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3 Seiten

Ein Sommermärchen

Kurzgeschichten · Romantisches
© rosmarin
Es geschah in einem fernen Land
Da lebte einst eine wunderschöne Frau
Ihre Augen waren tief wie das Meer
Geheimnisvoll wie die Dunkelheit
Zärtlich wie die Sonne
Wenn der Tag beginnt

Ihr süßer Mund war sinnlich
Wie die Liebe selbst
Das lockige Haar
Hatte die Farbe
Reifer Kastanien
Und schimmerte im Licht wie
Rotes Gold

Viele Männer die sie sahen
Verliebten sich in sie
Doch keiner gewann ihr Herz
Die wunderschöne Frau
Spielte mit ihnen wie
Mit bunten Steinen

Als sie in die Jahre kam
Heiratete sie einen braven Mann
Sie bekam auch Kinder von ihm
Glücklich aber war sie nicht
Doch das wusste sie nicht
Denn ihr Herz blieb unberührt

Die Jahre vergingen
Die Kinder
Mit denen sie ihre Freude hatte
Und auch so manchen Kummer
Wuchsen heran
Verließen das Haus
Und auch der Mann ging eigene Wege

Die wunderschöne Frau aber
Wurde sehr einsam
Die Jahre hatten ihrer Schönheit
Nichts anhaben können
Sie war eher noch schöner geworden
Denn sie hatte nie einen Mann geliebt
Und ihre Gefühle glichen der Oberfläche
Eines stillen Wassers

Doch eines schönen Frühlingstages
Sollte sich alles ändern
Wie so manches Mal
Tratschte die wunderschöne Frau
Mit der Nachbarin vor ihrer Tür

Da kam ein junger Mann daher
Er konnte nicht vorüber gehen
Denn ihm schien
Er hätte in seinem ganzen
Leben nie eine schönere Frau gesehen

Auch die wunderschöne Frau
Sah ihn an
Sie schaute in seine Augen
Die blau waren
Und unschuldig wie
Ein wolkenloser Himmel

Er hatte einen verträumten Mund
Und lustige Segelohren
Und sie lächelte ihn an
Da verschwand der junge Mann
Wie er gekommen war

Doch er konnte ihre Nixenaugen
Nicht vergessen
Nicht ihr zärtliches Lächeln
Nicht ihren süßen Mund
Sinnlich wie die Liebe selbst

Auch die wunderschöne Frau
Hatte den jungen Mann nicht vergessen

Als sie des Nachts allein in ihrem
Bettchen lag dachte sie an ihn
Sie dachte an seine blauen Augen
Unschuldig wie ein wolkenloser Himmel
Sie dachte an seinen verträumten Mund
Und sie dachte an
Seine lustigen Segelohren

Am nächsten Tag
Kam der junge Mann wieder
Er schenkte der wunderschönen Frau
Rote Rosen
Sie schenkte ihm
Ihr zärtlichstes Lächeln

Beide waren in Liebe zueinander entbrannt

Die wunderschöne Frau
Wurde noch schöner
Die Liebe des jungen Mannes
Erwärmte ihr Herz
Ließ das Eis
Das es viele Jahre umschlossen hielt
Schmelzen und sprudeln
Wie ein warmer Quell

Die wunderschöne Frau und der junge Mann
Schworen sich ewige Liebe
Sie wollten sich niemals
Verlassen
Sie schworen sich Liebe
Über den Tod hinaus

Der junge Mann
Mit den blauen Augen
Unschuldig wie ein
Wolkenloser Himmel
Dem verträumten Mund und
Den lustigen Segelohren
Sagte

Ich will dich lieben
Ich will dich beschützen
Ich will dich hegen
Ich will dich pflegen
Nur du bist mein Leben
Du bist die schönste

Die klügste
Die zärtlichste
Die beste Frau der Welt
Ich werde dich niemals verlassen
Heirate mich
Werde meine Ehefrau

Die wunderschöne Frau
Mit den herrlichen grünen Augen
Tief wie das Meer
Geheimnisvoll wie die Dunkelheit
Zärtlich wie die Sonne
Wenn der Tag beginnt
Erwiderte

Ich liebe dich
Doch ich kann dich nicht heiraten
Ich habe schon einen Mann

Da wurden Beide sehr traurig
Und diese Traurigkeit machte
Sie stumm
Wenn nun der junge Mann
Die wunderschöne Frau küsste
Waren seine Lippen kühl
Sein Blick kalt

Die wunderschöne Frau spürte
Wie sich der eisige Ring
Wieder um ihr Herz legen wollte
Sie aber wollte nicht wieder vereisen
Sie wollte leben
Sie wollte lieben

Sie wollte nicht wieder zurück
In die Dunkelheit
Zu lange hatte sie
Auf die Liebe warten müssen
Und sie weinte blutige Tränen

Doch der junge Mann sagte

Ich werde dich verlassen
Ich habe eine andere Frau kennen gelernt
Diese will ich lieben

Das Herz
Der wunderschönen Frau erstarrte
Der eisige Hauch des Todes
Hatte es gestreift
Ihre grünen Nixenaugen erloschen
So viel hatte sie geweint

Und das kastanienbraune Haar
Das im Licht schimmerte wie rotes Gold
Verlor seinen hellen Glanz
Der süße Mund sinnlich
Wie die Liebe selbst
War gezeichnet von der Bitterkeit
Tiefen Leids

Sie sprach zu dem jungen Mann

Ich werde sterben
Wenn du mich verlässt
Dann verliert mein Leben
Seinen Sinn
Ich glaubte an die Liebe
Ich glaubte an dich

Doch du hast dein Wort gebrochen
An deinem nächsten Geburtstag
Werde ich verschwunden sein
Du wirst mich niemals wieder sehen
Doch glücklich werden wirst du nicht
Niemand kann sein Glück
Auf dem Unglück eines Anderen bauen

Doch der junge Mann hörte nicht auf sie

Die wunderschöne Frau aber
Verschwand wie sie gesagt hatte
An seinem nächsten Geburtstag

Da wurde der junge Mann
Mit den blauen Augen
Unschuldig wie ein wolkenloser Himmel
Dem verträumten Mund
Und den lustigen Segelohren
Sehr traurig

Er schnürte sein Ränzlein und zog in die Welt
Die wunderschöne Frau zu suchen

Die Frau
Mit den grünen Augen
Tief wie das Meer
Geheimnisvoll
Wie die Dunkelheit
Zärtlich wie die Sonne
Wenn der Tag beginnt

Die Frau mit dem süßen Mund
Sinnlich wie die Liebe selbst
Die Frau mit dem lockigen Haar
Das die Farbe reifer Kastanien hatte
Und im Licht schimmerte wie rotes Gold

Und er weinte seine Tränen
Er weinte die bitteren Tränen
Der Reue
Und er weinte die Tränen
Der unvergänglichen Liebe

Doch die wunderschöne Frau sah er nie wieder

Und er wollte doch ihr Bodyguard sein


***
 
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Kommentare  

hallo, nightshade, danke für dein feedback. ich finde nicht, dass du lamentierst. wenn das gedicht fragen aufwirft, und besonders diese ethisch moralischen, und zum nachdenken anregt, ist es gelungen.
lg
rosmarin


rosmarin (09.04.2006)

Es ist eine schöne Geschichte - und sie hat ein passendes Ende.
Mir geht sie nah, denn sie wirft so schmerzhafte Fragen nach wahrer Liebe, wahrer Treue und standhafter Tugend in mir auf. Gibt es niemanden mehr, der tatsächlich weiß, was er sagt und sich an sein Wort gebunden hält? Gibt es ein "gemeinsames" Wort? Oder gibt es nur noch Strohfeuer?!
... aber ich lamentiere, Rosmarin, verzeih.
*lächel*


nightshade (09.04.2006)

hallo, ich danke euch für die netten kommentare und wünsche euch auch ein wunderschönes wochenende.
lg
rosmarin


rosmarin (08.04.2006)

es hat mir sehr gut gefallen.Sehr beeindruckend und tiefsinnig. Wie das Leben halt so sein kann.auch von mir ein schönes wochenende ..lg Yvonne

Yvonne Konduschek (07.04.2006)

Sabine hat eigentlich schon alles gesagt. Was mir so spontan einfällt: manchmal ist das Glück wie ein kleiner Vogel, der sich für einen kurzen Moment auf Deine Hand setzt. Festhalten kannst Du ihn nicht, aber wenn er wegfliegt, nimmt er Deine Seele mit.
Sehr gefühlvoll.
LG
Christa


CC Huber (07.04.2006)

Hallo, sehr schön geschrieben, leidenschaftlich, romantisch, tragisch... Die Bilder gefallen mir und das Ganze hat etwas Märchenhaftes, das gefällt mir besonders gut. lg und ein schönes Wochenende, Sabine

Sabine Müller (07.04.2006)

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