Windmühlenweihnacht - von: Martin Guido Becker.

Kurzgeschichten · Amüsantes/Satirisches

Von:    Martin Guido Becker

Erstveröffentlichung: 22. Juli 2026
Bei Webstories eingestellt: 22. Juli 2026
Anzahl gesehen: 1.006
Erhaltene Punkte: 350
Seiten: 2

Es war einmal, so fangen alle Märchen an, so auch dieses, es war einmal ein Dorf, das lag am Hange eines bewaldeten Hügels, der sich so hochtrabend Berg nannte. In diesem Dorf gab es einstmals einen Streit, ob man den Wald roden und ein paar Windräder aufstellen soll, damit die Welt mit Strom versorgt werde, Strom, der ausreichen würde, um die Funzel in einem Stall anzutreiben, in dem ein Kind geboren werden sollte, das auserkoren worden war, die Welt zu erlösen. Das Dorf stritt sich einige Wochen lang heftig um den Wald, um die Windräder und um ein Krankenhaus, das auf dem Hügel lag, bis ein paar Fußballspiele später der ganze Streit vergessen war und nur noch ein paar wenige Grünlinge um die nicht gebauten Windräder trauerten.

Ja. man hatte entschieden, dass die Windräder nicht gebaut werden dürften, einigen seltenen Regenwurmarten zuliebe und weil auf einigen Bäumen im Wald Kartoffelkäfer, eine fast ausgestorbene Spezies, brüteten.
Doch in einer finsteren Nacht stiegen die Grünlinge heimlich hinauf auf den Hügel, der sich Berg nannte, sie rodeten den Wald und stellten sieben kirchturmhohe Windräder auf.
Da standen sie nun in ihrer zweifelhaften Pracht, die Regenwürmer packten ihre Siebensachen und die Kartoffelkäfer flogen davon.

Da standen die sieben Windräder, nur drehten die sich nicht, denn über dem Hügel, der sich Berg nennt, dort weht fast nie ein Wind, nicht einmal ein laues Lüftlein. Da setzten sich die Grünlinge hin und überlegten, was zu tun sei. Sie verstanden sich auf windige Geschäfte, sie verschoben Gebrauchtwagen, die nur durch Rost zusammengehalten wurden, sie offerierten Wein, der nichts weiter als gefärbtes Wasser war, sie verkauften Frischfleisch von Tierarten, die es seit Jahrtausenden nicht mehr auf unserem Planeten gibt. Auch verkauften sie Nashornpulver zur Erhaltung der Manneskraft und schöne bunte Pillen gegen die Traurigkeit. Doch alle diese windigen Geschäfte erzeugten längst nicht genug Wind, um die Propeller auch nur ein klein wenig zu bewegen.

Da kam einer auf die Idee, einen philosophischen Kongress zu veranstalten, so, wie er es einstmals im Fernsehen gesehen hatte, da saßen vier Philosophen um einen Tisch, die hatten sich ihre Wassergläser mit Schnaps gefüllt und sie redeten und redeten und redeten, bis es ihm vor dem Fernseher ganz schwindlig geworden war. „Ja, so etwas müssen wir auch machen am Fuße des Hügels, der sich Berg nennt“, so sprach er und unverzüglich lud er die berühmtesten Köpfe des Landes ein, diese setzten sich an einen Tisch und redeten durcheinander, sie machten reichlich Wind um ihre Theorien und tranken ihre mit Schnaps gefüllten Wassergläser leer. Und in der Tat, es erhob sich ein leises Säuseln, das zu einem Wind wurde, dieser sich zu einem Sturme, ja zum Orkan steigerte. Jetzt kann die Funzel brennen in dem Stall, in dem das Kind geboren werden wird, das unsere Welt erlösen soll.
Ja, die Funzel brannte, und hätte einer der Hirten nicht den Stecker gezogen, so hätte nicht nur die Funzel gebrannt, sondern es wäre der ganze Stall in Flammen aufgegangen. Die Windräder drehten sich mit rasender Geschwindigkeit, bis deren Getriebe anfingen zu rauchen, um dann lichterloh zu brennen und zu guter Letzt mit donnerndem Getöse die Windräder umfielen.
Inzwischen hatten die berühmtesten Köpfe des Landes ihre Gläser leergetrunken und sie hörten zu reden auf, denn wer nichts zu trinken hat, der macht nicht gern Wind, und so erstarb der Sturm augenblicklich, die Windräder lagen am Boden und der Wald konnte wieder wachsen, wie es ihm gefiel. Und wenn die Bäume nicht gestorben sind, so wachsen sie noch heute....

Punktestand der Geschichte:   350

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

10 weitere wunder von jesus

2.534 Aufrufe • vor mehr als 18 Jahren, Punkte: 6, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches
neben wasser zu wein
verwandelte jesus seine
nasenlöcher zu backöfen
aus denen nach und nach
 Vorauss. Lesedauer: ca. 1 Min.

Das Geschlecht der Proctoren

2.985 Aufrufe • vor mehr als 18 Jahren, Punkte: 5, Favoriten: 0
 Romane/Serien - Amüsantes/Satirisches
Die meisten Bewohner der großen galaktischen Kooperative kennen den berühmten Helden Proctor Silex, seines Zeichens universelles Genie und Auffinder von Dingen, die noch nicht verloren wurden ...
 Vorauss. Lesedauer: ca. 10 Min.

Das Retrodornröschen

2.025 Aufrufe • vor mehr als 19 Jahren, Punkte: 8, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches
Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit in einem nicht weit entfernten Land ein Mulitmilliardär und seine Frau. Sie wünschten sich schon lange ein Kind, aber ...
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Weitere Stories des Autoren

Der Mythos vom edlen Wilden

7.019 Aufrufe • vor 1 Monat, Punkte: 325, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Zivilisationskritik ist ein Dauerbrenner. Angefangen mit Rousseau und mit seinem Schlachtruf „Zurück zur Natur!“, dessen Werk sein Gegenspieler Voltaire so süffisant mit folgenden Worten...
 Vorauss. Lesedauer: ca. 12 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

Leider wurde diese Story noch nicht kommentiert.

  Sei der Erste der einen Kommentar abgibt!  

Sharing is Caring

Sharing is Caring

Dir gefällt eine Story besonders gut?


╰┈➤ Teile sie! જ⁀➴


Den "Teilen" Button findest du unten rechts in jeder Story...


Jedes Teilen einer Story, hilft dem Autoren UND Webstories!

Aktuell gelesen

"LIEBE, WAS SONST? - Teil 1 von 5, Autobahn und Leidenschaft" von Ingrid Alias I

Nur noch 200 von 400 Kilometern. Die Fahrt dauert endlos lang. Ich meide das Ruhrgebiet, fahre über Kassel, Frankfurt, Mannheim und irgendwann werde ich hoffentlich in Heilbronn landen. Meine Spur

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Jochen" zu "Der Mythos vom edlen Wilden"

Super geschrieben und es ist herrlich, wie du die Hirngespinste von immerhin weltbekannten Persönlichkeiten entlarvst

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Die Farben der Welt"

keine lust auf einen kommentar. du hast die stimmung ZU gut verpackt und ich habe schlechte laune... auch wenn mir das 5p wert ist... lg darkangel

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Der Bogen der Zeit Kapitel 2a" von Hanim

Auf der Terrasse war der Baum den man von der Straße aus sehen konnte und legte seine Äste Schatten spendend über eine Bank. „Warte hier“ sagte lächelnd der Alte“ich bin

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Sarajevo"

Wirklich zu tiefst ergreifend. Meisterlich geschrieben, wenn man das bei so einem Thema überhaupt sagen darf. Und durch die jüngsten Ermittlungen zum Stichwort "Heckenschützen Tourismus" leider wieder ...

Zur Story