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2 Seiten

An Marie

Kurzgeschichten · Romantisches
Oh Marie, ich schaute dir gerne zu, wie du im Sand lagst und dich von der Sonne verwöhnen liessest. Erinnerst du dich noch an die Düne von Pilat, in der du dich in den Sand legtest und mit den Armen und Beinen Hampelmann-Bewegungen machtest und dabei sagtest: «Hier bin ich glücklich.» Du warst meine Franzosenbraut für einen Sommer. Ich schrieb dir in den letzten Monaten immer wieder, doch es kam keine Antwort zurück. Dies ist nun meine letzte SMS an dich, danach werde ich mich nicht mehr melden. Oh, Marie, war das Glück für dich nur so ein Funke, ein Augenblick, der den Sommer nicht überleben sollte? Wenn ich in deine Augen schaute, dachte ich, sie würden mich für immer anschauen. Was für ein Trugschluss. Und doch will ich einen letzten Versuch unternehmen, deine Liebe zu mir neu zu entfachen. Ich weiss, die Umstände sind widrig, du in Bordeaux, ich in Zürich, eine grosse Distanz liegt zwischen uns, und sehen könnten wir uns alle 2-4 Wochen. Doch wir könnten unser Glück ab und zu aufblitzen lassen. Oder war alles nur eine Einbildung meinerseits gewesen, war ich von der Düne von Pilat und ihrer Schönheit so verblendet gewesen, dass ich jeden deiner Sätze glaubte? Ich weiss, Dinge können sich ändern, ich weiss, dass aus leichten Momenten auf einmal schwere werden können und dass sich etwas Gesagtes auf einmal ins Gegenteil verwandeln kann, und niemand weiss, warum es so gekommen ist. Das Glück ist sprunghaft, ich weiss, doch mein Glück zu dir war nicht temporär, aus einer Situation heraus geboren, sondern tief verankert in mir. Oh Marie, du merkst, ich hänge dir noch immer nach, deinen Schultern, deinen Küssen, deinem Lachen, das ich aus den Augen verlor, als ich nach Zürich zurückgekehrt war, und nicht wieder finden sollte. Ich erinnere mich noch an den Sturm, der später über der Düne von Pilat aufzog und wir uns beeilen mussten, um dem Sturm entfliehen zu können. Als wir dann trotzdem durchnässt beim Auto ankamen, sagtest du mit dem roten Béret auf dem Kopf: «Lass mich dein wildes Franzosenkraut sein.» Ich schaute dich an, wusste nicht, was du meintest, hätte aber vor Freude weinen können. Wir stiegen ins Auto, der Regen prasselte herunter, die Zeit schien still zu stehen, und ich sagte: «Dies ist mein schönster Sommer.» Als der Regen nach einer Weile aufgehört hatte, fuhren wir los. Du sassest am Steuer und fuhrst Richtung Bordeaux. Und ich lehnte mich an deine Schultern an. Vielleicht war es ein Fehler, dass nicht ich gefahren war. Oh Marie, ich vermisse dein langes Haar, deine sanften Hände, deinen weichen Mund und deinen schwarz-weiss gestreiften Minirock. Gib dem Glück noch einmal eine Chance, schreibe mir nur ein grosses JA zurück. Mach nächste Ostern zu einem Fest der Auferstehung.
 
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