Mythen im Ausverkauf, herabgestuft auf Ramschniveau, die großen Erzählungen der Vergangenheit weichen dem ganz großen Geplapper und Gedudel. Wer hat noch weniger zu bieten? Zum ersten, zum zweiten... und zum dritten!
Ein Erdbeben an der Mythenbörse, die Kurse der Weltanschauungen rauschen in den Keller. Zumindest, wenn es sich um die in Westeuropa etablierten Erzählungen handelt.
Manchmal wird noch versucht, zu retten, was zu retten ist. Dann biedert sich so manche Kirche bei der Moderne an, sie nimmt den Presslufthammer zur Hand und betreibt die Demontage ihres eigenen Gedankengebäudes, in der Hoffnung, nicht mehr Ärgernis zu sein, sondern jedermanns Liebling.... Vielleicht wird sie gar zur Adventszeit eine Krippe aufstellen mit dem kleinen Jesuskind, und zwei Josefs, aber keine Maria dabei, und dafür von den Progressisten der ganzen Welt bejubelt werden...
Ja, das Abendland ist kein christliches mehr, und es ist auch kein aufgeklärtes, denn Aufklärung? ? ist Ärgernis, Aufklärung ist Schwerarbeit, gegenwärtig ist das Abendland eine Müllhalde christlicher und aufklärerischer Versatzstücke mit einer gewissen Dosis Esoterik als Sedativ.
Doch ist die Krise der großen Erzählungen nichts wirklich Neues. Hatte nicht schon Blaise Pascal seinen Lesern vorgerechnet, welche Vorteile es bringen könne, wenn man an Gott glaube, gäbe es ihn nicht, so hätte man nichts verloren, da mit dem Tode ohnehin alles vorbei sei, und gäbe es ihn doch, was würde man da nicht alles gewinnen?
Mein persönlicher Eindruck ist, dass wer solche kaufmännische Rechnungen aufstellt, der hat seinen Glauben schon längst verloren und ist allenfalls in der Lage, ihn zu simulieren. Entweder man glaubt an etwas oder man glaubt nicht, es liegt wohl kaum in der persönlichen Entscheidungsbefugnis, sich für die eine oder die andere Option zu entscheiden.
An dieser Stelle eine Diagnose, die aus dem Giftschrank der Schriften längst nicht mehr satisfaktionsfähiger Autoren, oder soll ich nicht besser gleich sagen, von der Wortmülldeponie hervorgeholt wurde:
Sämtliche heutigen äußeren Machtkämpfe sind Auswirkungen eines inneren Zusammenbruches. Eingestürzt sind bereits alle Staatssysteme vor 1914, ob sie auch teilweise formal noch weiterbestehen. Zusammengebrochen sind aber auch soziale, kirchliche, weltanschauliche Erkenntnisse und Werte. Kein oberster Grundsatz, keine höchste Idee beherrscht umstritten das Leben der Völker. Gruppe ringt gegen Gruppe, Partei gegen Partei, nationaler Wert gegen internationale Wertsätze, starrer Imperialismus gegen um sich greifenden Pazifismus. Die Finanz umschlingt mit goldenen Stricken Staaten und Völker, die Wirtschaft wird nomadisiert, das Leben entwurzelt.
Die Diagnose ist das Eine, die Rezeptur das Andere, und die Möglichkeit, aus einer richtigen Beobachtung wieder in eine neue Verirrung zu geraten, die ist immer gegeben. So hatte der Autor zwar die nach dem ersten Weltkrieg herrschende Situation zutreffend erkannt, seine Rezeptur allerdings, gleich manchen Ärzten, die ihre Patienten nach allen Regeln der Kunst zu Tode kurieren, ja die Anwendung dieser Rezeptur trug entscheidend zur Eskalation der diagnostizierten Situation bei.
An dieser Stelle sei auch die Herkunft des eben angeführten Zitates enthüllt, es ist der Beginn der Einleitung zu „Der Mythus des 20. Jahrhunderts" von Alfred Rosenberg, der einer der intellektuellen Köpfe des Nationalsozialismus war und dessen Rassentheorien zu der unheilvollen Entwicklung des dritten Reiches wesentlich beitrugen. Auch trugen diese indirekt, durch ihr Scheitern dazu bei, dass die Wirtschaft nomadisierter, das Leben entwurzelter geworden ist denn je.
Doch nach wie vor ist seine damalige oben angeführte Diagnose aktuell, die westliche Welt befindet sich in einer Sinnkrise, in einer geistigen Agonie. Die Mythen, die einst die abendländische Kultur geschaffen haben, die siechen dahin, diese führen allenfalls ein postmortales Dasein, als starre Dogmatik religiöser Sekten, deren bedeutendste diejenige ist mit dem Papst in Rom, und deren Lehren wahrscheinlich selbst das Führungspersonal nicht mehr glaubt. Dann gibt es die politischen Mythen, die eigentlich eher Ideologien und Dogmengebäude sind, beispielsweise den der Gleichheit aller Menschen. Auch dieser Mythos ist uralt, er hat seine Wurzeln in der abendländischen Philosophie und im Christentum und die meisten Aussagen des Christentums sind schon im alten Testament und in dessen Vorläufern vorhanden. Ferner gibt es noch eine vage Erinnerung an das Geistesleben der? ? Vergangenheit, zumindest gab es einmal einen Philosophen, der nach einem Butterkeks benannt war... und der von einem anderen, französischen Philosophen namens Voltaire in dessen Roman „Candite" verspottet wurde: „Wenn wir schon in der besten aller möglichen Welten leben, wie mögen erst die anderen aussehen?“
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierten sich die Theorien Charles Darwins über die Entwicklung des Lebens. Eine Revolution des Weltbildes. Da in Darwins Evolutionstheorie der Existenzkampf, das Erringen von Selektionsvorteilen eine große Rolle spielte, wurden in dieser Zeit heroische, kampfbetonte Erzählungen verbreitet, um die Mentalität einer wehrhaften Gesellschaft zu erhalten und zu steigern. Eine berühmt berüchtigte Schrift aus dieser Zeit war „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ des Wagner Schwiegersohnes Houston Steward Chamberlain. Als dessen geistigen Nachfolger sah sich der zu Beginn erwähnte Alfred Rosenberg. Nachdem die politische Umsetzung von Darwins Gedankengut Europa in zwei Weltkriegen verwüstet hatte, waren die auf Kampfgeist und Wehrhaftigkeit ausgerichteten Mythen diskreditiert. Seitdem werden - wir leben schließlich im postheroischen Zeitalter - Theorien gefördert, die die Gesellschaft nach universalethischen Prinzipien wie beispielsweise der Bergpredigt befrieden sollten. Im Extremfall Verklärung der Wehrlosigkeit, Auflösung aller Faktoren, die eine Gruppenidentität bilden. Was vordergründig so rational und aufgeklärt klingt, das entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Neuauflage des christlichen Mythos der Erbsünde, der Schuld, geboren zu sein. Man kann es auch anders formulieren: Wer kriecht, der kann nicht stolpern. Wer für nichts steht, der kann auch für nichts verantwortlich gemacht werden...
Wie aber lebt es sich weiter nach dem Ende der Illusionen? Kein Gott, keine Heimat, keine Gerechtigkeit? Kein Weltgeist, der dem Lauf der Geschichte irgendeinen Sinn gibt...Was bleibt von der modernen, von der aufgeklärten Welt, die den lieben Gott samt seiner Bibel ins Reich der Märchenbücher, die Nation mitsamt ihrer Geschichtsphilosophie auf den Müllhaufen und überhaupt jeden identitätsbildenden Faktor entsorgt hat?
Was also bin ich? Mein Haus, mein Auto, meine Rolex, mein Konto?
Wer sich Kokain in größeren Mengen leisten kann, der mag gerne auf das Opium für das Volk verzichten, der kann Weltbürger spielen, der kann als globalisierter Mensch in der Einsamkeit der Flughäfen aufatmen.... Das Fußvolk, der großen Erzählungen beraubt, ist dazu verdammt, dem großen Geschwätz der Marktschreier und Rheumadeckenverkäufer lauschen zu müssen, ebenso den Verkündern der zeitgenössischen Erbsündenlehre von Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Ein?Mythos der heutigen Zeit: “Wir sind zu viele, wir sind Parasiten, es wäre besser, es gäbe uns nicht...“
Die großen Erzählungen, die unser Dasein einstmals bestimmt hatten, die sind abhanden gekommen. Irgendwann wandte man sich von ihnen ab, weil die mit den Mythen verbundenen Nebenwirkungen unerträglich gewesen waren. Gab es nicht eine Zeit, in der eine angeblich gottgewollte Ordnung jede Innovation, jeden eigenständigen Gedanken erstickten. Und hatte man sich nicht viele Jahrhunderte lang bekriegt, um der Auslegung der heiligen Schriften willen. Wie es der Verfasser von Gullivers Reisen, Jonathan Swift in satirischer Weise einmal beschrieb, dass sich die Menschen darüber die Köpfe einschlugen und Kriege führten, ob das Frühstücksei an der runden oder an der spitzen Seite aufgeschlagen werden müsse.
Im übertragenen Sinn haben uns die Verheerungen, die der Streit um die runde und die spitze Seite der Frühstückseier uns eingebrockt haben, die Lust am Eieressen gründlich verdorben. Metaphysische Enthaltsamkeit wurde die Devise, und man stellte fest, dass man sich um die Nation genauso schön prügeln kann wie um den lieben Gott, also schafft man die Nation ab und prügelt sich fortan nur noch um den schnöden Mammon, um Rohstoffe, um Handelsverträge. Um das Monopol auf Saatgut und das Recht, alles Trinkwasser der Welt in kleine Plastikflaschen abfüllen zu dürfen. Dies nennt man dann Freie Marktwirtschaft, auch wenn es nur eine besonders perfide Form des Sozialismus ist....
Große Erzählungen sind etwas Schreckliches, man findet allzu gute Gründe dafür, sie abzutun, und wenn man dies dann tatsächlich getan hat, so wird man feststellen müssen, dass man als Resultat eine atomisierte Gesellschaft blasierter Zyniker erhalten hat. Die Aufklärung ist ein Prozess, der mit den kollektiven Lebenslügen aufräumt, allerdings ist sie nicht in der Lage, die Grundlagen für das Zusammenhalten zu schaffen oder sie auch nur aufrechtzuerhalten.
Der französische Schriftsteller Michele Houellebeque beschreibt in seinem Roman
„Elementarteilchen“ eine an ihrer eigenen Wertelosigkeit leidende Menschheit, die mehr oder weniger freiwillig zugunsten einer mit Gentechnik geschaffenen Hybridrasse von der Weltbühne abtritt. In seinem späteren Roman „Unterwerfung“ unterwirft sich die französische Gesellschaft dem Wertesystem der Moslembruderschaft, und empfindet dies als Befreiung von ihrer eigenen Wertekrise. Aus Angst vor der mit der Selbstbehauptung verbundenen Barbarei unterwirft man sich der Barbarei eines anderen Kulturkreises.
Die Schilderung Houellebeques scheint gar nicht so aus der Luft gegriffen zu sein, betrachtet man das Verhalten so mancher Politikdarsteller und Intellektuellen, vorwiegend aus dem linken Spektrum der Politik. Was als Emanzipation begann, das endet an der Schlüsselübergabe an das finsterste Mittelalter.
Doch bevor man sich endgültig aufgibt und diesen Fatalismus seinen Mitmenschen aufnötigt, sollte man sich fragen, ob die Selbstaufgabe alternativlos ist. Die westliche Zivilisation steckt in einer tiefen Krise, und diese hängt mit der Abdankung der identitätsstiftenden Mythen zusammen. Es ist wenig, was unsere Gesellschaften noch zusammenhält. Und es gibt auch gewisse Parallelen zu der Spätphase des römischen Reiches. Dieses steckte ebenso in einer Sinnkrise, in der die damaligen Mythen die Gesellschaft nicht mehr trugen, dieses geistige Vakuum wurde durch das aufkommende Christentum gefüllt, was, wohl aufgrund der Kultur- und Bildungsfeindlichkeit des Frühchristentums zu einem raschen kulturellem Niedergang und zum Zusammenbruch des römischen Staatswesens und Zivilisationsmodells führte.
Es besteht die Möglichkeit, dass unsere Zivilisation Ähnliches erleben wird. Auch wir leben in einer Umbruchphase.
Allerdings ist die Selbstaufgabe Europas, der Selbsthass des Abendlandes und die Unterwerfung kein unabwendbares Schicksal. Sie ist weniger Resultat schwindender Lebenskraft im Sinne von Oskar Spenglers „Untergang des Abendlandes“, der Zivilisationen ähnliche Lebenszyklen andichtete, wie sie organische Lebewesen besitzen. Es ist eine geistige Krise, der Katzenjammer nach religiösen und nationalistischen Exzessen, die ja nicht alleine ein deutsches Problem gewesen waren. Eine unfruchtbare Dauerzerknirschung, die zur Destruktion des eigenen Hauses führt.
Die Zukunftsfähigkeit der abendländischen Zivilisationen liegt in ihrer Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Und der erste Schritt einer Krisenbewältigung ist das Eingeständnis, dass es eine solche Krise gibt. Ähnlich wie bei einem Alkoholiker, solange er nicht einsieht, dass er ein Problem hat, solange er sich seinen Zustand schönredet, solange wird es mit ihm bergab gehen. Im Umkehrschluss, wenn sich der Okzident seiner geistigen Krankheit bewusst werden wird, so kann er sein Schicksal wenden und einen Gesundungsprozess einleiten .
Jemand, der die geistige Krise des Abendlandes erkannt hatte, der sich ein Leben lang an ihr abarbeitete, und einige Bände unvergesslicher Aphorismen hervorgebracht hatte, war der in Frankreich lebende Rumäne Cioran:
„Wir haben alle die Krankheit des Okzidents zu spüren bekommen. Die Kunst, die Liebe, die Religion, der Krieg,- wir wissen zu viel darüber, um noch daran zu glauben; und so viele Jahrhunderte haben sich daran verbraucht.... Die Epoche der Vollendung und der Fülle ist vorüber; die Substanz der Gedichte? Erschöpft. -Lieben? Selbst das Pack verwirft das „Gefühl“. Die Frömmigkeit? Forscht man in den Kathedralen, dort sinkt nur noch der Schwachsinn in die Knie. Wer will noch kämpfen? Der Held ist veraltet, nur noch das unpersönliche Gemetzel hat Geltung. Wir sind hellsichtige Strohpuppen, gerade gut genug, um vor dem Unheilbaren Fratzen zu schneiden.
Der Okzident? Eine Möglichkeit ohne Zukunft.
Da wir unsere Gescheitheit nicht gegen Muskelkraft verteidigen können, werden wir immer weniger zu irgendwelchen Zwecken brauchbar sein, der erste beste wird uns in Fesseln legen. Man betrachte den Okzident: er quillt über von Wissen, Ehrlosigkeit und Schlamperei. Darauf musste es schließlich hinauslaufen mit den Kreuzfahrern, den Rittern, den Seeräubern, auf die Betäubung nach einer erfüllten Mission.
Als Rom seine Legionen zurückzog, wusste es nichts von der Geschichte und von den Lehren der Völkerdämmerungen. Dies ist nicht unser Fall. Welch finsterer Messias wird über uns hereinbrechen!“
Cioran war jemand, der wie kaum ein anderer das geistige Siechtum des Okzidents erkannt hatte und etwas betrieb, das man vielleicht „Mythenrecycling" nennen könnte. Zeitlebens war er auf der Suche nach dem nicht mehr vorhandenen Mysterium. Seine Haltung war eine zutiefst pessimistische, wobei er diesen Pessimismus übersteigerte, sodass er bis an die Grenze der Karikatur des Pessimismus ging.
Das Zeugnis, das ein Cioran einer durch die Aufklärung desillusionierten Welt ausstellte, war nicht unbedingt ein Positives. Es gleicht mehr dem Entsetzen von Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr bändigen konnte.
Allerdings ist der Geist aus der Flasche und es ist unwahrscheinlich, dass er sich nochmal in dieselbe hineinstopfen lässt. Auch wenn als Antithese zu den schlechten Erfahrungen mit den Postulaten der Aufklärung Russland nach der Pensionierung Putins möglicherweise zu den Romanows, also dem Zarentum und der Orthodoxen Kirche zurückkehren könnte. Es wäre eine mühsam zusammengekittete Vergangenheit, ähnlich wie die wiederaufgebaute Kathedrale in Moskau mit ihren aufgeklebten Plastikornamenten. Ähnliches könnte auch den westlichen Gesellschaften passieren, eine erzkonservative Restaurationsepoche nach dem Scheitern der gegenwärtigen Gesellschaftsexperimente und dem damit verbundenem Chaos. Möglicherweise stehen die Nachfahren der Habsburger, der Hohenzollern und des Hauses Bourbon, unterstützt von Netzwerken wie das katholische Opus Dei, schon in den Startlöchern. Diese hätten dann schlicht und einfach die Selbstdemontage der Moderne ausgesessen.
In der Geschichte der Menschheit ist dies nichts Neues. Luftschlösser werden errichtet und Luftschlösser verschwinden auch wieder. Die alten Mythen waren welche, die Moderne ist es nicht minder, von der Postmoderne ganz zu schweigen. Manchmal streitet man sich um die Dekoration der Luftschlösser und hin und wieder taucht jemand auf, der von den Bewohnern derselben Miete kassieren will.
Wahrscheinlich handelt es sich um eine Krise der Aufklärung, in der alle Freiheiten leichtfertig wieder verspielt werden können, die in jahrhundertelangen Kämpfen errungen worden sind. Nach der Demontage der Mythen die Selbstdemontage des rationalen Weltbildes, der Welt, in der wir aufgewachsen sind und an die wir uns gewöhnt haben. Der Umbau der Weltbühne.... schäbig gewordene Kulissen werden herausgetragen, andere Kulissen werden aufgestellt... Die Religion ist weg, die Demokratie ist wurmstichig geworden und zerbröselt, der Humanismus fällt gerade um und den Emanzipationsgedanken, den trägt man raus, und das, was gerade reingetragen wird, eine Moscheefassade aus Zuckerguss, eine Zentralverwaltung für die ganze Welt aus Pappmaschee, ein Kinderbordell, das verursacht Unmut und Kopfschütteln. Aus einigen dickleibigen Folianten wird vorgelesen, dass in grauer Vorzeit Adam und Eva mittels Gentechnik von den kleinen grünen Männchen geschaffen worden sind, wir also getrost unsere Abneigung gegen Monsanto aufgeben können.? Man möchte aufstehen, das Gebäude verlassen und sein Eintrittsgeld zurückverlangen. Doch, da es sich um ein Welttheater handelt, ist dies leider nicht möglich, vor allem nicht, wenn man gleichzeitig Zuschauer, Schauspieler und Bühnenmitarbeiter ist.
Die Geschichte wird also weitergehen. Im Spannungsfeld zwischen jahrtausendelang überliefertem archaischem Gedankengut auf der einen Seite und einer Kultur der Infragestellung andererseits. Mit der öffentlichkeitswirksam vorgetragenen Parole des Freiheitskampfes und der verschämt verschwiegenen Lust an der Unterwerfung.
Wir werden auch weiterhin mit den verfeindeten Schwestern Tradition und Aufklärung klarkommen müssen. Einmal die eine, ein anderes Mal die zweite in ihre Schranken weisen müssen.
Was mit dem Demagogen Rosenberg begonnen hat, das endet mit dem Mythenmetzger Cioran. Ihm sei das Schlusswort gegeben:
„Ist das Experiment Mensch missglückt? Es war schon mit Adam fehlgeschlagen. Eine Frage erscheint indessen berechtigt: werden wir genug Erfindungsgabe haben, um als Neuerer Figur zu machen, um einer solchen Niederlage noch etwas hinzuzufügen?
Inzwischen lasst uns beharren in dem Fehler, Menschen zu sein, lasst uns auftreten als Spaßvögel des Sündenfalls, lasst uns fürchterlich leichten Sinnes sein!“