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Die Kinder von Brühl 18/Teil 2/Essensmarken und Stoppelfelder/Episode 16 /Else erzählt die Ostergeschichte

Romane/Serien · Erinnerungen
© rosmarin
Episode 16

Else erzählt die Ostergeschichte

Dieser frühe Ostersonntag begrüßte Brühl 18 mit einem blauen Himmel und schönstem Sonnenschein. In diesem Jahr war schon sehr früh Ostern. Nämlich am sechsten April.
„Das richtige Wetter für einen schönen Osterspaziergang“, sagte Else fröhlich. „Gleich nach dem Frühstück und der Ostergeschichte geht es los. Wir können im Hof frühstücken. Deckt schon mal den Tisch.“

Jeden Ostersonntag nach dem Frühstück erzählte Else den Kindern die Ostergeschichte. Die Kinder sollten ja begreifen, warum die Christen aus aller Welt jedes Jahr das Osterfest feiern. Also Christi Auferstehung vom Tod am Kreuz.

Die Kinder deckten den schmalen Tisch unter dem Birnbaum vor der Mauer zu Schmids. Das war den Kindern lieber, als am Tisch in der Stube zu sitzen. Mit der Fliegenfängerlampe.
Wenn Rosi daran dachte, verging ihr jedes Mal der Appetit. Und nur Elses wegen brachte sie dann doch einige Bissen hinunter. Sie wollte sich ja nicht Elses Gemecker anhören. ‚Was bist du nur wieder für ein unfolgsames Ding‘, würde Else sonst sagen, „meinst du, dass das Gott gefällig ist?‘
Nein,nein, das wollte sie auf keinen Fall riskieren.
Hier im Hof würden die Fliegen zwar auch gleich angesummt kommen. Aber das störte niemanden. Hier gehörten sie genauso zum Hof wie der Mist. Die Hühner mit ihrem Hahn. Zippi und Zappi. Das Plumpsklo. Und der Zwetschgenbaum.

Else schob den Wagen mit der kleinen Margitta unter den Zwetschgenbaum neben die Bank. Dann setzte sie Bertraud zwischen Karlchen und Jutta. „Schön sitzen bleiben“, ermahnte sie Bertraud, „und nicht herumzappeln.“
Richard kam aus dem Schuppen und setzte sich auf den Hocker davor. Else reichte ihm eine Scheibe Brot auf einem kleinen Teller. Dazu einen Kaffeetopf mit Muckefuck.
Die Kinder aßen ihre mit Marmelade beschmierte Stulle und tranken ihre mit Wasser verdünnte Milch.

*

„Wie ihr wisst Kinder“, begann Else ihre Ostergeschichte zu erzählen, „Ostern feiern wir die Auferstehung Jesus Christus. Es ist das älteste christliche Fest. Es drückt aus, dass der Tod nicht das Ende des Lebens ist. Nein, ganz im Gegenteil. Wir sollen es als den Neubeginn des Lebens verstehen. Wie den Frühling“, lachte sie. „der hat sich in den langen Wintermonaten auch ausgeruht. Und ist nun zu neuem Leben erwacht.
Das Osterfest orientiert sich an dem jüdischen Passahfest“ sprach sie weiter, „denn an Palmsonntag ritt Jesus auf einem Esel nach Jerusalem. Dort gibt es jedes Jahr, übrigens bis heute noch, ein ganz besonderes Fest für die Juden. Das ist das Paschafest.
Zu diesem Fest kommen viele Juden nach Jerusalem. Denn sie wollen dort gemeinsam ihren Glauben feiern. Und weil Jesus auch Jude war, wollte er mitfeiern.
Die Menschen in Jerusalem waren darüber sehr erfreut. Sie hatten schon oft davon gehört, dass Jesus schon vielen armen und kranken Menschen geholfen hatte. Auch seine Wunder hatten sich herumgesprochen.
‚Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!‘, riefen die Menschen. Sie legten ihre Kleidung und Palmzweige auf die Erde. Für Jesus. Um ihn zu ehren.“
An dieser Stelle machte Else wie immer eine kleine Pause, bevor sie weiter erzählte:
„Das gefiel natürlich den Stadtoberhäuptern in Rom überhaupt nicht. Es machte ihnen Angst, dass ihr Volk Jesus wie einen König feierte. Deshalb wollten sie Jesus umbringen.
Am Gründonnerstag feierte Jesus
zusammen mit seinen zwölf besten Freunden, den sogenannten Aposteln, die auch oft Jünger genannt wurden, das Abendmahl. Während des Essens zerbrach Jesus das Brot, um es mit ihnen zu teilen. Auch den Wein teilte er mit ihnen. Doch plötzlich stand er auf von der Festtafel und sprach: ‚Einer von euch wird mich verraten. Einer, der mit mir isst.‘
Jesus ahnte also voraus, dass er sterben würde. Doch er wusste auch, dass er stärker sein würde als der Tod. Deshalb sagte er seinen Jüngern, dass er zurückkommen und in die Stadt Galiläa gehen würde. Alle Jünger schworen hoch und heilig, dass sie Jesus niemals verraten würden. Aber ihr wisst Kinder, es passierte doch. Denn Judas, einer der zwölf Jünger, verriet ihn an die Stadtoberhäupter. Er zeigte ihnen Jesus‘ Versteck und bekam dafür drei Goldtaler. Das ist der sogenannte Judaslohn. Und davon spricht man auch heute noch, wenn ein Mensch einen anderen Menschen verrät und dafür Geld bekommt.
Also, am Karfreitag wurde Jesus verhaftet. Er wurde zum Tode am Kreuz verurteilt. Die Soldaten, die ihn festgenommen hatten, flochten aus stechenden Dornenzweigen eine Krone. Die setzten sie ihm auf. Dann schlugen sie ihn mit Stöcken. Sie bespuckten und verhöhnten ihn sogar. Dann zwangen sie ihn, das Kreuz, an das er genagelt werden sollte, selbst zu tragen. Den Hügel hinauf. Nach Golgatha. In der Nähe von Jerusalem.“
Else machte wieder eine Pause. Sie sah die Kinder der Reihe nach an. Als diese nichts erwiderten, fuhr sie fort: „ Jesus starb den qualvollen Tod am Kreuz. Wie die zwei Verbrecher. Die auch am Kreuz hingerichtet wurden. Der Tod am Kreuz war damals die höchste Strafe. Als Jesus tot war, holte ihn Josef, der auch ein Jünger Jesu war, vom Kreuz. Er wickelte Jesus in ein Leinentuch und legte ihn in ein Grab in einer Höhle. Danach rollte er einen schweren Stein vor die Höhle. Am Ostersonntag dann kamen einige Frauen zum Grab Jesu. Sie wollten seinen toten Leib mit duftenden Ölen einreiben. So, wie es damals üblich war. Doch der Stein vor der Höhle zu Jesus‘ Grab war zur Seite gerollt. Das Grab war leer. Und vor dem leeren Grab saß ein Engel. Der Engel sagte zu den Frauen: ‚Jesus ist nicht tot. Gott hat ihn wieder lebendig gemacht. Jesus geht euch voraus nach Galiläa. Wandert dort hin. Denn dort werdet ihr ihn finden.‘
Doch die Frauen fürchteten sich. Sie flüchteten. Und sie erzählten niemandem, dass Jesus wieder lebendig war. Doch es war wahr. Jesus besuchte Maria Magdalena. Und sie lief zu den Jüngern und rief: ‚Jesus lebt wieder!‘ Aber die Jünger glaubten auch ihr nicht.“
„Mama“, sagte Rosi, „die Geschichte kennen wir doch schon in – und auswendig. Die können wir doch schon singen. Du brauchst jetzt wirklich nicht mehr weiter zu erzählen. Sonst ist der halbe Tag ja schon rum.“
„Doch damit ist die Ostergeschichte von Jesus noch nicht zu Ende“, ignorierte Else Rosis Einwand, „denn traurig über den Tod Jesu, machten sich zwei von den Jüngern an Ostermontag auf den Weg in das Dorf Emmaus. Während sie sich unterhielten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Die Jünger aber erkannten ihn nicht. Sie hielten ihn für einen Fremden und baten ihn gastfreundlich, mit ihnen zu essen und zu trinken. Und bei diesem gemeinsamen Essen erkannten sie ihn endlich. Nämlich, als er das Brot mit ihnen teilte. Aufgeregt eilten die Jünger nach Jerusalem zurück, um allen Menschen zu erzählen, dass Jesus wieder lebt.“ Else atmetet tief durch, bevor sie endete: „Danach hat Jesus die Erde endgültig verlassen und ist zurück zu Gott, seinem Vater, in den Himmel gefahren.“
*
„Und wo soll es nun hingehen?“, fragte Rosi Else, während sie den Tisch abräumte. „Zum Alten Bach? Oder zum Loh?“
Vor zwei Jahren hatten sie die Ostereier am Alten Bach versteckt. Vor den Gärten. Da gab es noch etwas Gestrüpp. Und voriges Jahr hatten sie tatsächlich einen langen Spaziergang zum Loh gemacht. Obwohl Else da mit Margitta schwanger war. Und Bertraud noch im Kinderwagen gefahren werden musste. Aber es hatte sich gelohnt.

Rosi, Jutta und Karlchen hatten nach langer Zeit endlich mal wieder ihre alte Hütte besucht. Und sogar die Eier dort versteckt. Nur die Gruselgeschichten haben natürlich nicht gepasst. Und sieben Mal genießt hatte auch niemand. Und demzufolge auch keine Lohjungfrauen gesehen.

„Diesmal geht es zum Feld“, sagte Else. „Papi und ich haben entschieden, das Feld endlich zu bewirtschaften.“
Das war ja mal eine frohe Osterbotschaft. Die Kinder waren begeistert.
„Und Zippi und Zappi nehmen wir auch mit“, freute sich Karlchen. „Herr Metzner hat gesagt, er hätte noch zwei schöne Halsbänder. Die kann er doch mitbringen. Ich geh gleich mal los. Ich hol sie ab.“
„Gute Idee“, war Else einverstanden. „Sie wollten ja sowieso in einer halben Stunde hier sein. Und Mariechen wollte noch einen schönen Picknickkorb mitbringen.“

***

Fortsetzung folgt
 
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