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Imhotep, der Junge aus Heliopolis - Kapitel 20

Romane/Serien · Spannendes
Kapitel 20 – Dunkle Machenschaften


Während Satamun ahnungslos durch die Galerie schlenderte und dabei in eine Schriftrolle vertieft war, schlich sich Tutanchamun vorsichtig an sie heran. Als er direkt hinter ihr stand, fasste er mit beiden Händen beherzt an ihre Schultern und rüttelte sie. Die Priesterin zuckte erschrocken zusammen, zog ihre Kapuze herunter und blickte ihn überrascht an. Tutanchamun schmunzelte verschmitzt.
„Seid gegrüßt, Satamun. Endlich sehe ich dich wieder. Ich muss dir unbedingt etwas erzählen. Ist dir schon mal aufgefallen, dass die Sphinx des Chephren …“
„Hoheit? Ihr seid schon wieder da? Man erwartet Euch doch erst in ein paar Tagen“, unterbrach sie ihn flüsternd, wobei die Priesterin sich nervös umschaute. Noch bevor Tutanchamun von seinen Erlebnissen am Nildelta berichten konnte, packte sie seinen Arm und zerrte ihn grob hinter eine Säule.
„Was soll das schon wieder?!“, fuhr Tutanchamun sie verärgert an, bevor sie einfach seinen Mund zuhielt.
„Leise!“ Satamun strich mit dem Zeigefinger über ihre Kehle. „Ich darf auf gar keinen Fall gemeinsam mit Euch gesehen werden, ansonsten bin ich so gut wie tot!“, flüsterte sie.
Tutanchamun starrte sie schockiert an und schüttelte mit dem Kopf, daraufhin ließ sie ihre Hand langsam von seinem Mund.
„Ihr ward lange weggewesen, mein Pharao. Die Ereignisse haben sich überschlagen“, redete sie leise, zugleich hektisch auf ihn ein, wobei man ihren ausgeprägten, oberägyptischen Dialekt heraushörte. „Ihr müsst augenblicklich fliehen, Ihr seid in Gefahr!“
Der Pharao verzog genervt das Gesicht.
„Du sollst mich doch nicht mehr einfach so anpacken. Das hatte ich dir sogar befohlen! Und außerdem, wovon redest du überhaupt?“ Tutanchamun atmete einmal kräftig durch und schüttelte verständnislos mit dem Kopf. „Unser Versteckspiel hat nun ein Ende, weil ich zum Volk sprechen werde und verkünde, dass Ejes Vormundschaft aufgehoben wird. Außerdem werde ich Ahmose zu mir zitieren und ihm befehlen, dass du ab sofort MEINE Vertraute bist.“
Satamun blickte den Pharao aufgewühlt an. Ihre Vermutung hatte sich offensichtlich bewahrheitet. Der König war ahnungslos und sie befürchtete, dass er nun aufgrund dessen in akuter Lebensgefahr schwebte.
„Dafür ist es nun leider zu spät. Man wird mich noch vor Sonnenuntergang töten wenn sie erfahren, dass ich mit Euch gesprochen habe. Wisst Ihr denn wirklich nicht, was geschehen ist?“
Tutanchamun schwieg und blickte die großgewachsene Frau nur argwöhnisch an. Offenbar hatte sich während seiner langen Abwesenheit etwas ereignet, wovon er bislang noch nicht in Kenntnis gesetzt wurde. Und zwar etwas sehr Bedrohliches. Satamun senkte ihren Kopf und hielt einen Augenblick inne, bevor sie den Pharao aufklärte.
„Der Thronfolger des hethitischen Großkönigs Šuppiluliuma, Prinz Arnuwanda, wurde von einem Boten, welchen Ihr persönlich entsandt hattet, mit einem Dolch ermordet. Nun befinden wir uns mit den Hethitern im Krieg. Ein Spähtrupp hatte berichtet, dass sich bereits ein feindliches Heer in den Ruinen von Achetaton verschanzt hat und die Stellung hält. Es heißt, dass noch weitere Truppen im Anmarsch sind.“
Pharao Tutanchamun blickte sie verdutzt an. Er blieb aber ruhig, verschränkte seine Arme und verlangte eine vollständige Aufklärung.

Als Tutanchamun während seines Aufenthaltes in Theben, nach der Unterredung mit dem Schatzmeister Maya, etliche Boten abgesandt hatte, die jeweils eine versiegelte Schriftrolle mit einem Friedensabkommen bei sich trugen, erreichte ein Laufbote das Palastgebäude des Großkönigs Šuppiluliuma im Reich der Hetither. Diese Schriftrolle beinhaltete ein Friedensangebot und die Bitte um eine Audienz.
Zwischen den zwei verfeindeten Reichen herrschte seit über einem Jahrhundert ein vertraglich festgesetzter Waffenstillstand und egal, ob nun in Frieden oder in Kriegszeiten, die Laufboten durften die benachbarten Königspaläste jederzeit betreten und es wurde ihnen garantiert, dass sie die feindlichen Länder auch wieder unversehrt verlassen konnten. Ein Laufbote sollte nicht einmal als Geisel festgehalten werden, dafür bürgten alle Könige der Länder mit ihrem Namen. Aber Tutanchamuns entsandter Kurier hatte dieses Vertrauen ausgenutzt, ermordete den Hethiterprinzen heimtückisch vor den Augen des Großkönigs in seinem eigenen Thronsaal und hatte lautstark bekundet, dass er im Auftrag des König von Ägypten handelte. Dann hatte sich der Todesbote den Dolch selbst in seinen Leib gerammt, damit er eine qualvolle Folter mit darauffolgender grausamer Hinrichtung sich ersparte.
Der Großkönig der Hethiter schwor daraufhin unerbittliche Rache und ließ sogar im ganzen Land verlauten, dass er denjenigen reichlich mit Schätzen belohnen wird, der ihm den Kopf des barbarischen Tutanchamun überreicht. Großkönig Šuppiluliuma schickte hunderte Boten in alle Himmelsrichtungen hinaus, damit jedes Königreich und jeder Nomadenstamm von dieser abscheulichen Gräueltat erfuhr. Die meisten Könige der Nachbarstaaten kannten sich persönlich untereinander und jeder von ihnen wusste, dass Pharao Tutanchamun noch sehr jung war. Die Bevölkerung aller Länder war bestürzt und sah in diesem Verbrechen eine ausgeprägte Hinterlistigkeit. Ein ungeschriebenes Gesetz der Ehre wurde gebrochen, dies unweigerlich als eine Kriegserklärung interpretiert wurde.
Der Ruf des Pharaos war nun ruiniert, überdies wurden Sanktionen gegen Ägypten verhängt. Die ägyptischen Handelsschiffe, welche in Häfen ferner Länder ankerten, wurden beschlagnahmt und diejenigen, denen es zu flüchten gelang, wurden verfolgt und versenkt. Jeder ägyptische Händler oder sogar Priester und Abgeordnete, die sich in einem fernen Land aufhielten, wurden festgenommen und wer sich widersetzte, wurde sofort getötet. Sogar das partnerschaftliche Zypern verweigerte ab sofort weitere Kupferlieferungen, woraufhin dutzende Oberaufseher und ranghohe Diplomaten verhaftet wurden, und die ägyptischen Forts wurden auf unbestimmter Zeit belagert. Aber besonders war das hethitische Volk erbost und verlangte nach Vergeltung. Selbst die Straßenkinder des Hethiter Reiches hassten ab sofort Pharao Tutanchamun mehr als zuvor, schrieben seinen Namen in den Sand und spuckten darauf. Der Hass auf das ägyptische Reich und insbesondere auf Pharao Tutanchamun hatte sich zugespitzt. Alle Könige der fernen Länder waren sich einig: Pharao Tutanchamun muss für diese Schandtat büßen und sterben!
„Beim allmächtige Amun, ich schwöre dir, meine Absicht war der Frieden!“, entgegnete der König Satamun aufgebracht. „Dieser Laufbote war zweifellos ein Fanatiker, welcher seinem Herrn bis in den Tod zu folgen vermochte, und nicht einmal vor Landesverrat zurückscheute. Wer aber nur ist dieser hohe Herr? Er muss sehr einflussreich sein, damit diese ungeheuerliche Tat überhaupt ermöglicht wurde. Ich werde gleich morgen in der Frühe aufbrechen, um die Sachlage aufzuklären und König Šuppiluliuma persönlich für dieses abscheuliche Verbrechen um Verzeihung bitten. Ich werde ihm versprechen, dass dieser niederträchtige Seth ausfindig gemacht wird und für diese Tat teuer bezahlen wird!“
Satamun aber schüttelte energisch mit dem Kopf.
„Das werdet Ihr unterlassen. Seid doch kein Narr!“
Tutanchamun weitete empört seine Augen. Er glaubte nicht recht zu hören, wie die Priesterin ihn soeben titulierte.
„Du wagst es in der Tat, mich einen Narren zu heißen? Mich, deinen Pharao? Jetzt gehst du entschieden zu weit, Satamun!“, fauchte Tutanchamun erbost.
Satamun neigte sich zu ihm herunter auf seine Augenhöhe. Sie packte ihn fest an seinen Schultern, rüttelte ihn und nickte beharrlich.
„Seid doch kein Narr, indem Ihr Euch dem Feind schutzlos ausliefert! Auf Euch wurde ein Kopfgeld ausgesetzt. Der Großkönig hatte Euren Boten zerstückeln und seine Leichenteile im ganzen Land auf Pfähle aufspießen lassen. Versteht Ihr denn nicht?“
Tutanchamun stutzte.
„Du meinst, genauso wie Seth die Leichenteile des Osiris im ganzen Land hatte verteilen lassen? Aber was hat das zu bedeuten? Das sind doch unsere Götter!“
Satamun seufzte und blickte niedergeschlagen zu Boden.
„Das ist wahr. Somit bekennt sich der Großkönig als Seth, als Euren Erzfeind. Der Großkönig nimmt diesen Krieg persönlich, aber er wird jederzeit bereit sein, sich mit Kemet wieder zu versöhnen, jedoch nur, wenn Ihr nicht mehr am Leben seid.“
Das war aber noch nicht alles von dieser Hiobsbotschaft. Die eigentliche Gefahr drohte, mutmaßte Satamun, im eigenen Land, gar aus dem engsten Kreise. Aufgrund dieser Drohung, welche der Großkönig der Hethiter hatte verlauten lassen, wurde eine Einreise- sowie Ausreisesperre nach Ägypten angeordnet. General Haremhab veranlasste, dass die Grenzpatrouillen verschärft wurden mit dem ausdrücklichen Befehl, nicht einmal eine Maus weder in das Land hinein, noch rauszulassen. Ägypten war nun ein abgeriegeltes Territorium. Man befürchtete einen Attentäter, der die Worte Šuppiluliumas in die Tat umsetzen und den Pharao Tutanchamun ermorden würde, ihn zu enthaupten und seinen Kopf an den Großkönig zu überliefern. Solch einen Aufruf hatte es zuvor noch nie gegeben; eine Kriegserklärung richtete sich gewöhnlich nur gegen das feindliche Land, wobei man bei einem Sieg lediglich bedacht war, jeden Großen des Landes zu verhaften und diesen nichtsdestotrotz würdig zu behandeln.
Jedoch aufgrund dieser niederträchtigen Drohung wurden auserwählte hochrangige Priester der lokalen Tempelanlagen sowie ranghohe Regierungsbeamte und einige Gaufürsten aus Unter- und Oberägypten zu einem Votum aufgerufen, die über einen Thronfolger abstimmen sollten. Diese mysteriöse Konferenz sollte irgendwo in der Wüste abgehalten werden. Wo genau wusste Satamun selbst nicht, aber unter anderem der Hohepriester Ahmose.

Tutanchamun war empört und meinte, dies wäre nicht rechtens. Er sei der Pharao und nur er dürfe entscheiden, wer sein Thronfolger einmal werden sollte. Der König hielt dies für ungeheuerlich, dass man sich hinter seinem Rücken gegen ihn verschworen hatte. Daraufhin belehrte ihn Satamun, dass solch ein Votum bereits seitdem das Pharaonenreich existierte immer dann abgehalten wurde, wenn sich der Pharao in unmittelbarer Gefahr befand, der König aber bislang noch keinen offiziellen Thronfolger ernannt hatte. Eine Lebensbedrohung für den Pharao bestand, wenn er in eine Kriegsschlacht ziehen musste, erkrankte oder anderweitig gefährdet war. Nun drohte man Tutanchamun nach dem Leben zu trachten, obendrein wurde auf ihn ein niederträchtiges Kopfgeld ausgesetzt, was die brenzlige Situation umso gefährlicher für ihn ausmachte.
Ägypten musste unbedingt von einem Pharao regiert werden, so verlangten es die uralten Schriftrollen, aber weder hatte Tutanchamun einen Nachkommen, noch waren sein Vater, Königin Nofretete oder sein Großvater am Leben. Nicht einmal seine Großmutter, Königin Teje, lebte noch, die ebenfalls sehr einflussreich gewesen war, vom Komitee und der Priesterschaft stets akzeptiert worden war und notfalls vorübergehend das Reich hätte regieren können. Dass eventuell Königin Anchesenamun im Namen des Pharao das Land regieren könnte, wurde bereits vom Hohepriester Ahmose und einigen anderen Großen des Landes, aufgrund ihrer politischen Inkompetenz, entschieden zurückgewiesen. Es war bereits eine beschlossene Sache. Ein Votum sollte entscheiden, wer der Thronfolger und somit der nächste Pharao werden sollte, falls Tutanchamun tatsächlich getötet wird. Pharao Tutanchamun und Königin Anchesenamun waren nur ein unerfahrenes, jugendliches Königspaar und auf sich alleine gestellt, unter machthungrigen Herrschaften, die schon jahrzehntelang Ägypten dienten und genau wussten, was in Krisensituationen zu tun war.
„Mein Pharao, Ihr müsst sofort fliehen, weil ihr in Lebensgefahr seid. Die Entscheidung des Votums könnte vermutlich Euer Leben kosten. Last mich etwas erklären. Die Könige aus dem Alten Reich waren noch wahre Pharaonen, die ohne Zustimmung der Priesterschaft und der Großen des Landes handelten. Diese dienten den alten Pharaonen lediglich als Ratgeber. Damals existierte nicht einmal ein Komitee. Aber die Zeiten haben sich geändert. Mächtige Personen wachen über das Land und der Pharao muss nun auf der Hut sein, ansonsten wird er nur wie eine Figur in einem Senet-Spiel benutzt!“
Satamun sprach wiedermal ihr Bedauern aus, weil man den jungen Pharao bisher nicht in das Mysterium der Götter eingeweiht hatte, denn sonst wüsste er über die Schriftrollen des Seth Bescheid. Diese Abstimmung war zwar inoffiziell, dafür aber galt dieses Votum als legal und benötigte nicht einmal die Anwesenheit des Pharao. Der Pharao war bei solch einer Abstimmung sogar unerwünscht, weshalb solche Wahlen stets geheim abgehalten wurden. Auf diese Weise wurde damals über 140 Jahren zuvor die Königin Hatschepsut als die offizielle Thronfolgerin gewählt worden, obwohl sie einen weiteren, gar älteren Bruder hatte, weil ihr jüngerer Halbruder und Gemahl, Pharao Thutmosis II, der nur ein paar Jahre älter als Tutanchamun war, in den Krieg gezogen war und dieses Herrscherpaar noch keine Nachkommen gezeugt hatte. Königin Hatschepsuts älterer Bruder Pentawer, da waren sich die damaligen Priester und das Komitee einig, war bloß ein weinerlicher Taugenichts, der niemals ein Reich zu regieren wüsste, dafür umso mehr, wie man blutjunge Knaben verführte. Prinz Pentawer war einfach zu lasterhaft und unfähig, um Pharao zu werden und das schwarze Land zu regieren, lautete damals die Begründung, damit ein derartiges Votum abgehalten werden konnte.
Ägypten durfte allerdings niemals ohne einen Pharao bestehen, niemals ohne einen König sein, ansonsten wären die Götter erzürnt und das Reich würde untergehen, weil es führerlos wäre. Wenn die Zeit gekommen war, musste ein Thronfolger zwingend ernannt werden. Solch ein zwielichtes Votum wurde in der ägyptischen Historie nur äußerst selten abgehalten, und falls dies dennoch geschehen musste, dann immer inoffiziell, ohne dass es auf irgendeiner Steintafel je erwähnt wurde, denn das Volk und die Nachwelt sollten und durften davon niemals etwas erfahren.
Infolge einer zwangsweisen Ernennung eines Thronfolgers hatte die Priesterschaft stets ein Mitspracherecht, wenn man der Ansicht war, dass der Pharao für gewisse Entscheidungen unzurechnungsfähig war. Dies waren die Gesetze des Neuen Reiches. Satamun beichtete ihm reumütig, dass sie diesem inoffiziellen Rat angehöre, weil sie die Vertraute des Hohepriester Ahmose war. Sie würde ihr Votum demnach abgeben müssen. Tutanchamun blickte sie entrüstet an.
„A-aber das kannst du nicht tun“, stammelte der Pharao. „Du darfst keinen Verrat an mir ausüben! Bleibe einfach fern oder enthaltet dich der Stimme und dieses Votum wird ungültig. Ich erbitte dich, nein, ich flehe dich sogar an, Satamun! Gib mir nur ein paar Tage Zeit, denn ich muss meinen Festzug durch Memphis und meine Hochzeit erst organisieren und danach, danach werde ich von meinem Balkon zum Volk sprechen und die Vormundschaft aufheben.“
„Ihr hättet die Vormundschaft längst für ungültig erklären müssen, wie ich es Euch schon vor zwei Nilschwemmen empfohlen hatte. Ihr habt leider keine paar Tage Zeit mehr, weil es noch heute Nacht entschieden wird. Begreift das endlich! Das Votum wird stattfinden und Ihr habt keinerlei Einspruch darauf, es zu verhindern.“
„Natürlich kann ich es verhindern. Ich bin der König von Ägypten. Ich bin der Pharao!“, fauchte er mit gekniffenen Augen. „Gleich morgen früh werde ich eine Unterredung mit unserem Wesir abhalten und ihn von dieser ungeheuerlichen Verschwörung in Kenntnis setzen. Diese dunkle Machenschaften dulde ich nicht und werde veranlassen, dass die Schriftrollen des Seth vernichtet werden. Seth mag zwar der Gott der Wüste sein und sorgt dafür, dass selbst dieses trostlose Territorium mit Leben erfüllt ist, aber ich lasse nicht zu, dass die Großen des Landes die Schriften der Götter gegen mich verwenden. Wiederum verstehe ich, dass du an deinem Eid gebunden bist aber ich bitte dich trotzdem, dass du dich von diesem Votum fernhältst.“
Satamun blickte ihm starr ins Gesicht.
„Gewiss, wenn Ihr es mir befiehlt, werde ich mich dem Misstrauensantrag enthalten. Aber ich gab Hohepriester Ahmose mein Wort abzustimmen, wie es besprochen wurde, weil es meine Pflicht ist, dies zu tun. Ich bin seine Vertraute. Halte ich mich nicht daran, werden sie mich noch auf dem Rückweg irgendwo in den Wüstendünen verscharren, weil ich das Versprechen und somit das Vertrauen meines Mentors brach. Und wenn ich zu diesem Votum erst gar nicht erscheinen würde, wird es trotzdem abgehalten. Und ich könnte nirgendwohin flüchten und sie würden mich sowieso kriegen. Wie auch immer, ich wäre des Todes. Das wäre rechtens, Ihr könntet es sowieso nicht verhindern und Ahmose dafür nicht einmal bestrafen.“

Es schien eine verzwickte Lage zu sein, denn Tutanchamun wollte keinesfalls, dass Satamun etwas zustößt. Ihr zu befehligen, zu flüchten, war also auch keine alternative Option. Satamun bedrängte den König, dass er ihr erlauben sollte, sich diesem Misstrauensvotum zu stellen. Sie hegte einen Verdacht. Sie meinte, dies alles wäre nur ein Schachzug einer wirklich mächtigen Person, die ihn letztendlich vom Horusthron stoßen wollte. Die Priesterin hatte nämlich gestutzt, als man sie über dieses hinterhältige Attentat benachrichtigt hatte, welches angeblich auf Tutanchamuns Befehl angeordnet worden war. Sie kannte Tutanchamun, seitdem er ein Kleinkind und noch ein Prinz war, und sie wusste, dass er zwar ein frecher Lausebengel war und sich überdies leidenschaftlich gerne prügelte, wobei auch er manches Mal mit einem blauen Auge zum Königspalast zurückkehrte. Nichtsdestotrotz hegte Tutanchamun niemals niederträchtige Gedanken. Niemals hatte sie ihn dabei ertappt, dass er aggressiv reagierte, grausame Gedanken hegte oder mörderische Rache geschworen hatte. „Die haben mich gehauen. Aber Rechmire und Petu werden mir helfen, wenn sie mich morgen nochmal hauen wollen“, hatte der Kindkönig damals nur beleidigt bekundet. Tutanchamun rächte sich allerhöchstens mit einem harmlosen Bubenstreich. Sie vermutete, dass eine wirklich mächtige sowie gefährliche Person hinter alldem steckte, die nicht einmal davor zurückschreckte, das Land in Gefahr zu stürzen, nur um an die Doppelkrone zu gelangen. Der Krieg gegen das Reich der Hethiter musste angezettelt worden sein, allein nur um rechtmäßig dieses Votum aufzurufen. Nur wer? Wer hatte den Schneid, zugleich die Mittel dazu, und welchen Großen des Landes konnte es überhaupt von Nutzen sein? Theoretische Thronanwärter gab es zwar zur Genüge, aber welcher Person wäre es realistisch zu ermöglichen, den Horusthron zu besteigen, sodass er auch jahrzehntelang regieren könnte? Satamun verdächtigte ihren Mentor, der Hohepriester Ahmose, weil er schon immer nach der Doppelkrone getrachtet hatte. Aber sie schwieg, weil sie sich nicht sicher war. Satamun hatte sich niemals mit Indizien zufriedengestellt, sondern ausschließlich mit Beweisen.
„Mein Pharao, lasst mich an dieser geheimen Konferenz in der Wüste teilnehmen und ihr Urteil scheinheilig zustimmen, damit ich dahinterkomme, welch hinterhältiger Seth dieses Spinnennetz knüpfte. Die Einreise sowie Ausreisesperre ist eine wahre Rattenfalle für Euch. Damit soll lediglich verhindert werden, dass Ihr weder flüchtet noch von einem kopfgeldgierigen Hethiter getötet werdet.“ Sie seufzte. „Ihr sollt meiner Meinung nach den Göttern geopfert werden, wie damals Pharao Echnaton … Euer Vater!“
Satamun blickte vorsichtig hinter der Säule hervor. Niemand war zu sehen.
„Was soll das heißen, Satamun?“, zischte Tutanchamun sie schroff an, während er energisch an ihrer Robe zerrte. Er blickte ihr zutiefst empört in die Augen. Das war eine haarsträubende Anschuldigung, die seine Freundin wiedermal von sich gab. Jedoch hatte sie noch nie zuvor gelogen. Satamun log nicht, niemals, wie ihm bekannt war.
„Willst du mir etwa damit erklären, dass mein Vater ermordet wurde? Mein Vater, der zum Gott gewordene Pharao Echnaton? Das ist ungeheuerlich, was du behauptest. Was denkst du dir eigentlich dabei? Nimm das sofort zurück. Was weißt du schon über meinen Vater?!“, fauchte er wütend. Tutanchammun schaute nach diesem Wutausbruch bedrückt über seine Schulter, weil er befürchtete, dass er zu laut gesprochen hatte. Aber zum Glück war niemand zu sehen.
Dem Pharao fehlten die Worte. Sein Vater war tatsächlich ermordet worden? Man hatte ihm aber erzählt, er sei mit neununddreißig Jahren frühzeitig zu Osiris gegangen, weil er sich mit Wein ertränkt hatte.
„Mein Pharao, hört mich an. Aus meinem Mund spricht die Maat“, flüsterte Satamun hektisch auf ihn ein. „Vor dreizehn Jahren wurde ebenfalls ein Votum abgehalten und ich war damals dabei. Die Zurechnungsfähigkeit des Pharao Echnaton wurde angezweifelt, weil er drauf und dran war, die Bibliothek in Theben niederbrennen zu lassen, damit die Schriftrollen des Alten Reichs vernichtet werden. Euer Vater hatte sich in Achetaton regelrecht abgeschottet und glaubte, dass seine Hauptstadt Kemet wäre. Er hatte eine eigene Armee gegründet und es wurde befürchtet, dass er seinen Sonnenkult noch ewig aufrecht halten könnte. Er hatte das Volk dazu gezwungen, Aton zu huldigen und scheute gar vor Gewalt nicht zurück. Ein Bürgerkrieg stand damals bevor. Zudem prophezeiten damals seine Leibärzte, dass Echnatons übermäßiger Weinkonsum eines Tages seine Gruft öffnen würde. Ihr wurdet als der Thronfolger von allen Priestern zwar akzeptiert, dennoch ward Ihr damals nur ein Kind gewesen. Ein Kind kann man nach Belieben beeinflussen, das habe ich sogar am eigenen Leib erfahren müssen! Deshalb war es für die Priesterschaft und den Großen des Reiches so attraktiv, dass Ihr der nächste Pharao werden solltet. Es musste zum allerersten Mal in der ägyptischen Geschichte ein Vormund auserkoren werden, ein Vormund der für den Pharao verantwortlich ist und Entscheidungen für ihn fällt. Wir wählten einstimmig für Eje, und am nächsten Morgen war Pharao Echnaton plötzlich tot. Hoheit, Euer Vater wurde im Sinne nicht ermordet, sondern wurde vielmehr für die Götter geopfert. Ich hatte damals das Zeichen erkannt und ich befürchte, auch Ihr sollt diesmal den Göttern geopfert werden, weil eine mächtige Person die einmalige Gelegenheit wittert, rechtmäßig an Eure Krone zu gelangen. Letztendlich bleibt es ein Königsmord!“
Tutanchamun blickte ihr todernst in die Augen.
„Wenn das tatsächlich so geschah, weshalb hast du mich nie darüber aufgeklärt? Warum hast du all die Jahre geschwiegen? Ich hätte doch …“
„Ihr hättet dann was getan?“, fiel sie ihm patzig ins Wort. „Die Großen des Landes vor das oberste Gericht gestellt? Eje des Verrats angeklagt, damit das Volk von diesem geheimen Votum erfährt? Ich versichere Euch, mein Großer Pharao, dann würden wir beide hier nicht stehen sondern befänden uns längst in der Duat.“
Satamun riet ihm, sich sofort mit seinem treusten Gefolge wieder auf den Nil zu begeben und abzuwarten, bis Licht in diese Finsternis leuchtet, welche ihn umgab. Mitten auf dem Fluss wäre es beinahe unmöglich, dass sich ein Attentäter unbemerkt heranschleicht, um ihn zu töten. Tutanchamun aber schüttelte energisch mit dem Kopf.
„Das ist doch absurd. Ich gehe nicht zurück auf die Sonnenbarke und begebe mich wieder auf den Nil, weil ich grade erst angekommen bin. Mein Festzug durch Memphis muss organisiert werden und außerdem gedenke ich, mich zu vermählen“, bekundete der Pharao kurz grinsend, blickte sie aber sogleich wieder ernst an.
Satamun schaute nach oben, atmete einmal tief durch und rollte genervt mit ihren Augen.
„Mein Glückwunsch“, entgegnete sie ihm spöttisch. „Aber begreift Ihr denn nicht, in welcher Gefahr Ihr Euch befindet?“
„Unsinn, es gibt keine Gefahr. Ich bin der Pharao und werde gleich morgen früh Eje herbeirufen lassen, und ihn von dieser Verschwörung unterrichten. Wir werden diese dunkle Machenschaft zerschlagen!“
Daraufhin beugte sich Satamun langsam herunter und schaute dem Pharao mit ihren grünen Augen ernst an.
„Es wird Euch das Herz brechen, was ich Euch jetzt zu sagen habe, aber es ist die Wahrheit. Eje wird ebenfalls bei diesem Votum, wie vor dreizehn Jahren, anwesend sein. Noch heute Nacht werden sie möglicherweise Eje gar zum Thronfolger ernennen. Vielleicht aber auch Ahmose, allerdings halte ich diese Entscheidung für unwahrscheinlich. Eje war schon immer der Mann gewesen, der das Reich regiert hatte. Bei solch einem Votum wissen vorher nur vereinzelte Personen, ob der Pharao danach den Göttern geopfert wird. Sonst niemand. Dies wird niemals erwähnt, allein nur die Thronfolge wird bestimmt, aber es könnte durchaus sein, dass damit zugleich Euer Schicksal besiegelt wird. Versteht Ihr mich? Niemand wusste damals, ob nun Echnaton geopfert wird oder nicht. Es geschah einfach und somit konnte niemand des Mordes bezichtigt werden.“
„Unser Wesir soll ein Verschwörer sein?“ Tutanchamun war sichtlich entrüstet, schließlich bewunderte und achtete er Eje, wie einen eigenen Großvater. „Eje hatte etwas mit dem Tod meines Vaters zu tun? Ich kann und will es nicht glauben! Schweig auf der Stelle, das ist eine ungeheuerliche Anschuldigung!“
Die Priesterin schüttelte mit dem Kopf.
„Nein, mein Pharao, davon bin ich nicht ganz überzeugt. Der Wesir Eje hat sich verändert. Er ist nun alt geworden und hat sich zurückgezogen. Er übergab letztens offiziell seinem Vertrauten Maya das Amt. Maya ist nun Wesir von Unter- und Oberägypten. Wisst Ihr das etwa auch nicht?“, fragte Satamun verwundert.

Tutanchamun wollte es nicht wahrhaben, dass Eje, der jahrzehntelang loyal seinem Familienclan gedient hatte, mit dem angeblichen Mord an seinen Vater verstrickt gewesen war und nun vielleicht sogar nach der Krone trachtete. Niemals Eje. Er verlangte von Satamun, dass sie ihn über diese sogenannten Zeichen aufklären sollte, damit die Götter den Tod eines Pharaos als eine Opferbeigabe betrachteten, welches für das Wohlergehen Ägyptens notwendig war und sie es nicht als einen heimtückischen Mord interpretierten. Tutanchamun verteidigte den Wesir hartnäckig und meinte, wenn Eje an diesem Misstrauensvotum teilnehmen würde, dann hätte dies auch seine Richtigkeit, aber sein Gottesvater würde es niemals zulassen, dass der Pharao danach getötet werden würde. Der Wesir müsste für diese Entscheidung gar gezwungen worden sein, meinte er. Denn Eje wäre niemals ein Verräter. Satamun packte ihm beherzt an seine Schultern und blickte ihn ernst an.
„Das eine schließt das andere nicht aus. Eine halb verfaulte Zwiebel ist trotzdem eine verfaulte Zwiebel. In Eurer Position dürft Ihr nicht einmal Euren engsten Vertrauten vertrauen.“
Satamun erzählte, dass sie am Morgen, als man Echnaton leblos im Thronsaal seines Königspalastes in Achetaton gefunden hatte, persönlich anwesend war. Sie hatte seinen Leichnam nur flüchtig inspiziert, hatte aber keine Hinweise dafür gefunden, welche auf ein Verbrechen hinführten. Aber als sie jedoch die geleerten Amphoren gezählt hatte, die im Thronsaal überall verstreut herumlagen, hatte sie das Zeichen erkannt. Das Zeichen dafür, dass Echnaton für die Götter geopfert wurde.
Ein Pharao durfte niemals vom eigenen Volk angegriffen beziehungsweise getötet werden. Dies wäre eine Schande gegenüber allen Göttern gewesen, deren Zorn das Land letztlich zu fürchten hätte, schließlich galt ein Pharao ebenfalls als ein Gott, ein lebender Gott. Also musste der Mord an einem Pharao raffiniert durchgeführt werden, um die Götter zu täuschen, sodass die Götter sowie auch die Bevölkerung im Glauben schwelgten, Osiris lockte persönlich mit dem Finger. Ein Zeichen musste gesetzt werden.
Satamun hatte damals neununddreißig geleerte Amphoren gezählt und eine davon hatte in Scherben gelegen. So oft hatte Echnaton das Opet-Fest erlebt. Neununddreißig hintereinander konsumierte Weinamphoren hätten gewiss einen Pfad in die Duat, in das Jenseits gepflastert, davon war sie fest überzeugt, nur schien es ihr nicht machbar zu sein, diese in einer einzigen Nacht zu vertilgen. Selbst nicht für den stets durstigen Echnaton, der immerhin einiges vertragen hatte, wie ihr zu Ohren gekommen war. Der Pharao war schlichtweg vergiftet worden, war ihr erster Gedanke gewesen, als sie das Zeichen für die Götter gesehen hatte. Und das Volk hatte geglaubt, dass dies Amuns Rache gewesen war.

Plötzlich vernahmen die Beiden Stimmen. Vorsichtig lugten sie hinter der Säule hervor. Einige Priester näherten sich ihnen. Wenn die Tempelpriester Satamun entdecken würden, würden sie es sicherlich dem Hohepriester Ahmose erzählen, auch wenn sie nichts von dem Votum ahnten. Dies wäre immerhin ein netter Grund, ein Gespräch mit dem Tempeloberhaupt zu führen und über die Tätigkeiten seiner Vertrauten zu plaudern. Satamun beherrschte zwar ihre Ängste, trotzdem wurde sie sichtlich nervös. Aber Tutanchamun hatte eine Idee und meinte, dass es nun an der Zeit wäre, sich für ihre treuen Dienste zu revanchieren, indem er seine Freundin jetzt unbemerkt aus dem Königspalast schleusen würde, genauso wie sie es jahrelang für ihn getan hatte. Daraufhin huschte ein kurzes Lächeln über Satamuns Mundwinkel.
Die Amunpriesterin drückte ihm zuletzt noch ein Amulett in die Hand und behauptete, dieses würde ihn vor Flüchen beschützen. Satamun befürchtete, dass das Hethitervolk bereits Verwünschungen gegen ihn ausgesprochen hätte. Niemals sollte er seine Ängste niederschreiben oder gar aussprechen, ansonsten würde ihn der Fluch am Kragen packen und nimmer loslassen. Ein Fluch, so behauptete Satamun, würde seinen Ka sogar über den Tod hinaus überschatten und seinen Familienclan bis in die Ewigkeit verfolgen. Tutanchamun aber lächelte nur.
„Ich habe vor einen Fluch keine Angst, wenn es sein muss, sterbe ich für mein Land. Das ist nicht nur so dahin gesagt!“, betonte er.
Dann grübelte Tutanchamun schelmisch grinsend.
„Außer vielleicht … Der Ruhm ist mir nicht geheuer. Die Menschen schreien nur hysterisch meinen Namen, man kann sich gar nicht mit ihnen unterhalten. Stell dir nur vor, Satamun. Als wir durch die Straßen von Theben marschierten, hatte ich eine junge Frau umarmt, die daraufhin in Ohnmacht gefallen war. Das hatte mich schockiert. Der Ruhm erscheint mir wie ein Fluch.“ Tutanchamun rollte mit seinen Augen. „Das will ich doch gar nicht. Es wäre mir ein Graus, wenn ich zu Osiris emporgestiegen bin, dass man danach scharenweise zu meiner Gruft pilgert, wohlmöglich hineinsteigt und gar meine Mumie begafft. Tod möge sie heimsuchen, weil sie mich dann immer noch nicht in Ruhe lassen. Jawohl, alle sollen sie qualvoll sterben, die meine Gruft betreten und meine Mumie anglotzen“, kicherte er.
Satamun weitete empört ihre grünen Augen und drückte mit dem Finger auf seine Nase.
„Habt Ihr mir etwa wieder nicht zugehört? Ich sagte, sprecht Eure Ängste niemals aus!“, fauchte sie wütend. „Nun wissen die Götter, wovor Ihr Euch fürchtet. Wäret Ihr nur bereits in das Mysterium eingeweiht worden, dann wüsstet Ihr, dass nicht alle Götter Euch wohlgesinnt sind! Die Götter sind launisch und bestrafen jede Torheit! Selbst diese, die der Pharao begeht!“
„Was erlaubst du dir da schon wieder!“, zischte er zornig, schlug ihre Hand aus seinem Gesicht und zerrte ihre Robe über die Schulter, bis ihr blanker Busen hervorschien. Satamun aber blickte ihm nur kühl in die Augen, während sie ihre Kleidung wieder richtete. Tutanchamun hasste es, wenn sie ihn ständig respektlos anpackte, als wäre er nur ein Bauernjunge. Dies sollte sie endlich unterlassen.
„Ich habe doch nur gescherzt!“, wies er sie ärgerlich zurecht. „Nur gescherzt habe ich, meine Gnädigste, aber davon verstehst du ja nichts!“
Tutanchamun rieb sich seine Nase und blickte ihr beleidigt in die Augen.
„Nun geh und sieh dich vor, Satamun. Meine Leibwächter werden heute Nacht besonders aufmerksam sein. Sie sind mir treu ergeben und werden mich beschützen. Berichte mir gleich morgen Früh.“

Für weitere Diskussionen blieb ohnehin keine Zeit mehr. Eine Gruppe von Priestern näherte sich ihnen. Als Tutanchamun aus dem Schatten der monströsen Säule plötzlich hervortrat, sich räusperte und eine Handbewegung machte, knieten sie sogleich vor ihm demütig und legten ihre Stirnen auf den polierten Granitboden nieder. Dies war die einmalige Gelegenheit, zu türmen.
Satamun lugte vorsichtig hinter der Säule hervor. Der Pharao verhalf ihr soeben zur Flucht. Schon heute Nacht würde sie den Verräter entlarven und es am nächsten Morgen dem König berichten. Er würde dann die Verantwortlichen im Audienzsaal persönlich verhören. Eje würde sich rechtfertigen müssen, inwiefern er etwas mit dem Ableben seines Vaters und dem aktuellen Votum zu tun hatte. Eje würde dem Pharao Rede und Antwort geben müssen, auch weshalb er ihn von diesem Votum niemals unterrichtet hatte. Satamun streifte die Kapuze über ihren geschorenen Kopf. Ihr war es bewusst, dass die Loyalität zum Pharao Tutachamun für sie verhängnisvoll enden wird, selbst wenn das vermeintliche Mordkomplott vereitelt werden würde. Die Intrigen waren einfach zu verstrickt und es war absehbar, dass die mächtigsten Personen von Ägypten dahinter steckten. Selbst wenn es ihr gelingen würde, die eigentlichen Marionettenspieler zu entlarven und diese zweifelsohne hingerichtet werden, würden die anderen Herrschaften, die von der Thronfolge profitiert hätten, beabsichtigen sie irgendwann aus Rache töten zu lassen. Wie dem auch sei; die Priesterin müsste ab sofort ein Lebelang hinter ihre Schulter schauen. Satamun huschte von einer Säule zur nächsten und verschwand unbemerkt aus dem Palast. Jetzt hatte ihr ehemalige Schützling, der Pharao Tutanchamun dafür gesorgt, dass Satamun den Königspalast unbemerkt verlassen konnte.
 
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