Der 31. Oktober - die letzte Nacht - von: Thomas Schwarz.

Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Thomas Schwarz

Erstveröffentlichung: 31. Oktober 2021
Bei Webstories eingestellt: 31. Oktober 2021
Anzahl gesehen: 2.181
Erhaltene Punkte: 221
Seiten: 2

Die letzte Nacht des Oktobers ist erreicht. Die Händler und Gottlosen feiern „Halloween“, während die evangelische Kirche mit ihren Schäfchen den Reformationstag begeht. Die Natur indes schert sich einen Dreck um beides. Sie bereitet sich auf ihr alljährliches Sterben vor, fängt, wie jedes Jahr die Seelen der Deprimierten, der Traurigen, der Hoffnungslosen ein.
Kürbisse mit geschnitzten Fratzen sitzen an Hauseingängen und grinsen von Balkonen herab. Hier und dort huschen verstörte Kinder mit verschmierten und verzerrten Gesichtern durch Straßen und Plätze, klingeln an fremder Leute Haustüren und sagen von Film und Fernsehen gelernte Sprüche auf. Manche der Angesprochenen machen mit bei diesem Spiel und Spaß, halten Süßigkeiten bereit, gruseln sich wohlig und freuen sich, Teil dieses Kulturereignisses zu sein, welches verzweifelt von Industrie und Handel, Jahr um Jahr den Leuten schmackhaft gemacht und als Alternative angepriesen wird zum Reformationsfest an dem Martin Luther gedacht wird wie er in Wittenberg am Dom seine 95 Thesen anschlug die den Anfang vom Ende der katholischen Lüge einleiteten; nämlich daß wenn nur die Münze im Kasten klänge die Seele aus dem Feuer spränge.
Während sich die Menschen für die eine oder andere Feier entscheiden, haben Feuerwehr, Notärzte, Ersthelfer und Polizeibeamte keine Wahl; sie müssen auf die Notrufe der 110 oder 112 reagieren, müssen die Hieb- und Stichverletzungen der Verwundeten versorgen, müssen zur Stadt hinaus, das lustige Treiben, die besinnlichen Chorgesänge hinter sich lassen an diesem besonderen Abend, dieser einzigartigen Nacht. Sie müssen die zerfetzten Leiber von den Gleisen nehmen, draußen, wo ´s jetzt dunkel ist und bestenfalls vereinzelt Sterne vom Himmel herab schimmern, als Zeugen. Die Lautsprecheransagen in den Bahnhöfen informieren über Verzögerungen und manche Reisende stehen verärgert und viele stöhnen, denn der Wind weht heute Nacht wieder so kalt über die Gleise und durch die Bahnhöfe und die dünnen Kostümchen und Kleidchen geben doch keinen Schutz vor dem Wind, dem kalten und vor der bitteren Kälte und in manchen Kürbissen erlöschen die kleinen Flammen der Kerzlein in dieser Nacht, die für den gewaltigen Kreislauf des Lebens nicht wirklich außergewöhnlich ist weil sie kam und ging bevor wir sie zu einer besonderen, einer einzigartigen Nacht machten.

Punktestand der Geschichte:   221

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Der Windschiffer

3.901 Aufrufe • vor mehr als 25 Jahren, Punkte: 50, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Fantastisches, Sommer/Urlaub/Reise
Ein Blick auf den Druckanzeiger am Tank: kaum noch Wasserstoff. Er würde sich bei seinen Einkäufen einschränken müssen und mal wieder die eigenen Reserven aufstocken.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 8 Min.

Vorm Textilkombinat

2.573 Aufrufe • vor mehr als 16 Jahren, Punkte: 27, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches
Die Balkone der Textilfirma tragen Eis.
Oh, wie schön das aussieht, aber das kann auch ins Auge gehen.
Ja, deswegen muss da geklopft werden aber nicht am Haus.
An den
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Zirkuslöwenleben

3.420 Aufrufe • vor mehr als 20 Jahren, Punkte: 32, Favoriten: 0
 Poetisches - Trauriges
Gesenktes Haupt, starr-trüber Blick,
hinter Gitterstäben dick,
traurig er die Runden dreht,
weil es sonst nicht anders geht.
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Weitere Stories des Autoren

Die vier himmlischen Gesellen

56.415 Aufrufe • vor mehr als 9 Jahren, Punkte: 373, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Für Kinder, Winter/Weihnachten/Silvester
Die vier himmlischen Gesellen geben sich für uns auf der Erde alle Mühe, aber ...
 Vorauss. Lesedauer: ca. 7 Min.

Die himmlische Näherin Ein Märchen von Thomas Schwarz/Bernd Arnold

31.185 Aufrufe • vor mehr als 8 Jahren, Punkte: 347, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Für Kinder
In einem großen herrschaftlichen Haus saßen zwei Dienstmägde abends am Kamin. Die eine hieß Adele, die andere Lucia. Während Adele Socken stopfte, schimpfte Lucia liebevoll mit ihr: „Dummes Ding! Hättest
 Vorauss. Lesedauer: ca. 8 Min.

Die Amsel

30.687 Aufrufe • vor mehr als 8 Jahren, Punkte: 270, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches, Frühling/Ostern
Die Amsel
Heute früh saß eine Amsel auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses.
Mit lauter Stimme lobte sie den blauen, wolkenlosen Himmel, den sonnigen Morgen, das leuchtende Gelb der Forsythien
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

Leider wurde diese Story noch nicht kommentiert.

  Sei der Erste der einen Kommentar abgibt!  

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Jochen" zu "Der Mythos vom edlen Wilden"

Super geschrieben und es ist herrlich, wie du die Hirngespinste von immerhin weltbekannten Persönlichkeiten entlarvst

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Glücksmomente" von Lena Leibetsder

Jeder Tag ist eine neue Chance, eine neue Möglichkeit sein Leben zu verändern, das Vergangene hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Wenn wir unser Leben wirklich ändern wollen, dann

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Die Farben der Welt"

keine lust auf einen kommentar. du hast die stimmung ZU gut verpackt und ich habe schlechte laune... auch wenn mir das 5p wert ist... lg darkangel

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Sarajevo"

Wirklich zu tiefst ergreifend. Meisterlich geschrieben, wenn man das bei so einem Thema überhaupt sagen darf. Und durch die jüngsten Ermittlungen zum Stichwort "Heckenschützen Tourismus" leider wieder ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Minna" von holdriander

Mit dreizehn Jahren kam sie nach Berlin. In Stellung bei Familie Studienrat Krause. Die ersten fünf Jahre verließ sie das Haus nur, um mit der kleinen Tochter des Hauses spazieren zu gehen

Zur Story