
Es wird uns gesagt, einstmals soll eine bläulich schimmernde Kugel durch die Weiten eines scheinbar unendlichen Weltenraumes gezogen sein, fortwährend um die eigene Achse rotierend vollführte sie ihre Bahn um irgendeinen weißglühenden Gasball, lange Zeit zuvor soll es allerdings gänzlich anders gewesen sein, damals ist die Kugel flach und eckig und der Mittelpunkt jeglichen Seins gewesen, irgend ein gelblich leuchtende Ding zog am Firmament seine Bahnen und eine übellaunige Gottheit hatte den Saustall bewacht, ja, so ist es damals gewesen… damals… ja damals, bevor die Erde wieder eine Scheibe wurde und dann ein Würfel und dann meistbietend an irgendwelche Geldsäcke verscherbelt worden ist. Beim Gedenken daran werden einem die Augen feucht, in diesen sagenhaften Zeiten, als wir noch diese rauchenden Scheiterhaufen besessen hatten, auf denen jeder verheizt worden ist, der das herrschende Weltbild in Frage gestellt hatte, der unsereins den Floh ins Ohr gesetzt hatte, es gäbe eine Welt jenseits des Zaunes... irgendwelche Kugeln im All, die sich drehen sollten, die kreisen würden, die umhersausten… Scheiterhaufen, die haben wir ja immer noch, wenn die auch nicht mehr rauchen, da Rauch Feinstaub bedeutet und Frevel an der Umwelt, Kohlegase und Zertifikate, für deren Herstellung Wälder abgeholzt werden. Jetzt sind es Nullen und Einsen und nochmals Nullen, die produziert werden, es ist dieser Salat aus Nullen und Einsen, der durch Windstöße und Sonnenstrahlen am Leben gehalten wird, oftmals lediglich durch die gute Hoffnung, dass wieder mal ein wenig Strom aus der Leitung kommt und nicht die ganzen Nullen und Einsen auf Nimmerwiedersehen im digitalen Nirwana verschwinden.
Jenseits des Zaunes, es ist eine Unverschämtheit, überhaupt nur daran zu denken, es könne eine Welt jenseits dieses Zaunes geben, jenseits des Zaunes, da gibt es nichts als das Nichts, da ist der Tod, jeder, der von dem Gras an der anderen Seite des Zaunes genascht hat, der wird augenblicklich umfallen, der Aufseher betet es uns vor, wir beten es nach…
Vieles ist uns gesagt worden, den ganzen Tag wird uns irgendetwas erzählt, da wird uns etwas vorgebetet, dieses ewige Geschwätz und die Märchen nehmen kein Ende, dieses Trommelfeuer an Schlagworten und Verlautbarungen, die salbungsvollen Worthülsen und das ermüdende Palaver. Ja, vieles wird man uns noch erzählen, und mit jeder Erzählung werden wir ein kleines Stückchen dümmer und einfältiger, ein Stückchen verwirrter und dementer.
Alle diese Worte, mit denen wir überschüttet werden, sie dienen nicht der Orientierung, sondern der Vernebelung. Die Sprache ist nur dazu da, uns ratlos zu machen. Viele Erklärungen hatte ich vernommen, so viele Parolen gehört, und manche von denen hatte ich mir zu eigen gemacht, nur, um es später bitter bereuen zu müssen. Um festzustellen, dass es sich um heiße Luft gehandelt hatte, um Chimären, um sinnlose Erschütterungen der Luft, die nutzlose Hormonausschüttungen verursachten. Die Aufregung stieg, sie mobilisierte die Massen, sie legte sich wieder, die Massen verliefen sich. Manchmal zogen sie mit Fackeln durch die Straßen, setzten die Häuser in Brand, manchmal umarmten sie die Bäume, um im nächsten Moment die Axt anzusetzen. Der Mensch lässt keinerlei Gelegenheit aus, sich lächerlich zu machen, mal als Aufrührer, als Brandstifter, ein anderes Mal schlurft er tief gebückt unter der Last seines Heiligenscheins.
Willkommen auf der Menschenfarm, willkommen im Reich der Luftspiegelungen und der Windbeutelei, willkommen in den Gefilden der Irrlichter und der lukrativen Verheißungen, tragen wir den Weltbetrug mit der Simulation von Würde, warten wir, dass es besser wird… unser Erlöser, er wandelt auf den Wassern und trägt dabei so wundersame, so wunderbare, so wunderliche Pantoffeln mit Leopardenmuster. Vielleicht hat er einen Hund dabei. Auch dieser schwebt wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche… Chimären ist alles möglich, selbst die Überwindung der Schwerkraft.
Nach dem Kommen und Gehen des Erlösers dürfen Sie das behagliche Knistern der Scheiterhaufen genießen, sich berauschen in den großen Momenten gemeinsamer Erregung.
Die Massen sinken in die Knie und beten, vor dem Erlöser, vor dessen Hund, vor dem Scheiterhaufen, sie lieben die Knechtschaft, sie lieben die Illusion, sie lieben den Selbstbetrug. So kann alles am Himmel erscheinen, wenn alles zu spät ist, wenn der Schnupfen, der Krieg, die Pest und der Hunger nicht ausgereicht haben, die Gefügigkeit der Untertanen auf alle Zeiten sicherzustellen. Es werden Wunder geschehen, übernatürliche Zeichen am Himmel, geheimnisvolle Erscheinungen, wir alle werden Götter und Dämonen zu sehen bekommen.
Und all dies wird ein Theaterstück sein, Eseleien vom ersten Akt bis zu dem Punkt, an dem der Vorhang fallen wird. Die Bretter, die die Welt bedeuten sollen, die trägt man mit großem Stolz vor dem Kopf. Man ist Zuschauer und Akteur zugleich, man lauscht den Vorgaben aus dem Souffleurkasten, man spricht alles, was einem vorgesprochen wurde, brav nach. Manche tun das mit Bravour. Man bewegt sich nach Regieanweisung, gleichzeitig sitzt man im Zuschauerraum, kommentiert, klatscht oder teilt seinen Unwillen mit.
Geschrieben wurde dieses Stück von einem mehr als lausigen Drehbuchschreiber, man nennt es „Weltplan“ oder „Vorsehung“, den Drehbuchautoren verehrt man in irgendwelchen Gotteshäusern, man singt ihm Lieder vor, hält salbungsvolle Reden darüber, wie hervorragend das Drehbuch doch sei und dass wir uns alle glücklich schätzen, an diesem Theaterstück mitwirken zu dürfen.
Dürfen oder müssen? Diese Wahl haben wir nicht. Es gibt Theaterstücke, in die wird man hineingeboren. Es gibt Theaterstücke, die muss man sich schönreden.
Alles das, was man uns erzählt hat, alles das ist Lüge gewesen, aber auch alles… alle Verheißungen, alle Verlautbarungen, sämtliche Parolen, während wir, die wir so willig mitgebetet haben, sie nachgeplappert haben wie die Papageien, die wir mitgelaufen sind bis ans Ende der Welt und darüber hinaus, es gibt hier nichts, was einer näheren Betrachtung standhalten könnte, rein gar nichts, alles, was sich in unseren Köpfen abspielt, es sind Destillate all der Lügen, mit denen wir gefüttert, mit denen wir vollgestopft worden sind, es ist Schimäre, es ist Selbsttäuschung, Schritt für Schritt geht es immer weiter, tiefer und tiefer sinkt man ein in die allerschwärzeste Dunkelheit, in die eisig kalte Finsternis, aus der ein noch so lieber Gott uns nicht retten wird, niemals wird der alte Dreckskerl da oben auch nur einen klitzekleinen Finger für uns rühren, er war und ist der größte Lügner von allen. Der hat diese Welt geschaffen als eine Art Generator, um Verzweiflung, Leid, Hass, Widerwärtigkeit, zu erzeugen, davon ernährt er sich und seine Engelbande...
Hinter diesem Zaun, der aus dem Nichts entstanden ist, so, wie hier alles aus dem Nichts entstanden ist, weiterhin entsteht und wie es hinter der Glitzerfassade ein Nichts bleibt, in einer Welt, die von Anbeginn an alt und staubig gewesen ist, windschief und wurmstichig, verrottet und vermodert, vom Dasein hinter dem Zaun könnte ich erzählen, wenn es hier irgendetwas zu erzählen gäbe, vom Abwarten, vom Strapazieren der Geduld, vom Hoffen und Harren, während des Morgens eine leuchtende Scheibe an der Ostseite aufging und dasselbe Ding Stunden später an der Westseite versank. Es geschah hinter dem Zaun, viele tausend Male ist sie erschienen und ist sie wieder auf der anderen Seite verschwunden, niemanden hatte es gekümmert, ob dieses Ding da leuchtet oder nicht, ebenso wenig um die unzähligen winzigen Lichtbrösel, die oben am Nachthimmel erschienen, wenn das gelbe Ding seinen Dienst beendet hatte, es ging vorbei, alles ging vorbei, der Herrgott zerbröselt den Mond in winzig kleine Sterne und schafft sich einen neuen, alle paar Wochen tut er das… nicht der Rede wert… nur der Zaun ist geblieben, hinter dem wir standen und warteten und warteten, uns erhofften, dass etwas begann, was eigentlich beginnen sollte und was dann doch nicht geschah. Die Zeit verrann und sie verrinnt weiter, und auch künftige Generationen von Wartenden werden an diesem Zaun stehen und ausharren, dass endlich einmal etwas geschehen wird, man beginnt voller Hoffnungen und endet der Märchen müde, während das gelbe Ding da oben seine Bahnen zieht und der Mond wächst und zerbröselt und wieder wächst, unentwegt werden die Stunden eingeteilt in Stunden des Lichts und die der Dunkelheit und das alles der Ereignisse ledig im Nirgendwo verrinnt...
Es gibt hier nichts... gehen Sie also weiter, nichts ist hier zu sehen, nichts ist zu hören, schließen Sie einfach nur die Augen, schauen Sie weg, lassen Sie sich von den Nullen sagen, was Sie zu tun haben, lassen Sie sich eine gelbe Marke ans Ohr tackern, der Mensch ist ein Vieh, lassen Sie sich an die Leine nehmen... ein Hundeleben ist das, aber sprechen Sie das um Gottes Willen nicht aus, schließlich leben wir in der allerbesten aller Welten, alles ist auf das Wunderbarste eingerichtet und wer die Unverschämtheit besitzt, irgendetwas anders zu sehen, so jemand ist eine Laus, die man zwischen den Fingernägeln zerquetscht, die man zerknackt, die man plattdrückt, die man in einen unschönen schwarzbraunen Fleck verwandelt.
An das Laussein haben wir uns zu gewöhnen, wir sollen die beiden Fingerspitzen links und rechts als Selbstverständlichkeit wahrnehmen… der Mensch ist ein Vieh, ein Dreck, ein Kadaver...
Das Sein, dessen wir uns zu erfreuen haben, von dem unsereins immerfort gesagt wird, wir sollten doch dankbar sein, auf dieser so schönen Welt sein zu dürfen, dieses Dasein, es ist ja alles Erdenkliche, es ist eine lange Reise vom Geburtskanal bis hin zur Verwesung, es ist alles, nur ist es kein Geschenk. Es ist noch nie eines gewesen und es wird auch niemals eines sein, oder meinen Sie etwa im Ernst, ein Gefängnisaufenthalt könne einem geschenkt und nicht aufgebrummt werden? Verzeihen Sie, wenn ich jetzt lache… niemals habe ich diesem Geschwätz Glauben schenken können, nachdem ich die Leuchtstoffröhren der Welt erblickt hatte. Man bekommt seine Geburtsurkunde in die Hand gedrückt, man bekommt einen Stempel auf den Allerwertesten, man wird sich viele Belehrungen, viel Blabla anhören müssen und man wird sehr bald feststellen, was für eine Idiotie die Erwachsenenwelt doch ist. Sie sind Haustiere geworden, die Erwachsenen, erfolgreich domestiziert, abgerichtet zum Kriechen, bar jeglicher Selbstachtung. Schnell landet man in der gleichen Dressurmühle, man wird abgerichtet auf den Klang der Pausenklingel, man wird vollgestopft mit gelehrten Dummheiten, welche Tristesse herrschte in diesen ganzen Schulgebäuden, wir lernten sie auszuhalten, wir lernen, das Geschwätz zu überhören, wir gewöhnten uns an, aus dem Fenster zu schauen, irgendwelchen Träumen nachzusinnen, es hat ohnehin kaum etwas der späteren Erfahrung entsprochen, was die Lehrer einem da erzählt hatten, wir hatten lediglich die Zeit totgeschlagen in all den Jahren auf der Schulbank. Und immer ging es so weiter, unentwegt, man erwarb sich irgendwelche Papierchen, auf denen stand, man habe eine Prüfung bestanden und man könne nun selber atmen oder eigenständig urinieren. Ja, sie haben große Wichtigkeit, diese Papiere, sie begleiten einen das gesamte Leben lang, an jeder Straßenecke muss man sie vorzeigen, so lange, bis sie zur Gänge zerknittert und abgegriffen und modrig sind, was dann bedeutet, dass man alt geworden sei und in die Kiste zu hüpfen habe...
Von der Geburt an bis hin zum Ableben ist nahezu alles, was wir zu hören, was wir zu sehen bekommen, ja, selbst der Anblick der Dinge, ihr Geruch und ihr Geschmack, niemals etwas anderes gewesen als eine Ansammlung von Dummheiten. Die Idiotie bewundern zu lernen, dafür haben wir die Schulen, die Universitäten, eine Myriadenschaft von Lehrplanvollzugsbeamten bringt uns bei, wie wir im Gleichschritt bei den Lemmingen mitlaufen. Gemeinsam, in Solidarität von der Klippe fallen. Unten aufschlagen. Doch so weit sind wir noch nicht…
Noch befinden wir uns im freien Fall, noch glauben wir uns herrlich frei, weil es so herrlich saust und zischt und sich der kühle Wind so angenehm anfühlt. Bevor der Aufschlag kommen wird, der große Kladderadatsch, das Zerschellen und Zerstieben, bevor das alles kommen wird, da geht das Geplapper weiter von der allerbesten aller möglichen Welten, von den rosaroten Einhörnern und von der Freude, von einer unsichtbaren Hand an der Nase gepackt und im Kreise herumgeführt zu werden.
Vielleicht werden Sie jetzt auch schon genug von mir haben, möglicherweise werden Sie in Entrüstung verfallen, werden Sie… ja, ich kann es Ihnen nicht verdenken… wenn so ein Verrückter wie ich Gift und Galle zu spucken beginnt, so einer hat wohl einfach nicht mehr alle Tassen im Schrank, so einer ist nichts als ein Dummkopf, er ist ein Idiot, er ist plemplem, so jemand ist vollkommen gaga... Oft hat man mir das nachgesagt und mir mit der Fürsorglichkeit von Psychologen gedroht, mit hellbeigen Autos mit einem blauen Blinklicht auf dem Dach, mit reichlich Zwang, es ist nur beim Blabla geblieben, die Psychologen haben mit ihrem Beruf gebrochen und sich hinter Klostermauern eingesperrt, nachdem sie den Betrug in ihrer Zunft erkannt hatten… Ich konnte also weiter an den Straßenecken stehen und beobachten, wie diese Welt in Trümmer fiel, wie sie zerbröselte, wie nach und nach einer abgeholt und zu Brei geschlagen wurde und trotzdem die Leute sich gegenseitig versicherten, es sei alles in allerschönster Ordnung und dass wir in der besten aller möglichen Welten und befänden. Die Fensteröffnungen wurden nach und nach zugemauert und man gewöhnte sich daran, im Dunkeln zu hausen und irgendwann war es so weit, da kannte man es nicht anders, als dass man sich in den Innenräumen einzig und alleine auf den Tastsinn zu verlassen habe, denn Fenster gab es schon lange nicht mehr. Wer gesagt hätte, er könne von seinem Hause aus die Alpen sehen oder das Meer, den Wolkenhimmel oder das bunte Treiben auf den Straßen, man hätte ihn nicht mehr verstanden, man hätte unverzüglich die Polizei gerufen und diesem Unhold ein Ende bereitet, man hätte ihn erschlagen wie einen tollwütigen Hund, in einem Haus hat es finster zu sein, mit nasskalten Wänden, die Bewohner leben in Symbiose mit der Fäulnis, mit den Schimmelpilzen in den Mauern, mit der allgegenwärtigen Verwesung, mitunter gefriert einem der Atem an den Wänden, überzieht diese mit einer Eiskruste, welche im Frühjahr wieder abtaut und zum Ende des Jahres wiederum von neuem erstarrt, die Feuchtigkeit, die Kälte, das Eis, die Dunkelheit, der modrige Geruch, allzu gerne würde man ins Freie treten, wären da nicht die Schergen der Staatsmacht, die einen Jeden verhaften, der sich auf den Straßen blicken lässt…
Also bleiben Sie ruhig, befolgen Sie die Anweisungen, hören Sie auf die Autoritäten! Üben Sie sich in der Tugend des bedingungslosen Gehorsams, üben Sie sich in der stillschweigenden Pflichterfüllung. Gibt man Ihnen den Befehl, die Fenster Ihres Hauses zu vermauern, dann werden Sie das tun.
Wenn es dann schiefgeht, das, mit dem Befehlen, das mit dem Gehorchen, weil es sich so schlecht im Dunkeln lebt, weil man drinnen erstickt oder verschimmelt oder irgendeine andere Schweinerei geschieht, es geht eben schief, weil das Scheitern der Regelfall sein wird, wenn wieder einmal Dummköpfe und Volltrottel das Ruder in der Hand gehabt haben, wenn das Resultat eine allumfassende Weltbilderschütterung sein wird, so etwas übersteht man nicht, man kann da nicht einfach aufstehen, man kann sich da nicht einfach den Staub aus den Kleidern schütteln und weitergehen, als wäre nichts gewesen, so denkt man...
Die größtmögliche Dummheit kommt aber unter der Maskerade der Gelehrtheit daher, in schwarzen Roben, mit Doktorhüten, in Soutanen, in weißen Kitteln, mit ernster Miene, bedeutungsvoll dreinblickend, ihre Autorität durch ihre Gesten unterstreichend, ihr Getue, wenn sie sich aufplustern und in Szene setzen. Sie verbieten den Import von Elfenbein, um die Natur zu schützen und dann bauen die sich ganze Türme aus diesem Zeug, lassen sich darinnen häuslich nieder und wehe, wehe, einer kommt daher und sagt denen, das Zeug, aus dem du dein Haus gebaut hast, das ist illegal…
Wenn die damals, vor dem Sturm gemeingültigen Gedankengebäude unlängst zu Staub zerfallen und wenn jetzt neue errichtet worden sind, es ist und es bleibt doch immer dasselbe, es ist immer wieder der gleiche Unsinn, lediglich die Verpackung, die hat sich geändert. Und Myriaden von Ameisen sind nach wie vor damit beschäftigt, diese allgemeine Betriebsblindheit zu perpetuieren und dafür zu sorgen, dass die Notausgänge geschlossen bleiben. Es wird alles beim Alten bleiben oder ist alles beim Alten geblieben, es ist doch alles einerlei! Das Gestern ist das Heute von morgen, aber, in dem Schweinekloster, in dem unsereins zu hausen gezwungen bleibt, da ist das Verrinnen der Zeit ohnehin unerheblich, denn eine jede der in dem Elend dieser Welt verbrachten Stunden ist eine zu viel, sie verstrickt einen nur tiefer und tiefer in das Elend dieses Saustalls, der unsere Welt nun einmal ist.
Aber wir bekommen ja unentwegt die Jubelreden in die Ohrwascheln hineingestopft, welche dem Saustall ein anderes Etikett verpassen, man wird diesen als die beste aller möglichen Behausungen deklarieren und unsereins das Schweinsein als die Vollendung des Menschseins anpreisen. Allesamt liegen sie im Dreck, der als eine neue Form der Sauberkeit deklariert wird, die reinigende Kraft des Klärschlammes wird beschworen, in der Tat, wie kann es überhaupt nur möglich sein, noch einigermaßen gesund zu bleiben in so einer Welt, in der die Dummheit regiert und in der die Finsternis so ausweglos zu sein scheint? Das, was man bei uns gemeinhin „Gesundheit“ nennt, das ist doch nicht mehr als die bestmögliche Angepasstheit an die allgemein verbreitete geistige Verirrung, die sich hier „Normalität“ nennt. Doch was kann denn schon „normal“ sein außer der ganz normale Wahn? „Normalität“ setzt eine gewisse Demenz voraus, man kann ja nur dann innerhalb dieses allgemeinen Getriebes funktionieren, wenn man sein Denkvermögen, wenn man seinen Sinn für Logik gedrosselt hat, wenn man sein Empfinden für Recht und Unrecht ausschaltet, wenn man seinen Verstand unausgesetzt vergewaltigt. In einer Gesellschaft von Betrunkenen, da ist es schlussendlich der nüchtern Gebliebene, der hier nicht „normal“ erscheint, so jemand ist und bleibt ein Außenseiter, er ist ein Störenfried, ein Ärgernis. Nun könnte er mit den Anderen zusammen sich besaufen, er könnte ebenfalls teilnehmen am kollektiven Delirium, einzig und alleine, um in Ruhe gelassen zu werden, um diesen ganzen ewigen Verdächtigungen und Anfeindungen und Anschuldigungen zu entgehen. Viele tun das, eigentlich tun das die Allermeisten, sie kapitulieren vor der allumfassenden Dummheit, vor der allergefährlichsten Seuche, die unsere Welt zu bieten hat, die Seuchenzüge der Vergangenheit, die schwarze Pest des Mittelalters, die Pocken, die Cholera, die Weltkriege, alles das war ein kleiner Schnupfen gegen die gegenwärtige Verdummung des Menschengeschlechts… und der Schnupfen, der die alte Welt mit ihren hehren Träumen von Freiheit, von Gleichheit und von Brüderlichkeit abgeräumt hatte, also diese Erkältungskrankheit, die Europa abgefackelt und die uns allesamt in ein digitales Straflager verbannt hat, das alles ist doch nur ein Witz gewesen, ausgedacht von einer Horde Nasenbohrern in irgendwelchen Chefetagen.. Ein paar hundert Nasenbohrmaschinen mit aufsteckbaren Gummifingern, rechtsdrehend, linksdrehend, Schlagbohren… so als kleines Geschenk für unsere Volkszertreter… aber auch das ist eine Illusion, zu glauben, diese Jammergestalten in unseren hochtrabend Parlamente genannten Quasselbuden hätten je irgendetwas zu sagen gehabt, ja, selbst die Pappnase an der Spitze kann lediglich Weisungsempfänger sein, diese hatte doch noch nie etwas zu entscheiden gehabt, so jemand ist und bleibt Marionette in der Hand derer, die über die Zahlungsflüsse zu bestimmen haben. Und auch dieses Geld, um das sich alles zu drehen scheint, auch das ist eine Illusion. Glauben Sie wirklich, bei den Zetteln, die wir in der Hand halten, denen wir nachlaufen, für die wir uns so bereitwillig in Knechtschaft begeben, da handle es sich um Geld? Steht das etwa auf diesen Zetteln drauf?
Das sogenannte Geld, sind ein paar einfallslose Gebrauchsgraphiken mit irgendwelchen Köpfen drauf, bei den Euroscheinchen sehen wir lediglich ein paar Fensterstürze oder Brückenbögen, versehen mit der Unterschrift irgendeines korrumpierten Zentralbankpräsidenten, es ist nicht mehr als dummes Zeug für naive Gemüter, die einfältig genug sind, diesem Schwindel aufzusitzen… Vertrauen Sie dem Geld nur so lange, wie es die Anderen tun, seien Sie der erste, der aussteigt, andernfalls können Sie demnächst mit wertlos gewordenen Zetteln die Wände Ihrer Bude tapezieren, der Letzte wird wie immer der Dumme sein…
Allerdings, solch eine Illusion, wie die des Geldes, die lässt sich mit Zwangsmaßnahmen aufrechterhalten, niemand gäbe sonst etwas auf diese Scheinchen, stünde da nicht das Gewaltmonopol der Staatsmacht dahinter, andernfalls würden wir nur losprusten, würde uns jemand so einen Zettel unter die Nase halten, wenn er von uns etwas bekommen wollte. Aber, unsereins ist abgerichtet auf den Erwerb dieser Zettel, im Pawlowschen Reflex steigert sich der Speichelfluss beim Anblick der Scheine, die da vorgeben, Geld zu sein. Wie wunderbar diese Abrichtung gewirkt hat, das erleben wir tagtäglich, die allermeisten unserer Verhaltensweisen sind ja das wunderbare Ergebnis dieser Dressur…
Ein jedes absurdes Glaubenssystem, wie etwa die organisierte Jagd auf die gerade gültigen Falschgeldeinheiten, das bedarf einer Heerschar an Hirten, an Priestern und Bischöfen, an Inquisitoren, an Wächtern und an Bluthunden, andernfalls würde so eine Herde sich augenblicklich zerstreuen, würde sie in sämtliche Himmelsrichtungen entweichen, ohne äußeren Zwang würden die Schäfchen in ihrer Torheit feststellen, dass es im Leben Besseres gäbe, als vor den scheinbar Mächtigen zu kriechen. Wir haben das Zuckerbrot in Form von irgendwelchen Privilegien sowie die Peitsche, wenn man sich nicht in das vorgefertigte Schema fügt, man wird hier entweder bestochen oder sanktioniert. Wie würde unser Leben eigentlich aussehen ohne alle diese aufblasbaren Dummköpfe, die sich für den Bauchnabel dieser Welt halten? Die müssen unsereins einreden, alleine schon aus Gründen deren Selbsterhalts, dass wir allesamt zu dumm und zu unfähig seien, um selber zu wissen, was für unsereins gut ist und was nicht, es sind doch alles Schmarotzer, es sind Parasiten, es ist ein widerwärtiges Gewürm, das sich anschickt, noch den allerletzten Blutstropfen aus dem Volkskörper zu saugen. Doch darüber zu sprechen, das ist strengstens verboten, die Blutsauger haben beschlossen, dass man sie nicht mehr als solche bezeichnen darf. Im Gegenteil, die Eiche wird vom Efeu ernährt und der Igel von seinen Flöhen, der Wüstling von seinen Filzläusen und der Staat von seiner Regierung.
Es ist also alles in bester Ordnung, der Mensch ist einzig und alleine dazu geschaffen worden, um den Parasiten an ihrer Spitze zu einem bequemen Dasein zu verhelfen. Oder, was sollte denn sonst der Zweck der Menschheit sein, als diese Pyramide an Schmarotzern und Blutsaugern zu alimentieren, ihnen ihr luxuriöses Dasein, ausgestattet mit unverschämten Privilegien zu gestatten. Wozu sonst sind Sie, wozu bin ich, wozu sind wir alle eigentlich auf diese Welt gekommen?
Aber, jetzt beginne ich mich in meinen Erinnerungen zu verlieren, an die Zeiten, als man die damals noch gültigen Falschgeldeinheiten noch in der Hand halten konnte, mittlerweile sind wir ja noch weiter abgerutscht auf unserer abschüssigen Bahn, es gibt das ja alles nicht mehr, ich habe aufgrund meines Altersstarrsinns gewisse Schwierigkeiten, mich da noch irgendwie hineinzufinden in die derzeit gültige Weltordnung, deswegen bewege ich mich auch vorwiegend in irgendwelchen Nostalgiegebilden, in der Simulation von Zeiten, die wir mal gehabt haben sollen und die zwar ziemlich bescheuert waren, die aber doch noch irgendwie auszuhalten gewesen sind. Sowohl die Welt von gestern wie auch die der Welt von heute ist eine Illusion, und die Simulation des Gestrigen ist es erst recht, und doch halte ich mich lieber in der Vergangenheit auf als im Hier und Jetzt, denn das, was wir heutzutage erleben, das ist die Eskalation einer Dystopie, die ich mittlerweile, ein wenig nostalgisch verklärt, als die „gute alte Zeit“ empfinde…
Ja, ich verliere mich in der Vergangenheit, diese Zettel, die wir eingesammelt, die wir ausgegeben oder gehortet hatten, die gibt es vielleicht bald nicht mehr, wir haben dann nurmehr Nullen und Einsen und keineswegs mehr die Kontrolle darüber, wie viele Nullen und Einsen unsereins zur Verfügung stehen, ob die gerade jetzt auf mysteriöse Weise verschwunden sind, ob die sich als Belohnung für unsere Untertänigkeit ein wenig vermehrt haben, die Nullen und Einsen, das ist unsere Hundeleine und diese kann so verdammt kurz sein, so kurz, dass, wenn man nicht ganz so verblödet ist wie der Rest, man sich unversehens in einem Verdummungslager wiederfinden kann, in welchem einem die Festplatte obrigkeitskonform formatiert wird.
Nur wenige erinnern sich noch an die Welt vor dem Feuersturm, nicht allzu viele von uns hatten ja die Tage des Hungers überlebt, als die eine Illusion geplatzt war und eine zweite, eine weit scheußlichere, sich aufgetan hatte. Man möchte sie vergessen, diese endlosen Tage, als die Straßen leergefegt, als die Geschäfte geschlossen, als es verboten wurde, frei herumzulaufen, oder es wurde einem verboten, stehenzubleiben, es wurde angeordnet, sich in Plastikfolie einzuwickeln, wenn man das Haus verließe, man wurde genötigt, sich einen Helm aufzusetzen wegen der allgegenwärtigen Meteoriten. Niemals habe ich einen fallen gesehen, allenfalls zogen sie weit oben ihre Bahn und verglühten im nächsten Augenblick, ein kurzes Aufflammen eines Lichtpünktchens, das war alles, was es zu sehen gab, aber die Zeitungen schrieben allesamt, wie viele Menschen wo und wann von Meteoriten erschlagen worden sind und welch‘ große Gefahr dies doch für uns sei… Vielleicht machte man auch irgendeinen Despoten eines anderen Landes für die Meteoriten verantwortlich, ich weiß es nicht mehr, die Geschehnisse kamen in so rascher Abfolge und die Parolen wechselten mit so rasender Geschwindigkeit, so dass es mir schwerfällt, zu sagen, was da eigentlich passiert ist… Ich entsinne mich der Tage des Eingesperrtseins, der geleerten Geschäfte, des untätigen Herumsitzens in eisigen Behausungen. Man möchte das alles vergessen, man möchte diese Erinnerungen einfach nur nur noch wegwischen, man möchte es loswerden, ein Mausklick und weg ist das alles, die ganze Welt mit ihren Dummheiten endlich gelöscht…
Von solcherlei Dummheiten habe ich zu viele gesehen, diese Myriaden an Behelmten, die die Straßen bevölkerten und die befürchteten, ihnen würden irgendwelche Himmelskörper auf den Kopf fallen. Nichts fiel einem auf den Kopf, keine Satelliten, keine Meteore, keine Asteroiden. Der Mond zog seine Bahn wie eh und je, er wurde regelmäßig fett und und er wurde wieder schlank, so, wie er es immer tut, aber plötzlich hörten wir bei jeder Gelegenheit, dass der Mond Gefahr liefe, abzustürzen und, da er aus vergammeltem Käse bestünde, mit Sicherheit die Welt mit seinem infernalischen Gestank überziehen würde. Also war nicht nur der Helm vonnöten, sondern man musste auch einen Lappen vor dem Gesicht ziehen, um die Nase vor dem Gestank zu schonen. Der Mond zog weiter seine Bahn, weit oben, er wechselte seine Gestalt und falls er je gestunken hat, dann war es weit weg von uns, aber über einige Jahre hinweg lebte man in der Angst, durch einen herabstürzenden Mond vergiftet zu werden. Unsereins ist mit unzähligen Absurditäten gefüttert worden, sodass der Verstand kapitulierte und noch das Unwahrscheinlichste widerspruchslos hingenommen wurde. Zwei und zwei konnten mal vier, mal fünf, mal siebentausend Milliarden sein, je nachdem, welche Parole gerade verkündet wurde. Die Masse hatte das alles geschluckt, das Märchen vom tödlichen Schnupfen, von den Meteoriten, von dem ganzen Zeugs, welches vom Himmel fallen würde, von irgendwelchen Diktatoren, die bei uns einfallen würden, um unsere Moralinvorkommen an sich zu reißen…
Einem jedem geschieht nach seinem Glauben, so heißt es. Nun ja, früher noch, da hatte man ja an dieses zornige Ungeheuer über den Wolken geglaubt, heute hingegen sind wir aufgeklärt und halten uns für klüger, wir wissen alles besser, wir wissen, wer wir sind oder wir glauben dies zumindest, jetzt verfügen wir über neue Glaubenssätze und Dogmen, die allerdings ebenso wenig angerührt werden dürfen wie früher die alten. Die Priester von damals, die haben sich weiße Kittel übergestreift und tragen anstatt einer Monstranz ein Reagenzglas vor sich her. Ob es nun geistliche oder weltliche Autoritäten sind, die unsere kollektive Verdummung perpetuieren, was macht das schon für einen Unterschied? Ob wir nun an Gott glauben oder daran, dass wir durch Steuererhöhungen das Wetter verändern könnten, das alles ist doch einerlei. Wir geben dem Staat Geld, damit es kühler wird, ist es uns zu kalt, dann überweist der Staat uns ansehnliche Beträge, die Erde rückt ein wenig näher an die Sonne heran und augenblicklich steigen die Temperaturen wieder… Früher hätte man dies Ablassbriefe genannt, aber heute sind wir weiter und haben dem Ablass einen neuen Namen gegeben, wir greifen gerne in unsere Taschen und kaufen Zertifikate für die Kohlengase, die wir beim Atmen ausstoßen. Die Klimaerbsünde… schuldig aufgrund der Tatsache der Existenz…
Der himmlische Betrüger ist durch höchst irdische Gaunereien ersetzt worden, das ist alles. Einer unserer heutigen Glaubenssätze lautet, der Mensch und der Affe habe gemeinsame Vorfahren, im Grunde genommen sei der Mensch nur eine Art Trockennasenaffe, gerade erst sei er vom Baum herabgestiegen, und es sei ein Unglück, dass dieses Wesen sich aufgerichtet habe (nieder mit dem aufrechten Gang!), sodass er ausgerottet gehöre zum Wohle des grünlichen Zeugs, das links und rechts der Autobahn wuchert.… Allerdings, glauben Sie tatsächlich, dass eine Affenhorde den dümmsten Mitgliedern einer Sippe die Führung überlassen würde, so, wie wir Menschen das tun? Wäre der Mensch also, nach den Regeln der Evolutionstheorie, nichts weiter als eine Degeneration des Affen, ist der Mensch doch die einzige Spezies dieser Welt, die sich eine Negativauslese an ihrer Spitze leistet… Jede Affenpopulation würde aussterben, hätte sie eine Regierung, wie wir sie uns leisten, die Affen würden alleine schon wegen der Höhe der Bananensteuer eingehen. Es sind die Parasiten, die bei uns das Sagen haben. Wird nicht heutzutage den Nulpen, Flaschen und Gaunern in den Führungsetagen nicht ebenso devot gefolgt, wie in den vergangenen Zeiten der Priesterherrschaft? Die Schmarotzer haben lediglich ihre Maskerade sowie ihr Vokabular gewechselt, die gleiche Menschenhaltung geht mit anderen Lügengebilden weiter.
In vergangenen Zeiten gab es ja die Herrscher von Gottes Gnaden, also die Mafia hatte sich selbst den himmlischen Segen erteilt, heute betrügen sie die Menschheit mit wissenschaftlich klingenden Begründungen, es hat sich lediglich die Form, die Verpackung gewandelt, keineswegs den Inhalt. Wir erleben die Simulation von Mitbestimmung. Wir dürfen uns auswählen, ob der Folterknecht einen schwarzen, eine roten oder eine grünen Kittel trägt. Die Farbe der Daumenschrauben. Die Gestaltung der Streckbank…
Eigentlich hätte ja nichts der Wirklichkeit ferner liegen können, als alle diese vagen Schemen für die Welt zu halten und doch tun wir das tagtäglich, denn die Blindheit begleitete uns von Anfang an und sie wurde, je mehr man in dieser Welt seinen Platz gefunden hatte, da wurde sie tiefer und schwärzer. Und wer Erfolg haben will in einem solchen Irrenhaus, der wird gezwungen sein, sich die Augen auszustechen und sich seine Blindheit von amtlicher Seite bestätigen zu lassen, mit solch einem Blindheitsdiplom ausgestattet werden ihm alle Türen dieser Welt offenstehen, in seiner scheinbar privilegierten Lage wird die Gefangenschaft in diesem Kaleidoskop an Trugbildern allerdings eine schier aussichtslose sein. Anscheinend haben wir ohnehin lediglich die Wahl zwischen Knechtschaft und privilegierter Sklaverei. So ein privilegierter Sklave, der darf sich vielleicht mal ein wenig über seine Artgenossen erheben, der darf, der kann und der soll auf diese einschlagen und der darf sich auch gerne mal für einen der ganz großen Herren halten, über kurz oder lang wird auch ihm klargemacht werden, dass er ebenso als Nutztier zu dienen hat wie der Rest.
Und so zählt auch der privilegierteste Sklave dieser Welt zu den Betrogenen, er ist schließlich derjenige, der zu dem allergrößten Verrat gezwungen ist und dessen Grad an Versklavung im Grunde genommen der hoffnungsloseste ist. Möglicherweise wird er mit einer goldenen Kette gefesselt sein, welche ihm die Bewunderung seiner Untertanen einbringt und doch wird er das allerärmste Schwein in diesem Saustall sein, den unsere Welt nun einmal darstellt. Aber sagen Sie das mal einem dieser aufgeblasenen Angeber ins Gesicht, dass er im Grunde genommen nichts als eine ganz erbärmliche Sau ist, Sie werden was erleben können… Keiner dieser Angeber erträgt die Wahrheit, vor allem nicht, wenn sie von jemandem vorgetragen ist, der in der Hackordnung dieses Irrenhauses irgendwo ganz weit unten steht.
Aber, man wird uns ja erzählen, die „da oben“, die seien doch gar nicht dumm und böse seien sie schon mal gar nicht, sondern sie sind klug und weise und unsereins in sämtlichen Belangen haushoch überlegen, schließlich sind sie ja aufgrund ihrer überragenden Fähigkeiten in diese Positionen gekommen. Ihr Handeln sei von Fürsorglichkeit und Altruismus bestimmt, man glaubt an so hanebüchenen Unsinn, wenn man nur glauben will, von allen menschlichen Eigenschaften ist das Glaubenwollen die gefährlichste. Glauben ist keine Tugend, es ist ein Laster, ebenso kann man nicht „stark im Glauben“ sein, wie es die Propagandisten sämtlicher Glaubenssysteme behaupten. Im Glauben ist man schwach, da ist der Geist einer selbstgewählten Demenz unterworfen.
Also, glauben Sie lieber mal nichts, wenn Sie kein Sklave sein wollen, hinterfragen Sie alles. Sie werden sich damit allerdings unweigerlich außerhalb der menschlichen Gesellschaft stellen, wenn Sie mit dem Glauben aufgehört haben, darüber sollten Sie sich im Klaren sein. Wenn die Augen einem aufgegangen sind, dann möchte man sie unverzüglich schließen angesichts dessen, was man zu sehen bekommt.
Aber, es wird doch auf so wunderbare Weise für uns gesorgt, so bekommen wir Tag für Tag zu hören, alles ist besser geworden, die Sonne heller als gestern, der Dreck von heute ist nahrhafter als der von vorgestern, die Misere von heute unterhaltsamer als die von Anno dazumal. Aber natürlich wird Sie das Gefasel von jemandem, der da in seinem Kellerloch sitzt und vder or sich hin schwadroniert, nicht beeindrucken lassen. Im Gegenteil, Sie werden sämtliche Kellerlochbewohner zu meiden wissen. Das Leben spielt sich oben ab, in den Glitzerpalästen, in den Chefetagen. Dort, wo man Entscheidungen trifft. Nicht in den Gruben, in den Löchern, in den Kavernen...
Ich weiß, man hat Ihnen etwas gänzlich anderes erzählt als das, was Sie von mir zu hören bekommen, man hat Ihnen gesagt, Ihr Leben, das sei ein Geschenk des lieben Gottes, ein jeder Tag, der sei ja nichts als ein Fest, man solle nur für jeden Atemzug dankbar sein, man hat Ihnen wie auch mir diesen ganzen überzuckerten Stuss erzählt, wie schön unser Leben doch sei, wie wunderbar und wie harmonisch der Kosmos eingerichtet ist, wie schön die Natur, dieses ganze Blabla, mit dem die Gefangenen sich ihr Zuchthaus schönzureden pflegen.
Ich gebe zu, ich habe diese Welt von Anbeginn meiner Tage an verabscheut, sie ist für mich niemals irgend etwas anderes gewesen als eine Strafanstalt, ein Gefängnisplanet, sie war und sie blieb mir von Anfang an fremd, ich habe hier niemals Wurzeln geschlagen und ich begehre dies auch nicht.
Angesichts der Zustände in dieser Welt, da wird einem ja wieder und wieder die Religion in allen Variationen als Heilmittel angedreht, treffender als Beruhigungspille, man wird ja so wunderbar eingeschläfert von allen diesen Geschichten über das postmortale Wolkenkuckucksheim, das uns erwarten soll, nachdem wir diesen ganzen Stuss hier ertragen und mitgemacht haben. Was tut eigentlich unser lieber Gott, der uns in diese Welt gesetzt haben will? Er steht mit seiner weiß behandschuhten Hand am Ausgang und belohnt Wohlverhalten, also, wer schön brav die Gefängnisordnung eingehalten hat, der kommt anschließend in sein Luxushotel mit den Engeln und den Harfen über den Wolken, wer dagegen verstoßen hat, in den Abgrund, in das Höllenfeuer, in den Orkus, also ewige Höllenstrafen für die paar Jahrzehnte mangelnder Konformität… Ja, vor so einem Gott, da lohnt es sich, in aller Ehrfurcht strammzustehen, da lohnt es sich, die Hacken zusammenzuschlagen und die Patschhändchen zu falten. Du sollst Deinen Herrn und Gott lieben, und wenn Du das nicht kannst, so wird er Dich strafen.
In der Psychologie bezeichnet man das als Stockholmsyndrom. Ein Verhalten, das uns dazu bringt, den obersten aller Terrorpaten zu verehren, sich mit ihm und dessen Absichten zu identifizieren, als hirnlose Automaten stoisch die göttliche Willkür hinzunehmen, ein wenig auf den Knien herumzurutschen und von dem Urheber des allgegenwärtigen Unglückes die Erlösung zu erflehen. Da könnte man auch einen Mafiapaten darum bitten, uns vor der Gewalt seiner Schergen zu schützen. Jetzt wird man einwenden, unsere Vorfahren hätten damals irgendeinen blöden Apfel gefressen, und erst damit kam das Unglück in die Welt, die bis dahin von lauter rosa Einhörnern bevölkert war, welche sich von rosaroten Zuckererbsen genährt hatten. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis sei der Anfang unseres Unglückes gewesen, so steht es geschrieben... und was geschrieben steht, das entspricht der Wahrheit, auch und vor allem dann, wenn es gelogen ist wie so ziemlich alles, was man uns erzählt. Ja, meine lieben Hirnakrobaten, bevor man irgendetwas erkannt hat, insbesondere den Betrug, da ist man stumpf und dumm und blöde, und anscheinend ist das die Rolle, in der der liebe Gott uns haben wollte, als hirnlose, als eine mit Glückshormonen vollgestopfte Laus, die nichts kapiert und die niemals etwas kapieren wird … also danke!… ich winke ab...
Von Erzählung zu Erzählung verwandelt sich unsere Welt zunehmend in ein Tollhaus. Im Grunde genommen ist sie es ja schon immer gewesen, allerdings steigert sich der Grad der Verrücktheit im Laufe der Zeit in ungeahnte Höhen. Nur durch kollektive Ängste lassen sich die Menschenmassen zusammenhalten, lassen sie sich dirigieren und lassen sie sich melken, deswegen muss auch wieder und wieder eine neue Sau, ja ein ganzer Schweinestall durchs Dorf getrieben werden, um den Pegel allgemeiner Furcht weit oben zu halten. Deswegen bekommen wir auch wieder und wieder einen Feind vorgesetzt, werden wir gegeneinander aufgewiegelt, wird uns täglich aufs Neue ein Weltuntergang heraufbeschworen, mal stehen wir unmittelbar vor einer Eiszeit, mal werden wir den Hitzetod sterben, mal wird ein banaler Schnupfen zur schwarzen Pest, dann wieder droht uns die Invasion von irgendwelchen grünlichen Bewohnern anderer Himmelskörper, die mit ihren Raumschiffen die Erde ausgerechnet in dem Moment erreichen, wann es gilt, den allgemeinen Angstpegel zum Crescendo zu steigern. Es ist auch völlig gleichgültig, mit welcher Erzählung Panik verbreitet wird, es geht um die Angst als solche. Denn es ist die Angst, die unsereins gefügig macht, die unseren Geist zersetzt und die uns degradiert. Also, wenn wieder mal jemand kommt und vom Weltuntergang faselt, der uns in Angst und Schrecken versetzen will, dann sollte man ihn ein wenig herablassend anlächeln und ihm ins Gesicht sagen, dass es ja wirklich allerhöchste Zeit sei, dass diese blöde Welt endlich einmal unterginge… Und ich meine dies ernst, diese Welt ist nun mal nichts als ein Gefängnis, und sie ist ein Trugbild obendrein, es wäre eine gute Nachricht, wenn diese ganze Gaunerei erst einmal zu Ende gehen würde… wer will sich denn nach den Gefängnismauern zurücksehnen wollen, ist dieser Spuk endlich einmal vorbei?
Angesichts dieser ganzen Betrügereien, die der Welterschaffer, die der größte aller Gauner sich leistet, also derjenige, der sich von den nichtsahnenden Gläubigen anbeten lässt, da erscheinen die Untaten der scheußlichsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte wie lausige Taschenspielertricks dagegen und doch wird der Mantel des Schweigens darüber ausgebreitet. Denn die irdischen Tyrannen, diese sind längst schon längst tot und vermodert, oder sie werden es bald sein, die wirklich großen Abgründe, diese werden sich erst dann auftun, wenn man einmal hinter die Kulissen des Geschehens schauen wird. Aber, keine Sorge, man wird es nicht tun. Man wird sich immer mit der leuchtend bunten Fassade irgendwelcher kitschigen Tapeten begnügen, man wird sich darum bemühen, in der vorgefertigten Rolle zu funktionieren, man wird, wenn man das Glück hat, den Status eines privilegierten Sklaven erringen, jemand sein, der vehement die allgemein übliche Versklavung verteidigt und der diese Verhältnisse als Idealzustand propagiert. Sklaven sind etwas Fürchterliches und die privilegierten Sklaven sind mit Abstand die ekelhaftesten von allen. Mir graut vor diesem Menschenschlag. Man wird mich schon fragen, was willst Du eigentlich, das Leben ist doch schön, es stehen einem doch sämtliche Möglichkeiten offen, man habe sein Leben ja selbst in der Hand, man habe lediglich das Schicksal, das man sich verdient habe… Ja, es ist die alte Leier, es ist das übliche Gewäsch, das die Apologeten der Sklaverei da von sich geben, mit ihrer aalglatten Fassade und mit ihrem Betonlächeln, es sind die immergleichen Abwiegelungen, es sind die ewigen Beschönigungen, das alles gleicht den Lobpreisungen eines augenlos Geborenen auf die Freuden der Blindheit, wie kann ein solcher überhaupt begreifen, was es bedeutet, wenn einem irgendwann einmal die Augen aufgegangen sind. Nun ja, wer gerne blind ist, der soll von mir aus in Ruhe und Frieden bis ans Ende seiner Tage im Dunkeln bleiben, allerdings sollte er sich davor hüten, dem Sehenden die Augen auszustechen zu versuchen. Wir leben in einer Welt der Blindgeborenen, die die wenigen Sehenden für verrückt erklären und die versuchen, denen das Augenlicht zu nehmen, auf dass diese ebenso blind und stumpf werden wie der Rest. Denn der Sklave hasst nicht seine Versklavung, er hasst nicht den Sklavenhalter, sondern er verabscheut und bekämpft denjenigen, der sich noch einen dürftigen Rest an Freiheit bewahrt hat, selbst wenn es nur die Freiheit ist, in einem Kellerloch zu vermodern… Falls es so etwas wie Freiheit überhaupt gibt... ich habe da meine Zweifel, wahrscheinlich gibt es sie nicht, ebenso, wie es auch zweifelhaft ist, dass irgendwer in dieser Welt die Dinge so betrachten kann, wie sie sind... womöglich ist auch dies ein Irrtum, wahrscheinlich ist all das, was wir zu sehen bekommen, nichts weiter als ein Trugbild, als ein Riesenblödsinn. Man macht seine Augen auf und sieht nichts als Untergang und Verwüstung, und man glaubt sich sehend und doch hat man lediglich die Ebene der Illusion gewechselt, denn in Wahrheit sind das alles Halluzinationen, die sich durch unsere Einbildungskraft manifestieren, sowohl das miefige Scheinparadies wie auch die Hölle des Erdendaseins sind beides nichts als Schimären, es sind Trugbilder, man sollte sich überhaupt davor hüten, der Realität auf den Leim zu gehen…
Wie gesagt, die Welt, die wir zu sehen glauben, die existiert nicht. Es ist nur ein dummes Spiel, es ist eine Halluzination, in der wir aufgewachsen sind und an deren Wahrheit wir glauben, weil unsereins nichts anderes mehr kennt. Man kann in die Weiten des Weltalls vordringen oder in das Innere der Atome, alles, was man zu sehen bekommt, wenn man irgendwo hinschaut, das sind Pixel, nichts als winzig kleine Pixel, wesentlich kleiner sind sie als die uns bekannten Elementarteilchen. Und das, was unsereins als virtuelle Realitäten bezeichnet, das ist lediglich ein dürftiger Abklatsch derjenigen virtuellen Realität, die wir so leichtgläubig für unsere Wirklichkeit halten. Und möglicherweise bestehen unzählige virtuelle Realitäten, womöglich sind sie wie russische Matrioschkapuppen ineinander gesteckt und, auch so etwas ist denkbar, künstliche Intelligenzen sind damit beschäftigt, unentwegt neue digitale Welten zu kreieren. Es ist alles nur ein Spiel, nichts als ein gottverdammtes Computerzeugs...
Am Anfang, da soll alles dunkel gewesen sein und unser Herrchen sprach: „Es werde Licht!“. Und irgendein strohdummer Teufel sprang auf und drückte den Schalter und es ward Licht. Und damit begann das ganze Unglück, indem irgend ein dahergelaufener Idiot einen Befehl ausgeführt hatte. In der Tat, man sollte so etwas niemals tun, es gibt in der Welt nichts Niederträchtigeres als das Ausführen von Befehlen. Die Spezies der Befehlsausführer, solche Gestalten sind das personifizierte Böse. Sie weisen jegliche Verantwortung für ihr Tun von sich, Befehl ist Befehl, ich bin nicht schuld, ich habe doch nur auf Befehl gehandelt, ich hatte doch meine Weisungen, es ist mein Job gewesen, ich bin ja nur an der Rampe gestanden und habe meinen Weisungen gemäß gehandelt, habe aussortiert, wer hier zu sterben hat und wer nicht, ich habe doch nur irgendwelche Giftstoffe produziert, die auf die Felder ausgebracht wurden, woraufhin so einige Milliönchen dahinsiechten, ich habe das doch nicht auf eigenen Wunsch hin getan, ich bin doch nicht Schuld daran, ich habe doch nur meine Pflicht erfüllt, ohne Rücksicht auf meine persönlichen Neigungen, so, wie es uns der große Kant gelehrt hat. Eine Handlung ist umso moralischer, je mehr sie uns zuwider ist... Seht her, ich wasche meine Hände, wie makellos sauber und rein sind sie... niemand, ja absolut niemand auf dieser Welt hat eine so saubere Weste wie ich...
Am Gehorsam, am Ausführen irgendwelcher Befehle hat sich nichts geändert. Die Kirchen sind leer geworden, die Masse huldigt seitdem der Regierungsreligion, sie fügt sich der Staatsmacht wie eine Herde dumm blökender Schafe. Der Herr ist kein Hirte, er war es niemals und wird es auch niemals sein. Der Herr, er ist nichts als ein ganz ordinärer Metzger, er teilt die Schafe auf in vorläufige Wollverwertung und in sofortige Fleischverwertung.
Eine Menschenfarm mit einem Zaun, hinter den man nicht schauen soll. Ein Welttheater mit einem lausigen Stück. Ein Universum mit einer Unzahl sich drehenden Kügelchen, von denen eines feucht geworden ist und sich mit einem grünlichem Schimmelbelag überzogen hat. Andere Kugeln brennen aus und explodieren. Es sind alles nur Nullen und Einsen, ein dicklicher Teenager hält sich für omnipotent und spielt ein dümmliches Computerspiel namens „Master of the Universe“. Seine Mutter ruft ihn vergeblich zum Mittagsessen, sie rennt irgendwann ins Kinderzimmer und zieht wutentbrannt den Stecker heraus. Für unsereins bedeutet es das Weltende, für Andere der Beginn einer Mahlzeit...