8


2 Seiten

Das Fremde

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Manchmal ist es Zeit, einzusehen, wie es tatsächlich ist. Insbesondere dann, wenn man ein ganz
normaler Typ ist, der im Grunde nichts Besonderes sein will und der dazu passend von niemandem
als etwas Besonderes angesehen wird. Das einzusehen, ist manchmal gar nicht so einfach. Denn es
bedingt einerseits, ein Bewusstsein davon zu haben, wie die Dinge sind und andererseits, diese dann
auch anzuerkennen.

Verdammt, wie wird man denn überhaupt zu etwas Besonderem? Verdammt noch mal, wer will
denn überhaupt etwas Besonderes sein? Und wozu auch? Weshalb sollte man sich von den anderen,
von diesem ganzen Durchschnitt, überhaupt unterscheiden wollen? Weshalb sollte man sich von den
ganz normalen Typen, die eben nicht auffallen wollen, oder können, überhaupt abgrenzen wollen?
Wozu denn überhaupt? Man kann doch auch ganz normal sein, oder etwa nicht? Einfach so, und das
ohne sich dafür vor irgendjemandem rechtfertigen zu müssen. Ein Durchschnittstyp eben. Einer, dem
egal ist, wie es ist oder wie es sein sollte. Oder wen man wählen sollte. Einer also, der völlig
gleichgültig den Dingen gegenübersteht; der nichts will; der nichts kann und der im Grunde auch
nichts davon braucht. Ein regelrechtes Neutrum. Jemand, der sich in die Masse einfügt und damit
völlig zufrieden ist.

Ist doch Okay, oder etwa nicht? Weshalb fällt denn überhaupt irgendjemand auf? Weshalb sticht
denn überhaupt irgendwer aus der Masse heraus? Was passiert da überhaupt? Und was hat diese
Person dazu veranlasst?

Wahrscheinlich handelt es sich dabei um Persönlichkeiten, die etwas zu sagen haben; die die
Menschen in irgendeiner Weise aufklären wollen; ihnen etwas beibringen wollen; wohl auch eine
Idee davon haben, wie es sein sollte.

Keine Vorstellung davon zu haben, wie die Dinge sein sollten, ist doch eigentlich auch Okay. Die
Dinge einfach geschehen lassen, das geht doch eigentlich auch in Ordnung, oder etwa nicht? Die
Dinge so sein lassen, wie sie sind. Easy. Nervt doch einfach mal nicht die Welt mit euren
Vorstellungen, mit euren Meinungen oder mit euren Ansichten. Die Welt dreht sich weiter, selbst
dann noch, wenn ihr diese nicht kund getan habt. Wirklich. Glaubt es mir. Versucht es doch einfach
mal. Einfach mal Ruhig sein und – zuhören. Und Verständnis aufbringen. Für andere. Für die ganzen
anderen Menschen, die es da draußen so gibt. Und überhaupt: handelt es sich dabei nicht um die viel
schwierigere Aufgabe?

Also wenden wir uns doch einfach mal den anderen zu.

Jeder Mensch lebt in seinem eigenen Kosmos. Jeder Mensch ist ein Universum für sich ganz alleine.
Jeder Mensch ist in gewisser Weise auch darin gefangen. Und kein Mensch kann dem entkommen.

Nehmen wir einen anderen Menschen wahr, ist dieser nichts anderes, als ein Phänomen in unserem
Bewusstsein. Ein Phänomen, das man ergründen kann, wenn man denn möchte. Aber ein Phänomen,
das schlussendlich nicht zu ergründen ist; das nur verstanden werden kann, wenn wir selbst etwas
hinzutun.

Denn, wenn überhaupt, können wir nur uns selbst verstehen, und nichts anderes. Nur unsere
eigenen Anteile. Unsere eigenen Geschichten. Den von uns selbst generierten Sinn.

Fremdes hingegen ist viel zu komplex, um es in seiner Gänze erfassen zu können. Wir können uns mit
Teilen davon beschäftigen. Wir können uns mit Teilen davon sogar verbinden, wenn möglich. Und
nur dann, wenn diese fremden Teile zu unseren schon vorhandenen eigenen passen, und sei es nur
zum Schein; wenn sie sich darin irgendwie einfügen können. Nur dann entsteht Verständnis, und das
von Fall zu Fall in höchst unterschiedlichen Graden. Den Rest aber, den wir brauchen, damit ein Bild
in unserem Bewusstsein entsteht mit dem wir gedanklich arbeiten können, den müssen wir
zwangsläufig selbst hinzugeben. Und dieser Rest hat vollständig nichts mit dem Gegenüber zu tun,
sondern ausschließlich mit uns selbst.

Der Mensch ist ein eigener Kosmos. Und alles, was sich darin befindet, hat mit ihm selbst zu tun.
Vor allem auch das Fremde.
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Noch keine Kommentare.

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
www.gratis-besucherzaehler.de

Counter Web De