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4 Seiten

Ich rede kein Blech, sondern erzähle ein Märchen !

Kurzgeschichten · Für Kinder
Es lebte tief im Walde ein alter Fuchs, den nannte man auch Großklappenindianer, obwohl er ja einem Indianer am allerwenigsten ähnelte, denn er hatte nur rotes Fell aber keine rote Haut und die schwarzen Haare oben am Kopf fehlten ihm auch. Das mit der großen Schnauze stimmte schon eher, doch da waren kaum noch Zähne drin. Deshalb konnte er nichts mehr jagen, aber viel schimpfen, wenn man ihn ärgerte.
Die Hühner vom Bauern in der Nähe des Waldes wussten das und sobald er an ihnen vorbei kam, machten sie sich deshalb lustig über ihn. Die Schafe, auf der anderen Seite Waldes, blökten ihm auch schon von weitem frech zu. Sie riefen oft: „Na Großklappenindianer, komm schon her, ja komm schon, du Zahnloser alter Fuchs. Willst du mal die Hörner unseres Leithammels spüren?“ Der Fuchs riss dann immer seine Klappe weit auf und schimpfte und alles lachte sich darüber scheckig.
Der Einzige der mildtätig zu ihm war, schien der Bäcker zu sein, aus dem Dorfe nicht weit vom Wald entfernt. „Hier hast du ein paar Brotkrumen armer alter Fuchs!“, sagte der dann oft und schüttete die Krümel vor ihm aus. Und manchmal wenn etwas von den belegten Brötchen noch übrig war, bekam der Fuchs sogar ein Ganzes ab.
Nach solchen Abenden rollte er sich in seinen langen roten Schwanz und schlief recht glücklich in seinem Bau ein.
Eines Tages kam ihn ein Igel besuchen. Der schaute erstmal in den Bau rein, schnupperte kurz mit seiner spitzen Nase und dann rief er : „ Hallo alter Fuchs, hast du Lust einen kleinen Spaziergang mit einem alten Igel zu machen?“
Das ließ sich der Fuchs nicht zweimal fragen. Schon war er aus dem Bau hinaus und so kam es dass die beiden gemeinsam einen schönen Pfad im Wald entlang liefen. Während sie so dahin schlenderten und es langsam Abend wurde, meinte der Fuchs zu seinem Weggefährten: „Ach, wäre es schön, wenn wir zwei wieder jung wären!“
„Da hast du recht“, erwiderte der Igel, „aber das werden wir nicht wieder. Doch noch schöner würde ich es finden, einmal ein Mensch zu sein.“
„Stimmt“, sagte der Fuchs. „Das würde auch mir große Freude machen! Ach, wenn ich doch nur für einen Tag jener Bäcker sein könnte, der mir immer etwas von den alten Brötchen abgibt !“
„Und ich, ich würde so gerne mal jener Förster sein, der hier stets durch den Wald geht und für Recht und Ordnung unter den Tieren sorgt! Das wäre toll!“
Da machte es „Ping!“ und plötzlich stand eine winzige Fee vor ihnen, mit langem weißen Haar und einem Zauberstab in der Hand. „Okay!“, sagte die Fee mit ihrer glockenreinen Stimme. „ Eure Wünsche seien ab morgen früh für einen Tag erfüllt.“
„Danke?“, sagten die beiden verwundert und dann verschwand die Fee wieder und zwar so rasch wie sie gekommen war.
Als am nächsten Tag die Sonne hinter den Hügeln hervorkroch, staunte der Förster nicht schlecht, denn der befand sich schon im Wald und er merkte wie er sein Stachelkleid aufstellte. Das fand der mehr als merkwürdig, denn er hatte eigentlich noch nie so ein Stachelkleid besessen und so winzig klein war er eigentlich auch noch nie gewesen?
Genauso überrascht war der Bäcker, als er seinen langen Fuchsschwanz entdeckte „Nanu?“, dachte der, was ist denn plötzlich aus mir geworden?“
Na, und erst recht verblüfft war natürlich der Fuchs selber, als er in einem schicken Bett lag, der Wecker klingelte und er seine Zehen unter der Zudecke vorlugen sah. He, wie kam er denn zu Menschenbeinen, wie kam er überhaupt hierher?
Der Igel wurde seinerseits am frühen Morgen durch sein Handy geweckt. Er wuschelte sich verwundert durchs braune Haar und sprang dann sofort aus den Federn, um sich in dem Spiegel dort hinten im Bad zu betrachten. „Alles was er da sah, war natürlich der junge Förster und zwar so wie immer, nur mit dem wesentlichen Unterschied, dass er inwendig der besagte Igel war. Der Förster- na, eigentlich der Igel – schnüffelte deshalb erst einmal verwundert am Spiegel herum und dann erst ganz langsam – denn er war ja schon recht alt - konnte er das alles begreifen. Die Fee hatte seinen Wunsch tatsächlich wahr gemacht.
Genauso erging es dem Fuchs, der zwar äußerlich wie der Bäcker aussah aber inwendig natürlich ganz ein Fuchs war. Das erste, was der so verwandelte Fuchs tat, war, in den Laden gehen und dort sofort den herrlichen Schinken auffressen mit dem die Brötchen belegt werden sollten. Wie schimpften da später die Kunden mit ihm, dass es nur noch Käsebrötchen gab und er selber hatte Bauchschmerzen von dem vielen Schinken bekommen.
Der Igel verließ indes das Försterhaus und lief, so schön verwandelt in der neuen Gestalt, durch den Wald. Alle Tiere des Waldes hatten zwar großen Respekt vor ihm, aber sie hatten auch alle Probleme.
Der Igel wusste leider nicht, was er gegen die vielen Probleme tun sollte.
Besonders wenn er Streitereien schlichten musste fiel ihm nichts Rechtes dazu ein. Außerdem waren neue Tiere in den Wald eingewandert und die wollten wissen, wie das nun weitergehen sollte, das mit dem Einwandern.
Da lief der Igel in seiner Not zum Bäcker, weil er ahnte dass der Fuchs wohl dort ähnliche Probleme haben würde. Die hatte der auch, wie wir wissen, und so sprachen die Zwei erst einmal miteinander über ihre Kümmernise und dann - wie Schlaufüchse nun mal sind - hatte der Fuchs eine Idee.
Sie beschlossen allen die Wahrheit zu erzählen, über das was gestern Abend geschehen und was daraufhin passiert war. Die Menschen im Laden wollten es zunächst nicht glauben, aber sie waren neugierig und der Bäcker - pardon- der Fuchs meinte, das würde sich schon heute Abend klären. Der Förster – äh- der Igel erzählte das Gleiche natürlich den Tieren des Waldes und die waren ebenso verwirrt, wollten aber auch kommen.
Als es Abend geworden war und die Leute aus dem Dorfe und alle Tiere herbei liefen, um den verrückt gewordenen Bäcker und auch den Förster auszulachen ( Man dachte sich aber auch insgeheim, dass sicherlich das viele frühe Aufstehen den Beiden auf die Dauer nicht bekommen war, sie deshalb zu wenig Schlaf gekriegt und aus diesem Grunde jetzt diesen Unsinn erzählt hatten)kam ein Igel ganz matt und erschöpft um die Ecke gekrochen und ein alter Fuchs gesellte sich hinzu. Schließlich erschien auch der Bäcker und dann der Förster und zuletzt flog die Fee herbei und es wehte dabei ihr langes weißes Haar.
Sie blieb inmitten der vielen Menschen und Tiere stehen, schaute sich feierlich nach allen Seiten um, und dann hob sie den Zauberstab. Es machte kurz „Ping“ und für einen Moment konnte man den Igel im transparenten Körper des Försters erkennen und den Fuchs im Körper des Bäckers und bei den anderen jene Leute, die in den Tieren versteckt gewesen waren und dann waren alle wieder normal.
Wie war der Fuchs glücklich, dass er seinen Körper, wenn auch so alt wie vordem, wieder hatte und ebenso erging es dem Igel und auch die Menschen, die ihre Gestalt zurück bekommen hatten, freuten sich und umarmten einander.
Die Leute aus dem Dorf und die Tiere des Waldes freuten sich mit ihnen und es herrschte ein großer Jubel.
Fortan brauchten der Bäcker und der Förster nicht mehr ganz so früh aufzustehen. Die Leute hatten Geduld und selbst wenn es mal weniger Schinken gab, schimpften sie nicht so rasch und auch die Tiere des Waldes waren geduldiger- selbst wenn manchmal Streitereien und die Sache mit dem Einwandern nicht sofort geklärt werden konnte.
Der Igel und der Fuchs aber sollten es noch lange gut haben. Sie bekamen jeden Abend nicht nur ein Brot das mit Schinken belegt war, es lagen darauf auch noch zwei Gurkenscheiben zum Dank, dass sie für solch eine zauberhafte Geschichte gesorgt hatten.
Und die Fee, was meint ihr wohl, was mit der geschah? Richtig, die ging auch in Rente, denn sie hatte ja schon weißes Haar, selbst wenn es ihr zu lang über die Schultern hing. Und manchmal überlegte sie, ob sie sich als Autorin noch etwas hinzu verdienen sollte, denn das war ja schon mal EINE tolle Geschichte. Aber schreiben und Geld verdienen ist so eine Sache! Da kam sie auf die Idee einfach bei WebStories dieses kleine Märchen zu veröffentlichen und das war doch schon mal ein guter Gedanke oder?
 
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Kommentare  

Vielen Dank lieber Frank! (das reimt sich ja sogar) für deinen liebevollen und langen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir mein kleines Märchen gefallen hat. Demnächst werde ich auch mal bei dir reinschauen.

L.G. Irmchen


Irmgard Blech (10.11.2020)

Deine Fabel gefällt mir ausgezeichnet.
Besonders das Aufzeigen des doppelten
Tausches, dass also nicht nur Igel und Fuchs in
ihren neuen Rollen beschrieben wurden, sondern
auch der Förster und der Bäcker. Besonders
amüsierte mich die Stelle, wo der Fuchs
Magenleiden bekam, weil er von den Brötchen
allen Schinken weggefressen hatte. Und am
Ende wird alles gut wie in einem Märchen.
Schön.


Frank Bao Carter (07.11.2020)

Am Schluss musste ich grinsen. Kleines flottes Märchen mit einer überraschenden Pointe. Nett gemacht.

Marco Polo (28.08.2017)

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