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Amys kleiner Laden

Schauriges · Kurzgeschichten
Mit quietschenden Reifen hielt der Pickup vor dem kleinen Laden. Während Tommie der muskulöse schwarzhaarige Junge heraushüpfte, zündete der alte Jeremiah sich genüsslich eine Pfeife an. Tommie wischte sich die schweißnassen Hände an seiner engen verwaschenen Jeans ab, zupfte sein schwarzes, verschwitztes Collegeshirt zurecht und ließ die Ladeklappe herunter. Dann schnappte er sich die große Kiste, wuchtete sie auf seine Schultern und stieß mit Ellenbogen und Hüfte die Ladentür auf. Aufschnaufend stellte er die grüne Holzkiste auf der Theke ab und schaute sich neugierig im Laden um. Er war heute das erste Mal in dem Städtchen. Der alte Jeremiah hatte ihn als Handlanger eingestellt.
Plötzlich hörte er hinter sich eine dunkle Frauenstimme. Er hatte nicht bemerkt, das sie hereingekommen war und zuckte heftig zusammen.
“Was sehe ich da, ein strammer Junge, der dem alten Jeremiah hilft? Wo ist er denn, er hat sich bestimmt ein Pfeifchen angezündet und die Augen geschlossen. Du bist ganz schön schreckhaft. Ich will dich doch nicht gleich fressen" kicherte sie mit hochgezogenen Augenbrauen. Dabei glitten ihre Augen neugierig über seinen ansehnlichen Körper und schienen jedes Detail aufmerksam in sich aufzunehmen.
„Lass sehen, was du mir heute bringst.“ Geschäftig durchwühlte sie den Korbinhalt und stellte alles auf die Theke während sie murmelte
„Hmm der Käse..sehr schön.. die Lammkeule.. der Schinken.... Tomaten, Gurken, Kräuter... hmm“
„Was ist mit Rosmarin und Thymian Jüngelchen? Hat der Alte mal wieder vergessen.“
Tommie schaute verlegen auf den Boden „Ich könnte noch einmal kommen, nachher, das macht mir nichts.... Ich muss sowieso noch nach einem Zimmer schauen.“
„Das trifft sich gut..“ kicherte Amelie, „lauf nur und hol die Kräuter. Ich plaudere noch ein wenig mit Jeremiah. Lauf nur, ich sag ihm schon Bescheid.“ Verlegen spürte Tommie, wie sie ihm den Hintern tätschelte, dann schlängelte er sich durch die Ladentür und lief, seinen Auftrag zu erledigen.
Amelie goss einen Schnaps ein und ging durch die Tür nach draußen um mit Jeremiah zu plaudern.
Draußen peitschte der Regen an die Scheiben, als Tommie völlig durchnässt hereinschlüpfte. Er schüttelte sich, Shirt und Jeans klebten wie eine zweite Haut am Körper. Amelie musterte ihn kichernd „Du schaust aus, wie ein gebadeter Kater. Warte, sagtest du nicht du suchst ein Quartier für die Nacht?“
Tommie nickte und legte die Kräuter auf die Theke.
„Ich lass dir ein heißes Bad ein, koche dir derweil einen Kräutertee und dann legst du dich in die Wanne und wärmst dich auf. Zieh dich aus und leg mir deine Sachen vor die Badtür. Ich trockne dir deine Kleider und gebe dir für den Abend einen Bademantel. Ich zeige dir gleich mal dein Zimmer.“
Amelie fasste ihn am Arm und schob ihn durch die Hintertür eine schmale Treppe hinunter. Dann zeigte sie ihm zuerst ein kleines Zimmer mit einem bequemen Bett darin.
„So zieh dich schon mal aus, ich lasse derweil das Wasser ein. Das Bad ist gleich über den Flur.“
Lachend betrachtete sie sein verlegenes Gesicht, das rot angelaufen war.
„Keine Angst Tommie, deine kleinen Geheimnisse interessieren mich nicht, ich bin eine alte Frau, hihi. Aber ich gehe ja schon.“
Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, zog er das T-Shirt über den Kopf, wand sich mühsam aus seiner engen Jeans und streifte Slip und Socken ab. Dann steckte er vorsichtig den Kopf durch die Tür und huschte splitternackt über den Flur ins Bad. Tommie meinte ein leises Lachen zu hören. Vorsichtig stieg er in die Wanne und wärmte sich im heißen Schaumbad auf.
Amelie stand in der Küche und formte aus Teig ihre feinen Pasteten. Die Kräuter waren kleingehackt und die Lammkeule fein durchgedreht. Amelie betrachtete den Schinken, befühlte das Fleisch, schüttelte den Kopf und überlegte. Sie summte leise vor sich hin „Warte, warte nur ein Weilchen.....“.
Dann nahm sie das große Fleischermesser und stieg die schmale Treppe hinunter.
Amelie nahm sich den Schinken und entbeinte die saftige Keule, dann entfernte sie die Schwarte. Sie achtete darauf einen Teil der Fettschicht am Fleisch zu lassen. Das gab ihm die unvergleichliche Saftigkeit, die ihre Kunden so schätzten.
Erst schnitt sie das zarte Fleisch in kleine Würfel, dann drehte sie es durch den Fleischwolf. Jetzt nahm sie sich den zweiten Schinken vor und verarbeitete ihn auf die gleiche Weise. Dann wurde das Hackfleisch gesalzen und gepfeffert und mit reichlich Kräutern gewürzt.
Sie füllte das Schinkenfleisch in die Pasteten, ebenso das Lammfleisch, bestreute mit reichlich geriebenem Käse und schob die Bleche in den vorgeheizten Ofen. Bald durchzog ein unbeschreiblich köstlicher Duft die Backstube.
Gähnend betrat ihre Tochter Andrea die Backstube. „Kann ich helfen, Mütterchen?“
„Kümmere du dich um das restliche Fleisch im Kühlraum. Mach so viel Steaks wie es geht, den Rest nimmst du für das Stew. Wir kochen wieder einen großen Kessel fürs Altenheim. Die Alten mögen es, wenn das Fleisch schön weich ist. Schau noch mal, ob das Bad sauber ist, wisch am besten noch mal drüber. Ach und nimm den Schinken, den Jeremiah geliefert hat, vom Tresen. Der ist ein wenig zu zäh, den werde ich räuchern.“

Das Telefon klingelte.
„Hast du Tommie gesehen Amelie? Er wollte heute früh um sechs da sein, um mir bei den Auslieferungen zu helfen.“
„Tommie? Nein ich habe ihn nicht mehr gesehen, ist das der Bursche der gestern mit bei mir war? Du wirst ihn zu schwer haben schuften lassen, Jeremiah. Ich muss jetzt Schluss machen, die Kunden warten schon. Es gibt wieder die köstlichen Schinkenpasteten, soll ich dir ein paar aufheben?“ Dann legte sie den Hörer auf.

Ende
 
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Kommentare  

Ich habe ein wenig an der Story weitergeschrieben. Demnächst hier:
Arbeitstitel: Wilburs Place


Wolfgang scrittore (12.12.2007)

Da kann ich mich nur anschließen.

Sabine Müller (17.11.2007)

Hallo Wolfgang,
schöne schaurige Geschichte - mit viel Phantasie geschrieben - hat mir sehr gut gefallen


Jule Scholz (05.08.2006)

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