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Andacht Nr. 105 Hoch, höher am höchsten ...

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Andacht Nr. 105


Hoch, höher, am höchsten ...

Ihr Lieben

Schon geraume Zeit treibt mich eine Textzeile aus dem Buch des Propheten Habakuk um.

Habakuk 2/ 9:
9 Weh dem, der unrechten Gewinn macht zum Unglück seines Hauses, auf dass er sein Nest in der Höhe baue, um dem Unheil zu entrinnen! 

Hochhäuser hatten mich lange Zeit fasziniert.

1981 war ich zum ersten Mal in New York. Ich war verzaubert vom Anblick der Wolkenkratzer, und den Häuser -und Straßenschluchten Manhattens. Dies alles direkt erleben zu dürfen was man vorher nur im Fernsehen sah, war einfach überwältigend. Ich verzieh dem Fahrradkurier der mich am Broadway über den Haufen fuhr. Ich guckte nach oben, er auf seine Uhr … Noch dreimal durfte ich diese „Stadt, die niemals schläft“ erleben , auch Chicago, die Geburtsstätte des Wolkenkratzers besuchte ich und war ebenfalls schwer beeindruckt. Wie diese Wahnsinnsbauten entstanden, wie teuer sie waren, welche Geldmengen flossen, was da gemauschelt wurde, wie viele Unfälle geschahen und Bauarbeiter ihr Leben verloren, darüber machte sich ein junger Mensch mit knapp 18 Jahren keine Gedanken. Auch sonst wurde nichts hinterfragt. New York war (ist) sehr schnell, hektisch, laut, lärmend, wild, gleichgültig, rotzig, interessant, verführt (e) zum Endecken ....Erst bei meinem letzten Besuch, bei dem ich lediglich den Bus wechselte und einige Zeit Aufenthalt hatte, überkamen mich erste Zweifel. Ich konnte mich nicht weit vom Busterminal wegbewegen und zum ersten mal fielen mir Dinge auf die ich zuvor völlig ignoriert hatte, obwohl sie bei den vorherigen Besuchen schon überdeutlich zu sehen waren. Wirkliche, erschreckende Armut, Verlorenheit. Dieses Bild, dieses Beispiel erlebte ich besonders einige Jahre später in HongKong. Auch diese Stadt ist geprägt von himmelhohen Gebäuden und wie in New York, auf engstem Raum gebaut. Was sich dort abends in den Straßenschluchten, unterhalb der glänzenden Fassaden abspielte, ließ mich oft „schlucken.“ Leute, Bewohner der Stadt, die unter Planen, Blech und Kartons ihre „Wohnungen“ hatten. Ein Großteil der glänzenden Bauten von Abu Dhabi und Doha wurden und werden von ausländischen Hilfsarbeitern gebaut die kaum Rechte besitzen und unter teilweise erbärmlichen Bedingungen leben.
Aber warum in die Ferne schweifen …
Ich weiß von keinem Bauarbeiter, der es sich leisten könnte, in einem der Wolkenkratzer in Frankfurts Bankenviertel zur Miete zu wohnen, die mit seinen Händen gebaut wurden.
Hochhäuser haben etwas widersprüchliches an sich. Entweder man hat als normal Sterblicher keine reale Möglichkeit hinter diesen glänzenden Hausfassaden zu wohnen oder man wird in eine Hochhaussiedlung mit anderen armen Schluckern gepfercht. Diese Hausfassaden glänzen aber nicht … Verwahrlosung, Einsamkeit und Anonymität sind die Merkmale dieser modernen „Turmbauten.“

Apropos, der Turmbau zu Babel war wohl – zumindest aus biblischer Sicht – der erste Versuch ein „hohes Haus“ bis in den Himmel hinein zu bauen.

Bei Wikipedia findet man u. a folgende Aussage:
Josephus schrieb:
„Allmählich verkehrte er [Nimrod] sein Benehmen in Tyrannei, weil er die Menschen umso eher von Gott abzuwenden gedachte, wenn sie der eigenen Kraft hartnäckig vertrauten. Er wolle, sagte er, sich an Gott rächen, falls er mit erneuter Flut die Erde bedränge, und er wolle einen Turm bauen, so hoch, dass die Wasserflut ihn nicht übersteigen könne. So werde er für den Untergang seiner Vorfahren Vergeltung üben. Die Menge pflichtete den Absichten Nebrods [Nimrods] bereitwillig bei, da sie es für Feigheit hielt, Gott noch zu gehorchen. Und so machten sie sich an die Erbauung des Turmes, der . . . schnell in die Höhe wuchs[3]“.

Hier kurz die biblische Erzählung - ausschnittsweise:

1 Die ganze Erde hatte eine Sprache und ein und dieselben Worte. 
2 Als sie ostwärts aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und siedelten sich dort an. 
3 Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel und brennen wir sie zu Backsteinen. So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine und Erdpech als Mörtel. 
4 Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel! So wollen wir uns einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen. 

Wir Menschen scheinen immer „durch `s Dach zu wollen“, von unserem Ego her genauso wie im bautechnischen Stil.

Der „Jeddah Tower in Saudi Arabien wird voraussichtlich 2020 mit 1007 m das bis dahin höchste Gebäude der Welt sein. Eigentlich sollte das Ding bereits 2015 fertig gestellt sein, Korruption jedoch verzögerte den Bau. …. Das liebe Geld halt … eine „menschliche Schwäche“ hinderte das neue „Himmelsprojekt“ zeitgerecht fertig gebaut zu werden.

Ich frage mich: Was treibt den Menschen dazu in einer Wüstengegend ein Haus zu errichten, das über ein Kilometer HOCH ist? Was ist der Sinn?
Ganz einfach: Das eigene Ego, der Größenwahn, der Wunsch „sich einen Namen machen zu wollen. Nein, Babel ist nicht tot. Seine Seele lebt und wirkt gerade in der heutigen Zeit munterer, hemmungsloser und sichtbarer als je zuvor.

Als am 11. September 2001 die berühmten Twin Towers in New York einstürzten war das ein unvergesslicher Anblick. Niemand hätte bis dahin im mindesten daran gedacht, dass zwei solch stattlichen Gebäude, die den Stolz einer Nation, einer Stadt repräsentierten, buchstäblich pulverisiert werden konnten. Das immer auf Business, Erfolg und Wettbewerb ausgerichtete New York wurde ins Mark getroffen – von den grausamen Menschenopfern gar nicht zu reden.

Bald schon machte man sich Gedanken zu einem neuen noch höheren Turm und so entstand das One World Trade Center an dem Ort wo über 3000 Menschen ihr Leben ließen.
Kürzlich wurde die Spitze des bis 2009 genannten FREEDOM TOWERS zur Feier eines neuen Abtreibungsgesetzes des Staates New York in Pink angestrahlt. Zum Thema Abtreibung kann man stehen wie man will – auch dass es künftig möglich ist einen Säugling , ein bereits im Mutterleib nahezu voll entwickeltem Kind bis kurz vor dessen Geburt abzutreiben – mag jede/r für sich selbst richtig oder falsch empfinden.
Ich selbst war „nicht gewollt“ wie man heute so schön sagt, bin aber Gott dankbar dafür, dass ich lebe, dass meiner Erzeugerin nicht die Gelegenheit gegeben wurde oder sie keine Gelegenheit wahrnahm die meinen Körper und meine irdische Existenz vernichtet hätte. Sie ließ mich in der Klinik zurück und gab ihr Einverständnis zur Adoption. Ich denke, dass Frauen die sich zu einer Abtreibung entscheiden, einem gewaltigen Druck ausgesetzt sind und eine solche Entscheidung kein „Spaziergang“ für sie und ihre Seele ist.

Das Anstrahlen der Spitze dieses Turmes jedoch als „Feier“ dieses Gesetzes zu deklarieren und durchgeführt zu haben bedeutet im Gefühl meiner (und nicht nur meiner) Seele die absolute, offene Verachtung gegenüber Gott, die „Spitze“ menschlicher Dekadenz und geistlichen Hochmutes. Man könnte es auch so formulieren, New York City hält Gott den gestreckten Mittelfinger entgegen.
Der Ewige wird darauf antworten – wie die Menschheit mit der Antwort umgehen wird, ob wieder auf Twitter und Facebook "pray for New York, pray for America, pray for the world gefordert wird – man wird sehen. Jedenfalls ...
"Hoch hinaus zu wollen", sich einen Namen machen wollen" mag gut und schön sein - wenn dies auf Kosten anderer geschieht, ist ein Sturz vorprogrammiert und auf dem "Gebäude" liegt kein Segen.

Ich wünsche euch Gottes Segen und Schutz für die kommende Woche!
 
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