schwimmen“. – „Na prima, da haste ja dann wenigstens meinen Rasenmäher bekommen“. – „Nee, du, in meiner Kiste waren Knöpfe!“ – „Knöpfe? Wozu sollen die denn gut sein?“ – „Na, zum Annähen“. – „Aha, damit du deine Hose wieder anziehen könntest“. – „Hose? Wer braucht denn ne Hose? Ich bin immer nackelich in die See und habe mit meinem Schniedie gewackelt und dann haben die Fische bei mir angebissen – ich war der einzige von uns, der auf seiner Insel nicht verhungert ist!“
Da lachte der Kapitän: „Gut, du hast gewonnen! Und wer gewonnen hat, bezahlt“.

Punktestand der Geschichte:   148

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Fünf - Minuten - Werke und andere Lyrikflusen

3.786 Aufrufe • vor mehr als 18 Jahren, Punkte: 45, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches, Experimentelles, Zum Weiterschreiben
Hier kann man nach Lust und Laune Lyriksplitter, flotte Verse und auch Fünf-Minuten-Werke posten.
Von grottenschlecht bis saugut ist dieses Mal Alles erlaubt. Ich bin gespannt, was dabei so heraus
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Das Treffen

3.028 Aufrufe • vor mehr als 14 Jahren, Punkte: 47, Favoriten: 0
 Poetisches - Fantastisches
Alle sind im Garten
Braque isst einen Fisch
Calder macht ein Mobile
Jawlensky meditiert
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Rielchen´s Verrückte Hexen- und Heldenküche

3.868 Aufrufe • vor mehr als 14 Jahren, Punkte: 156, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches, Experimentelles, Zum Weiterschreiben
Rielchen´s Verrückte Hexen- und Heldenküche
Hallo, ich bin Anariel, auch Riel oder eben Rielchen genannt. Was die Verniedlichung soll, weiß ich selber nicht so genau, schließlich bin ich nicht niedlich,
 Vorauss. Lesedauer: ca. 4 Min.

Weitere Stories des Autoren

Die wahre Geschichte vom Holzmichel

13.834 Aufrufe • vor mehr als 18 Jahren, Punkte: 250, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Für Kinder
In einer Kleinstadt mitten im dichten Walde lebte einst ein fröhlicher Junge mit Namen Michael Holz.
An diesem Namen aber stießen sich die anderen Kinder
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Minna

6.387 Aufrufe • vor mehr als 19 Jahren, Punkte: 405, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Erinnerungen
Mit dreizehn Jahren kam sie nach Berlin. In Stellung bei Familie Studienrat Krause. Die ersten fünf Jahre verließ sie das Haus nur, um mit der kleinen Tochter des Hauses spazieren zu gehen
 Vorauss. Lesedauer: ca. 7 Min.

Der Tag, an dem ich mannstoll war

5.078 Aufrufe • vor mehr als 20 Jahren, Punkte: 497, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Erinnerungen
Es gab einmal eine Zeit, da war ich jung, lebenslustig und schrecklich naiv. Ich glaubte allen Ernstes, dass ein Mann, wenn er eine Frau küsst und zu ihr von Liebe spricht
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  Wirklich, eine süße Story, die mich auch amüsiert hat.  
   Else08  -  15.10.18 14:34

   Zustimmungen: 0

  vielen dank, liebe doska.
lg  
   holdriander  -  27.02.17 16:35

   Zustimmungen: 0

  Eine süße kleine Geschichte. Ich habe viel schmunzeln müssen. Am besten hat mir der Schluss gefallen. Schön, dass ich mal wieder etwas von dir lesen konnte, denn du hast einen wunderbar leichten Schreibstil, der sich gut liest. Davon könnte man glatt mehr vertragen.
Die allerbesten Grüße an Dich
von  
   Doska Palifin  -  27.02.17 14:24

   Zustimmungen: 0

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Aktuell gelesen

"UND IMMER LOCKT DIE HAUT" von Jenno Casali

so warm und so flauschig kuschelt sie sich an, kuschelt sie sich ein und man fühlt, was sie denkt, wenn sie errötet und trotzdem genießt so muskulös auf zart-weich, ja

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "Tintenkleckschen" zu "Bitte bitte"

Ja, gefällt mir ganz gut. P.S.: Relaxen schreibt man mit a.

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Sarajevo"

Wirklich zu tiefst ergreifend. Meisterlich geschrieben, wenn man das bei so einem Thema überhaupt sagen darf. Und durch die jüngsten Ermittlungen zum Stichwort "Heckenschützen Tourismus" leider wieder ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Sünde einer Nacht/2/erotische Geschichte 11" von rosmarin

-2- ____ Am nächsten Tag konnte ich mich kaum auf meinen Text konzentrieren. Unentwegt dachte ich an den Idioten Siggi. An seine Bernsteinaugen, die Küsse, seine offene Hose. Den Sternenhimmel.

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "60 Minuten bis Weltuntergang - eine Szene"

alsö ich finds gut, witzig und ironisch verpackt und gleichzeitig mit der von susan benannten botschaft: und jetzt? lg darkangel

Zur Story