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Die Belfast Mission - Kapitel 59

Romane/Serien · Fantastisches
Kapitel 59 – Der Clou


Belfast, 1. April 1912. Sechs Tage später …

An jenem sonnigen Montagmittag war in der Stadt wiedermal viel los. Auf dem Kopfsteinpflaster hörte man die Pferdehufen von Kutschengespannen klackern und wenn ein Automobil sich den Bahnschienen näherte, schrillten die Schellen der Straßenbahnen. Passanten spazierten auf dem Gehweg und schauten sich die Ladenfenster der Boutiquen und Kaufläden an. Und überall an den Straßenkreuzungen patrouillierten Polizisten, an ihren Gürteln Schlagstöcke angeknüpft waren. Sie hatten die Arme hinter ihren Rücken verschränkt und beobachteten mit grimmigen Gesichtern die Gegend.
Die vielzählige Präsenz der Gesetzeshüter war alltäglich und auch notwendig geworden, wegen der Home Rule Kriese, die sich mittlerweile zugespitzt hatte. Zeitgleich demonstrierten hunderte Werftarbeiter vor dem Firmengelände von Harland & Wolff für höhere Gehälter und protestierten gegen die strenge Willkür der Vorarbeiter. Außerdem verlangten die Hilfsarbeiter, dass ihnen endlich der Beitritt zur Gewerkschaft gestattet wird, was bislang ungelernten Arbeitskräften grundsätzlich verwehrt geblieben war.
Belfast war ein hochexplosives Pulverfass geworden, das zu jeder Zeit irgendwann, irgendwo in der Stadt hochgehen und eine beispiellose Eskalation verursachen konnte. Es musste insbesondre im Hafenviertel und mitten auf dem großen Marktplatz plötzlich mit einer Menschenmasse gerechnet werden, die gegenseitig wie wilde Tiere über sich herfallen, alles kurz und klein hauen und sich die Schädel einschlagen, bis die Plünderer ihre Chance ergreifen und somit zusätzliches Chaos verursachen. Und doch war es aber auch so, dass andere Stadtviertel nicht von solchen Unruhen betroffen waren, dort es sicher zu scheinen wirkte und dort das gewohnte Leben weiterging.

Es war ein sonniger Frühlingstag. In den sicheren Stadtvierteln, vor den Straßencafés, waren endlich wieder Tische und Stühle aufgestellt worden, dort saßen bei diesem herrlichen Kaiserwetter hauptsächlich die vornehme Gesellschaft, während zwischen den Passanten junge Burschen schlenderten, Zeitungen in die Höhe hielten und lautstark verkündeten: „EXTRABLATT! EXTRABLATT! NEUES VON DER UNSINKBAREN TITANIC!“
Vor der Eingangshalle der Belfast National Bank liefen seit dem frühen Morgen zwei adrett gekleidete Herren mit Hut, Krawatte und Jackett umher. Nachdem sie jetzt am Mittag dort immer noch verharrten, wurden sie von einem Polizisten barsch aufgefordert zu erklären, weshalb sie vor dem Bankinstitut herumlungerten. Vielleicht beabsichtigten die Gentlemen ja einen Banküberfall, mutmaßte der aufmerksame Gesetzeshüter mit dem gezwirbelten Schnauzbart.
Der Polizist schob sein Käppi etwas aus der Stirn, weitete erschrocken seine Augen und bat die Herren schließlich vielmals um Verzeihung, als diese ihm jeweils ihre Ausweise vor die Nase hielten, welche beide Männer als Inspektors des New Scotland Yard erkenntlich machten. Aber in Wirklichkeit waren die angeblichen Inspektors Agenten aus dem 25. Jahrhundert, die dem unbekannten Dieb auflauerten, der vermutlich am heutigen Tag das geheime Bankkonto der Regierung von United Europe auflösen und sich die 5,5 Milliarden Dollars einheimsen wird.
Dem zweiundfünfzigjährigen Agent Thomas, der schon Ike eingearbeitet hatte, wurde kurzfristig ein ihm unbekannter Agent zugeteilt, dessen Name er nicht kannte.
„Schon wieder nur ein Neuling, auf den ich mehr aufpassen muss, anstatt konzentriert observieren zu können“, murmelte Agent Thomas verdrossen vor sich hin. „Ständig werden mir die verdammten Grünschnäbel zugeteilt, als wäre ich der Babysitter der Nation. Na warte, Henry. Mit dir werde ich ein Wörtchen reden müssen.“

Agent Thomas hielt eine Zeitung in seinen Händen und las dem jungen Agentenanwärter, der nicht älter 25 Jahre alt war, die aktuelle Schlagzeile vor.
„Hey Junge, hör mal zu: Der König von Großbritannien und Irland, Georg V., gratuliert. Die Titanic bestand ihre Probefahrt heute Morgen um 7:00 Uhr anstandslos. Bei voller Fahrt kam das Schiff bereits nach einer halben Seemeile zum Stillstand. Der Wendekreis betrug bei voller Fahrt ungefähr 1500 Meter, während sich das Schiff 630 Meter vorwärtsbewegte.“
Agent Thomas kniff seine Augen beim Lesen und überflog einige Zeilen. Dann las er weiter vor.
„Blablabla, und so weiter und so fort. Aufgrund des Kohlestreiks werden in Southampton einige Ozeandampfer vorrübergehend stillgelegt, weil deren Kohlebunker geplündert werden. Die unsinkbare Titanic benötigt für ihre Jungfernfahrt jedes vorhandene Kohlebrikett, alle anderen Überseefahrten werden storniert. Bereits erworbene Tickets nach Amerika behalten aber ihre Gültigkeit. Die Passagiere der Schiffe Oceanic und New York, die in Southampton vorerst ankern, werden problemlos auf die R.M.S. Titanic umgebucht. Aber … jetzt kommts“, sagte Thomas mit erhobenem Zeigefinger. „Die Tickets für die 1. Klasse der Schiffe Oceanic und New York haben keine Gültigkeit für die 1. Klasse der Titanic. Diese Passagiere werden für die 2. Klasse eingecheckt, was aber dem Niveau der 1. Klasse eines herkömmlichen Schiffes entspricht.“
Agent Thomas faltete die Zeitung, blickte zu seinem wesentlich jüngeren Kollegen und stieß ihn mit dem Ellenbogen an.
„Sag mal, Kollege, hörst du mir überhaupt zu? Das sind aktuelle Neuigkeiten, die unsere jetzige Gegenwart betreffen. Das müsste dich doch äußerst interessieren.“
Der junge Agent war ein relativ kleiner Bursche, ungefähr 1,70 Meter groß, blond, ziemlich gutaussehend und schien sehr eifrig zu sein. Keine Frage, ihm würde gewiss eine vielversprechende Karriere im Geheimdienst bevorstehen.

„Dein erster Tag in der vergangenen Welt, Junge? Du hast dich also tatsächlich für die Ausbildung eines Agenten entschlossen?“, fragte Thomas lächelnd, um diesen mürrisch wirkenden, wortkargen Neuling zum Reden zu animieren. Der junge Mann schob seinen Bowler etwas zurück, wobei er aber seinen konzentrierten Blick nicht von der Straßenszene abließ.
„So ist es, Thomas. Ich bin für den Geheimdienst einfach geboren worden. Das ist mein Ding, das ist, was ich schon immer machen wollte. Sowohl an der Uni als auch auf der Akademie war ich der Beste meines Jahrgangs gewesen“, entgegnete der Zweiundzwanzigjährige lässig. „Sowie im Geschichtsunterricht und im Kampfsport. Auf dem Schießstand und ebenso im Simulator war ich ebenfalls immer unschlagbar. Ich habe eben einen guten Instinkt, was für den Geheimdienst unabkömmlich ist. Wenn du weißt, was ich meine“, sagte er und zwinkerte seinem Vorgesetzten zu.
Agent Thomas verdrehte seine Augen und seufzte. Schon wieder so ein selbstgerechter, ehrgeiziger Bengel aus dem Centrum der meint, sogleich der Elite anzugehören. Vor 3 Tagen seiner Zeitrechnung hatte er Ike in der Obhut gehabt, der sich ähnlich verhalten hatte. Nur nicht ganz so aufgeblasen wie dieser blonde Gartenzwerg. Agent Thomas schüttelte gelangweilt mit dem Kopf.
„Wie heißt du eigentlich, Junge? Nun hör doch endlich mal auf, ständig die Akteure zu beobachten und schau mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede! Ist dir etwa nicht bewusst, dass du dich zurzeit in der vergangenen Welt befindest? Du hast einen Zeitsprung von minus 5 Jahrhunderte unternommen und befindest dich jetzt im Jahre 1912! Das muss doch ein aufregendes und fantastisches Erlebnis für dich sein. Du bist einer von abertausenden Bewerbern, die für diesen Job auserwählt wurden. Nicht jeder bekommt gleich die Chance, bei so einer wichtigen Operation mitzuwirken“, sagte Agent Thomas, wobei es vorwurfsvoll klang.
Nicht zu glauben. Dieser Agentenanwärter befindet sich exakt 561 Jahre in der Vergangenheit und machte nicht den geringsten Anschein, dass ihn diese Tatsache in irgendeiner Weise beeindruckte. Dieses Verhaltensmuster war für einen Neuling normalerweise untypisch, es sei denn, dieser war schon in seiner Kindheit ständig mit seinen Eltern “in den Urlaub gefahren“ und hatte bereits einige Zeitepochen bereist. Dann musste dieser Agentenanwärter aber äußerst vermögende Eltern haben.

Die Agentenanwärter wurden zuallererst in Simulatoren auf virtuelle Zeitreisen geschickt – wobei man die Realität und Fiktion kaum unterscheiden konnte – damit sie vorweg einen Eindruck von der vergangen Welt und den Akteuren bekamen. Dort mussten sie hauptsächlich mit holografischen Menschen mögliche Konflikte oder diverse Pannen während einer Zeitreise meistern, welche sie eventuell erwarten würden. Aber die reale vergangene Welt beschrieben alle Lehrlinge als fantastisch, nicht zu vergleichen mit dem Simulator, und verhielten sich meist an ihrem ersten Tag äußerst zurückhaltend, oftmals sogar schüchtern. Nervös und demütig allemal. Dieser junge Agent jedoch nahm seine Situation völlig nüchtern wahr und observierte vorbildlich, als wäre er bereits ein Profi.
Agent Thomas schloss seine Augen und seufzte erneut. „Unfassbar. Womit kann man die Jugend heutzutage noch begeistern?“, murmelte er vor sich hin.
„Selbstverständlich ist es mir bewusst, wo ich mich zurzeit befinde, Thomas. Das hier ist die Vergangenheit, das Fundament der Zukunft von United Europe und unsere jetzige Gegenwart. Wir befinden uns im angepriesenen frühen Zwanzigsten Jahrhundert, welches zu den wichtigsten Zeitepochen zählt, dass die Menschheit in jeder Hinsicht geprägt hat. Die Statistik des Lokbuches der TTA zeigt auf, dass das Zwanzigste Jahrhundert mitunter das beliebteste Zeitreiseziel ist“, antwortete der Agentenanwärter trocken, wobei er unbeirrt weiterhin jeden einzelnen Akteur beobachtete.
„Wenn wir van Broek geschnappt haben, lade ich dich zu einem Kaffee ein, Thomas. Versprochen.“ Der junge blonde Bursche schaute ihn mit seinen hellblauen Augen ausdruckslos an. Dann lächelte er verschmitzt.
„Ich darf dich doch Thomas nennen?“, fragte er, wobei es sich aber anhörte, dass es für ihn selbstverständlich war.

Agent Thomas verzog seinen Mund. Was für ein großmäuliger Frischling er doch ist, dachte er sich. Der hat doch nicht die geringste Ahnung, worauf er sich eigentlich eingelassen hat. Wie alle jungen Geheimagenten, so wie auch er einst einer war, denken sie, dass die Missionen nur ein reines Abenteuer sein werden. Ein Abenteuer mit garantiertem Happy End.
„Es gibt unzählige Bankinstitute auf der Welt und jede wird in diesem Augenblick seit drei Tagen, rund um die Uhr von unserem Geheimdienst überwacht. Glaubst du wirklich, dass Schleuser Ike van Broek so dämlich ist und ausgerechnet in die mächtigste Bank von Belfast marschieren wird, um das Gemeinschaftskonto an sich zu reißen? Hier war er drei Jahre lang mindestens einmal im Monat erschienen und hatte Geld abgehoben. Die Bankangestellten kennen doch sein Gesicht und wissen, dass er nur ein Vorarbeiter von Harland & Wolff ist. Wenn van Broek plötzlich fünfeinhalb Milliarden Dollar für sich beanspruchen würde, wäre das doch wirklich auffällig. So leicht käme er mit dem Zaster sicherlich nicht aus der Bank. Da würde erstmal der Bankdirektor herbeigerufen werden und Diskussionen würden erfolgen. Sowas entgeht der Sicherheitszentrale niemals“, meinte Agent Thomas. „Zudem steht Ike auf der Fahndungsliste des UE-Staates; jeder Agent und Schleuser ist bereits informiert und weiß, wie er aussieht. Es ist sowieso fraglich, ob Ike es überhaupt sein wird. Dazu fehlt ihm mitunter das Passwort und die schriftliche Genehmigung des Präsidenten. Und vor allem besitzt er keinen Beamer, weil keinem Schleuser ein Beamer ausgehändigt wird“, erklärte Thomas.
Der junge Kerl lächelte.
„Nein, van Broek halte ich keinesfalls für dumm, dass er persönlich einfach genau in diese Bank spazieren wird. Aber ich halte ihn für dreist genug, dass er es doch tut. So mein Instinkt.“
Piet hielt inne und schaute ihn scharf an.
„Du meinst also, dass van Broek eine schriftliche Genehmigung meines Vaters bräuchte, um das Gemeinschaftskonto aufzulösen? Exakt, so ist es. Aber dem Scheißkerl ist es offenbar trotzdem irgendwie gelungen, einen Beamer aufzutreiben und die nötigen Passwörter zu ergattern“, antwortete der vorlaute Agent.
„Von deinem Vater?“, hakte Agent Thomas verwundert nach.
„So ist es, Thomas. Gestatten, mein Name ist Piet Klaasen. Ich bin der Sohn des Staatspräsidenten von United Europe, Hendrik Klaasen.“
Agent Thomas verschränkte seine Arme, blickte dem Neuling lächelnd ins Gesicht und nickte.
„Aha … Ich verstehe. Du bist also der Sohn des Präsidenten und glaubst demnach, alles im Griff zu haben, deine Kollegen zu durchschauen und unantastbar zu sein. Du denkst, dass du es nicht nötig hast, von irgendjemanden einen Vorschlag anzunehmen?“, fragte Agent Thomas listig.
Piet beobachtete unbeirrbar das Geschehen auf der Straße und schüttelte mit dem Kopf.
„Nein, Agent Thomas. Da hast du ein ganz falsches Bild von mir. Ich bin zwar der Sohn des Präsidenten, aber ich wurde bei der Bewerbung nicht bevorzugt, sondern ich hatte mich bewiesen. Dies ist eine Tatsache. Dass ich jetzt neben dir stehe und mit dir gemeinsam observieren darf, verdanke ich ganz allein nur mir selbst.“
Er blickte Agent Thomas an und schmunzelte.
„Von dir habe ich schon einiges gehört und wollte unbedingt an deiner Seite stehen. Aber ich verrate dir mal was. Ich nehme Ratschläge immerzu dankend an und habe sogar ein Vorbild, dem ich nacheifere“, meinte Piet.
„Soso. Du hast in der Tat ein Vorbild? Und wer ist das, wenn ich fragen darf?“, fragte Thomas neugierig.
„Ich bewundere Schleuser Marko Rijken. Was hältst du von ihm? Sag mir deine ehrliche Meinung.“
„Marko Rijken?“, echote Agent Thomas erstaunt und atmete einmal kräftig durch. „Nun ja, er ist ein taffer und mutiger Kerl und hat schon zwei Missionen erfolgreich abgeschlossen. Er ist zwar clever aber oftmals zu hitzköpfig. Seine dritte Mission jedoch hatte er gründlich versemmelt, weshalb Rijken vorerst nur Zeitreisende der TTA betreuen darf, um sich wieder selbst auszurichten.“

Thomas blickte seinen prominenten Schützling väterlich an, und schmunzelte. Wenn dieser hochmütige Bengel schon bekennt, dass er ein berufliches Vorbild hat, weshalb dann ausgerechnet Schleuser Marko Rijken? Schließlich gab es genügend Schleuser im Geheimdienst, von denen er hätte lernen können, zumal Rijken nicht einmal 30 Jahre alt ist. Normalerweise war der bereits pensionierte Simon Barnes das Vorbild aller jungen Geheimdienstler.
„Was kann man dazu noch sagen? Rijken ist etwas zu temperamentvoll und ist hauptsächlich für das Mittelalter spezialisiert worden, aber er ist doch ein Schleuser und du bist ein Agent. Das sind zwei verschiedene Berufsgruppen, die unterschiedlich denken und handeln müssen. Außerdem ist Rijken nicht sonderlich beliebt. Er ist zwar gut in seinem Job, zweifelsohne. Er handelt vorbildlich, immer nur strikt nach Vorschrift. Ja, strikt nach Vorschrift. Das eckt eben bei einigen manchmal an. Aber es ist vielmehr seine Art und Weise, wie er mit seinen Kollegen die … ähm.“
Agent Thomas blickte in die Luft und rang nach den rechten Worten, Marko Rijken zu beschreiben, ohne ihn dabei direkt als ein Kameradenschwein zu bezeichnen, der jeden in die Pfanne haut, um letztendlich selbst gut dazustehen. Schließlich stand der Sohn des UE-Präsident neben ihm und Agent Thomas war noch von dem alten Schlag Geheimdienstler, der interne Zwistigkeiten nicht ausplauderte. Schon gar nicht vor einem Neuling.

Der blutjunge Agent Piet Klaasen schaute seinen Einsatzleiter kurz an, entnahm ihm frech seine Nickelbrille, legte sie auf seine Nase und starrte damit weiter in die Menschenmenge. Unzählige Passanten liefen umher.
Piet beobachtete eine Frau, die gerade aus der Straßenbahn herausgestiegen war und schnurstracks auf das Bankinstitut zuging. Sie war mit einem dunkelgrünen Frauenkostüm bekleidet und trug weiße Handschuhe, die bis zu ihren Ellenbogen ragten. Der Rock war enganliegend, figurbetont und reichte ihr nur bis zu den Knien, sodass sie keine großen Schritte machen konnte und eher tippelte, anstatt wie mit einem weiten Rüschenrock vernünftig laufen zu können. Vielleicht trugen aber auch die Stöckelschuhe etwas dazu bei, dass sie tippeln musste. Diese Frau hob sich mit ihrem außergewöhnlichen Outfit deutlich von allen Leuten ab. Ihr kurz gelocktes, platinblondes Haar erinnerte sie vage an den damals noch nicht geborenen Hollywoodstar Marilyn Monroe. In ihren Händen trug sie eine elegante Handtasche. Nicht einmal ein Damenhut bedeckte ihre platinblonde Haarpracht, um ihre Attraktivität des Anstandes wegen dezenter wirken zu lassen.
Die männlichen Passanten waren entzückt, hoben zur Begrüßung ihre Bowler an und schauten der attraktiven Frau mit erstauntem Blick hinterher, die jedoch mit ernster Miene jeden ignorierte. Aber selbst die edlen Ladys schauten ihr hinterher, bestaunten das modische Frauenkostüm und fragten sich, wie man mit solchen eleganten Stöckelschuhen überhaupt laufen kann. Einige junge Männer (die meisten von ihnen waren Werftarbeiter), die gerade mit der Straßenbahn auf dem Weg nach Queens Island unterwegs waren, lehnten sich weit aus den Fensteröffnungen heraus, waren sichtlich verzückt und pfiffen ihr hinterher.

Agent Piet richtete seinen Bowler und stieß Thomas an, während er die attraktive Dame beobachtete. Er ließ sie nicht aus dem Auge.
„Übrigens … Ich werde am 10. April an Bord der Titanic gehen, weil ich für die Mission Titanic eingeteilt wurde. Schleuser Marko Rijken wurde als Einsatzleiter für diese Mission ernannt. Das alles wurde kurzfristig entschieden und Marko wollte mich unbedingt dabeihaben, wobei ich mich selbstverständlich geschmeichelt fühle. Dies wird nicht nur eine routinemäßige Kontrollfahrt werden, sondern eine wirklich wichtige Mission. Glaube mir, Thomas. Ich weiß über Dinge Bescheid, von denen du nichts ahnst“, bekundete er stolz, während er der Marylin Monroe Lady hinterher schaute.
Sein Blick mochte nicht von ihrem reizenden Hintern lassen, bis sie durch die Drehtür in die Bank stolziert und verschwunden war. Leise pfiff er ihr anerkennend hinterher.
„Mann oh Mann, die sieht gar nicht mal so übel aus, wenn man bedenkt, dass sie eigentlich eine Neandertalerin ist, eine Uroma. Da geht einem glatt das Klappmesser in der Hose von alleine auf. Nicht wahr, Thomas?“
Agent Thomas schüttelte mit dem Kopf.
„Erste Lektion: Gewöhne dir ab, die Akteure als Neandertaler zu bezeichnen, denn das ist diskriminierend. Für so eine Äußerung kann man dir ein Bußgeld verhängen. Denn die Akteure sind genauso Menschen, wie wir. Solche Äußerungen führen nur dazu, dass du die Akteure unterschätzt. Und die zweite Lektion: Lass dich niemals mit einer Akteurin auf ein Techtelmechtel ein, oder gar auf was Größeres. Du weißt, was ich meine?“, fragte er betont. „Sowas bringt nur Probleme und gefährdet eine Mission. Du bist also bei der Titanic Mission dabei? Weshalb ausgerechnet du, der Sohn des Präsidenten? Ich meine, dass du jetzt schon für eine Mission eingeteilt wurdest, ging recht rasch“, hinterfragte Agent Thomas listig.
Piet blickte seinen Einsatzleiter scharf an und nickte.
„Nun ja, die Sache ist die: Die letzten Tage habe ich ausschließlich damit verbracht, die Akte der abgeschlossenen Belfast Mission auszuwerten. Ike van Broek hatte zweifelsohne ausgezeichnete Arbeit abgeliefert. Ich habe ihn genau studiert und die wichtigsten Aufzeichnungen im Archiv mir angesehen. Zeitweise war er dem Alkohol verfallen und musste sich mit irischem Gesindel, wie Bob McMurphy und dem Kleinganoven Benjamin Glover, alias Bugsy, und wie diese Halunken allesamt hießen, abgeben. Zudem hatte er seine Ehefrau scheinbar tatsächlich geliebt.“
Piet schnaufte abfällig.
„Könnte mir nie passieren, dass ich mich in eine Akteurin verliebe. Allein der Gedanke ist doch schon befremdlich. Eine Uroma flach zu legen …“ Piet zuckte mit den Augenbrauen. „Nichtsdestotrotz, ich hätte alles besser gemacht als er. Ganz gewiss sogar. Die Genussmittel des Zwanzigsten Jahrhunderts könnten mich niemals beherrschen und in eine Akteurin würde ich mich keinesfalls verknallen. Das ist doch absolut sinnlos, weil wir letztendlich wieder zurück in unser Jahrhundert verschwinden werden. Wir erledigen lediglich einen Job. Van Broek ist ein Narr. Er hat seinen Exit absichtlich ignoriert, um sich die Kohle zu krallen und dann in der vergangenen Welt, mit einer neuen Frau, irgendwo ein schönes Leben zu genießen. Oder was hat er sonst vor?“ Piet schniefte kurz. „Ich vermute, er ist zur Westküste gereist. In der Stadt Galway gibt es eine unterirdische Basis von uns. Die haben alles, jede erdenkliche Waffe und sogar jede Menge Transmitter, falls einem Agenten dessen Beamer verreckt. Die Sicherheitszentrale weiß das. Unsere Agenten werden ihn dort abfangen, falls van Broek heute doch nicht hier in der Bank erscheint. Wie dem auch sei … Ike ist geliefert“

Die attraktive Frau mit dem grünen Kostüm war längst im Bankinstitut verschwunden und verharrte dort bereits seit einer Viertelstunde. Während der Einsatzleiter mit seinem prominenten Schützling diskutierte und ihn über die Kinderstube des Benehmens gegenüber Vorgesetzten und diese im 20 Jahrhundert aufklärte, parkte auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein vornehmes Automobil. Stotternd würgte der Motor ab.
Die Sonne schien und es war ein frühlinghaftes Kaiserwetter, weshalb die meisten Verdecke der Automobile und einachsigen Kutschen geöffnet waren. Aus dem geparkten Fahrzeug stieg Matthew Kelly aus, eilte zur Beifahrerseite, öffnete seiner Ehefrau Margaretha die Autotür und reichte ihr seine Hand. So wie es sich für ein Gentleman gehört, um eine Lady aus dem Fahrzeug zu helfen.
Margaretha war mit einem weiten, rosafarbenen Rüschenrock und gleichfarbigen, langärmligen Oberteil bekleidet. Die Ärmel sowie ihr Rocksaum waren mit schwarzen Rüschen bestickt und ihr elegantes Käppi war mit einer Schleife um ihr Kinn gebunden. Sie hielt einen Sonnenschirm in ihrer Hand und nachdem ihr Ehemann die Autotür geöffnet hatte, griff sie nach seiner Hand und stieg erhaben aus dem Wagen heraus. Sie war schließlich eine vornehme Lady, die Frau eines Vorarbeiters von Harland & Wolff. Somit waren beide angesehene Eheleute und die Gesellschaft verlangte es, dass sich beide in der Öffentlichkeit königlich verhielten.
Margaretha blickte sichtlich bedrückt drein. Innerlich hatte sie ihre Trauer immer noch nicht überwunden. Sie war immer noch nicht drüber hinweg, dass ihre beste Freundin, Eloise, vor einem halben Jahr gestorben war, beziehungsweise erschossen wurde und in einem Automobil verbrannte. Matthew blickte ebenso betrübt drein, weil sein einziger wahrer Freund letztens gekündigt hatte und wieder zurück in seine Heimat gereist war. Noch nie zuvor hatte er solch einen Freund gehabt, wie Ike. Ike war stets erschienen, wenn er ihn gebraucht hatte; sei es, weil Matthew sein Haus renovieren wollte, sein Automobil repariert werden musste oder weil er wiedermal wertvolle Ratschläge benötigte, wie man eine anspruchsvolle Ehefrau in jeder Hinsicht gerecht werden konnte.
„Matthew, es ist Zeit für eine heiße Tasse Tee. Lass uns in ein Café gehen und …“

Margaretha stockte der Atem, als sie plötzlich diese ungewöhnlich modische Frau erblickte, wie sie grad aus der Belfast-National-Bank heraus eilte und über die Straße direkt auf sie stolzierte. Der enganliegende Rock ihres dunkelgrünen Kostümes ragte ihr gerade mal knapp bis zu den Knien und betonte zudem ihre wohlgeformte Hüfte. Sie zeigte viel zu viel nacktes Bein. Und dieser Brustausschnitt und was sind das für merkwürdige Schuhe, mit so spitzen Absätzen? Wie skandalös, dachte sich Margaretha, aber trotzdem empfand sie ihre Erscheinung äußerst schick.
Mit starrem Blick sah sie ihr entgegen, wie die Frau mit schnellen Schritten direkt auf sie zu tippelte. Manchmal rannte sie sogar kurz, wobei die Absätze ihrer Damenschuhe auf dem Gehweg hörbar klackerten.
Immer wieder schaute diese attraktive Frau hinter sich, wobei sie nervös wirkte, dies aber niemanden bewusst auffiel. Ihre Erscheinung blendete regelrecht, sodass man sie einfach nur bestaunte und gar nicht mehr nachdachte. Selbst die Herren, die in weiblicher Begleitung waren, sahen dieser Frau mit der bezaubernden platinblondgelockten Haarfrisur hinterher. Ihr Anblick war einfach zu verführerisch, um sie des Anstandes wegen zu missachten. Was für ein wundervoller Körper und diese reizvollen Beine, dachten sich die Männer. Und die Ladys dachten sich insgeheim: So ein schickes Kleid möchte ich auch haben, und auch solche eleganten Schuhe.

Aber weshalb Margaretha eigentlich erstarrte, war, weil das Gesicht dieser feinen Lady ihr irgendwie bekannt vorkam. Margaretha glaubte, dass sie diese Frau schon einmal gesehen hatte und blickte ihr hinterher, als sie soeben an ihr eilig vorbei gestelzt war.
„Miss, entschuldigen Sie bitte! Ich muss Sie unbedingt etwas fragen!“, rief Margaretha sogleich, woraufhin die Frau, die Marilyn Monroe augenscheinlich ähnelte, stehen blieb und sich umdrehte.
„Meinen Sie etwa mich?“, fragte die adrette Dame atemlos. Ihre grünen Augen weiteten sich kurz, als auch sie Margaretha direkt anschaute. Margaretha drückte ihrem Ehemann, der ebenfalls verdutzt war und diese Lady stirnrunzelnd musterte, einfach ihren Sonnenschirm in seine Hand und ging mit leicht geöffnetem Mund langsam auf sie zu.
„Miss … Entschuldigen Sie bitte, aber kennen wir uns nicht?“, fragte sie verunsichert.
Die Frau mit dem figurbetonten Kostüm blickte sie desinteressiert an. Sie war außer Atem und wirkte gestresst und schien immer nervöser zu werden. Sie schüttelte mit dem Kopf.
„Nein, nicht das ich es wüsste, Gnädigste“, antwortete die Lady kurzgebunden und ging zügig weiter.
„Aber ja doch … gewiss!“, rief ihr Margaretha aufgeregt hinterher. „Wir-wir kennen uns!“
Die Dame blieb erneut stehen.
„Sie müssen sich irren“, antwortete sie, ohne sich dabei umzudrehen.
Ihr Blick verfinsterte sich, die Frau lief weiter. Margaretha aber rannte ihr hinterher, packte an ihrer Schulter, riss sie herum und blickte ihr direkt ins Gesicht. Die Lady war aufgrund ihrer Stöckelschuhe etwas größer als sie – beide sahen sich an. Eine gewisse Traurigkeit war in ihren Augen zu erkennen.
Margaretha erstarrte und musterte ihr Gesicht. Kleine Falten waren unter ihren Augen sowie an ihren Mundwinkeln zu sehen und dezente Sommersprossen schmückten ihr blasses, mit Puder geschminktes Gesicht. Die Dame atmete unruhig und wirkte gehetzt.
Margaretha blickte ihr mit leicht geöffnetem Mund fasziniert ins Gesicht. Es ist dieselbe Nase, derselbe Mund und sie meinte sogar, es sind dieselben grünen Augen, wie von Eloise. Sogar ihre Stimme hörte sich ähnlich an, nur etwas gereifter, einen Tick rauer. Aber sie konnte es unmöglich sein, schließlich war Eloise seit einem halben Jahr tot. Doch die Ähnlichkeit war verblüffend.

„Verzeihen Sie, Miss. I-ich habe Sie anscheinend verwechselt“, räumte Margaretha schließlich enttäuscht ein. „Ich dachte … Ja, ich dachte in der Tat, Sie wären eine Freundin von mir. Meine einzige, beste Freundin. Wie töricht von mir, Sie angesprochen zu haben, denn diese Freundin ist nämlich längst verstorben. Verzeihen Sie mir bitte, dass ich Sie belästigt habe.“
Margaretha Kelly senkte traurig ihren Kopf, aber die Frau streichelte ihre Wange und lächelte dabei gütig. Plötzlich wirkte sie entspannt und zeigte Mitgefühl.
„Das tut mir aufrichtig leid für Sie, Madam. Ich selbst hatte auch vor sehr langer Zeit einmal meine einzige Freundin verloren und weiß genau, wie Sie sich jetzt fühlen. Ich habe sie wie meine eigene Schwester geliebt. Sie liebten Ihre Freundin offensichtlich genauso. Das ist sehr schön“, sagte sie.
Trotz, dass diese Frau offensichtlich in Eile war, nahm sie sich dennoch die Zeit, um Margaretha etwas zu trösten.
„Behalten Sie ihre verstorbene Freundin immer in guter Erinnerung und denken Sie stets an die schönen Momente, die Sie gemeinsam mit ihr verbracht hatten. Das lindert den Schmerz. So mache ich das jedenfalls immer, wenn ich an meine beste Freundin denken muss“, meinte die Marylin Monroe Lady. „Glauben Sie mir, dort, wo Ihre Freundin jetzt ist, ist sie glücklich und zufrieden“, sprach die fremde Frau einfühlsam auf sie ein. „Ihre Freundin wird ebenfalls immer an Sie denken und wird Sie niemals vergessen. Möge der HERR Sie segnen und behüten. Gott schütze Sie“, sagte die unbekannte Frau zuletzt, wandte sich von ihr ab und verschwand eilig in der Menschenmenge.

Margaretha starrte dieser Frau apathisch hinterher, wie sie zwischen dem Einkaufsgetümmel unterging und wie ein Geist in der Menschenmenge verschwand. Plötzlich hörte Margaretha eilende Schritte hinter sich und eine Hand riss ihre Schulter herum. Der ehrgeizige Agent Piet Klaasen, der Sohn des Präsidenten von United Europe, hielt ihr kurz einen Ausweis vor das Gesicht und blickte sie atemlos an.
„Chief Inspector Clayton mein Name, vom New Scotland Yard, Miss“, keuchte er. „Diese Frau eben … kennen Sie sie? Wer war das?“
Margaretha blickte ihn verdutzt an.
„Scotland Yard?“, echote sie verwundert. „Was wollen Sie von mir?“
Piet schaute sie einen Augenblick atemlos und durchdringend an, und schluckte einmal.
„Beantworten Sie mir unverzüglich meine Frage! War das Eloise van Broek, geborene O’Brian?!“, fragte er nachdrücklich.
„Scherzen Sie? Aber … aber nein, natürlich nicht!“, antwortete Margaretha empört. „Eloise ist doch tot. Ich war bei ihrer Beerdigung dabei gewesen. Warum stellen Sie mir so eine törichte Frage?“
„Miss, der Tod von Eloise van Broek konnte bislang nicht hundertprozentig aufgeklärt und bewiesen werden. Es wurde lediglich eine verbrannte Leiche geborgen, die nicht eindeutig identifiziert werden konnte. Es kann also durchaus sein, dass Misses van Broek noch lebt. Wir ermitteln aber vielmehr gegen ihren Ehemann, Mister Ike van Broek. Er wird des Versicherungsbetruges beschuldigt. Mister van Broek hat wahrscheinlich den beachtlichen Betrag der Lebensversicherung ergaunert, die auf seine Ehefrau ausgestellt wurde. Das Scotland Yard zieht in Betracht, dass Eloise van Broek eventuell noch lebt und beide mit der Versicherungssumme untergetaucht sind“, erklärte Piet glaubwürdig, obwohl es selbstverständlich eine Lüge war. „Er wird sogar in Amerika vom FBI gesucht!“
Matthew und Margaretha Kelly blickten sich fragend an. FBI? Noch nie gehört. Piet Klaasen wurde sogleich bewusst, dass er sich verhaspelt hatte. Die amerikanische Sicherheitsbehörde, Federal Bureau of Investigation (Bundesamt für Untersuchungen), wurde zwar schon im Jahre 1908 gegründet, jedoch war das Kürzel FBI erst seit 1935 offiziell bekannt.
„Ähm, ich meinte selbstverständlich … Wie nannte man die Jungs des amerikanischen Secret Service damals nochmal?“, fragte Piet seinen Einsatzleiter stirnrunzelnd, der mittlerweile neben ihm stand und ihn wütend anblickte.
„Du bist ein Narr, Chief Inspector Präsident!“, antwortete Agent Thomas patzig.

Margaretha und Matthew Kelly waren sprachlos. Zwar wussten beide mittlerweile, was eine Lebensversicherung ist, weil Matthew, nachdem Ike ihn dazu geraten hatte, ebenfalls einen Vertrag zugunsten seiner Ehefrau abgeschlossen hatte, aber solch einen ungeheuerlichen Betrug würden sie Ike niemals zutrauen. Außerdem hätte Eloise bei diesem gesetzwidrigen Spiel niemals zugestimmt und persönlich mitgewirkt. Niemals würde Eloise nur wegen Geld ihre eigene Beerdigung inszenieren und damit insbesondere ihre Familie und Freunde in eine Trauer stürzen. Dazu war sie nicht nur zu fromm, sondern es sprach zudem gegen ihren ehrlichen Charakter.
Agent Thomas packte seinen Rekruten am Arm und rüttelte ihn leicht.
„Was soll das, Piet? Lass die Herrschaften in Ruhe! Bist du denn von Sinnen? Ikes Ehefrau ist während eines Attentats ums Leben gekommen. Das ist eindeutig belegt worden. Dieses Ereignis hatte die Sicherheitszentrale nicht rückgängig gemacht. Ihre Grabstätte existiert! Und nun lass uns weiter den Eingang zur Bank überwachen!“, fauchte er ihn an, sodass die Kellys nichts von der Zurechtweisung etwas mitbekamen.
Margaretha schüttelte ihren Kopf. Dann blickte sie Piet gefasst und entschlossen ins Gesicht.
„Nein, Inspector Clayton. Sie war leider nicht Eloise gewesen, darauf lege ich sogar einen Eid ab. Sie sah ihr nur ungemein ähnlich. Ich wünschte vom Herzen, dass diese Frau Eloise wäre, ich hätte ihr solch einen ungeheuerlichen Betrug sogar verziehen. Aber sie kann es unmöglich gewesen sein.“
Margaretha senkte erschöpft ihren Kopf.
„Selbst wenn Sie Recht hätten und sie würde noch leben, diese Frau kann unmöglich Eloise sein.“
Piet befreite sich aus Thomas` hartem Griff und sah Margaretha streng an.
„Weshalb sind Sie sich dessen so sicher? Man kann nicht in die Köpfe der Menschen schauen, da wäre eher ein Flug zum Mond möglich. Glauben Sie mir, wenn es um ein Vermögen geht, sind Menschen irgendwann zu allem bereit. Es mag ja sein, dass Ihre Freundin eine frömmliche Person war, aber die Geldgier kann Menschen verderben. Ike … ähm ich meine, Mister van Broek, ist ein Gauner und kann Menschen ungemein gut manipulieren.“

Der junge Agent verlor seine Beherrschung. Piet Klaasen war fanatisch und wollte Ike unbedingt überführen, sodass er Margaretha sogar an ihre Schulter packte und sie rüttelte.
„Weshalb sind Sie sich so sicher, dass diese Frau nicht Eloise war?!“, wiederholte Piet energisch. „Sagen Sie es mir!“
Margaretha wirkte aufgrund dieser ungeheuerlichen Anschuldigung etwas verstört und schaute ihn entsetzt an.
„Na, weil-weil diese Frau mindestens Mitte Vierzig sein muss“, stammelte sie. „Verstehen Sie? Diese Frau ist mindestens fünfundvierzig Jahre alt oder vielleicht gar älter! Und Eloise ist mit 22 Jahren verstorben. Außerdem sprach sie mit einem amerikanischen Akzent. Sie muss eine Amerikanerin sein. Also, diese blonde Frau sieht ihr zwar sehr ähnlich, aber sie war wesentlich älter als Eloise. Demnach kann sie es unmöglich sein!“
Piet starrte seinen Einsatzleiter an. Entschlossenheit spiegelte sich in seinen Augen wider. Er lächelte verschmitzt.
„Tja, Thomas. Da hatte ich wohl wiedermal den richtigen Instinkt. Die Zwei sind nämlich unzertrennlich, wie Bonnie und Clyde es auf der Flucht gewesen waren. Wo Sie ist, kann Er nicht weit sein.“
Dann rannte Piet plötzlich los, verschwand in der Menschenmenge und eilte der geheimnisvollen Marylin Monroe hinterher. Agent Thomas schüttelte mit dem Kopf und entschuldigte sich bei dem Kelly Ehepaar für das Benehmen seines närrischen Kollegen, bevor er ihm eilig folgte.
„Ich habe Eloise van Broek identifiziert!“, sprach Piet hektisch in sein mikroskopisches Mikrofon, welches an seinem Hemdkragen haftete, während er sich eilig durch eine Menschenmenge schlängelte.
„Ike muss irgendwo in der Nähe sein und wartet auf sie. Höchste Alarmstufe und ich erbitte eine Genehmigung, beide zu eliminieren. Sie haben das Bankkonto aufgelöst. Die müssen irgendwo ein Zeitfenster installiert haben!“, meldete Piet per Funk zur Sicherheitszentrale.

Matthew Kelly blickte seine Ehefrau nachdenklich an, wobei er seinen Zeigefinger in die Höhe hielt, nachdem die angeblichen Scotland Yard Beamten verschwunden waren.
„Liebling, die bemerkenswerte Metapher von dem jungen Inspector muss ich mir unbedingt merken, wie er sagte: Unzertrennlich wie Bonnie und Clyde auf der Flucht. Das klingt romantisch, so, dass man alles gemeinsam macht, bis zum Tod. Ja, Ike und Eloise wären so gewesen, wenn sie tatsächlich eine Bank überfallen hätten.“
Matthew runzelte die Stirn.
„Liebling, wer waren Bonnie und Clyde überhaupt? Und wieso waren sie auf der Flucht? Hast du schon mal von denen gehört?“
Margaretha zuckte mit der Schulter und antwortete: „Keine Ahnung. Sicherlich waren sie ein legendäres Liebespärchen aus dem Wilden Westen gewesen, die damals nur Gutes taten und Reiche bestohlen hatten, um es den Armen zu geben. So wie Robin Hood.“
Sie seufzte.
„Es würde zu Ike und Eloise zwar passen, aber Eloise ist leider tot. Das ist eine Tatsache. Selbst das Scotland Yard kann mich nicht vom Gegenteil überzeugen, denn wir beide waren bei ihrer Beerdigung dabei gewesen. Und Ike wird zu Unrecht beschuldigt, niemals ist er ein Betrüger“, fügte sie erschöpft hinzu.

Piet rannte der unbekannten Frau hinterher, als wäre sie eine Schwerverbrecherin und hätte soeben die Bank überfallen – was sie im Sinne von United Europe auch eventuell getan hatte –, wobei er etliche Passanten anrempelte. Plötzlich entdeckte Piet, wie sie hektisch in eine Seitengasse abbog.
Anhand der integrierten Navigation seiner Nickelbrille erkannte er, dass sie direkt in eine Sackgasse gelaufen war. Piet grinste und verlangsamte seine Schritte. Er atmete kurz durch, richtete sein Jackett und lief wie ein normaler Passant gelassen durch die Straße. Nur noch wenige Meter und der junge Agent könnte bei seinem allerersten Auftrag einen Erfolg verbuchen, indem er vielleicht Eloise und somit auch Ike verhaften wird. Hundertprozentig sicher war er sich jedoch nicht, dass er grad das Ehepaar van Broek jagte.
Aus dieser Sackgasse würde die mutmaßliche Eloise niemals über das Gemäuer klettern und flüchten können. Als schließlich auch Agent Thomas um die Ecke geflitzt kam, stockte er sogleich, hielt sich seine Bauchseite – weil ihm Seitenstechen plagten – und weitete erstaunt seine Augen.
Agent Thomas kannte Ike persönlich und nun stand er wahrhaftig vor ihm. Und die Marylin Monroe Lady, bekleidet mit einem dunkelgrünen Kostüm, stand lächelnd neben ihm. Sie waren es tatsächlich.
Ike war mit einem eleganten grauen Herrenanzug, Krawatte und einem Hut bekleidet. Er trug eine Hornbrille und sein ergrauter Oberlippenbart sowie sein Bauchansatz verrieten, dass er mindestens 50 Jahre alt war. Er grinste erhaben und neben ihm stand tatsächlich Eloise, die aufgrund ihrer gebleichten Haarfrisur etwas Marylin Monroe ähnelte. Das Ehepaar sah trotz ihres reifen Alters immer noch fabelhaft aus. Das Outfit des Ehepaares glich jedoch dem aus den 1950er Jahren.
Eloise öffnete ihre Handtasche, holte einen Barscheck von 5,5 Milliarde Dollar heraus und wedelte damit lächelnd vor ihrem Gesicht.
„Sucht ihr etwa das hier?“, fragte sie frech.
„Liebes, ärgere die Herrschaften doch nicht zusätzlich. Henry wird ihnen nämlich ganz schön den Marsch blasen, weil sie auf eine ganz simple Masche reingefallen sind, die in jeder Akademie zuerst gelehrt wird. Auffälligkeiten lenken oftmals von den wirklichen Absichten ab. Deine Schönheit und die neumodische Verkleidung, die es jetzt hier heutzutage noch gar nicht gibt, hatte für Verwirrung und Ablenkung gesorgt. Die Bankangestellten ließen sich ebenfalls blenden und hatten aufgrund deiner Erscheinung geglaubt, dass du zweifelsohne eine Milliardären bist. Sie haben dich wie eine Königin behandelt und einer Königin, einer bezaubernden obendrein, erfüllt man jeden Wunsch. Du siehst, unser Plan hat funktioniert“, lächelte Ike.
„Ach, Ike“, seufzte Eloise. „Ich reise so gerne mit dir durch die Zeit. Hier sieht alles genauso aus wie damals, als ich das letzte Mal in der Stadt war. Nur ein paar Straßen weiter ist der Krämerladen von Mister Goldsmith, wo ich früher immer eingekauft hatte. Zu gerne würde ich da jetzt reingehen“, meinte sie.

Hinter dem Ehepaar van Broek flimmerte jeweils ein rechteckiges Zeitfenster. Piet Klaasen zog sofort seine EM23 und bedrohte sie damit abwechselnd, während er langsam auf das gealterte Ehepaar zuging. Aber Thomas hielt ihn zurück, schließlich waren die van Broeks sowieso mit einer Schutzweste bekleidet und nur einen Schritt zurück, und beide wären irgendwo in einer Zeitepoche spurlos verschwunden.
Agent Thomas ließ die Waffe fallen und hob seine Hände.
„Okay, Ike … Du hast gewonnen. Sei vernünftig und lass uns einen Deal machen, der für euch sowie für uns nützen wird. Ihr übergebt uns den Barscheck und verschwindet einfach dorthin, wo auch immer ihr hergekommen seid. Ich werde es veranlassen, dass ihr nicht verfolgt werdet. Du wirst offiziell als ein Akteur eingestuft und musst nie wieder fürchten, dass du vom Geheimdienst gejagt und irgendwann sowieso aufgespürt wirst. Du weißt doch, dass du mir vertrauen kannst. Oder?“
Ike nahm seine Hornbrille ab, massierte mit den Fingern seine gekniffenen Augen und lächelte.
„Leute vom Secret Service zu vertrauen ist generell töricht. Du aber bist einer der wenigen vom Geheimdienst, dem man tatsächlich trauen kann. Das hört sich alles zwar nicht schlecht an, Thomas, aber wie willst du auf die Schnelle eine schriftliche Vereinbarung zustande bringen, mir Immunität in der vergangenen Welt zu gewähren? Die Sicherheitszentrale würde dem niemals sofort zustimmen. Henry würde Zeit schinden und uns alle hier erstmal stundenlang hinhalten, um einen Plan auszutüfteln, wie er uns schnappen könnte. Und letztendlich würde es Henry sogar gelingen, denn ich unterschätze meinen Lehrmeister niemals. Außerdem bin ich seit über 20 Jahren so etwas wie ein Geschäftsmann und habe daher wenig Zeit“, zwinkerte er ihm frech zu.
Agent Thomas deutete kurz auf seinen Kollegen, der seine EM23 auf den gealterten Ike richtete.
„Das ist Piet Klaasen, er ist der Sohn des Präsidenten von United Europe. Er ist befugt dazu, so einen Deal rechtmäßig auszuhandeln. Er wird hier und jetzt sogleich eine schriftliche Vereinbarung aufsetzen und deine Bedingungen festhalten. Du musst nur diktieren. Er hat von seinem Vater die Vollmacht dazu erhalten. Mit seiner Unterschrift wird der Präsident selbst vertreten. Somit wirst du augenblicklich ein freier Mann sein. Ein Akteur, der legal in der vergangenen Welt lebt.“

Piet nahm seine EM23 runter und blickte Thomas empört an.
„Einen verfluchten Scheißdreck werde ich mit diesem Mistkerl aushandeln und unterzeichnen! Jagen und verhaften werde ich ihn und dann wird er seine gerechte Strafe bekommen, nämlich die Verbannung aus allen Citys!“, fauchte er wütend. „Und diese Neandertaler Bitch wird eliminiert!“
Agent Thomas faste sich verzweifelt ins Gesicht und schüttelte mit dem Kopf. Wie konnte der ehrenwerte Präsident Hendrik Klaasen nicht erkennen, dass sein Sohn noch ein Milchbubi, noch viel zu unerfahren und viel zu hitzköpfig für so einen wichtigen Job war, dachte er sich. Weshalb hat das Staatsoberhaupt einen großmäuligen Anfänger überhaupt eine Vollmacht erteilt, fragte er sich. Nein, diesen Präsidenten wird er gewiss nicht mehr wiederwählen.
Thomas wurde aus seinen Gedanken gerissen, weil Ike laut lachte. Eloise wedelte immer noch mit dem Bankscheck vor ihrem Gesicht und lächelte erhaben. Hinter beiden erkannte man die flimmernde Zeitfenster, so, wie ein erhitzter Asphalt.
„Thomas, ich erinnere mich noch ganz gut daran, als du mich damals in Southampton eingearbeitet hattest. Dann hattest du mir den Befehl gegeben, Schiffsoffizier William Murdoch vor dem Attentat zu retten. Ich schätze dich, das hatte ich dir damals nie sagen können. Nun ja, für dich ist dieses Ereignis erst ein paar Tage her, für mich jedoch beinahe 30 Jahre. Ich bin froh, dass ich jetzt doch noch die Gelegenheit bekomme, dir das zu sagen“, meinte Ike schmunzelnd und setzte seine Hornbrille wieder auf.“
Agent Thomas war wieder zuversichtlich. Wird Ike sich jetzt doch auf diese Vereinbarung einlassen? Er war ein erfahrener Agent, 52 Jahre alt; Ike der jetzt vor ihm stand, war wahrscheinlich sogar ein paar Jahre älter als er selbst. Er war doch nicht mehr derselbe junge unerfahrene Ike von damals, sondern nun ein Mann mit gleichwertigen Lebenserfahrungen.
Das war doch ein vernünftiger Deal. Ike würde seine Freiheit für 5,5 Milliarden Dollar legal erwerben. Eine Emigration aus dem 25. Jahrhundert hingegen kostete bei der TTA ab 100 Milliarden Euro aufwärts, um in der vergangenen Welt legal leben zu dürfen.
Eloise wurde plötzlich nachdenklich und stieß ihren Ehemann an.
„Ike, ich finde diese Vereinbarung eigentlich verflixt vernünftig. Dann wärst du offiziell genauso ein Akteur, wie ich. Wir hätten ein entspanntes Leben und wir müssten nie mehr befürchten, dass du eventuell verhaftet wirst. Überlege genau, wofür du dich entscheidest.“
Ike atmete schwermütig auf.
„Das ist richtig, Liebes. Geld ist nicht alles, wie du mir immer predigst. Aber um Stiftungen zu gründen und in lukrative Projekte zu investieren und so weiter, benötigen wir nun mal ein gewisses Kapital. Glaube mir, Liebes. Fünf Milliarden Dollar hören sich zwar zuerst gewaltig viel an, aber letztendlich wird davon nicht viel übrigbleiben. Es dient für uns nur als nötiges Startkapital. Schon allein meine Wahlkampagne als Gouverneur von Kalifornien wird ein kleines Vermögen verschlingen, so wie auch die Expansion deiner Boutiquen. Du bist in Paris mittlerweile eine gefragte Modedesignerin. Die High Society ist ganz verrückt nach der Modemarke Van Broek.“ Ike breitete lächelnd seine Arme aus. „Was meint ihr beide zu unserem Outfit? Sehen wir beide nicht fabelhaft aus? Unsere Kleidung hat meine Frau selbst entworfen.“

Agent Piet und Thomas blickten sich gegenseitig verblüfft an. Ike und Eloise waren im Stil der 1950er Jahre bekleidet, aber weil sie ungefähr 20 Jahre gealtert waren, mussten sie in den 1930er Jahren leben. Beiden Agenten wurde bewusst, dass nicht ein einziges Kleidungstück von der angeblichen Modemarke Van Broek entworfen wurde, sondern das Ike einer viel einfacheren und bequemender Geschäftsidee nachgegangen war.
Er reiste scheinbar ständig in die 1950er und kaufte dort in großen Mengen für relativ kleines Geld alltägliche Klamotten ein, die dort zurzeit modern waren, jeder trug und sich auch jeder leisten konnte, um dann zurück in die 30er zu reisen und diese als Designermode teuer zu verkaufen, sodass es sich nur die gehobene Gesellschaft leisten konnte. Ike wusste, dass Mode sich von Generation zu Generation zwar weiterentwickelte, aber auch launisch war.
Was vor 10 Jahren schick war, gilt heute als unmöglich anzuziehen. Doch 10 Jahre später könnte dieselbe Kleidung oder ein Haarschnitt plötzlich wieder im Trend sein. Solch einen unregelmäßigen Algorithmus erkennt das Archiv nicht, weil es keine drastische Veränderung in der Weltgeschichte auslöst. Jedoch müsste das Archiv erkennen und einen Masteralarm auslösen, sobald eine unbekannte Modemarke in die Weltwirtschaft eindringt. Ebenso wenn ein unbekannter Politiker plötzlich in das Weltgeschehen eingreift. Solche Meldungen wurden allen Agenten immer sofort übermittelt, aber Thomas und Piet waren darüber nicht informiert worden. Wie konnte das sein, wenn Ike und Eloise schon über 20 Jahren solche lukrativen Geschäfte machten, dass die Sicherheitszentrale es aber nicht bemerkte?

„Ike, sei vernünftig und höre auf deine Frau. Wie du es schon erwähnt hast, sind die 5 Milliarden Dollars doch nur Peanuts“, lächelte Thomas unsicher, denn er vermutete, dass Ike irgendein Ass im Ärmel stecken hatte. „Sei doch kein Narr und gehe auf unseren Deal ein.“
„Du kannst mich mal, Thomas. Niemals werde ich einen Wisch zugunsten dieses Arschloch unterzeichnen!“, empörte sich Piet.
„Halt endlich deine vorlaute Klappe, Inspector Präsident! Ich übernehme die Verhandlung, nicht du!“, zischte er seinen Schützling zornig an.
Ike richtete seine Hornbrille und streckte seine Hände in die Höhe, um alle zu beschwichtigen.
„Aber meine Herren, streitet euch doch nicht. Ich werde keinen Deal eingehen, weil ich beides haben kann: Die Milliarden sowohl auch meine Freiheit. Weil, ihr könnt mich unmöglich verfolgen und verhaften. Es geht nämlich nicht, aber wieso, das wirst du schon sehr bald herausfinden, Thomas“, grinste Ike. „Und dir, Piet, möchte ich gerne danken…“
Ike wirkte in dem Moment nicht mehr so siegesbewusst, sondern er wurde sentimental. Er schaute den jungen Agenten gütig an.
„Es ist für mich einfach nur wunderbar, dich wieder als einen jungen Mann zu sehen. Du-du bist ein sehr guter Freund für mich. Wenn ich dich jetzt in dem Moment anschaue, sehe ich den gleichen vorlauten Burschen, der ich mal einst gewesen war. Danke dir für alles, mein Freund“, bekundete Ike.
„Ich, dein Freund?! Du hast sie wohl nicht mehr alle, Kollege! Niemals werden WIR Freunde werden! Ja, trete doch einen Schritt zurück und verschwinde durch das Zeitfenster hinter dir. Ist mir scheißegal! Ich werde dich nach der Titanic Mission jagen und aufspüren. Ich werde dich auf die Knie zwingen und dir die Handschellen anlegen! Du wirst schon sehen, du verfluchter Bastard!“, brüllte Piet außer sich.
Ike nickte andächtig und nahm wieder seine Hornbrille ab.
„Mmm … Für mich ist es schon eine sehr lange Zeit her, aber ich erinnere mich. Genauso wird es geschehen. Ich erinnere mich jetzt wieder, dass du mich tatsächlich auf die Knie gezwungen und mir Handschellen angelegt hattest“, lächelte er. „Wie schnell die Zeit doch vergeht“, sagte Ike.

Nun hatte Piet seinen persönlichen Staatsfeind. Er empfand es als eine absolute Frechheit, dass Ike behauptete, er würde zukünftig sein Freund werden. Er beabsichtigte doch nur, zu manipulieren.
Piet war äußerst wütend, weil er Ike nicht einmal bewusstlos anschießen konnte, weil er und Eloise sowieso eine Schutzweste trugen. Direkt hinter dem Ehepaar flimmerte jeweils ein Zeitfenster; nur ein einziger Schritt zurück und beide wären irgendwo in einer Zeitepoche verschwunden. Die Kleidung aus den 1950er Jahren, die Behauptung ein Politiker zu werden, der die Welt mit historischem Wissen verändern könnte; all das könnte von Ike gelogen sein und die Sicherheitszentrale nur in die Irre führen.
Agent Piet senkte seine EM23, als Ike und Eloise frech winkend einen Schritt zurücktraten und im flimmerndem Zeitfenster mit einem spürbarem WUPP spurlos verschwanden. Umherliegende Zeitungsblätter und altes Blätterlaub wirbelte auf, als sich das Zeitfenster kurz ausdehnte und die Luft vibrierte. Dann war das Ehepaar Ike und Eloise van Broek mit dem milliardenschweren Barscheck irgendwo, irgendwann im Zeitkontinuum spurlos verschwunden.


© W. Francis Dille


Fortsetzung folgt in der nächsten Mission …
 
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