Ein Moment - von: Homo Faber.

Kurzgeschichten · Nachdenkliches

Von:    Homo Faber

Erstveröffentlichung: 31. Juli 2022
Bei Webstories eingestellt: 31. Juli 2022
Anzahl gesehen: 2.510
Erhaltene Punkte: 301
Seiten: 2

Ein Moment

Es war wieder einmal ein Tag, an dem alles schief ging. Auf der Arbeit kam ich nicht weiter, ich fühlte mich total überfordert und wusste nicht, wie ich meine vorgegebene Fallzahl für den Tag erreichen sollte.
Völlig frustriert, weil ich so gut wie noch nichts geschafft hatte, ging ich in die Mittagspause, von der ich aber nichts hatte, weil ich noch eine Besorgung erledigen und ein Paket abholen musste, was ich nach der Arbeit wegen anderer Termine nicht machen konnte.
Im Supermarkt musste ich feststellen, dass ich eine Riesenschlange vor mir hatte, die mich eine Menge Zeit kostete. Und das nur für ein Teil. Meine Pause war fast abgelaufen, als ich raus kam. Zwar hatte ich Gleitzeit und konnte meine Pause überziehen, aber dann musste ich die Zeit wieder aber dann würde ich heute noch weniger schaffen.
An der Post angekommen, hatte ich glücklicherweise nur einen Herrn vor mir. Aber dieser Herr schien irgendein Problem zu haben, so dass es nicht weiterging. Normalerweise hätte ich meine Pause nur um etwa fünf Minuten überzogen, wenn dieser Mann sein Anliegen schnell geklärt hätte, aber er quatsche und quatschte. Zehn Minuten waren inzwischen schon vergangen.
Hinter mir befand sich inzwischen eine Dame. Zufällig bekam ich ein Teil des Telefongesprächs mit. „Ich muss in fünf Minuten unbedingt die Bahn mitkriegen, sonst kriege ich meinen Anschluss nicht mit, aber hier geht es nicht weiter.“
Eine Minute verging, zwei Minuten vergingen, drei Minuten vergingen. Endlich war der Herr zufrieden und verabschiedete sich. Ich war an der Reihe. Die Frau hinter mir hatte nur noch zwei Minuten, bis ihre Bahn kam. Na ja, der Tag war bei mir eh schon gelaufen, dann kam es bei mir auch auf die paar Minuten nicht mehr an.
„Ich wollte Ihr Telefongespräch gerade nicht belauschen“, sagte ich zu ihr. „Aber ich habe zufällig mitbekommen, dass Sie die Bahn unbedingt mitkriegen müssen. Wenn es Ihnen noch hilft, lasse ich Sie gerne vor.“
Ihre Augen leuchteten vor Freude auf. „Wirklich, das wäre total nett. Ich muss das Paket nur zurückgeben, dann erwische ich die Bahn vielleicht doch noch.“

„Vielen Dank noch einmal und ein schönes Wochenende“, sagte sie noch einmal, als sie nach nur ein paar Sekunden fertig war und verließ fröhlich den Laden. Glücklicherweise befand die Haltestelle sich direkt davor, so dass sie die Bahn, die genau indem Moment einfuhr, mitbekam.

Ich fühlte mich richtig gut, als ich zur Arbeit zurückkehrte. Es war so ein toller Moment zu sehen, dass ich jemand mit nur einer so kleinen Geste, eine so große Freude bereiten konnte.

Plötzlich kam ich auf der Arbeit auch wieder voran, so dass ich zum Feierabend das Tagesziel doch noch erreichte. Vielleicht hatte diese Dame mir ja einen Geistesblitz geschickt.

Punktestand der Geschichte:   301

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Friede und Liebe für alle

2.516 Aufrufe • vor mehr als 17 Jahren, Punkte: 37, Favoriten: 0
 Poetisches - Nachdenkliches
Jeder hat die Last zu tragen
von Sorgen, Ängsten, die ihn plagen
kleines Päckchen - oder groß
wir nennen es auch Schicksal, Los
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Wunderbare Kleinigkeiten

2.692 Aufrufe • vor mehr als 19 Jahren, Punkte: 21, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches, Experimentelles, Zum Weiterschreiben
Oft sind es die kleinen großen Dinge, die das Leben liebenswert machen und ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.

Neulich habe ich mich gefreut, dass eine "BWLerin" Herz gezeigt hat und bei einer Prüfung (in einem anderen F
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

glück

2.813 Aufrufe • vor mehr als 23 Jahren, Punkte: 36, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Bist du schon einmal alleine durch eine dunkle Winternacht spaziert? Es ist herrlich. Der Schnee, der im Laternenlicht glitzert und strahlt, die eisige Kälte, die Schneeflocken, die sich selig auf deiner Nase niederlassen, die Sterne, die in der
 Vorauss. Lesedauer: ca. 1 Min.

Weitere Stories des Autoren

Ich und die Bundeswehr - Mein erster Tag

9.184 Aufrufe • vor mehr als 19 Jahren, Punkte: 108, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Erinnerungen
Am ersten Juli war der große Tag: Ich musste zur Bundeswehr. Große Lust hatte ich zwar nicht, aber irgendwie würde ich die zehn Monate schon herumkriegen, zumal beim Barras, so wie mir bekannt war, immer viel gesoffen würde. Na
 Vorauss. Lesedauer: ca. 5 Min.

Aussichtslos

2.368 Aufrufe • vor mehr als 4 Jahren, Punkte: 305, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
„Ihr müsst euch darüber klar werden, dass es Situationen gibt, in denen ihr nichts mehr machen könnt. Und dann war es das einfach.“
Diese Worte hatte uns der Leiter eines
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

Die Eisbanditen und Corona

2.286 Aufrufe • vor mehr als 4 Jahren, Punkte: 242, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches
Heute endete mal wieder ein Gefängnisaufenthalt für Klaus-Erich und Eddie. Doch dieses Mal wartete eine andere Freiheit auf sie als sonst, denn kurz nach Beginn ihrer Haft war Corona ausgebrochen.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

Leider wurde diese Story noch nicht kommentiert.

  Sei der Erste der einen Kommentar abgibt!  

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Aktuell gelesen

"UND IMMER LOCKT DIE HAUT" von Jenno Casali

so warm und so flauschig kuschelt sie sich an, kuschelt sie sich ein und man fühlt, was sie denkt, wenn sie errötet und trotzdem genießt so muskulös auf zart-weich, ja

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "Tintenkleckschen" zu "Kaputtke, unser Nachbar"

Ja, ich glaub jeder hat so nen Nachbarn. (Was wiederum unlogisch ist, weil es dann mehr Kaputtkes als normale Menschen gibt..) Skurill.

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Martin Guido Becker" zu "Mein politisch korrektes Tagebuch"

Bei dieser Geschichte habe ich herzlich gelacht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Denn die realität holt die Satire ein und die Welt wird so absurd, dass man es nicht mehr parodieren kann. Auch na ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Sünde einer Nacht/2/erotische Geschichte 11" von rosmarin

-2- ____ Am nächsten Tag konnte ich mich kaum auf meinen Text konzentrieren. Unentwegt dachte ich an den Idioten Siggi. An seine Bernsteinaugen, die Küsse, seine offene Hose. Den Sternenhimmel.

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "Sven Jaelin" zu "traumtanz auf den trümmern babylons"

schön knapp

Zur Story