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Die Asche meiner Stimme

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Alle paar Jahre das gleiche Ritual. Das tiefgefrorene Zahnpastalächeln der Kandidaten auf den Wahlplakaten. Ein kesser Spruch. Eine Parole.
Blendamed wirbt um Vertrauen. Colgate verspricht eine glänzende Zukunft. Rosa Einhörner in den Wäldern. Zuckererbsen bis zum Abwinken.

Unsere Sprache bringt es auf den Punkt: Ich gebe meine Stimme ab. Im Wahllokal. Ein Lokal ist eine Örtlichkeit zur Betäubung der Sinne. Eine Urne ist ein Behältnis zur Aufbewahrung der Asche Verstorbener. Nach Abgabe der Stimme bin ich stimmlos, habe nichts mehr zu sagen. Balle die Faust in der Tasche. Solange dies noch erlaubt ist.

Colgate hat doch so überzeugend gelogen, Blendamed hat so hinreißend geschwindelt. Das Lächeln auf den Plakaten war so einnehmend. So makellose Zähne…

Hinterher ist man klüger. Die Versprechen waren mit den Naturgesetzen nicht vereinbar gewesen. Die Rosa Einhörner sind in der Wurstfabrik gelandet und die Zuckererbsen stellten sich als ungenießbar heraus. Die allerbesten Absichten scheiterten am lieben Geld. Die Sympathieträger waren Schauspieler mit psychopathischen Tendenzen.
Ich werfe die Asche meiner Stimme in die Urne. Trinke im Lokal ein Gläschen auf das Wohl eines jeden Kandidaten. Wanke sturzbetrunken nach Hause...
 
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