Wahnsinn - von: Julia D..

Poetisches · Spannendes

Von:    Julia D.

Erstveröffentlichung: 24. November 2002
Bei Webstories eingestellt: 24. November 2002
Anzahl gesehen: 4.212
Erhaltene Punkte: 48
Seiten: 2

Das Feuer im Kamin tanzt einen lebhaften Tanz.
Meine Augen sehen umher,
die Schatten die sich ziehen,
starren unbeholfen nieder.
Gerade erst geboren und ungeschickt wie nie.
Die Wärme hier im Raum, erstickt die eisige Kälte
und ich lehne mich tief im Sessel und seufze.
Der Abend ist gemütlich und mein Herz genießt die Ruhe.

Doch plötzlich
Ein leises Knarren,
die Dielen schreien,
mein Herz macht einen Sprung,
und aus dem Feuer starrt eine breite Fratze mich an.

Die Schatten wachsen
Werden bedrohlich,
greifen nach mir
und versuchen mich zu schnappen.

Ich springe auf und suche die Küche.
Da! Wieder ein Knarren.
Es kam von oben, nicht weit von mir.
Mein Herz es rast,
fleht um Gnade
und die Hitze im Haus lässt alles flimmern.

Die Uhr ruft Zwölf
Die Dämonen erwachen.
Die Geister tun die Augen auf
Und die Monster strecken sich.

Sei kein Frosch! Sag ich mir selbst und setzte zum ersten Schritt an.
Es geht leicht,
die Treppe wirkt normal.
Doch plötzlich ein leises Wispern.
Die Stufen wanken und meine Hände verkrampfen sich.
Ich suche halte und fasse ins Leere.

Das Knarren so laut wie nie,
mein Herz, mein Puls, mein Blut, alles steht.
Die Beine so schwer wie Stein,
versuchen den Berg zu erklimmen.

Schließlich ist es geschafft!
Der Flur liegt vor mir,
leise und still.
Nein, nichts Ungewöhnliches gab es hier.
Alles grau und trist.
Die Fenster zu und der Boden sauber.
Mein Heim wie immer.

Ich drehe mich um, will wieder runter,
da ruft wer meinen Namen,
leise, kaum zu hören kommt es aus dem Raum vor mir.
Mein Schlafzimmer?
Ich verharre, horche auf weitere Zeichen.
Kein Knarren, keine Stimme, alles ruhig.
Ich lache selber über mich.

Ein kratzen lässt mich zu Eis werden.
Woher? Wieder mein Schlafzimmer?
Die Holztür, ragte stabil und bedrohlich vor mir.
Ihre kräftige Statur wächst gigantisch
Und mir war, als riefe sie mich.

Ich bekomme Panik,
als der Griff sich leise dreht.
Meine Augen halten an ihm fest,
kämpfen an gegen diesen Zauber.
Es ist kalt und meine Haare bäumen sich auf.

Der Flur lacht,
die Fenster kreischen,
die Treppe wackelt,
die Tür kichert
und mein Herz schweigt.

Ich drehe mich um,
renne runter.
Raus! Raus! Denke ich nur.
Das Feuer brüllt laut aus dem Wohnzimmer
Und leise Schritte tippeln die Treppen runter.

Ich renne zur Haustür,
wische den Schweiß von der Stirn.
Ein kräftiger Ruck und die Tür springt auf.

Die schwarze Nacht liegt vor mir.
Ihr Maul klafft auf und droht mich zu verschlingen.
Eine Hand auf meiner Schulter
und ich renne los in ihren Schlund.

Meine Lunge brennt,
Die Augen glühn,
Die Muskeln krampfen,
Die Hände schwitzen.

Um mich rum nur lautes Lachen.
Kein Schutz,
kein Licht,
kein Unterschlupf.

Ich renne und renne,
bis ich nicht mehr kann.
Meine Augen verdrehen sich
Und meine Knie werden weich.

Ich falle zusammen und
Bevor ich mich auffange,
bemerke ich die Wärme.
Mein Herz wird ruhig,
meine Seele holt Luft
und mein Körper landet weich.

Ich schrecke auf und sehe das Feuer.
Mein Wohnzimmer liegt in weichem Licht gefüllt vor mir.
Mir wird der Schrecken bewusst.
Ein Traum, ein schlimmer Traum.

Ich atme glücklich auf.
Beobachte die Schatten,
und den Tanz des Feuers, als
ein leises Knarren,
mein Herz springen lässt.

Gefangen in der Unendlichkeit,
streife ich noch heute umher,
versuche dem zu entkommen,
was ich selbst noch niemals sah,
und den Namen Wahnsinn trägt.

Punktestand der Geschichte:   48

Dir hat die Geschichte gefallen? Unterstütze diese Story auf Webstories:      Wozu?


Ähnliche Stories

Die Augen des Wahnsinns

2.063 Aufrufe • vor mehr als 23 Jahren, Punkte: 18, Favoriten: 0
 Poetisches - Schauriges
Mitt’ der Nacht herangebrochen
schlaflos ich mich quäle.
Dunkelheit um mich herum, und meine Augen schweifen.
---
Ein Glitzern, ein Funken, und schon wieder verschwunden
Geisterstund’
herangekrochen
 Vorauss. Lesedauer: < 1 Min.

Dahinter

3.071 Aufrufe • vor mehr als 22 Jahren, Punkte: 43, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Schauriges
Er sieht einen Wald, einen See in diesem, keine Straßen, keine Menschen. Er hört Vogelzwitschern, Knacken des Unterholzes, hört den Wind durch die Blätter rauschen. Er riecht die Waldluft, es scheint gerade geregnet zu haben.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Phobia - Noctiphobie

2.561 Aufrufe • vor mehr als 17 Jahren, Punkte: 14, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Schauriges, Experimentelles
Fieberträume und ungeahnte Schauer der Vorahnung lassen mich nicht zur Ruhe kommen, geschweige denn schlafen. Jedes Mal, wenn ich meine müden Augen gerade schließe keimen geisterhafte Ahnungsschauer in meinem Unterbewusstsein
 Vorauss. Lesedauer: ca. 7 Min.

Weitere Stories des Autoren

Fortsetzungsgeschichte

41.610 Aufrufe • vor mehr als 24 Jahren, Punkte: 34, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Fantastisches, Zum Weiterschreiben
Ein wenig betroffen starrte sie auf ihre Hände. Wer hätte gedacht, dass es einmal soweit kommen würde mit ihr. Wahrscheinlich jeder, außer ihr selber. Es stimmte, dass sie sich immer für was besseres gehalten hatte, aber jet
 Vorauss. Lesedauer: ca. 2 Min.

Er und sie

3.389 Aufrufe • vor mehr als 24 Jahren, Punkte: 236, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Trauriges
Er sah sie an. Wie schön sie war. So wunderschön. Das wusste er. Das hatte er schon immer gewusst. Auch als er noch bei ihr sein konnte.
Da stand sie nun. Ihr Haar ungekämmt, fiel über ihre Schultern.
 Vorauss. Lesedauer: ca. 4 Min.

Sypra

7.410 Aufrufe • vor mehr als 23 Jahren, Punkte: 49, Favoriten: 0
 Kurzgeschichten - Spannendes, Zum Weiterschreiben
Jason stieg vom Pferd. "Da seit Ihr ja!" rief man ihm entgegen.
Es war ein herrlicher Tag. Die Luft war mild und seit Wochen gab es keine Verbrechen mehr. Die Drachen hatten seit Monaten kein Dorf mehr angegriffen und die Gausun vom ander
 Vorauss. Lesedauer: ca. 3 Min.

User, die diese Story mochten, mochten auch

Das könnte dir auch gefallen

Kommentare zur Story:

  Ein wirklich guter, unterhaltsamer und spannender Text, an dem mich nur der etwas belanglose Titel stört. Schon an diesem ersten Text von dir kann man erkennen, dass du Riesentalent hast, und gerade dann solltest du (meiner Meinung nach) auch besonderen Wert auf den Titel legen.  
BeautifulExperience  -  23.12.04 07:54

   Zustimmungen: 0

  Wahnsinn!
Wahnsinnig blöd!  
Rodrian  -  14.11.04 17:28

   Zustimmungen: 0

  netter kleiner Grusel für zwischendurch.  
mork  -  05.02.03 22:38

   Zustimmungen: 0

  Nun habe ich versehentlich doch 5 Punkte angeklickt, aber ich denke das stört Dich nicht!  
Wolzenburg  -  30.11.02 04:22

   Zustimmungen: 0

  Für mich 'ne nette kleine Horrorgeschichte.
Doch bevor der Traum endete, hätte ich gerne noch das UNWESEN kennengelernt.
Weil ich Horror mag und ich mich so herrlich in die Storie hinein versetzten konnte bekommst Du 4 Punkte. Wäre es kein Traum gewesen, dann hätt'ste 5 Punkte bekommen.  
Wolzenburg  -  30.11.02 04:20

   Zustimmungen: 0

  Gleich vorneweg: auch ich hätte das lieber als Story gehabt, weil ich nun mal nicht so ein großer Gedichtefan bin.
Ansonsten: Wunderbar! Alle gruseligen Stellen aller Horrorgeschichten der Welt zusammengefasst. All die Angst, die wir als kleine Kinder hatten, wenn wir allein waren im Dunkel und die Geräusche anfingen...
Es steigert und steigert sich, bis zum Schluss rauskommt: da wurde jemand dran irre.
Geil das Teil!
PS: als ich den Kommentar abschicken wollte, machte es "Funz" und nix passierte. Danach war meine Bewertung "mittel". Stimmt nicht! Wollte 4 Punkte vergeben. Sorry!  
Stefan Steinmetz  -  25.11.02 20:29

   Zustimmungen: 0

  Der abstrakte Weg in den Wahnsinn... mal anders beschrieben und zwar als beklemmendes Gedicht.
Ich persönlich hätte es zwar als Story geschrieben, aber das ändert nichts daran, das dieses Werk fünf Punkte verdient hat. Bin begeistert!!!!!  
Destiny  -  25.11.02 19:23

   Zustimmungen: 0

Deine Lesezeichen

Deine Lesezeichen

An der Bushaltestelle, in der Kaffeepause und Abends im Bett.


Wenn du auf deinem Smartphone und Tablet, den selben Account nutzt wie am Laptop, Mac, oder PC,


kannst du - auf all deinen Geräten - über deine Lesezeichen, immer direkt da weiter machen, wo du aufgehört hast zu Lesen!

Beliebte Kommentare

Kommentar von "darkangel" zu "Die Sanduhr läuft ..."

uuuh, wer redet da hinter meinem rücken über mich? ich bin allwissend und lasse ncihts ungestraft!;P jaaa zu deinem gedicht: ich habe es vor ein paar stunden schon mal gelesen und auf mcih wirken l ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Preis der Lust/Kapitel 11" von rosmarin

11. Kapitel ___________ Die Sachbearbeiterin der Wohnungsbaugenossenschaft überflog noch mal die Bewerbungsunterlagen. „In Ordnung“, sagte sie freundlich, „ich werde die Papiere sofort dem Chef zur U…

Zur Story  

Die neusten Kommentare

Kommentar von "Martin Guido Becker" zu "Mein politisch korrektes Tagebuch"

Bei dieser Geschichte habe ich herzlich gelacht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Denn die realität holt die Satire ein und die Welt wird so absurd, dass man es nicht mehr parodieren kann. Auch na ...

Zur Story  

Beliebte Kommentare

Kommentar von "Sabine Müller" zu "Die zwei Eichen"

Eine rührende Geschichte. Es steckt so viel in ihr. Gerade die Eichen machen auch viel aus, das Wort Amtsgericht etc. Eine traurige Geschichte. Ich träume seit Jahren selbst von einem Hof. Viellei ...

Zur Story  

Aktuell gelesen

"Die Ballade von Pretty Ramon - (5) Im Norden" von Marcel Klocke

„Wird hässlich“, rief er und zündete sich eine Zigarette an, „wird verdammt hässlich!“ Snyder nickte. Einen Zug und ein weiteres Husten später drückte er seine angefangene Zigarette im Aschenbecher d…

Zur Story