Sie war es leid, war es einfach leid. Überall wurde man ausgenutzt und fertig gemacht, verarscht und mies behandelt. Warum musste diese Welt von so vielen Arschlöchern wimmeln? Sie war immer ein Gegener von Rache, aber nun war das Fass übergelaufen. Von dem Geld von einem Job, dem sie schon ewig hinterherlief, hatte sie immer noch nichts gesehen. Ihr reichte es. Deswegen beobachtete sie das Haus, um sich den Ehemann der Frau genauer anzusehen. Ein wirklich gutaussehender junger Mann. Ein paar Tage später wurde er in seiner Stammkneipe angesprochen und verführt. Ja, das tat gut. So machte sie es auch mit dem Mann von der Ollen, die ihr jeden 2. Tag den Feierabend in der Bar, in der sie arbeitete, versaute.
In der Praxis, in der sie früher ohne Ende ausgenutzt wurde, schickte sie das Gesundheitsamt vorbei. Der Laden musste zumachen, weil Materialen und Medikamente mit dem Ablaufdatum von 1997 am Start waren und der Arzt heimlich alten Zahngold für neue Inlays einschmolz. Endlich wurde dieser Schlawiener am Schlawittchen gepackt und abgeführt. Schade, dass sie nicht dabei war. Aber der Zeitungsartikel aus ihrer Heimat reichte ihr vollkommen aus. Nie wieder würde er kleine dumme Azubis so schamlos ausnutzen. Nie wieder würden Leute aus dem Heimatort schlechte Zahnfüllungen von ihm bekommen.
Es gab noch viel mehr Leute, die einen kleinen Denkzettel verdient hätte und sie dachte sich immer wieder neue Nettigkeiten aus. Sie hatte sich immer geschworen kein Arschloch zu werden, aber sie dachte sich, lieber ein Arschloch zu werden, als jämmerlich an anderen Schwächen zugrunde zu gehen...