Jakob hatte vergessen, den Hühnerstall abzuschliessen, obwohl er sonst sehr zuverlässig war. Nachdem er sich zu Bett gelegt hatte, lag das Huhn Sibylle noch wach. Es bemerkte, wie die Türe des Stalls sich leicht bewegte. Es ging auf die Türe zu, bemerkte, dass sie nicht abgeschlossen war und stiess sie mit seinem Schnabel auf. Und als es bemerkte, dass draussen die Freiheit wartete, ging es zurück zu den anderen Hühnern, weckte sie vorsichtig auf und gab ihnen zu verstehen, dass sie ihm folgen und keinen Laut von sich geben sollten, damit Jakob im Herrenhaus nicht aufwachen würde. Die Hühner waren sehr diszipliniert, schritten im Hühnerschritt auf die Türe zu, verliessen den Stall und marschierten bei Vollmond auf die Weide, die sich hinter dem Herrenhaus ausbreitete. Sie gackerten und freuten sich, liefen kreuz und quer, tanzten und jubelten. Im Wald nebenan lagerte eine Fuchsfamilie, die auch noch wach war.
Kurze Zeit später rannten die Füchse aus dem Wald auf die Hühner zu, es gab ein Riesengeschrei, Blut spritzte aufs Gras, der Vollmond schien grell, die Hühner liefen kreuz und quer durcheinander, einige flohen, bevor sie in den Hals gebissen und weggetragen wurden, andere ergaben sich kampflos, wieder andere liefen verstört zurück zum Stall, versteckten sich, bis der Horror und das Morden vorbei war. Dann gingen sie wie gelähmt und mechanisch zurück an ihren alten Platz, auch das Huhn Sibylle, das das Massaker überlebt hatte.
Am nächsten Morgen stand Bauer Jakob, der sehr tief geschlafen hatte, auf, die Sonne schien, und er dachte, was für ein wunderbarer Tag das wohl werden würde. Dann ging er zum Hühnerstall, sah, dass die Türe ein Stück weit offen war, und bemerkte einen Blutfleck am Boden, der direkt ins Innere führte.