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5 Seiten

Eine kleine Zusatzgeschichte zu : Macht und Wahrheit

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten · Experimentelles
© doska
Dämon Hubis duckte sich noch tiefer ins hohe Gras hinein. Es war schon blöd, dass er damals nicht zu den Stallungen der Burg König Legolds hatte schleichen und sich sein Pferd hatte holen können. Zu Fuß war es kaum möglich nach Retisa zu gelangen, um erst einmal bei seinem Dämonenfreund Grogor Unterschlupf zu erlangen. Glücklicherweise hatte der grünhäutige Gronf ein wenig Geld dabeigehabt, aber das war nun auch verbraucht und die letzten Tage hatte Hubis als Vagabund verkleidet – der ehemalige Eigentümer der lumpigen Kleidung lebte natürlich nicht mehr – in entwürdigender Weise gebettelt in den Straßen und auf den Wegen.

Also musste er nach Anila, welches näher an Getmalik grenzte, aber auch bis zu dem Reich Dämon Womperts war es kaum möglich, dieses möglichst rasch ohne Reittier zu erreichen.

Hubis hatte zunächst seinen Diener Kalur mit einer Nachricht zu Wompert geschickt. Mit einer Anfrage, ob es diesem wohl recht wäre, wenn er zu Besuch kommen würde. Wompert war aber gar nicht da. Der hielt sich zur Zeit noch immer in Habisk bei Fürst Ranghort auf. Schließlich hatte er doch auf Hubis Bitte beantwortet: „Wir brauchen keinen weiteren Esser! Aber du könntest uns willkommen sein, wenn du uns das Menschenwesen Prinzessin Alconia als Gefangene bringen würdest! Wir Dämonen halten schließlich zusammen. Und in dem gleichen Umschlag hatte sich auch ein wenig Geld für einen Esel, eine Waffe und ein Maultier befunden.“
Und allein deswegen lag Hubis hier auf dem Bauch, verborgen hinter einem Busch und hohem Gras.


Er hatte Glück. Gronf und Kalur seine beiden Tarenos, die ihm noch verblieben waren, konnten nützliche Späher sein. Mit ihren dämonischen Habichtaugen hatten sie bald die Prinzessin und jenen Jungen entdeckt, der wohl das Kind der Hexe Makimba war, bei welcher Alconia seit einiger Zeit mitten im Wald lebte. Jamur, das Untier bewachte zwar Alconia gut, jedoch konnte dieses Wesen nicht immer hier im Wald verbleiben. Es war wirklich günstig, dass die beiden Menschen ganz allein sich immer weiter von ihrem sicheren Quartier entfernten.

Zunächst hatten sich die Zwei wie immer an der Schönheit des riesigen Waldes ergötzt, doch dann wurde ihnen bald langweilig und sie begannen mit Stöckern gegeneinander zu kämpfen, untermalt von wildem Geschrei.

Hubis kniff sein eines Auge zusammen, weil die Sonne ihn blendete, die durch das Blätterdach schien und dachte während er die zwei Kämpfenden beobachtete. ´Alconia lernt schnell von diesem Jungen. Sie wird eines Tages recht gut mit dem Schwert umgehen können und das obwohl sie nur eine Frau ist. Wer hätte das gedacht? Auch der Junge ist eine Begabung im Schwertkampf. Aber wer hat ihm zuvor diese vielen unterschiedlichen Kampftechniken beigebracht? Dieser kleine Bursche würde es gewiss als Erwachsener später sehr weit bringen, aber nun nicht mehr, denn ich – der großartige Hubis, mit wahrem Namen Dämon Ursus - werde ihn vorher umbringen, damit Alconia mir leichter folgt.


Er richtete sich auf, bis er in der Hocke war und wollte, nachdem er sich den neu gekauften Bogen ergriffen hatte, gerade einen Pfeil aus dem Köcher ziehen, als sich eine Hand hinter ihm auf die seinige legte.


Verblüfft schaute er sich um und starrte direkt in das Gesicht Dumars. Er wollte lachen, verkniff sich dies aber, weil man das vielleicht hätte hören können, jedoch Dumar war nun wirklich das Letzte, was ihm Angst einjagen konnte. Es war überall bekannt, dass der mit Büchern wesentlich besser zurecht kam, als mit Waffen. „Nanu? Wo kommst du denn plötzlich her?“ wisperte Hubis darum amüsiert.


„Das könnte ich dich auch fragen. Aber ich schätze mal von irgendwo aus dem Wald, genau wie du!“, flüsterte Dumar ebenfalls freundlich grinsend. Er kauerte direkt hinter Hubis.
„Ich habe dich gar nicht heran schleichen gehört. Mann, kannst du leise sein!“, ächzte Hubis.
„Das warst du doch vorhin auch!“, vernahm er hinter sich anerkennend.
„Schön und gut, aber würdest du jetzt bitte meine Hand loslassen, das nervt!“
„Damit du einen von den Beiden erschießen kannst…nö!“, beantwortete Dumar seine eigene Frage.


„Wer sagt, dass ich das tun wollte?“, wisperte Hubis, denn er wagte es nicht sich zu wehren, weil Dumar ihm irgendetwas hartes Spitzes plötzlich in den Rücken drückte.
„Ich!“, behauptete Dumar.
„Dir ist bekannt, dass du mich nicht töten kannst, da ich jederzeit in einen anderen Körper schlüpfen könnte?“
„Ist mir bekannt, aber schlüpf doch ruhig!“, ermunterte Dumar ihn.


„Dann wirst du aber nicht wissen in welcher Gestalt ich mich dann gerade befinde. Ich könnte mich später an dir rächen!“, erklärte Hubis – wenn auch mit leicht zittriger Stimme- weiter.


„Nett, dass du mich aufmerksam machst, aber auch DAS wusste ich schon!“, antwortete Dumar, änderte jedoch keinesfalls seine Position. „Außerdem genügt es mir nicht, wenn ich nur einen kümmerlichen Dämon alleine habe, ich will euch alle auf einmal haben.“


Hubis musste erst einmal das Wort „kümmerlich“ verarbeiten, aber dann riss er sich wieder zusammen. „Haha, du bist witzig!“, schnaufte er schließlich. „Welch eine köstliche Vorstellung. Die Leseratte Dumar nimmt es mit allen fünf Dämonen gleichzeitig auf. Das möchte ich sehen!“, dann aber wurde Hubis wieder sehr ernst. „Muss ich erst deutlicher werden?“, zischelte er genervt.
„Wohl ja!“, tönte es hinter ihm ganz ruhig.
„Nimm endlich das Messer von meinem Rücken, du Volltrottel!“, fauchte Hubis aufgebracht.


„Das ist kein Messer!“ Dumar warf den spitzen faustgroßen Stein, den er in Wahrheit an Hubis Rücken gehalten hatte, Richtung der beiden Kämpfenden.


Der Stein landete auf der anderen Seite im Gebüsch und es raschelte. Gunnar hatte das Geräusch sofort bemerkt und senkte seinen Stock, mit welchem er gerade gegen Alconia gekämpft hatte und er wendete sich zu dem betreffenden Gebüsch herum.


„Ha, du bist besiegt, denn du hast nicht aufgepasst“, kreischte Alconia und hielt ihm ihr Stöckchen von hinten an den Rücken. „Nein Marka…“ , rief der Kleine. „Das gilt jetzt nicht! Es hat direkt neben mir im Gebüsch geraschelt. Das war kein Tier und einen Menschen sehe ich dort auch nicht, aber dennoch müssen wir sofort von hier weg. Du weißt sicher noch, was Jamur und heute erzählt hat?“
Alconia nickte und schon flitzten sie los.


„So ein Ärger aber auch!“, schimpfte Hubis und wollte endlich seinen Pfeil abschießen, um Gunnar beim Laufen in den Rücken zu treffen, aber Dumar hatte ihm, als er abgelenkt gewesen war, mit einer kleinen handlichen Schere die Sehne des Bogens durchgeschnitten.


„Sieh an, wie nützlich Scheren doch sind !“,vernahm er seelenruhig hinter sich. „Diese brauche ich eigentlich sonst immer nur zum Ausschneiden ganz bestimmter Textstellen!“


„Du hinterlistiger Hund!“, kreischte Hubis und schon war er aufgesprungen, um sich Dumar zu packen, aber dieser sprang über den Farn, über dichtes Wurzelwerk und geschickt über kleinere Büsche. Er rannte – zu Hubis Überraschung - mit einem irren Tempo über Stock und Stein und der Dämon in Menschengestalt hatte große Mühe ihm zu folgen.
„Warte, du…dummes Huhn!“, brüllte Hubis schließlich mit hochrotem Kopf.


„Wenn …dann Hahn!“, wurde er sofort verbessert. Dumar wandte sich dabei kurz um, hob gemahnend den Zeigefinger und wedelte damit, während er weiter flitzte.


„Ach, wo bist DU denn Mann.“, konterte heftig schnaufend Hubis. „Ein richtiger Mann würde kämpfen, aber du ….du kannst doch nichts als weglaufen. Ich krieg dich noch …ich krieg dich noch…!“, ächzte Hubis. „Ach, du willst ja nur, dass ich zaubere, du Schlaffi! Aber den Gefallen tue ich dir nicht! Warte, wenn du mir erstmal zwischen die Finger kommst, du …du …Nanu?“


Der Boden hatte plötzlich unter Hubis nachgegeben und der Dämon konnte sich, zu Tode erschrocken, dabei selbst zuschauen, wie er in eine tiefe Fallgrube stürzte. Diese war wirklich sehr tief- ungefähr fünf Meter.


Es krachte als er aufschlug und für einen Moment blieb er wie betäubt liegen. Er wurde unsanft durch Dumars Worte geweckt, der nun zu ihm grinsend hinabschaute. „Hubis, Hubis …tzizzziss! Du machst vielleicht Sachen. Aber du liebst ja das Abgründige, oder etwa nicht?“ Dumar lachte jetzt schallend und seine weißen Zähne blitzten.


„Das … das ist unfair!“, brüllte Hubis außer sich vor Wut. „Diese Grube musst du schon lange angelegt haben. Ja…Jamur unterstützt dich, nicht wahr? Er hat Gunnar und Alconia extra in der Nähe dieser Grube kämpfen lassen, um mich anzulocken. Du machst tatsächlich noch immer gemeinsame Sache mit Jamur. Da kann ich nur sagen: Pfui!Pfui!“


„Ja, das stimmt“, bemerkte Dumar in scheinbar betroffener Tonlage. „Jamur hat dich hier schon öfter herumschleichen sehen und darum alles gemeinsam mit mir für dich vorbereitet…! Übrigens, deine Augenklappe ist verrutscht. Das steht dir nicht so!“
„Hole mich sofort hier wieder heraus, du Schwachkopf!“, kreischte Hubis hysterisch.


„Nö, dazu habe ich jetzt keine Lust! Bleibe mal da ruhig! Vielleicht schaffst du es ja auch irgendwie und irgendwann da wieder herauszuklettern.“, Dumar schaute immer noch sehr belustigt zu ihm hinab und die blonden Locken umspielten sein braun gebranntes Gesicht.
„Ha, das wird sogar sofort sein!“, schnaufte Hubis. „Wozu habe ich meine Habichtsoldaten!“
„Es sind nur zwei!“, Dumar zeigte ihm die entsprechende Zahl mit den Fingern und wackelte wieder damit, am Rand der Grube.
„Aber die sind mir treu ergeben!“, schluchzte Hubis.


„Ich werde sie herbeirufen und dann werden sie dich als erstes verprügeln und dann mir helfen aus dieser scheußlichen Grube schnellstmöglich wieder hinauszukommen, denn es sind große bärenstarke Kerle.“


„Im Moment sind sie es nicht…“, vernahm er Dumars unangenehme Stimme. „Du hast sie doch vorhin als Kundschafter ausgeschickt, um Jamur zu finden, auch weil man ja fliegend den Wald nun mal am besten überblickt. Die Zeit ist nicht um. Sie sind noch immer Habichte. Hattest du das vergessen?“


Hubis musste sich Mühe geben nicht dazu zu nicken oder gar betroffen und überrascht dreinzuschauen. Hatte er das doch tatsächlich verschusselt. „Natürlich NICHT!“, kreischte er stattdessen. „Dämonen vergessen nie!“
„Soll ich dir vielleicht etwas zum Lesen runterwerfen? Damit die Zeit besser rumgeht?“, kam es von oben als Angebot.
„Arrgh!“, Hubis biss sich auf die Fingernägel.


„Hört sich an, als ob du GANZ gierig danach wärest! Oder sollte das kein Sehnsuchtsschrei gewesen sein? “, tönte es weiter von oben. „Ach, ehe ich es vergesse, Jamur meint: Wenn du dich noch mal an seine Schützlinge heranmachst, frisst er dich auf. Er hat nämlich schon lange niemanden lebendig verspeist und Knochen knirschen immer so schön zwischen seinen Zähnen.“ Damit wendete sich Dumar zum Gehen und begann dabei fröhlich ein Liedchen zu pfeifen.


„Eines Tages kommt der Moment wo alle fünf Dämonen und deren Tarenos mit dir spielen werden!“, brüllte Hubis ihm aus der Grube hinterher.
„Aber es könnte auch umgekehrt sein!“, hörte er seelenruhig in der Ferne.

ENDE
dieser kleinen Zusatzgeschichte zum Roman (Macht und Wahrheit)
 
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