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Das Piano

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Die Morgensonne schien durch die lang gezogenen Fenster in den großen Saal hinein, während altgriechische Skulpturen den Salon zierten und merkwürdige Schatten an die Wand zeichneten. Der Wind ließ die endlos fallenden Gardinen im Raum tanzen. An den Wänden hingen Portraits von Leuten mit markanten Gesichtern, während im unteren Teil des Rahmes ihre Namen in goldenen Lettern schimmerten. Allein die Familie Holobricks reservierte die lange Wand des Salons, die sich in dem endlosen Raum zu verlieren schien. Doch ein Bild wirkte wie das eines verlorenen Kindes. Es schien nicht in die Reihe dieser Vorfahren zu passen und doch hing das Antlitz einer älteren, weißhaarigen Dame mit dunklen, fast schwarzen Augen in einem goldenen Rahmen. Ihr Blick war durch einen zornigen Ausdruck auf dem alten Leinwand festgehalten worden und ihre Augen wirkten leblos. Verwunderlich war die Tatsache, dass kein Schild im unteren Rahmenteil ihren Namen verriet.
Der Holzfußboden glänzte im Schein der aufgehenden Sonne, während der mächtige Saal von einer bedrückenden Stille beherrscht wurde. Die Luft war mit dem Geruch von Leder vermischt, mit dem die Couch und einige Sessel bezogen waren, deren Lehnen sich weit nach oben zogen. Sie fanden am anderen Ende des Saals ihren Platz. In roter Farbe leuchtete der Lederbezug trotz seines hohen Alters im Schein der Sonne.
Die jähe Stille wurde unterbrochen, als eine der großen Flügeltüren aufschwang und sich knarrend im Anschlag verankerte. Aus dem Dunkel des Flures trat ein älterer Mann in den Raum und lief direkt auf das Piano zu. Sein zorniger Blick wirkte entschlossen und die braunen Augen fixierten das Ziel vor ihm - das Piano. Er streckte seine Hand aus, griff nach der Tastenklappe und knallte sie zu. Ein Knall hallte durch den ganzen Saal und wiederholte sich in seinem Echo mehrere Male. Wutschnaubend ging er zu den großen Panoramafenstern rüber und schaute durch den weißen Vorhang hinunter auf das große Anwesen, welches in seinem grün sein Gemüt erhellte. Gedankenverloren fuhr er sich durch sein schütteres weißes Haar und versuchte Gelassenheit auszustrahlen. Aber in den Augen war seine Unruhe zu erkennen, nervös suchten seine Blicke einen Punkt, auf den er sich konzentrieren konnte. Der Ausdruck in seinem Gesicht wirkte verloren, als bliebe er eine hilflose Person in einem großen weiten Saal, unbemerkt und allein. Und als er sich umdrehte, fiel das Piano in seinen Blick. Sein Entsetzen ließ ihn fürchterlich schnell blass werden, als er die kurz zuvor zugeschlagene Tastenklappe entdeckte, die wieder in ihrer Ausgangsposition war - geöffnet. Ein Ruck durchfuhr seinen Körper und er ballte beide Hände zu Fäusten. Aufgeregt stapfte er aus dem großen Saal und schlug die Flügeltüre hinter sich zu, während das laute Knallen nach kurzer Zeit wieder erstickte.
Stille kehrte zurück.
Der Mann stapfte durch das große Anwesen, den langen Flur hinunter auf edlen orientalischen Teppichen und an Ölgemälden vorbei, die an den Wänden Landschaften zeigten. Antike Schemel und Vitrinen säumten seinen Gang durch den Flur. Angestrengt öffnete er die nächstgelegene Türe vor ihm und betrat die geräumige Küche, in der eine Frau an einem Tresen stand und mit dem Messer etwas zubereitete. Erschrocken drehte sie sich zu ihm und sah ihn grimmig an.
„Hast du mich erschrocken. Ich hatte dir doch gesagt, dass du nicht einfach so hereinstürmen solltest“, begann sie ihn zurechtzuweisen. Gleich widmete sie sich wieder ihrem Gemüse, das schon klein geschnitten auf dem Tresen vor ihr lag. Sein Blick war fahl und unbeholfen. Die Küche war aus altem Holz gezimmert worden, während von der hohen Decke ein kleiner Lüster hing und zwischen den Steinen strahlte. Der Fußboden war mit zahlreichen Teppichen ausgelegt worden, um der Kälte der farblos anmutenden Fließen entgegen zu wirken. Er kam ihr ein paar Schritte näher.
„Es ist schon wieder passiert“, sagte er mit zitternder Stimme.
„Was ist schon wieder passiert?“, fragte sie. Konzentriert schnitt sie das Gemüse zusammen und füllte es in einen großen, schwarzen Topf auf einem Gasherd. Mit aller Ruhe ging sie ihrer Arbeit nach. Eine geblümte Schürze verlieh ihr den Eindruck einer Haushälterin, wobei sie doch die Frau des Mannes war, der sie mit großen Augen anstarrte.
„Du hast es nicht gehört?“, fragte er überrascht.
„Was gehört?“
„Das Spielen in der Nacht“, antwortete er mit Unverständnis, da seine Frau von nichts zu wissen schien. Mit flehenden Handbewegungen kam er seiner Frau näher, die mit plötzlicher Bestürzung einige Schritte zurücktrat und ihm entsetzt ins Gesicht sah. Seine blutverschmierten Wangen lösten in ihr einen erschreckenden Gefühlsausbruch aus, der sie dazu trieb aus der Küche zu flüchten. Die Tür knallte ins Schloss und der alte Mann blieb allein zurück. Schockiert und schier bewegungslos versuchte er nicht in Panik zu geraten. Kontrolliert ging er zur gegenüberliegenden Wand und trat Vorsichtig vor den Spiegel. Er fuhr sich mit den Händen über die mit Blut beklebten Wangen und konnte vor Fassungslosigkeit kaum atmen. In seine Nase stieg der Duft frischen Gemüses und gleichzeitig breitete sich auch ein entsetzlicher Geschmack in seinem Mund aus. Keine seiner Überlegungen führte ihn zu einer Antwort dieser Ereignisse. Nachdenklich wusch er sich das Blut aus dem Gesicht und spülte seinen Mund mit frischem Wasser aus. Anschließend betrachtete er die Küche und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Er holte tief Luft und versuchte wieder zu einem klaren Kopf zurück zu finden. Die Geschehnisse ließen ihn nicht kalt, viel schlimmer war die Tatsache, dass er keine Erklärung hierfür aufbringen konnte. Er machte sich auf die Suche nach seiner Frau.

Stille war eingekehrt. Der Mond schien durch die großen Fenster des Anwesens und erwirkte mit seinem düsteren Licht eine unheimliche Atmosphäre. Nebelschwaden schlängelten sich wie verlorene Seelen um das Haus und hüllten die Umgebung in ein unüberschaubares Dickicht. Es war kalt geworden und die Fassade des Anwesens erschien in dem blassen Mondlicht wie ein bemaltes und zerbrechliches Gemäuer in einem alten Ölgemälde, wie sie in dem reich bestückten Flur an den Wänden hingen.
Auf der einen Seite des Himmelbettes wälzte sich der alte Herr hin und her und versuchte in den wenigen Stunden dieser Nacht etwas Schlaf zu finden. Die langen Vorhänge waren zugezogen, verhinderten aber nicht, dass das Mondlicht in das Schlafzimmer strömte. Auf der anderen Seite des Bettes lag seine Frau, tief eingehüllt in die warme Bettdecke. Die Bettdecke hob und senkte sich, das atmen seiner Frau war deutlich zu erkennen.
Augenblicklich aber zerbrach die Stille als ein spielerischer Pianoklang leise in das Schlafzimmer drang. Es war die Musik zu dem Jazzstück „Misterioso“ von Thelonious Monk. Der Mann schreckte aus seinem leichten Schlaf auf und saß senkrecht in seinem Himmelbett. Erschrocken starrte er seine Frau an, die neben ihm lag. Er versuchte sie wachzurütteln, was aber ergebnislos blieb. Dann zog er sich die Decke von seinem warmen Körper und schlüpfte in seine Hausschuhe, die direkt neben seinem Bett standen. Schlaftrunken tapste er im Dunkeln durch das große Zimmer zur Türe, deren Klinke er Vorsichtig hinunterdrückte. Langsam zog er die Türe auf und vernahm den Pianoklang, der nicht aufzuhören schien. Ein Schauder durchfuhr seinen Körper und er zögerte, nach unten zu gehen. Doch dann entschloss er sich, diesem unheimlichen Treiben auf den Grund zu gehen. Immer noch ängstlich trat er Stufe um Stufe die Wendeltreppe hinunter und war darum bemüht, kein Geräusch zu hinterlassen. Die Räume und der Flur lagen in einem sicheren Dunkel, in dem er sich eigentlich fast blind zurechtfand. Im Erdgeschoss angekommen, hielt er auf einmal inne, als die Musik verstummte. Die Gänsehaut auf seinem Rücken ließ ihn schwer schlucken. Er stand sich plötzlich der Frage gegenüber, was er tun sollte. Für einen Moment blieb er unentschlossen, tendierte dann aber dazu, zurück zu seiner Frau ins Bett zu kehren. Als dann die Musik wieder von vorne zu spielen begann, fuhr er erschrocken zusammen und überwand den Widerwillen, dort hinein zu gehen.
Ihm war so, als schnüre sich seine Luftröhre zusammen, als er die Türe zum Salon öffnete und mit einem Schritt hinein trat. Das Piano lag in einem dunklen Schatten, nicht zu erkennen, während auf allen anderen Flecken des großen Saales das blasse Mondlicht schien. Er nahm den Geruch des Leders der Couch wahr und trat dem Piano Schritt für Schritt näher. Die Musik spielte weiter, als wäre nichts gewesen. Doch bei seinem nächsten Schritt, der das Piano ansatzweise aus seinem dunklen Versteck riss, verstummte die Musik plötzlich nach einem Augenblick ganz. Es ging selbst kein Hall durch den großen Saal wie man es eigentlich gewohnt war. Eingeschüchtert blieb er wenige Meter vom Piano entfernt stehen und sah sich um. Einen Augenblick lang schien er zu glauben, eine Gestalt aus dem Dunkel schleichen zu sehen. Die Gänsehaut auf seinem Rücken kehrte zurück. Ratlos stagnierte er und versuchte sich zu überwinden, dem Piano näher zu treten. Angst erfasste ihn, als er einen neugierigen Blick auf das Portrait der alten ungewöhnlichen Dame warf, dass vom Mondlicht beschienen wurde. Die Augen glichen der seiner Frau und auch die Hochgewachsene Stirn erinnerte ihn an sie. Entsetzt trat er an das Portrait heran und versuchte den Namen im unteren Rahmen des Bildes zu erkennen, der augenblicklich vor seinen Augen zu verschwimmen begann, ehe er erahnen konnte, wie sie hieß. Er traute seinen Augen nicht mehr und rannte zurück in das Schlafzimmer zu seiner Frau.
Aufgewühlt und verstört versuchte er seine Frau wachzurütteln, die nach kurzer Zeit aufschreckte und ihn mit ihrem zornigen Blicken fixierte. „Was ist denn um Himmels Willen?“, stöhnte sie verschlafen. Sie legte sich wieder in das wohl warme Kopfkissen und schloss die Augen, während ihr Mann stotternd versuchte, etwas zu erklären.
„Dort unten, Margarete, dort unten geschieht etwas unheimliches“, schnappte er nach Luft, ehe er sich zu beruhigen versuchte und sich auf die Bettkante setzte.
„Was soll denn da unten schon passieren?“, fragte sie mit kratziger Stimme kurz vor dem einschlafen.
„Wenn du es gesehen hättest, würdest du nicht mehr wissen, was Realität und was Phantasie ist“, raunte er als Reaktion dessen, dass sich seine Frau weniger darum bemühte zu erfahren, was dort unten vor sich ging. Er schüttelte entrüstet den Kopf. Kurz darauf ging er wieder zur Schlafzimmertüre und öffnete sie einen Spalt. Mit einem unwohlen Gefühl in seiner Magengrube starrte er in den dunklen Flur hinaus in der Hoffnung, alles bliebe ruhig. Und dem war auch so. Als er zufrieden die Tür wieder schloss, sperrte er zugleich ab, damit er sich an einem sicheren Gefühl anlehnen konnte. Er legte sich zurück ins Bett und versuchte zu schlafen. Es war kalt und das schwache Mondlicht begann wieder dunkler zu werden, als sich große schwarze Wolken am Firmament nach vorne drängten.

Sein müder Blick fiel auf die Tastenreihe des Pianos. Es war merkwürdig, da es den Eindruck machte, als wäre alles unberührt geblieben. Nachdenklich klappte er den Schutz wieder herunter und sicherte die Klappe durch unbedachtes Öffnen mit einem am Piano angebrachten metallenen Bügel. Selbst als er das Portrait der alten Dame betrachtete, fielen ihm keinerlei Ähnlichkeiten mit seiner Frau mehr auf. Das Namensschild war leer geblieben. Anschließend verschloss er den Salon mit einem langen Bügelschlüssel und gesellte sich zu seiner Frau in die Küche.
Den Tag verbrachten sie im Garten, so lange das gute Wetter es zuließ. Sie waren die meiste Zeit mit den Beeten beschäftigt und den Rosen, die ringsum um das Anwesen zu gedeihen pflegten. Und als das Wetter umschwang und die ersten Regentropfen kamen, kehrten sie in das wohnliche innere zurück und verbrachten den Abend in der Bücherei. Zum frühen Abend entschlossen sich die beiden dazu, schlafen zu gehen.

Langsam aber sicher verlor sich das Anwesen in einem dichten Nebel, in der nicht einmal mehr das Licht der Straßenlaternen die Kraft hatte, auch nur ansatzweise einen Weg zu weisen. Die Lichter im innern waren erloschen und die Ruhe legte sich über die Gegend wie ein biederer Schleier, nur in der Ferne vermochte man ein leises Jaulen zu vernehmen.
Mit weit aufgesperrten Augen stand er vor dem Fenster und starrte hinunter in das neblige Dickicht. Die Gänsehaut auf seiner Haut verriet ihm selbst, dass irgendwas nicht stimmte. Sein Blick zurück auf das Himmelbett beruhigte ihn, da seine Frau wohlbehalten schlief. Er jedoch bekam nicht auch nur einen Moment lang Schlaf, sondern war darum besorgt, dass wieder etwas passierte. Einen Augenblick später nahm er sich zusammen und ging zur Zimmertüre, die er entschlossen öffnete. Der Schein des trüben Mondlichtes zeigt ihm so weit es ging, den Weg. Er schlenderte die Treppe hinunter ins Foyer, bog links ab in den langen Flur und fuhr in sich zusammen, als er die angelehnte Flügeltüre zum Salon entdeckte, die er am vergangenen Abend noch zugesperrt hatte. Ihm war klar, dass seine Frau die Türe nicht aufgesperrt haben konnte. Der Griff zur Türklinke lag ihm nahe, als plötzlich das Piano zu spielen begann. Er zuckte zusammen und trat einen Schritt zurück. Ein kalter Luftzug aus dem Salon streichelte ihm übers Gesicht und ließ ihn erschaudern. Es war das Stück aus „Misterioso“, dass aus dem Salon klang. Sein Herz klopfte wild und die Anspannung in seinem Körper drängte ihn zu einer Entscheidung, bevor das Spielen wieder in der dunklen Nacht verstummte. Jetzt wollte er herausfinden, was da vor sich ging.
Die Musik klang in seinen Ohren, ruhig und zwischendurch mit schnellen Passagen versehen, als er nach vorne trat und die Tür Vorsichtig aufstieß. Die Musik spielte weiter ohne dass etwas passierte. Er wusste noch nicht, was er vorfinden würde. Und als er dann eintrat und sein Blick auf das Piano warf, wurde ihm ganz blass um die Nase. Er schluckte schwer und versuchte weiter zu atmen, doch er stockte und konnte nicht fassen, was er dort zu sehen glaubte. Die Musik spielte immer weiter und er trat Schritt für Schritt näher und jeder Schritt erweckte in ihm das Bewusstsein, dass das hier nicht Wirklichkeit sein konnte.
Auf dem kleinen Schemel vor dem Piano saß eine leuchtende Gestalt, die mit einem voranschreitenden Enthusiasmus auf dem Piano das Stück von „Misterioso“ spielte. Sie bewegte sich mit den Klängen und genoss die Musik in ihren Ohren, während sie die Augen dabei schloss. Und er kam ihr immer näher und entdeckte völlig fassungslos, dass ein Ebenbild seiner Frau auf dem Piano spielte. Sie sah so friedlich aus, unbekümmert und gesund, ganz anders als heute Nachmittag, als der Eindruck nahe lag, sie fühle sich unwohl. Doch er konnte nicht begreifen, was hier geschah.
Er trat noch einen Schritt näher und das Piano verstummte. Die Frau drehte sich erschrocken zu ihm und warf ihm einen verachtungsvollen Blick zu, kurz darauf verschwand ihr Bild von dem Schemel spurlos. Entsetzen zeigte sein Ausdruck in den Augen. Sie füllten sich mit Tränen und er setzte sich auf den Schemel, da er fühlte, wie seine Kraft aus den Beinen verschwand. Dann fiel sein sorgenvoller Blick auf das Portrait dieser alten Dame und was er dort sah, schockte ihn zutiefst. Seine Frau war es, die dieses Portrait darstellte und im Namensschild leuchtete in goldenen Lettern „Margarete von Holobricks – 1934 †“. Mit einer abfälligen Handbewegung wusch er den Gedanken aus seinem Kopf, seine Frau wäre bereits seit drei Jahren tot und machte sich schnellen Schrittes auf den Weg zu seiner Frau ins Schlafzimmer. Oben angekommen, brach er ins Zimmer herein wie ein zorniger Soldat, der seinen Befehl ausführte. Er knallte die Faust auf den Lichtschalter und das Zimmer wurde vom Licht des kleinen Lüsters an der Decke geflutet. Das Bett war leer und es war ungemacht, auf der anderen Seite, wo seine Frau immer geschlafen hatte, lag eine zerwühlte Decke und ein eingedrücktes Kopfkissen. Es durchfuhr ihn so eiskalt, dass er jegliche Realität aus seinen Augen verlor und entrüstet auf die Bettkante fiel. Angst erfüllte ihn und die Tatsache, dass er allein in dem großen Anwesen war, bestätigte ihm die Einsamkeit, die er schon so lange gespürt hatte, aber nicht wahrhaben wollte. Er begann zu weinen und die Kleinigkeiten des Tages zu begreifen. Wie ein Diafilm schoss ein Bild nach dem andern an ihm vorbei, in kleinen Etappen erzählt, wie sein Leben in diesen drei Jahren ohne seine Frau verlaufen war, ohne es gemerkt zu haben. Es war wie ein mühsam aufgebautes Puzzle, das in sich zusammen fiel.
Dann begann das Stück zu „Misterioso“ wieder zu spielen und Gustav begann zu verstehen. Er erkannte plötzlich das Stück – es war das Lieblingsstück seiner Frau, das sie so gern immer auf dem Piano gespielt hatte. Und als er wieder in den Salon zurückkehrte und seine Frau spielen sah, war auf einmal alles ruhig. Die Anspannung hatte sich gelöst und die Angst war ebenso verflogen wie die Gedanken in seinem Kopf. Er setzte sich neben seine Frau auf den schmalen Schemel und hörte dem Klang des Pianos zu. Sie spielte bis in den Morgengrauen und als die Sonne durch den dichten Nebel drang, begann ihr Bild zu verblassen, ehe sie kurz darauf zusammen verschwanden.

Die Türe zum Salon wurde aufgeschlagen und knallte lautstark gegen die Wand. Ein wütender Mann trampelte in den Salon hinein und sah sich mit großen Augen um. Er entdeckte nichts, bis ihm die beiden Portraits zweier Leute an der Wand hinter dem Piano auffielen, die namenlos geblieben waren. Einzig das Jahr in dem sie gestorben waren, schimmerte in goldenen Lettern auf. Sie waren 1904 † verstorben, vor 30 Jahren.
Der Besitzer des Anwesens stellte sich mit skeptischen Blicken vor das Piano. Er konnte sich nicht erinnern, die Tastenklappe aufgeschlagen zu haben. Er schloss sie bedächtig und verließ anschließend wieder den Salon.
 
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Kommentare  

Auauauauauuuuu!
Mula-mula-mula!
Auauauauuuuu!


AFK (24.07.2005)

Hallo Marco!

Etwas konfus.
Bevor du die Geschichte bei einem große oder kleinen Verlag einreichst, solltest Du sie gründlich überarbeiten; "Die Gänsehaut auf seinem Rücken ließ ihn schwer schlucken. Er stand sich plötzlich der Frage gegenüber, was er tun sollte."
Außerdem, in den 30er Jahren gabs "Misterioso" von Monk noch gar nicht. Und es wäre sogar in den 60er Jahren niemals das Lieblingsstück einer gärtnernden Hausfrau gewesen, glaub mir das.

G.G.G.


Gerald (23.10.2004)

Einmalig schön !!!
Ich war für einen kurzen Moment in der Geschichte drin .
Weiter so.
Biete diese Geschichte einem großen Verlag an .


Freddi (21.05.2004)

die geschichte insgesamt war sehr interessant
aber im ausdruck fand ich es nicht so toll
wie bereits gesagt wurde wirkte es etwas überladen und zum teil in sich nicht stimmig, zum beispiel liegt er die ganze nacht wach und tapst dann schlaftrunken umher
aber ich denke da kannst du noch dran arbeiten ;-)
weiterhin viel erfolg


Nicola (11.11.2003)

Hallo Marco!

du verstehst es, Stimmung aufzubauen! der Leser kann deine Situationen fast selber "sehen", aber diesmal war die Story ein wenig unbedacht (z.B. das mit dem blutverschmierten Gesicht passt einfach nicht -
dann die Stelle mit dem dichten Nebel, wo ja nicht mal die Strassenlaternen mehr den Weg weisen können, aber gleich danach geht der Mann im Mondlicht die Treppe hinunter - sowie hier:
"Ihr Blick war durch einen zornigen Ausdruck... und ihre Augen wirkten leblos" - was nun, leblos oder zornig?)
alles in allem gute Idee, obwohl es zum Schluss verwirrend ist (wann starb nun wirklich wer?)
Gruß,
Heidi StN


Heidi StN (08.11.2003)

Hallo Marco,

Du machst dir zu viele Gedanken um die Wirkung.
Finde Deinen eigenen Stil, ohne die vielen Adjektive, etwas kantiger vielleicht, der Spannung wegen.
Vorsicht mit den "wie"´s, "wie verlorene Seelen ... uaahh! (Obwohl ... die Frauen mögen das).
Da es keine Patentrezepte gibt, ein Tip:
Schlag bei deinen Lieblingsautoren nach und sieh dir (beim zweiten Lesen) die Sätze an, die dich am angenehmsten ins Geschehen versetzten!

Gruß

Udo


Udo (07.11.2003)

hmmm...einige Fehler gibt es immer, das ist klar und ich bin auch darum bemüht, sie zu korrigieren.
Aber eines verstehe ich nicht - wieso sollen die Todesdaten nicht kompatibel sein? Der untote Mann sah den Tod nur noch einmal durch einen anderen Augenblick - er wollte den Tod seiner Frau und seinen eigenen einfach nicht akzeptieren, seine Unruhe trieb ihn dazu, herauszufinden, was nicht stimmte. Und das führt genau zu diesem Bild. Allerdings müsste es heißen, "vor 30 Jahren", und nicht vor 20. Mein Fehler.

Das mit dem blutverschmierten Gesicht sollte ein Rätsel bleiben - ich finde es zu einfach, wenn dem Leser immer gleich alles auf die Nase gebunden wird, als wäre er ein kleines Kind. Außerdem wiegt den Bedeutung dieses blutverschmierten Gesichtes nicht über in dieser Geschichte.
Einige Leute haben danach gefragt, und ich habe geantwortet, was es damit auf sich hat. Sowas finde ich interessanter, wenn sich die Menschen Gedanken über solche Geschichten machen.


m A r C o (07.11.2003)

Die Story ist gut aufgebaut, die Atmossphäre soweit in sich stimmig. Aber, und das überwiegt bei weitem: 1. sie ist sprachlich viel zu überfrachtet, der Stil und die Sprache wirken künstlich altmodisch. 2. Sie ist sprachlich unsauber. Von einigen Flüchtigkeitsfehlern abgesehen, gibt es da immer wieder Worte und Wortkonstruktionen, die schlichtweg falsch sind: wie z.B.: "hochdekorierte Sessel". Es gibt hochdekorierte Offiziere, solche nämlich mit vielen Orden. Vieles resultiert aus der oben erwähnten Überfrachtung der Sprache, manches aus mangelnden Deutschkenntnissen. Inhaltlich sind für mich die Todesdaten nicht kompatibel : das Bild der Ehefrau mit dem Todesdatum 1934, die Bilder der beiden zum Schluß der Geschichte 1904... . Die Blutspur im Gesicht des Mannes bleibt eine blinde und damit nutzlose Spur.

Jost (07.11.2003)

Die Story ist gut aufgebaut, die Atmossphäre soweit in sich stimmig. Aber, und das überwiegt bei weitem: 1. sie ist sprachlich viel zu überfrachtet, der Stil und die Sprache wirken künstlich altmodisch. 2. Sie ist sprachlich unsauber. Von einigen Flüchtigkeitsfehlern abgesehen, gibt es da immer wieder Worte und Wortkonstruktionen, die schlichtweg falsch sind: wie z.B.: "hochdekorierte Sessel". Es gibt hochdekorierte Offiziere, solche nämlich mit vielen Orden. Vieles resultiert aus der oben erwähnten Überfrachtung der Sprache, manches aus mangelnden Deutschkenntnissen. Inhaltlich sind für mich die Todesdaten nicht kompatibel : das Bild der Ehefrau mit dem Todesdatum 1934, die Bilder der beiden zum Schluß der Geschichte 1904... . Die Blutspur im Gesicht des Mannes bleibt eine blinde und damit nutzlose Spur.

Jost (07.11.2003)

Hallo,

deine Mysterygeschichte gefällt mir gut. Du baust Atmosphäre auf, man kann sich gut in deinen Protagonisten hineinversetzen und ich war als Leser neugierig, was es mit dem geheimnisvollen Piano auf sich hat, sodass ich gespannt bis zum unerwarteten Ende las. Die Kulissen hast du dabei gut beschrieben, sodass ich mir alles bildlich vorstellen konnte (so als ob ein Film vor meinem inneren Auge ablaufen würde). Dein sprachlicher Stil war angenehm zu lesen.

Insgesamt also eine gelungene Kurzgeschichte, nicht zu lang und nicht zu kurz. Hab mich gut unterhalten.

Ein paar Fragen bleiben für mich allerdings noch unbeantwortet:
Wieso war das Gesicht des Mannes blutverschmiert?
Hat er zu Beginn eigentlich noch gelebt, oder war er – wie seine Frau – auch schon längst tot?


Michael (06.11.2003)

Hallo Marco,
ehrlich gesagt geben mir Deine Geschichten sowohl inhaltlich als auch stilistisch recht wenig. Warum kommentiere ich trotzdem? Ganz einfach, weil mich Dein Idealismus und die Ernsthaftigkeit, mit der Du das Schreiben betreibst, auf eine schwer zu vermittelnde Weise berühren. Ich weiß echt nicht, warum; es ist ganz einfach so.

Zur Story selbst: Du schreibst sehr weitschweifig, aber die positiven Kommentare zeigen, Daß Du damit durchaus Anklang findest; mein Geschmack ist es leider nicht. Du verwendest sehr viele Adjektive zur Situationsbeschreibung, die den Text unnötig in die Länge ziehen, da die Sachlage im den vorhergehenden Sätzen ohnehin schon hinlänglich verdeutlicht wurde. Ich möchte im Einzelnen jetzt nicht darauf eingehen, aber achte mal darauf. Das Ganze kommt sehr Rosamunde-Pilcher-mäßig rüber.

Es ist eine verhältnismäßig lange Geschichte, da schleicht sich schon mal ein Fehler ein, aber "jähe Stille", die "unterbrochen" wird, wirkt komisch. Genauso der "biedere Schleier" und Dein geschätztes "stagnieren".

Wie gesagt, Dein Stil ist mir eher fremd, aber ich lese trotzdem Deine Sachen; frage mich bitte nicht, warum. Ich wünsche Dir jedenfalls trotzdem alles Gute!


Jan (05.11.2003)

Lieber Marco,
du hast es wieder einmal geschafft...... die Geschichte hat mich in ihren Bann gerissen !! Sie hat mich sehr begeistert.

Liebe Grüße

Sandra


Sandra (03.11.2003)

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