Mediensalat, das ist....
das allmorgendliche Ritual der Zeitungslektüre, die fettgedruckten Schlagzeilen über den Bildern, die Krise des Tages, die kollektive Erregung über Skandale und Skandälchen, das abendliche Ritual der Nachrichten, die herumalbernden Gestalten aus der Flimmerkiste,
die Abstiegsdebatte im Bundestag, die journalistische Treibjagd auf jemanden, der sich erdreistet, eine andere Meinung zu vertreten, all‘ dieser mediale Brei, der uns mit Essig und Öl oder Mayonaise in die Köpfe hineingelöffelt wird, während wir auf dem Sofa dahindösen.. ...ist das Information?
Oder ist es nur die Simulation derselben?
Die ernst dreinblickenden Damen und Herren der Tagesschau vermitteln uns: bei ihnen ist die Wahrheit in guten Händen. Sie erklären uns, wovor wir Angst haben sollen und warum. Ein bärtiger Muslim hat bei Amazon einen Rasensprenger bestellt. Der BND warnt vor einem neuen Anschlag? Ein Regenwurm im Amazonasgebiet hat gehustet. Ist das der befürchtete Killervirus? Sind wir morgen schon alle tot? Sollten wir uns nicht alle prophylaktisch einschläfern lassen? Zur Unterhaltung die Ekel Show: Ein prominenter Politiker frisst im Dschungelcamp Kakerlaken. Gibt den Leuten das Gefühl, dass es „in" ist, dumm zu sein. Die Masse der Fernsehzuschauer schaltet ein und erregt sich darüber, von welchem Mist der Pöbel sich unterhalten lässt. Und wird mit der Zeit selber Pöbel. Durch Gewöhnung.
Dazwischen Werbeblöcke, die vermittelte Botschaft: „Der Kunde ist König“.
Hat der Kunde die angepriesenen Waren dann tatsächlich erworben, so erlebt er die Diskrepanz zwischen vermittelter und tatsächlicher Realität. Schnell erfährt er, was die Produzenten und Verkäufer wirklich über ihn denken: „Der Verbraucher ist Dummvieh!“
Die Welt ist ein Spektakel. Sie erreicht uns als Medienmüll in Schnipselform. Nachrichten, Talkshow, Krimi, Werbung, der Mord zum Sonntag, Spätnachrichten, Ganzspätnachrichten, Zuspätnachrichten....
Pinoccios Nase wächst mit Überlichtgeschwindigkeit, sobald es um die liebe Politik geht. Doch was ist überhaupt Politik? Laut Frank Zappa der militärische Arm der Unterhaltungsindustrie. „Shut up and play your guitar“, so möchte man Herrn Zappa zurufen, und weiterhin dieses Spiel spielen, das sich Demokratie nennt und das oft nur in der Wahl zwischen Blendamed und Colgate besteht. Das tiefgefrorene Lächeln einiger Zahnpastasorten auf den Wahlplakaten dient uns zur Orientierung, wem wir das Schicksal des Landes in die Hände legen sollen. Colgate wird uns retten. Elmex bezeichnet ihr Vorgehen als alternativlos, Blendamed betätigt sich derweilen als Verkehrsrowdy, links blinken, rechts abbiegen.... fertig!
Hierzu ein Zitat von Joschka Fischer:
„Wenn die Mehrheiten sich verändern, mag es eine andere Koalition geben. Aber es wird keine andere Politik geben. Dazu steht zu viel auf dem Spiel. Das wissen alle Beteiligten."
Alle vier Jahre hat der Mediensalat einen gewissen Nachgeschmack. Die Liste der Zutaten entspricht meist nicht dem Inhalt. Nicht aufgelistet sind die Konservierungsstoffe und chemischen Zusätze wie Devotalin und Alzheimerpulver. Vom Verzehr ist abzuraten.
Die schnellen Bildschnitte, die wahllosen Wechsel der Programme durch einfaches Knöpfchendrücken vermitteln die Erkenntnis: „Es ist doch alles gleich." Nachrichten, Krimi, Politik, Videoclips, Talkshow.
Die Gehirntätigkeit befindet sich schon seit geraumer Zeit, wahrscheinlich seit der Geburt, vielleicht auch schon pränatal im Alphazustand und geht allmählich in den Tiefschlaf über. Die Spritze des TV Junkies ist die Fernbedienung. Ermüdet von einer sitzenden Tätigkeit, bei der man sich allenfalls bewegen muss, wenn das Bier oder die Chips alle sind.
Man nennt es auch „bore out“.
Doch dies ist nichts Neues:
Man soll nie vergessen, dass die Gesellschaft lieber unterhalten als unterrichtet werden will.
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Neu sind nur die Mittel, mit denen die Köpfe abgefüllt werden, neu sind die Methoden des betreuten Denkens. War die selbstgewählte Demenz einst analog, so ist sie nun digital.
Im Dauerkonsum gleicht das einer mentalen Selbstverstümmelung.
Die Seichtgebiete der Unterhaltungsindustrie, garniert mit ein wenig Gehässigkeit, einer Prise Sadismus, ein wenig Voyeurismus sollten einem eigentlich den Magen verderben. Doch wundert man sich immer, was so ein Magen alles aushält.
Man könnte sich sein Abendessen auf die gleiche Weise zusammenstellen wie den Medienkonsum: Fischstäbchen mit Schokoladensauce, dazu Bratwurst mit Gummibärchen, eine Kugel Himbeereis, anschließend eine Dose Thunfisch in Öl.
Presse, Rundfunk und Fernsehen, neuerdings auch das Internet formen unser Weltbild, ja, sie erschaffen es. Wir neigen dazu, die Medienumwelt, in der wir leben, mit der Realität zu verwechseln. Der Medienkonsument hört, liest und sieht mit fremden Sinnesorganen. Tausende von Journalisten in Nachrichtenagenturen, Zeitungsredaktionen, Fernseh- und Rundfunkanstalten konstruieren für ihn jeden Tag seine Wirklichkeit.
Der Zeitungsleser irrt sich, wenn er meint, die Gazette, die er soeben am Zeitungskiosk erstanden hat, die sei ein Produkt, das er gekauft hat. Das Gegenteil ist der Fall. Der Leser ist das Produkt, das der Zeitungsverlag an die Werbeindustrie verscherbelt.
Ist dies Information, oder ist es nicht eher Formatierung?
Information vielleicht, weil die meisten der gezeigten oder geschilderten Ereignisse sich tatsächlich in der einen oder der anderen Weise zugetragen haben. Allerdings gibt es keine Berichterstattung, die nicht gleichzeitig eine Interpretation der geschilderten Ereignisse sind. Formatierung, weil die meisten der gezeigten oder geschilderten Sachverhalte nur im Rahmen der jeweiligen Zusammenhänge zu verstehen sind, und die Kenntnis der Hintergründe oder des Umfeldes meist nicht vorhanden sind.
Wir empfangen im abendlichen Ritual der Nachrichtensendungen Informationsschnipsel, die uns scheininformieren, die uns in Erregung versetzen, die unsere Aufmerksamkeit für wenige Sekunden fesseln und die im nächsten Moment schon wieder vergessen sind.
Nach einer gesendeten Ladung Informationshäppchen im 30-Sekundentakt bleibt die Frage:
„Was habe ich eigentlich gesehen“, und die Mühe, sich an die einzelnen Schnipselchen mit ihren schnellen Schnitten und den unterlegten Klangeffekten zu erinnern.
War da was?
Ja, da war mal wieder der Krieg wer-weiß-wo-und-warum und wieso, mit seinen pyrotechnischen Effekten und mit den entschlossenen Gesichtern derer, die in die Schlacht ziehen. Vielleicht ein Kriegsreporter mit dramatisch zerzausten Haaren, um die Dramatik der Situation zu unterstreichen. Der Krieg ist auch ein Krieg um die Köpfe, und das erste Todesopfer jeglicher Kriegsführung ist immer die Wahrheit.
Dass unsere Regierungen unsere Soldaten in den Krieg schicken, dass vielleicht die eigene Seite der Aggressor ist, zumindest einen gehörigen Teil beigetragen hat, das würde die Öffentlichkeit wahrscheinlich niemals akzeptieren. Doch Kriege sind Manöver, die vorbereitet, geplant und verkauft werden müssen. Es beginnt mit der Dämonisierung des Gegners. Mit dem Verbreiten von Furcht vor dem unberechenbaren Nachbarn.
Auch der Angriff ist Verteidigung, Vorwärtsverteidigung eben. Am besten stellt sich der Angreifer als der Angegriffene dar. Dann wird nur noch zurückgeschossen. Dies wiederholt man noch hundertmal, bis es der Letzte gefressen hat und bis sich keiner mehr vorstellen kann, es könnte vielleicht auch anders gewesen sein.
Also wird zuerst, um auf Seite der kriegsführenden Staaten die Tatsache des Krieges zu verschleiern, gewaltig Wortkosmetik betrieben, man spricht von „Humanitärer Intervention“, man spricht von „Friedenstruppen“, und man spricht von „robustem Mandat“. Außerdem bemüht man die Menschenrechte, die anderswo verletzt werden und die durchgesetzt werden sollen. Ist die Aufmerksamkeit der Medienwelt irgendwann verebbt, dann könnte man erfahren, dass es mit den Menschenrechten schlimmer steht als zuvor.? ? Aber wer will sich denn so etwas Bedrückendes anschauen, auf Kanal 57 läuft gerade die Quasselshow, auf Kanal 263 die Simpsons, auf Kanal 666 das Wort zum Sonntag, auf Kanal 47187 die Kochshow, das erstaunte Publikum erfährt, dass Nudeln weich werden, wenn man sie für einige Minuten in kochendes Wasser legt.
Die Anderen werden es vielleicht anders herum sehen. Denn diese haben andere Fernseher, andere Zeitungen, in denen eine andere Propaganda läuft.
Dort sind unsereins die Bösen, sind wir die Unberechenbaren, vor denen man sich in acht nehmen muss. Im nordkoreanischen Fernsehen sehen Sie in einem Film namens „Propaganda" Mitschnitte aus dem westlichen Proletenfernsehen, Sie sehen Leute, die sich entwürdigen lassen, nur um irgendwelche Haushaltsgegenstände zu gewinnen. Ausschnitte aus Talkshows, in denen die Gäste sich gegenseitig beleidigen. Ein real vorhandener, ein sehr hässlicher Aspekt unserer westlichen Zivilisation wird für das Ganze ausgegeben: „Schaut, wie dekadent der Westen ist“.
Natürlich gibt es diese Auswüchse, nur ist das Bild von irgendwelchen Idioten, die in ordinären Shows sich zum Hanswurst machen lassen und nichts als unflätiges Zeugs von sich geben, eine Halbwahrheit, nur ein kleiner Teil dessen, was unsere westliche Zivilisation ausmacht.
Im Umkehrschluss kann man sich fragen, was hat das Bild, was uns die Medien von Nordkorea, von Russland, aus dem Iran und aus sonstigen Ländern vermitteln, mit der dortigen Wirklichkeit zu tun?
Wahrscheinlich ziemlich wenig.
Letztendlich ist die Medienmacht im Kern die oligarchische Herrschaft einer privilegierten Masse. Oder, wie es einmal ein Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen beschrieb:
„Pressefreiheit bedeutet, dass fünfzig reiche Leute ihre Meinungen verbreiten können."
Von Marx ist der Ausspruch überliefert: „Die herrschende Geschichtsschreibung ist die Geschichtsschreibung der Herrschenden."
Das gleiche kann man wohl auch über die Berichterstattung sagen.
In den Gesetzen der demokratisch verfassten Länder ist die Freiheit der Medien verbrieft, aber da der Großteil der Medien Wirtschaftsunternehmen sind, die unter großem Kapitaleinsatz arbeiten, so sind diese Medien den Interessen der Geldgeber unterworfen.
Journalismus kostet Geld, er kostet Zeit für Recherchen; um frei arbeiten zu können, es sollte der Schreiber eines Artikels die Gewissheit haben, nicht auf die Straße gesetzt zu werden, wenn er jemandem auf die Füße tritt. Selbstzensur aus der wirtschaftlichen Notwendigkeit, über die Runden zu kommen.
In Diktaturen wie auch in den oligarchischen Systemen, wie sie sich auch in den westlichen Ländern mehr und mehr herausbilden, ist die Unabhängigkeit der Information nicht mehr gewährleistet. Der größte Teil der überregionalen Printmedien in Deutschland gehört zwei Verlagen, in den Vereinigten Staaten sind es sechs Großkonzerne, die 90% der Medienwelt bestimmen.
Allerdings funktioniert diese Medienmacht nicht ohne willige Abnehmer, hätte deren seichte Unterhaltung und die Propaganda keine Abnehmer, so wären sie längst untergegangen.
Ein wesentliches Problem der Medienwelt ist der Konsument, der allzu oft sich willig berieseln, einnebeln und formatieren lässt. Die Bequemlichkeit des Konsumenten, seine Denkfaulheit und seine Leichtgläubigkeit hält diese Medienmaschine am Laufen.
Wir sagen dir deine Meinung. Du brauchst nicht mehr selbst zu denken. Und bald kannst du es nicht mehr.
Noam Chomsky:
Es ist egal, wofür die Leute sich interessieren, solange es nichts Wichtiges ist. Die wichtigen Angelegenheiten bleiben den großen Tieren vorbehalten. „Wir“ kümmern uns darum.
Welches sind die Elitemedien,? die die Tagesordnung für den Rest festlegen? Nun zum Beispiel solche wie die New York Times und die CBS. Das sind zuallererst einmal große, sehr profitable Kapitalgesellschaften. Darüber hinaus haben die meisten enge Verbindungen zu weit größeren Konzernen wie? ? General Electric, Westernhouse oder gehören direkt dazu. Sie mischen ganz oben in der Machtstruktur der Privatwirtschaft mit, und diese Struktur ist extrem tyrannisch. Die großen Kapitalgesellschaften sind strukturell gesehen Tyranneien: sie werden von der Spitze aus kontrolliert. Und wer sich damit nicht abfinden will, fliegt raus.
Der Amerikaner Funkhouser publizierte 1973 eine umfangreiche Studie, in denen er auf neun aktuellen Politikfeldern (wie etwa der Vietnamkrieg oder die Umweltverschmutzung) den Kontext zwischen tatsächlicher Entwicklung, Medienberichterstattung und der Bevölkerungsmeinung überprüfte.
In drei Viertel aller Fälle verliefen die Ereignisse gravierend anders, als es im Medienbild zum Ausdruck kam. Gleichwohl glaubte die überwiegende Mehrheit der Bürger eher der Medienversion als den Tatsachen, und das um so entschiedener, je öfter sich die großen Medienmagazine mit dem jeweiligen Thema befasst hatten.
Während der Ölkrise 1973 kam es aufgrund der Berichterstattung um den Ölboykott arabischer Staaten zu Panikkäufen von Öl und durch diese zu tatsächlichen Engpässen bei der Ölversorgung. In Wirklichkeit floss während des Boykotts sogar mehr Öl als zuvor.
Im Jahre 1979 nach der iranischen Revolution gingen die Ölimporte tatsächlich stark zurück. Weil aber das Krisengeschrei aus den Medien ausblieb, änderten die Verbraucher ihr Verhalten nicht, es kam zu keinen nennenswerten Engpässen.
Politische Bewegungen, die die Sympathie der Medien genießen, die profitieren von deren meinungsbildenden Macht.
Schnell kann es dazu kommen, dass sich die „schweigende Mehrheit“ für die Minderheit hält, da sie ihre Haltung in der Medienwelt nicht oder kaum wiederfindet, oder vielleicht bespöttelt oder diffamiert wird. Dies führt zu einer Verunsicherung in der Sache selbst. Denn es ist schwer, eine Meinung ohne öffentliche Resonanz auf Dauer durchzuhalten.
Wer mag schon als „Spinner“, als „ewiggestrig“, als „verschroben“, als rechts- oder linksradikal verschrien werden, nur weil seine Ansichten von denen der gefühlten Mehrheit abweichen.
Das Ergebnis ist eine Schweigespirale, man glaubt, man stehe mit seiner abweichenden Meinung alleine und man hält den Mund, und den Personen links und rechts geht es nicht anders, sie geben vor, „linientreu“ zu sein, um nicht unangenehm aufzufallen und isoliert zu werden.
In der DDR funktionierte eine solche Schweigespirale ziemlich lange, bis einige den Mut fanden, ihre abweichenden Ansichten zu artikulieren und andere sich ihnen anschlossen.
Auch in den demokratisch verfassten Staaten gibt es solcherlei Schweigespiralen, ein Beispiel dafür ist die sogenannte „political correctness“, jeder weiß, es ist größtenteils Unsinn, und doch befällt dieses Virus immer größere Teile der Bevölkerung, und die Furcht, sich durch ein unbedachtes Wort ins gesellschaftliche Abseits zu stellen, die treibt den Menschen zur Selbstzensur.
Eigentlich könnten uns die Medien egal sein, wenn sie Mist schreiben, dann konsumieren wir sie halt nicht mehr. Aber leider ist es nicht ganz so einfach.
Das Problem ist folgendes: Es korrumpiert den Menschen, Macht über andere zu haben, und kaum jemand hat die Charakterstärke dazu, mit ihr umzugehen und sie nicht zu missbrauchen. Deswegen wurde auch die Gewaltenteilung eingeführt, sodass verschiedene Aspekte der Macht unabhängig voneinander existieren und sich gegenseitig kontrollieren.
Nicht ganz umsonst nennt man die Presse, den Rundfunk und alle sonstigen Medien auch die vierte Gewalt. Eine aufmerksame Öffentlichkeit kontrolliert die Politik und verhindert deren Machtmissbrauch. Auch zum Schutze der Staatsorgane vor sich selbst.
Denn Macht ist wie Geld eine Droge. Der Mächtige braucht immer mehr von diesem Stoff, und verliert irgendwann den Boden unter den Füßen.
Sind die Medien Sprachrohre der Staatsmacht, der Banken und der Großkonzerne, dann machen sie sich überflüssig.
In den letzten Jahrzehnten ist zu den klassischen Medien wie Buch, Presse, Rundfunk und Fernsehen noch das Internet gekommen. Welches Chancen sowie Risiken beinhaltet. Einerseits ist es möglich, ohne großen Kapitaleinsatz an die Öffentlichkeit zu gehen, das Oligopol der Medienkartelle zu unterlaufen. Andererseits ist nichts von dem privat, was sich im Internet abspielt, mittels künstlicher Intelligenz wird jede Äußerung analysiert und ausgewertet.
Besucher Londons kennen den „speakers corner“, eine Stelle in einem der Londoner Parks, an der jeder eine Rede halten kann, und wenn er Glück hat, so hört ihm auch jemand zu.
Auch das Internet erfüllt diese Funktion, nur mit dem Unterschied, dass, falls er auf Interesse stößt, seine Nachricht millionenfach verbreitet werden kann.
Die Veränderungen, die auf unsere Gesellschaft durch dieses neue Medium zukommen werden, sind überhaupt noch nicht abzusehen.
Das Medium Internet treibt einerseits die Atomisierung der Gesellschaft weiter voran, andererseits beinhaltet der anarchische Charakter des Internets auch einige Chancen, die Informationsguerilla unterhöhlt Diktaturen, da diese das von ihnen beanspruchte Meinungsmonopol nicht mehr aufrechterhalten können, außerdem kann die massenhafte Verbreitung von Informationen, die nicht im Sinne unserer oligopolistischen Medienlandschaft sind, auch die sich demokratisch nennenden Länder unter Druck setzen, ihrem Anspruch, das beste aller politischen Systeme zu sein, auch gerecht zu werden.
Denn einige Blogger, wenn auch nur wenige, verrichten die Arbeit, kritisch zu hinterfragen, und auch die anderen Seiten der Realität aufzuzeigen, mit Bravour. Oder sie verlinken Medienbeiträge aus dem Ausland, übersetzen sie und ermöglichen dem Interessierten, sich die Sichtweisen aus der Ukraine, aus Russland, aus dem Iran oder China, also die Gegenposition, einmal anzuhören. Was aus diesen Ländern kommt, entspricht in den meisten Fällen auch nicht der Wahrheit. Aber man erlebt, wie unterschiedlich die Sichtweisen auf? ? die jeweiligen Sachverhalte sein können und geht mit dem Begriff „Wahrheit" ein wenig vorsichtiger um.
Denn geschwindelt, verführt und manipuliert wird gerne und überall.
Es ist eben Mediensalat, und es liegt in der Verantwortlichkeit des Einzelnen, sich die genießbaren Bestandteile daraus herauszusuchen oder ihn mitsamt der darin enthaltenen Schnecken, Amöben, Kolibakterien und Raupen als Ganzes dem Wirt an den Kopf zu werfen...
Man könnte auch Erich Kästner zitieren: „Was auch immer geschieht. Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“