Bald zu dritt - von: Homo Faber.

Nachdenkliches · Kurzgeschichten

Von:    Homo Faber

Erstveröffentlichung: 8. Februar 2007
Bei Webstories eingestellt: 8. Februar 2007
Anzahl gesehen: 2.379
Erhaltene Punkte: 6
Seiten: 2

Während sie das Essen zubereitete, überlegte sie, ob sie es ihm sagen sollte oder nicht. Natürlich musste sie es ihm sagen, aber sie wusste nicht, wann der beste Zeitpunkt dazu wäre.
Heute hatte sie erfahren, dass sie schwanger war. Wie würde er darauf reagieren? Wollte er überhaupt Kinder? Sie hatten noch nie darüber gesprochen. Vermutlich wollte er noch keine Kinder, er hatte erst vor einem halben Jahr sein Studium abgeschlossen und hatte nun begonnen, Karriere zu machen. Wie sollte sie ihm nun beibringen, dass sie bald zu dritt sein würden?
Da war er auch schon. Vor lauter Grübelei war sie mit dem Essen noch gar nicht fertig, sonst stand es immer pünktlich auf dem Tisch, wenn er am frühen Abend nach Hause kam.
„Wie war dein Tag?“, fragte sie ihm, nachdem er ihr einen Begrüßungskuss gegeben hatte.
„Ziemlich stressig“, antwortete er. „Hab ich einen Hunger. Ist das Essen schon fertig?“
„Nein, noch nicht ganz, aber es dauert nicht mehr lange“, antwortete sie.
Er nickte und ging ins Wohnzimmer, während sie das Essen weiter zubereitete. Doch sie war mit den Gedanken nicht bei der Sache, sondern musste immer noch dran denken, wie sie es ihm sagen sollte.
„Ich muss dir unbedingt etwas sagen“, sprach sie laut, damit er sie vom Wohnzimmer aus hören konnte. Sie traute sich nicht, ihm dabei ins Gesicht zu sehen. „Wir werden bald zu dritt sein.“ Nun war es raus. Keine Reaktion von ihm. „Ja, ich hab es heute erfahren, ich bin schwanger.“ Immer noch keine Reaktion von ihm. Er war wahrscheinlich sprachlos. Doch sie hatte es ihm endlich gesagt. Nun gab es kein Zurück mehr.
„Ich weiß, wir hatten noch nicht über Kinder gesprochen, und es kommt jetzt sehr unerwartet. Aber ich freu mich trotzdem riesig. Ich hoffe, du kannst dich auch freuen. Wir werden eine glückliche Familie.“ Sie wartete einen Augenblick. Sie hatte eigentlich gehofft, dass er, während sie die Worte sprach, aus dem Wohnzimmer zu ihr in die Küche kommen würde, sich ebenfalls freuen würde, sie in den Arm nehmen würde, doch es passierte nicht. Nicht die kleinste Reaktion erfolgte. Das beunruhigte sie. „Bist du jetzt geschockt?“, fragte sie. Immer noch keine Antwort. Nun hielt sie es nicht mehr aus und ging ins Wohnzimmer und erwartete, ihn dort kreidebleich vorzufinden. Doch er saß im Sessel und hörte Musik über Kopfhörer, während er den Kopf zur Musik bewegte. In dem Moment sah er auch sie und nahm sofort den Kopfhörer ab.
„Ist das Essen fertig?“, fragte er eifrig.

Punktestand der Geschichte:   6

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Der Geschichtenschreiber

2.845 Aufrufe • vor mehr als 20 Jahren, Punkte: 24, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Genervt saß er am Schreibtisch, er war den Tränen nahe. Ihm fiel einfach kein Thema für den Literaturwettbewerb ein. Wenn man ihn und seine Umgebung als Ausschnitt eines Bildes betrachtete, hätte man meinen können, er w&auml
 Vorauss. Lesedauer: ca. 7 Min.

Hin.

3.067 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 6, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Es gab jetzt eigentlich nur noch eine Möglichkeit. Schließlich saß ich bereits im Auto. Wenn ich wieder aussteigen würde, hätte ich etwas von einem Verlierer an mir haften. Und ob ich diesen Verlierer wieder los werden w&uu
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

Von einer Schwangerschaft

2.237 Aufrufe • vor mehr als 19 Jahren, Punkte: 4, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Amüsantes/Satirisches
Huch Gott, ich bin ja schwanger. Das passt ja nun gar nicht in mein Partyleben und dabei hab ich diesen Test nur aus Jux gekauft. Na ja aus Jux und Dollerei.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 7 Min.

Weitere Stories des Autoren

Ich und die Bundeswehr - Mein erster Tag

9.184 Aufrufe • vor mehr als 19 Jahren, Punkte: 108, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Erinnerungen
Am ersten Juli war der große Tag: Ich musste zur Bundeswehr. Große Lust hatte ich zwar nicht, aber irgendwie würde ich die zehn Monate schon herumkriegen, zumal beim Barras, so wie mir bekannt war, immer viel gesoffen würde. Na
 Vorauss. Lesedauer: ca. 5 Min.

Ein Moment

2.510 Aufrufe • vor mehr als 4 Jahren, Punkte: 301, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
Ein Moment
Es war wieder einmal ein Tag, an dem alles schief ging. Auf der Arbeit kam ich nicht weiter, ich fühlte mich total überfordert und wusste nicht, wie ich
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Aussichtslos

2.367 Aufrufe • vor mehr als 4 Jahren, Punkte: 305, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Nachdenkliches
„Ihr müsst euch darüber klar werden, dass es Situationen gibt, in denen ihr nichts mehr machen könnt. Und dann war es das einfach.“
Diese Worte hatte uns der Leiter eines
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  Hallo Darkangel,

das macht nichts :-), ist mir auch nicht besonders gelungen, es rüber zu bringen. So was kann man wahrscheinlich besser als sketch oder so rüberbringen :-).
Danke für kommentar und die bewertung.

lg Holger  
Homo Faber  -  25.02.07 19:26

   Zustimmungen: 0

  naja gegen die gedanken der frau habe ich nichts, das sind halt ihre gedanekn, aber irgendwie mussste ich den letzten teil dreimal lesen um zu verstehen was der witz ist^^ lag wohl eher an mir aber trotzdem fand ich es nicht sooo gut, auch weil mir das mit einigen leuten auch immer passiert dass ich was sage was mir wichtig ist und die es einfach net mitkriegen, weil sie abgelenkt sind... naja gut, die idee find ich aber nicht schlecht.

lg darkangel  
darkangel  -  24.02.07 17:22

   Zustimmungen: 3

  Hallo, ich finde es immer wieder interessant, was man manchmal aus Versehen für Botschaften in Texten mitbringt bzw. was Leser hineininterpretieren, drin sehen. Allgemein betrachtet ist das ja auch die Kunst des Schreibens - jeder entdeckt etwas, es gibt verschiedene Meinungen usw. Gruß Sabine  
Sabine Müller  -  14.02.07 20:11

   Zustimmungen: 0

  Mit der geschichte hab ich etwas rübergebracht, was ich gar nicht rüberbringen wollte. In der geschichte ging es eigentlich nur darum, sich bildlich vorzustellen, wie der Mann dort mit Kopfhörern saß und kein wort von dem mitbekommen hat, was die frau ihm erzählt hat und er denkt, sie wolle ihm zum essen rufen, als er sie sieht, was das witzige sein sollte. Das thema schwangerschaft wollte ich keineswegs auf die schüppe nehmen und die gedanken der frau auch nicht.  
Homo Faber  -  11.02.07 14:45

   Zustimmungen: 0

  ich finde die geschichte ziemlich realitätsnah. wenn man sich mal in verschiedenen gesellschaftsschichten die anerzogenen strickmuster und verhaltensweisen anschaut, muss man erkennen, dass eine solche situation sogar recht häufig vorkommt. ich habe es gerade im bekanntenkreis so ähnlich erlebt.
lg
nathan  
Nathanahel Compte de Lampeé  -  11.02.07 01:27

   Zustimmungen: 5

  also ich weiß nicht, was ich von der geschichte halten soll. sie erinnert mich wirklich etwas an loriot. und ich könnte sie mir auch nur als ironie vorstellen. in der realtät ist so etwas für mich eher unwahrscheinlich.
gruß  
rosmarin  -  10.02.07 21:14

   Zustimmungen: 0

  Ich glaube es nicht, aber er sollte sich selbst dazu äußern. Für eine echte Satire hat es zu wenig Biss. Und Klischees mag ich schon gar nicht. Lassen wir Holger zu Wort kommen.
Christa  
CC Huber  -  10.02.07 21:11

   Zustimmungen: 0

  Eine interessante Frage, Christa. Da gebe ich dir recht. Als ich die Geschichte gelesen habe und wirken gelassen habe, da fand ich es erst ein wenig amüsant, aber nur kurze Zeit. Ich denke Holger hat die Protagonistin extra so dargestellt. Wenn man sich das Ganze als Sketch vorstellt, mit dem typischen Klischee (aus Comedys) "Hausfrau" (und bald auch Mutter) dann könnte es durchaus amüsant sein. Aber das weiß der LEser nicht. Somit gibt es dann auch andere Meinungen dazu. Im Nachhinein fand ich es auch eher traurig, denn zu so einer Sache gehören auch zwei. Gruß Sabine  
Sabine Müller  -  10.02.07 21:00

   Zustimmungen: 0

  Hallo Holger,
ich finde den Text auch nicht unbedingt witzig, sondern eher nachdenklich. Und was mich fürchterlich stört, ist die demutsvolle, schuldbeladene Art Deiner Protagonistin. "Ach Gott, ich bin schwanger. Wie wird er reagieren?"
Ja, Himmelarsch, ich denke der Kerl war dabei, hat das "Seine" dazu beigetragen. Warum dieses unterschwellige "Ich bin schuld"?
LG
Christa  
CC Huber  -  10.02.07 18:08

   Zustimmungen: 4

  Hallo, gefällt mir wirklich gut. Es ist auf eine gewisse Art witzig, aber bei genauerem Überlegen hat es auch die Botschaft von zuhören, nicht gehört werden usw. Kann ich schlecht erklären. Gruß Sabine  
Sabine Müller  -  10.02.07 15:46

   Zustimmungen: 5

Sharing is Caring

Sharing is Caring

Dir gefällt eine Story besonders gut?


╰┈➤ Teile sie! જ⁀➴


Den "Teilen" Button findest du unten rechts in jeder Story...


Jedes Teilen einer Story, hilft dem Autoren UND Webstories!

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Die Hygiäne (leicht editiert)"

so jetzt hab ich mir ncoh mal deine story durchgelesen... iiiih:D muss schon sagen, jetzt kann ich dir mit gutem gewissen 5p geben!liest sich flüssig, ohne unnötiges gelaber und doch mit viele "int ...

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Pseudo Nym" zu "Sarajevo"

Wirklich zu tiefst ergreifend. Meisterlich geschrieben, wenn man das bei so einem Thema überhaupt sagen darf. Und durch die jüngsten Ermittlungen zum Stichwort "Heckenschützen Tourismus" leider wieder ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Erinnerungen an Anna" von Andrea Pfister

Es war in dem Jahr vor meinem Abitur, als eines Tages unser Direktor mit einer neuen Schülerin in unserer Klasse erschien. Er stellte uns Anna vor. Anna war klein, von schmächtiger Gestalt...

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Von Jägern und Sammlern"

na das läuft hier ja richtig gut! euer schreibstil passt einfach gut zusammen und eure wirren gedanken ersetzen sich auhc wunderbar! lg darkangel

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Martin Guido Becker" zu "Mein politisch korrektes Tagebuch"

Bei dieser Geschichte habe ich herzlich gelacht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Denn die realität holt die Satire ein und die Welt wird so absurd, dass man es nicht mehr parodieren kann. Auch na ...

Zur Story