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Der Dieb im Schatten

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Er hörte die flüsternden Stimmen der Männer in dem so düster wirkenden weiten Clubsaal, die in einem Kreis, dicht beieinander sitzend, sich nach vorn beugten, damit ihre neugierigen Ohren näher zusammen kamen. Als müssten sie sich davor fürchten, etwas von ihrem unentbehrlichen Geheimnis Preis zu geben.
Die Stühle knarzten, aber es schien niemand im großen Clubsaal der Bibliothek zu stören.
Für Sekunden schloss ein Mann im verborgenen Schatten des Clubsaals die Augen und konzentrierte seine Sinne auf die Stimmen, die im Inneren des weiten Raumes zu hören waren. Wie das Feuer der Kerzen, die in einem Leuchter auf dem großen runden Tisch standen, loderte seine Neugier in ihm, dass zu erfahren, was er wissen musste.
Ein verstohlener Blick glitt durch den Clubsaal, als ahne er ein sich anschleichendes Unheil, wenn er mit seinen suchenden Blicken durch den ruhigen Raum fuhr und in die Gesichter sah, die ringsum in einer Gruppe saßen.
Da saß er nun, zurückgezogen in der dunkelsten Ecke des geräumigen Clubsaals, ein aufgeschlagenes Buch im Schoss und mit den Ohren ganz woanders. Seine rechte Hand fuhr vorsichtig über das raue Papier des Buches, während seine Augen nach einer bestehenden Möglichkeit suchten, die flüsternden Stimmen weiter einzufangen, die leise, aber doch gespenstisch durch den Raum drangen.
Allein das Licht der Kerzen lies den Clubsaal in ein düsteres Antlitz fallen, wohingegen die grotesken Schatten, die gegen die gefüllten Bücherregale fielen, wie stille Beobachter wirkten, die diese unheimliche Atmosphäre noch verstärkten.
Er frönte sich in dem Gefühl, von niemandem entdeckt zu werden, da seine Gestalt durch den ferneren Kerzenschein auf dem runden Lesetisch nicht eingefangen wurde. Er war schwarz bekleidet, trug schwarze hohe, lederne Stiefel, die nahezu bis zu seinen Oberschenkeln wanderten und mit Lederbändern zusammengeschnürt waren. Eine weite Kapuze, die an seinem scheinbar endlos langen Mantel angebracht war, hing auf seinen Rücken herunter. Seine Hände waren in den tiefen Taschen des Mantels verschwunden. Sein Gesicht streifte ein schmaler Kerzenschein, als ein Beauftragter der Bibliothek ein Buch in das Regal zurückschob. Für einen Augenblick erschrak der Bibliothekar, als er den zornigen Blick des Mannes entdeckte, der regungslos im Stuhl saß. Ein beklommenes Gefühl durchfuhr den Beauftragten, der schnell wieder seines Weges ging.
Ein kleiner Junge störte die beschauliche Ruhe, als er in den Clubsaal eintrat. Die Männer horchten auf, als er die Tür hinter sich schloss und den Raum betrat. Ein blauer Nebelschleier aus Tabakrauch hing in der Luft und durchzog den gesamten Saal.
Schwer atmend kam der Junge den Männern näher. Seine Augen offenbarten Angst und sein Körper wirkte unschuldig und gezeichnet. Er fror und wog sich glücklich, als er für diesen Moment seines Lebens, die wenige Wärme schöpfen konnte. Er trug zerschlissene Stoffschuhe, schmutzige Kleidung und was noch erstaunlicher war: Seine Hand war blutverschmiert. Zitternd hielt er einen Brief in der Hand. Er stellte sich den entsetzt schauenden Blicken der Männer und sah sie mit glasigen Augen an. Aber dann, nachdem er sie alle sorgfältig betrachtet hatte, wandte er sich um und warf seinen Blick durch den weit, sich nach hinten ziehenden Clubsaal. Entgegen all seinen Vorstellungen konnte er dort eine dunkle Figur sitzen sehen. Die Männer jedoch starrten nur in eine dunkle Ecke, wo nichts sein durfte. Doch sie irrten sich.
Der Junge lief geradewegs auf den stillen Mann zu, der sich im Dunkeln seiner Sicherheit währte. Trotzdem blieb er ruhig und quälte sich zu einer inneren Stille, denn ihn überfiel ein unbeschreibliches Gefühl von Gefahr.
Der Junge streckte den rechten Arm aus und hielt in seiner geschundenen Hand einen grauen Umschlag. Er hatte Angst, er fürchtete sich vor dem geheimnisvollen Mann, der den Jungen mit seinen funkelnden Augen anstarrte. Er übergab den Umschlag. Jetzt streckte der geheimnisvolle Mann seine Hand aus. Zaghaft näherte sich der Junge mit seiner Hand, bis ihm ein Goldstück in die Hand fiel. Daraufhin rannte der Junge aus dem Clubsaal. Er war schneller verschwunden, als der Mann den Umschlag zwischen seinen Fingern spüren konnte. Der Umschlag war rau und er fühlte, dass er gefährlich war. Er betrachtete das Siegel, welches die Unversehrtheit dieser darin liegenden Botschaft gewährte. Es schien einen verwunderlichen Eindruck auf ihn auszuüben. Kunstvoll ineinander verschlungene Ornamente bildeten in ihrer augenscheinlichen Schönheit einen Kreis, der von einer Raute, die an ihren Spitzen rund zusammenliefen und in eine andere Richtung schlugen, eingefasst war.
Vorsichtig öffnete er den Umschlag, dass Siegel zerbrach.

Vertrauen bedeutet den Starken Schwäche,
doch den Schwachen Stärke.
Weisheit und Gleichgewicht entstehen durch
die Kenntnis der eigenen Natur.

Wenn die dunklen Wolken kommen, der Tag zur Nacht wird,
wenn es dämmert, dann ist es soweit.

Ich erwarte Sie. Garett.

Er brauchte sich keiner Überlegung zu bemühen. Er kannte Garett gut. Lange hatte er auf solch eine Botschaft gewartet. Er legte sie zurück in den Umschlag. Dann atmete er tief ein und erhob sich aus seinem Stuhl. Ein schelmisches Grinsen fuhr durch sein Gesicht, als er wie ein Gespenst unbemerkt an den Männern vorbeischlich und den Clubsaal nichtssagend wieder verließ.
SabineB am 13.11.2001: Es war schon dunkel als Thomes die Bibliothek verließ. Ein kalter Wind blies ihm ins Gesicht, sodass er seine Kapuze tiefer ins Gesicht zog. Es musste geregnet haben, denn das Kopfsteinpflaster glänzte nass im Schein der wenigen Gaslampen, die an den Straßenrändern standen.
Thomes hielt noch immer den Brief in Händen, er wusste im Grunde nicht warum, denn er kannte den Weg zu Garetts Anwesen. Er ließ den Brief in seine rechte Manteltasche gleiten und beschloss, sich sogleich auf den Weg zu machen.
Garetts Anwesen lag am anderen Ende der Stadt. Thomes hatte einen langen Weg vor sich. Die kalte feuchte Luft ließ ihn schneller gehen, denn das Wetter war für ihn wirklich unangenehm. Er liebte dieses nasskalte Wetter nicht sonderlich, daher zog er seinen Kapuzenmantel enger.
Die spärlichen Lichter der Gaslaternen begleiteten seinen Weg. Unweigerlich musste er an Garett denken. Garett... war einmal sein Lehrer gewesen. Er war sogar ein verdammt guter Lehrer gewesen!
Thomes M. Damon wuchs Elternlos auf und so hatte Garett damals seine Ausbildung übernommen und für dessen Erziehung gesorgt. Nun war er besser als sein eigener Lehrmeister. Die Jahre hatten aus ihn einen Profi gemacht. Sie hatten ihm gezeigt, was es heißt zu stehlen und zu rauben... er war ein Meister geworden, wie es Garett einst war.
Thomes sah einige Männer der Stadtwache in den Strassen patrouillieren. Diese gefährlichen Männer trugen immer auffällige Kleidung. Mit ihrem schwarzen Mänteln und ledernen Uniformen, die im Brustteil ein weisses grosses Kreuz eingearbeitet hatten, waren schon von Weitem zu erkennen. Wie gefährlich diese Wachen waren zeigten manchmal ihre Gürtelhalter in denen jeweils zwei scharfe Pistolen steckten. Sie sollten für Ruhe sorgen in der Stadt. Was eigentlich nie nötig war, denn wenn es Nacht wurde, blieben die braven Bürger in ihren Häusern. Menschen, die nachts durch die Strassen gingen, hielten sich in den Schatten der Nacht auf um nicht aufzufallen. So auch Thomes. Da die Stadt ihn als gesuchten und gefährlichen Dieb ausgeschrieben hatte und er auf der Liste der Stadtwache ganz oben stand, huschte er, wenn die Männer in seine Nähe kamen, lautlos in die wenigen Schatten der Nacht, die die Häuser umgaben. Von den Laternen hielt er sich fern, nur wenn es unabdingbar war, glitt sein Schemen in den Lichtkreis einer Straßenlaterne.
Er befand sich nun am Rande der Stadt. Nebelschwaden zogen über das grobe Kopfsteinpflaster dahin, denn der Wald war nahe. Es war eine gespenstisch wirkende Atmosphäre, der Nebel... die wenigen Häuser und auch weniger Laternen waren auszumachen...
Thomas wusste, dass Garett abgelegen wohnte, aber bei Nacht erschien ihm diese Gegend etwas unheimlich. Die Wachen waren hier nicht mehr anwesend. Diese machten meist im Stadtzentrum ihre Runden.
Thomes blieb einen kurzen Augenblick an einer Straßenkreuzung stehen, orientierte sich kurz, um dann schnellen Schrittes weiter zu gehen. Dort hinten musste es sein... das Anwesen von Garett.
Die hohe Gartenmauer versperrte die Sicht auf das Haus, das Garett sein Eigen nannte.

Thomes gelangte an die schmiedeeiserne Gartentüre und sah auf das stattliche Haus. Spielerisch öffnete er das Vorhängeschloss im Handumdrehen mit einen seiner Spezialdietrichen um in den Vorhof zu gelangen.
Es war typisch für Garett, dass er seinem einstmaligen Schützling kleine Hindernisse in den Weg legte, die Thomes nur allzu gut kannte. Für ihn stellten diese ?Unannehmlichkeiten? kein Problem dar, er war ein Meisterdieb.
Für Garett war jeder Schritt eine Herausforderung, für Thomes nicht, er hatte nur ein wohlwollendes Lächeln auf den Lippen als er an die stattliche Haustüre herantrat.
Diese war unverschlossen.
Er trat ein.
Sein Blick flog über die weite Eingangshalle, die eine kostbare Einrichtung aufwies. Eine prunkvolle Treppe zog sich im Halbkreis nach oben in den ersten Stock. Zu seiner rechten Seite stand eine teure antike Standuhr an der Wand, die mit kunstvollen Ornamenten ausgestattet war. Teakholz... tippte Thomes, der den Wert von echtem Teakholz kannte und auch sehr schätzte.
Gemütliche kleine Chaisselongs standen an den Wänden, die regelrecht zum Warten einluden. Aber Thomes war nicht hier her gekommen um zu warten, er begab sich zur Treppe.
Thomes Blick glitt nach oben an die Zimmerdecke. Ein wahrlich pompöser Lüster war in der Eingangshalle an der Decke befestigt. Viele kleine kristallene geschliffene Edelsteine waren Bestandteil dieses Lüsters, sie funkelten in allen erdenklichen Farben. Solch einen Lüster hatte Thomes noch nie gesehen. Er war fasziniert von den Schatten, die diese Edelsteine auf die Wände projizierten.
Das Empfangszimmer lag im ersten Stock, das wusste Thomas noch. Seine Schritte waren kaum zu hören, denn ein dicker taubenblauer Teppich war über die Stufen gespannt worden, mit dünnen Messingrohren beschwert, die in den Treppenkanten lagen, die seine Schritte erheblich dämpften.
Vielleicht konnte er seinen früheren Herrn und Meister überraschen?
Diesen Gedanken hatte Thomes, als er den Flur des ersten Stockes betrat. Ölgemälde waren in dem Flur zu seiner Linken und Rechten angebracht worden. Einige kannte Thomes, es waren Unikate von berühmten Malern, aber auch ihm Unbekannte waren darunter.
Aber das interessierte Thomes jetzt nicht. Er ging auf eine ornamentvoll verzierte Mahagonitüre zu, wo er wusste, dass sich das Arbeitszimmer seines einstigen Lehrers dahinter verbarg.
Seine rechte Hand näherte sich langsam dem Türgriff...und er drückte die Klinke nieder.
?Was würde ihn erwarten??, überlegte Thomes im Stillen.
Er betrat den Raum und sah sich um.

 
Ingo Löchel am 29.11.2001: ?Willkommen Thomes?, hörte er die Stimme seines einstigen Lehrers sagen.
Er hätte es wissen müssen. Schon früher hatte Garett die Menschen an ihren Schritten erkannt, denn jeder besaß seinen eigenen für sich typischen Gang, der unverwechselbar war.
Nun betrat er die Bibliothek und sah sich mit einer Gestalt konfrontiert, die in einem hohen Ledersessel saß und eine weitläufige Kutte mit Kapuze trug, die vollends ihr Gesicht verdeckte.
?Schön, daß du gekommen bist, meine Junge. Setz dich!?
Die Gestalt deutete auf den zweiten, noch freien Ledersessel. Unerwartet zog Garett die Kapuze zurück, was Thomes zuerst einen großen Schrecken versetzte. Noch nie hatte er das Gesicht seines Lehrers gesehen. Ein Tabu, das jeder Schattendieb zu Beginn seiner Ausbildung lernen mußte.
Garett grinste. Als er sein Gesicht ihm offenbarte, wies es kein bestimmtes Alter auf. Ein Vollbart lies die ebenso schwachen Konturen seiner zurückhaltenden Mimik verschwinden. Es wirkte eingefallen und hager und hatte die Farbe eines Menschen, der sich nur sehr selten Draußen aufhielt.
?Du wunderst dich bestimmt, warum ich das getan habe. Um dich zu beruhigen, Thomes, was du siehst, ist nicht das Gesicht, was du zu Anfang glaubtest, zu sehen ??
?Ich verstehe nicht ...?, sagte Thomes Stirnrunzelnd.
Garett grinste hintergründig.
?Das brauchst du auch nicht. Wie Janus hat jeder von uns zwei Gesichter. Komm steh auf, mein Junge, und laß dich umarmen!?
Thomes wunderte sich über diesen seltsamen Empfang. War sein früherer Lehrer etwa mit den Jahren senil und weich geworden?
?Kann ich dir etwas zu trinken anbieten??
Thomes schüttelte den Kopf. ?Nein, danke. Du weißt so gut wie ich, daß man als Dieb immer einen klaren Kopf bewahren muss.?
?Stimmt, aber du bist nicht als Dieb hier, sondern als Gast.?, beharrte Garett auf sein Angebot.
Für einen Moment herrschte Schweigen.
?Also, warum hast du mich zu dir gerufen??, versuchte Thomes dem Anliegen seines Gegenübers auf den Grund zu gehen.
?Du kommst wie immer gleich auf den Punkt, das fand ich an dir schon immer faszinierend. Ich hoffe, du bist unbemerkt zu meinem Haus gelangt??
?Die Wächter haben mich nicht gesehen ...?
?Nichtsdestotrotz sind sie gefährlich. Zwar nicht so gefährlich wie der Schwarze Adel, aber sie können einen auch schon ziemlich auf die Nerven gehen.?
?Der Schwarze Adel??
Garett nickte.
?Ja, sie sind die eigentlichen Herrscher dieser Stadt. Ihnen gehören die meisten Gebäude und Grundstücke. Aber nicht nur das. Sie haben sich auch zu einem ominösen Geheimbund zusammengeschlossen, der böses plant.?
?Wer verbirgt sich hinter diesem Schwarzen Adel??
?Die Reichen der Stadt, die Kaufleute, Adelige, es könnte jeder in der Stadt sein, sieht man von dem Pöbel und Niederen einmal ab.?
Garett machte eine kurze Pause, um seinen weiteren Worten Nachdruck zu verleihen.
?Sei aber nicht zu neugierig, Thomes, oder willst Du so enden wie Isaac??
?Er war kurz vor der Lösung des Rätsels, als sie ihn schnappten.?
Garett nickte ernst.
?Ja, und er verschwand spurlos. Seine Leiche wurde nie gefunden. Wahrscheinlich liegt sie jetzt irgendwo im Wald verscharrt oder ist Futter für die Fische im Fluß geworden.
Wer weiß das schon zu sagen? Was macht eigentlich Shannon??, fragte er Thomes plötzlich, um das Thema zu wechseln.
Der junge Dieb verzog das Gesicht, als hätte er auf eine Zitrone gebissen.
?Ich weiß nicht, was die Verrückte treibt. Ich habe sie, seit sie uns verlassen hat, nicht mehr gesehen.?
?Das ist nun schon einige Jahre her. Habt ihr beiden euch immer noch nicht vertragen? Du weißt doch, daß sie schon als kleines Mädchen hinter dir her war und es auch heute noch ist.?
?Schön für sie, aber ich nicht. Hat sie sich bei dir gemeldet??
Garett nickte.
?Ja, bis vor kurzem hatte ich noch Kontakt zu ihr, bis er auf einmal abriss. Wieso weiß ich nicht, noch nicht. Sie war neben dir meine beste Schülerin und ich lasse meine Schüler nie im Stich. Aber das weißt du ja.?
?Ja, du hast mir alles beigebracht, was man als Schattendieb wissen muß ...?
?Mehr noch?, unterbrach ihn sein ehemaliger Lehrer, ?du hast deinen alten Lehrer inzwischen überflügelt.?
In der Stimme war kein Anflug von Neid.
?Aber Garett, du hast mich doch nicht zu dir gerufen, um über alte Zeiten zu sprechen. Also, was ist der Grund, warum du mich zu dir gebeten hast??
Garett grinste wieder.
?Noch immer so scharfsinnig wie früher. Aber du hast Recht. Du sollst etwas für mich stehlen. Etwas sehr wertvolles und kostbares.?
In seiner Stimme hörte man die Ehrfurcht dessen heraus, wovon er zu sprechen vermochte. Selbst das Gespräch schien ihn ein wenig nervös zu machen, obwohl er dieses oberflächliche Gefühl im Griff zu haben schien.
Thomes schaute verwundert. ?Warum tust du es nicht selbst??
Wie eine Antwort auf seine Frage tauchte plötzlich die rechte Hand Garetts aus dem Ärmel der Kutte auf, die nur noch drei Finger besaß.
?Ein kleiner Unfall, mein Junge. Wie du siehst, kann ich mit dieser Hand auf keinen Beutezug mehr gehen.?
Thomes schien sichtlich geschockt. Für einen Dieb gab es nichts schlimmeres, als seine Hand oder seine Finger zu verlieren.
?Tut mir Leid ...?
?Ich kann damit leben, Thomes. Meine Zeit als Meisterdieb und Lehrer ist schon lange vorbei. Du und Shannon ward meine beiden letzten Schüler. Nun bist du der neue Schattenmeister.?
?Und Shannon??
Garett nickte.
?Sie auch. Aber sei vor ihr auf der Hut ...?
?Ich verstehe nicht ...?
?Sie arbeitet mit Leuten zusammen, die gefährlich sind.?
?Der schwarze Adel??
?Nein, mit diesen Leuten hat sich nichts zu schaffen ...?
Thomas nickte.
?Hast du schon mal etwas von der Schwarzen Rose gehört??
Irgendetwas schien Garett zu verschweigen. Thomes spürte das. Er dachte einige Zeit lang nach.
?Ja, das Amulett war im Besitz von König Richard III., dem letzten aus der Familie von York, der in der Schlacht von Bosworth verraten und getötet wurde. Es soll sich um ein magisches Artefakt handeln.
Garett nickte.
?Ich wußte doch, daß ich dir das richtige beigebracht habe. Es galt viele Jahrhunderte als verschollen, aber vor etwa einem Jahr tauchte es wieder auf. Es ist nun im Besitz von Sir Arthur Conway, übrigens einem Mitglied des sogenannten Schwarzen Adels ...?
?Aber du hast mir doch eben gesagt, du wüßtest nicht, wer sich hinter diesem Begriff verbirgt??
?Tue ich auch nicht, aber mir sind einige Leute bekannt, die dem Schwarzen Adel und ihrem Geheimbund angehören. Und Sir Arthur Conway ist ein sehr mächtiger Mann. Nicht nur in der Stadt selbst ...?
Thomes nickte.
?Ich hatte bereits einmal das Vergnügen ihm zu begegnen.?
Sein ehemaliger Lehrer grinste.
?Ich hörte davon und darum habe ich dich auch zu mir gebeten.?
Er griff mit der linken Hand, die unbescholten geblieben war, ins innere seiner Kutte und kam mit einem zusammengerollten Pergament heraus.
?Dies ist die einzige noch existente Zeichnung des magischen Amuletts. Beschütze sie mit deinem Leben. Sie ist sehr wertvoll!?
Garett überreichte Thomes das Pergament.
?Wo hält Sir Conway das Artefakt versteckt??
?In seinem Anwesen am Rande der Stadt.?
?Kenne ich. Ich war dort schon einmal als Gast, als er eine seiner vielen dekadenten Parties gab. Hast du einen genauen Plan, wo die Schwarze Rose genau versteckt ist??
?Ja, aber der Narr hält das Amulett nirgendwo versteckt. Er hat es in einer Glasvitrine ausgestellt, wo jeder Besucher es bewundern kann.?
?Er hat was??
?Ja, aber es wird schwer bewacht. Mindestens ein Dutzend der Wächter stehen Tag und Nacht vor der Vitrine und lassen keinen näher als einen Meter heran.?
Garett überreichte dem neuen Schattenmeister den Gebäudeplan.
?Wie sieht die Bezahlung aus, sollte ich mich entscheiden die Schwarze Rose zu stehlen??
?Sind 10.000 Goldstücke genug??
Thomes überlegte. 10.000 Goldstücke waren ein kleines Vermögen. Mit diesem Geld hatte er für die nächsten Jahre ausgesorgt. Aber warum soviel Gold für ein Amulett, das einst im Besitz von König Richard III. gewesen war?
Thomas nicke schließlich als Antwort.
?Gut, das Geld ist bereits auf deiner Bank auf deinen Namen deponiert.? Garett sah seinen ehemaligen Schüler an. ?Was willst du jetzt tun??
Thomes sah sich kurz um, bevor er mit seinem konzentrierten Blick zu seinem einstigen Lehrer zurückkehrte. ?An die Arbeit gehen.?
 
Marco Frohberger am 26.01.2002: In dunklen finsteren Nächten möge er streifen, ohne ein Wort zu sprechen und ohne einen Schritt zu wagen, als das er bemüht ist, im Dunkeln zu bleiben, die anderen zu täuschen und sich selbst zu treiben, durch die Schatten er wird schleichen, wie ein Dieb, er sie alle wird bezwingen, sie in die Enge treiben und sie für immer beherrschen, mit all seinem Mut, dessen Kraft er aus nur einer Weltordnung schöpft, aus seiner eigenen!
Wie besessen starrte Thomes auf das Gebäude, welches er letzte Nacht besucht hatte. Dort wohnte Garett, sein Auftraggeber. Was ihn zurückführte war die Tatsache, dass er schwächer war als sein Misstrauen dem unmöglichen gegenüber. In seinem Kopf schwebten die Gedanken um das viele Geld, das Thomes bereits besaß, ohne dass er etwas dafür hätte tun müssen. Dieses merkwürdige Artefakt, welches er zu beschaffen hatte und dessen unglaublich hohen Wert, dessen er sich nicht Bewusst war. Es schien Garett schon sehr viel daran zu liegen, ansonsten wäre nicht soviel Geld im Spiel. Auch die merkwürdigen Andeutungen auf Shannon hin ließen ihn nicht los. Etwas Seltsames steckte dahinter, nur wusste Thomes noch nicht so recht, was es war.
Wie eine steinerne Statue lehnte er abgestellt gegen die kalte Mauer eines fremden Anwesens im Dunkeln und starrte mit erkalteter Miene auf das finstere und durch das blasse Mondlicht grob gezeichnete Anwesen. Sein Vertrauen Garett gegenüber schwand, je mehr er an die unbekannten Details dieses Auftrages dachte. Er wollte sich nicht gegen seinen einstigen Herrn stellen, doch sich selbst seiner Sicherheit überlassen, so musste er Vorsicht dem Unbekannten gegenüber walten lassen. Fehler konnte er sich nicht leisten. Schließlich war er ein gesuchter Mann, der nicht lange in den Fängen des Bösen überleben würde.
Er lies die gefährlichen Wachen an sich vorüberziehen und näherte sich dem Anwesen. Er kannte das Umfeld, die Kleinigkeiten, denen er aus dem Weg zu gehen hatte. Also verlor er nicht viel Zeit, als er ein nächstes Mal in das Gebäude einbrach. Er spürte die Kälte, die unter der Tür nach draußen drang. Stirnrunzelnd versuchte er durch das gesprungene kleine Fensterchen in der Türe etwas zu erkennen. Aber da war nichts. Mit zurückhaltender Ehrfurcht drehte er den Türknauf und die Tür sprang aus ihrem Schloss. Ein kleines Klicken schweifte davon in die Nacht hinein. Niemand hatte etwas bemerkt. Sein Herz schlug schneller und der Gedanke, etwas falsch tun zu können, schoss ihn durch den Kopf. Die Entscheidung zwischen Richtig und Falsch hatte er bereits getroffen.
Wie ein Mönch in seiner Kutte warf er den Schatten seinesgleichen an die Wand. Als er eingetreten war, fiel die Tür zurück ins Schloss. Er erschrak nicht. Seine Augen fuhren durch das dunkle wie seine Gedanken und Sinne, die versuchten, etwas zu spüren, zu fühlen. Dem war nicht so. Er stand in einem verlassenen Raum. Die Kälte wickelte ihn ein wie der Schleier die kleinen engen Gassen in der Stadt. Der Raum wirkte alt und lange verlassen. Es roch modrig und die Wände machten den Eindruck, als wäre sie schon lange eingefallen.
Thomes konnte es nicht glauben. Eine Nacht zuvor war er hier gewesen und konnte zuerst seinen Augen nicht trauen, da ihn die Einrichtung beeindruckte. Aber jetzt konnte er wieder seinen Augen nicht trauen.
Geistesgegenwärtig lief er die Treppe nach oben in den Raum, wo er Garett angetroffen hatte. Doch auch dort fand er nur Leere vor, ein brachliegendes Zimmer, in dessen Boden die Dielen bereits eingebrochen waren. Was sollte er jetzt denken, was fühlen? War er einer Verschwörung aufgelaufen oder einer Falle? Musste er sich in Acht nehmen, wenn vielleicht gleich die Wachen hereinstürmten um ihn zu töten? Konnte er seinem Auftraggeber noch vertrauen?
Es ist nicht die Wahrheit, die schmerzt, es ist ihre plötzliche Erkenntnis.
Nur ein Schritt weit war er von der Entscheidung entfernt, von hier Fortzugehen, in ein anderes Land, wo nicht nach ihm gesucht wurde. Er setzte hier in dieser Stadt sein Leben aufs Spiel, und für was? Für Geld, Geld, dass sein Leben etwas lebenswerter macht. Er hatte von Kind auf nichts anderes gelernt bekommen. Er konnte nur dieses eine, stehlen. Alles andere ist seither sinnlos für ihn geworden. Freunde hatte er keine mehr. Er war ein Dieb.
Er rollte das Stück Pergament aus, das ihm Garett gegeben hatte um sich ein Bild dessen zu machen, wovon der Auftrag handelte. Wieder saß er im Stillen im Clubsaal der Bibliothek, doch diesmal war niemand zugegen. Er war allein.
Er hielt das Pergament behutsam in seinen Händen, aus Angst, er könnte dieses scheinbar wertvolle Stück zerstören. Ein mulmiges Gefühl brach in ihm auf, er konnte es nicht erklären. Die Kerze flackerte auf, als breche ein alter Fluch sein langes schweigen. Die Zeichnung war mit einem dunklen Kreidestift gemalt worden. Man musste schon genau hinsehen, um es zu erkennen. Die Zeichnung führte in die Geschichte des 12. Jahrhunderts zurück.
Ein wunderschön geflochtenes Band in strahlendem braun und weiß hielt eine ovale Metallscheibe durch zwei an den oberen Kanten angebrachten Schlaufen fest, die auf einem ledernen, der Form der Metallscheibe nahezu angepasst, Untergrund befestigt war. Eine seltsame Figur, die Arme und Beine in eine ungewöhnliche Gebetsposition erhoben hatte, war in der Metallplatte eingearbeitet. Wie das zustande gekommen war, vermochte sich Thomes nicht zu überlegen. Der Form nach war es kein Mensch, der auf dieser Platte abgebildet war. Der Kopf ging weit in die Länge, war viel schmaler und glich nicht einmal im Entferntesten einem menschlichen Schädel. Die Hände waren nicht genau zu erkennen, aber Thomes könnte schwören, dass weniger Finger je Hand zu sehen waren. Er wusste nicht, was er davon halten sollte.
Als er das Pergament wieder einrollen wollte, erkannte er plötzlich eine Inschrift auf der Platte. Erschrocken beugte er sich nach vorn, um sie deutlicher erkennen zu können.
-Ein Gott sie zu bestimmen, ein Feuer sie zu bezwingen, Wasser sie zu binden und Luft sie zu retten-
Thomes stand seiner Sinne entmutigt aus dem Sessel auf und näherte sich dem hellen Kerzenschein. Er hielt das Pergament ins Licht, aber die Schrift war wie von Geisterhand verschwunden. Für Thomes stellte sich die Frage, wieso es für den alt gewordenen Garett soviel Wert war. Das ihm auferlegte Misstrauen lies ihn nicht ruhen, er musste herausfinden, worum es sich da wirklich handelte. Schon bei dem Gespräch hatte er das Gefühl gehabt, dass Garett mehr wusste, als er sagen wollte.
Der Einbruch war nicht mehr lange entfernt. Thomes streifte durch die dunklen Gassen und besorgte sich die Sachen, der er für seinen Auftrag benötigte. Es war nicht viel, lediglich ein paar gut geschliffener Dietriche und andere brauchbare Gegenstände wie chemische Keulen, verpackt in kleinen handlichen Säckchen, sollten seine Flucht auf alle Fälle garantieren, sollte er in Bedrängnis geraten.
Mit jedem Moment mehr, als er an den Einbruch dachte und das Artefakt, um das es sich handelte, umso mehr stieg in ihm seine Neugier. Er musste irgendwie in Erfahrung bringen, was es damit auf sich hatte. Es war nicht einfach für ihn, etwas zu stehlen, von dem er nicht wusste, was es wirklich war und dessen Wert unschätzbar blieb, bis er es letztendlich überprüfen lassen konnte. Daher entschloss er sich, in das Anwesen des Geheimbundanhängers höchstpersönlich einzubrechen, der im Besitz dieses Artefaktes war. Irgendetwas musste dort zu finden sein. Thomes hielt sich nicht lange mit oberflächlichen Überlegungen auf, sondern schritt sogleich zur Tat.
Es war ein altes Eisentor, das ihm den Weg zum Anwesen, in das er einbrechen wollte, versperrte. Nieselregen hatte eingesetzt und durchnässte langsam seinen langen Mantel. Er stagnierte im sicheren Schatten, während die Patrouillen ihre gewohnten Wege abliefen, im innern, wie auch außerhalb des Anwesens. Im richtigen Moment, als der Mond von den dunklen Wolken verdeckt wurde, kletterte er wie eine stille schwarze Katze über das Eisentor und versteckte sich sofort hinter einem Busch, der ihm Schutz bot. In den unteren Geschossen des Anwesens brannte Licht, während in den oberen Geschossen vollkommene Dunkelheit herrschte. Das war seine Gelegenheit, die er ergreifen musste, wenn er wirklich in Erfahrung bringen wollte, um was es sich bei diesem Artefakt handelte.
Er brauchte die langsamen Patrouillen gar nicht erst zu täuschen, denn er gelangte mit guter Sicherheit an das Anwesen. Er schlich um das Haus herum, immer darum bemüht, das Licht zu meiden, es hätte ihn verraten können. Thomes wirkte sehr ruhig und ausgeglichen, er wusste, was er tat. Die Wachen gingen an ihm vorüber, als wäre nichts gewesen. Thomes war in dem Dunkel kaum zu erkennen. Er versuchte sich an der Hintertüre, die leider verschlossen war. Er holte ein kleines Stofftäschchen hervor, das er vorsichtig aufrollte. Gezielt wählte er einen silbern glänzenden Dietrich aus, das Stofftäschchen rollte er wieder zusammen und steckte es in die tiefe Tasche seines dunklen Mantels. Es dauerte nicht lange, da sprang die Türe aus ihrem Schloss. Thomes betrat den Raum und schloss die Türe vorsichtig. Er hörte Stimmen aus einem der Räume, die sich vor ihm auftaten, hervorkommen. Es waren aufgeregte Stimmen, die heftig diskutierend beieinander saßen und sich über jeden anderen erhaben fühlen wollten. Thomes spürte das. Er kam dem Raum näher, in dem sich die Stimmen gegenseitig wie selbst ernannte Gesetzesgeber zu übertreffen versuchten. Die Tür lehnte nur an, sie war nicht verschlossen. Thomes beugte sich nach vorn und lauschte einen Moment lang. Er hörte die eine Stimme sprechen, die Stimme seines Vertrauens. Er konnte sich dabei nicht irren.
?Wir haben nur diese eine Chance, und die müssen wir bei allem Respekt dem Orden gegenüber nutzen und einsetzen, als Waffe derer, die uns versuchen zu zerstören!?, sprach die kratzige raue Stimme. Thomes war entsetzt. Wie zu einer Salzsäule erstarrt, versuchte er sich gegen seine Bewegungslosigkeit zu wehren. Es war Garetts Stimme.
Er musste jetzt die Hinweise finden, die das Artefakt erklären konnten. Sein Vertrauen war erschüttert, wie eine Welt, die in sich zusammenbrach und die unheimlichsten Gedanken heraufbeschwor, an die Thomes niemals glauben wollte. Er fürchtete sich vor dem, was er finden würde.
Plötzlich öffnete sich die Schwingtüre zum anderen Raum und eine Wache trat ein. Sie hielt ihr Schwert nach vorn und beugte sich in den Raum, in dem Thomes stand. Doch bevor die Wache die schemenhafte Gestalt an der Türe stehen sehen konnte, sackte sie in sich zusammen, nachdem Thomes auf sie zugerast kam und ihr einen harten Schlag ins Genick verpasste. Ein dumpfer Schlag auf dem harten Holzboden. Er schaffte den bewusstlosen Körper zur Seite, damit er nicht sofort auffiel. Danach machte er sich sofort auf den Weg ins Obergeschoss. Er musste finden, wonach er gewillt war, zu suchen.
Wie ein unsichtbares Geschöpf nicht von dieser Welt schlich er an den Wachen vorbei nach oben in den ersten Stock. Dort musste es zu finden sein, so erhoffte er es sich. In der großen Bibliothek des Anwesens. Als eine weitere Wache um die Ecke gelaufen kam, stellte er sich in den Türschlag ins dunkle und verhielt sich still. Die Wache lief wie ein sorgloses Gespenst an ihm vorüber. Thomes lief auf dem weichen Teppich nach hinten zu den weiteren Räumen, wo sich auch die Bibliothek befand. Die Tür war verschlossen. Er hörte die Wache, wie sie wieder zurückkam. Jetzt musste es schnell gehen oder er war verloren, und tot. Er holte einen seiner Dietriche hervor und steckte ihn ins Türschloss. Er blieb dennoch ruhig. Er drehte einige Male und versuchte, die Tür zu öffnen, aber er tat sich schwer. Die Wache kam gleich um die Ecke. Jetzt fürchtete er um seine Existenz.
Die Wache schritt etwas angewidert durch den Flur und versuchte nicht an ihre Müdigkeit zu denken, die sie bereits befallen hatte. Als sie letztendlich um die Ecke kam, sah sie diese dunkle Gestalt am anderen Ende des Flures stehen. Die Wache erschrak und griff sofort nach ihrem Schwert, doch bevor sie eine Handlung festlegen konnte, führte die Gestalt eine schnelle Bewegung durch und ein Geschoss kam entgegen geflogen. Ein Wurfmesser steckte auf einmal in der Stirn der Wache, die sofort zu Boden fiel.
Thomes atmete tief durch. Jetzt musste er handeln, denn eine weitere Wache würde schnell ihren Weg hier her finden. Thomes machte einen Schritt von der Türe weg und trat sie schlussendlich ein. Er kannte keinen anderen Weg mehr. Ein lautes Knallen hallte durch die Flure. Er betätigte den Lichtschalter und suchte zuerst in einer der Vitrinen nach einem Hinweis. Er wunderte sich indessen, wieso das Artefakt nicht hier aufbewahrt wurde. Vielleicht weil es dem Orden gehörte. In der letzten Vitrine der vielen Glasvitrinen entdeckte er die gleiche Zeichnung auf einem existenten Pergament, wie er es hatte. Daneben war ein altes Schriftbuch ausgestellt. Er hörte die Stimmen von unten. Wie ein Meisterdieb knackte er das Schloss zur Vitrine und öffnete sie. Er nahm das Buch heraus, doch dann kam ihm ein Gedanke. Die Ordensanhänger würden dies als einen groben Angriff auf ihre ?eigene? Kultur verstehen und mit Sicherheit das Artefakt wegbringen lassen, dass er doch stehlen sollte. So holte er sich ein ähnlich aussehendes Buch aus der reichen Sammlung der vielen Bücherregale und legte es als Ersatz in die Vitrine. Danach verschloss er sie wieder, damit niemand etwas bemerken konnte.
Anschließend öffnete er das Fenster und verschwand im Dunkel der Nacht. Er hatte seinen Hinweis, jetzt musste er es nur noch verstehen.
Garett und ein weiterer älterer Mann, der Besitzer dieses Anwesens, kamen durch die Tür hereingestürzt und machten große Augen, da sie nichts entdecken konnte, dass etwas fehlte.
Thomes war spurlos verschwunden und keine Spur führte zu ihm.
 
Marco Frohberger am 20.05.2002: Der Dieb im Schatten
Teil 5

Thomes saß in einem dunklen Raum, die Fenster verschlossen, dass nicht einmal der helle Mondschein die Möglichkeit hatte, einzufallen. Ruhig saß er in einem knarzenden Holzstuhl und versuchte seinen Übermut zu zügeln. Denn die Tatsache, dass Garett ihm in den Rücken gefallen war, lies ihn erschaudern. Er konnte niemandem mehr vertrauen, da er nicht ahnen konnte, wer auf seiner Seite war, und wer nicht!
Trotz allem verfolgte er das Ziel seines Auftrages, die Beschaffung des Artefaktes. Er hatte nur keinen Herrn mehr, auf den er sich in schwierigen Zeiten stützen konnte und auch keinen Auftraggeber mehr. Er wollte seinem einstigen Vertrauten beweisen, dass er ein großer Meisterdieb ist und das Artefakt beschaffen, egal, was es kosten würde. Thomes rechnete mit keinem einfachen Auftrag. Er hatte die Aufgabe, die nützlichen Informationen, die sich in dem alten Buch befanden, herauszusuchen und zu verarbeiten. Schließlich musste er eine vage Ahnung davon haben, um was es sich bei dem Artefakt eigentlich handelte.
Er war über den Gedanken bestürzt, dass sein ehemaliger Mentor auf die andere Seite übergelaufen war. Niemals hätte er eine solche Situation in Betracht gezogen, doch in solch schweren Zeiten war das Geld rar geworden und die Güter, mit denen man zu überleben versuchte, teuer. Vielleicht war dies ein Grund, warum Garett sich für die andere Seite entschieden hatte, die die dunkle Seite.
Thomes lies sich nicht beirren und lehnte sich gegen den Gedanken auf, herauszufinden, wieso sich die Situation so gewandelt hatte. Er versuchte, Garett vorerst zu vergessen! Er konzentrierte sich auf seinen Auftrag.
Das Buch lag auf seinem Schoß und auf seinen Schultern eine unerträgliche Last seiner Vergangenheit. Die Stille zermürbte seine freien Gedanken, die diese einst gemütliche Vergangenheit versuchte, zurückzuholen. Thomes tat sich schwer, sich gegen solch eine bestürzende Wahrheit zu wehren.
Gedankenverloren senkte er sein Haupt und streifte sich die Kutte vom Kopf. Er holte tief Luft und öffnete seine Augen weit. Ein Leuchten ging ihnen voraus, als wäre es ein Licht, dem er folgen wollte. Es war unheimlich, da weder eine Kerze brannte, noch der Mondschein es durch die engen Ritzen schaffte, zu leuchten.
Dann schlug er vorsichtig das Buch auf, den Umschlag, den er zwischen Daumen und Zeigefinger festhielt. Das Papier fühlte sich im ersten Moment wie Pergament an. Die ersten Seiten verrieten nichts besonderes, doch je mehr er sich der Mitte näherte, desto neugieriger wurde er, umso mehr verschlang er die darin befindliche Wahrheit mit seinem Atem, während er immer tief einatmete.
Es dauerte nicht allzu lange, da tauchten das erste Mal die Worte die "schwarze Rose" auf. Er war bemüht, nicht in um sich schlagende Euphorie zu verfallen, nein, in den vielen Jahren hatte er gelernt, seine Gefühle zu unterdrücken und einzig und allein seinem unheimlichen Talent zu dienen und dieses zu fördern, er auf ewig zu leben vermag.
Er blätterte das Pergamentpapier um und da funkelte es ihm ins Auge. Das Bild des Ornamentes. Unglaublich schön, wunderschön, einzigartig in seiner Seltenheit. Eine ovale Scheibe, eingebettet in ein feines Wollgeflecht, welches an einer Wollschnur hin, schimmernd in einem leichten Grün. Die Scheibe glänzte in verschiedenen Farben, einmal rosa, dann wieder grün und schimmerte über in ein wunderschönes blau. Thomes war verblüfft über die Aussagekraft eines üblichen Pergaments, als er wieder zwinkerte und lediglich die verschwommene Schwarz-Weiß-Zeichung betrachtete. Irgendetwas ging hier vor, seltsam und beängstigend. Denn Thomes wusste nicht, was mit ihm geschah und irgendwie fürchtete er sich vor dem Unbekannten. Er hatte das Gefühl, dass etwas geschehen würde, etwas unnahbares, etwas, von dem er nicht ahnte, dass es existiert.
Er klappte das Buch zu und war sich seiner Mission bewusst. Er wusste, was zu tun war und er hatte nicht die geringste Lust, sich eines besseren belehren zu lassen. ?Garett wird schon sehen, was er davon hat?, flüsterte er mit knirschenden Zähnen und zornigem Gesicht in die Dunkelheit hinaus!
 
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Kommentare  

Ich hoffe, es lassen sich einige Schreiber finden, die an der Geschichte weiterschreiben möchten!
danke euch!
gruss


Marco Frohberger (20.05.2002)

Schade! Sabine musste aus Zeitgründen aus dem Projekt aussteigen.
Aber keine Sorge, die Geschichte wird weitergeführt, ohne Einschränkungen.
Trotzdem möchte ich mich noch einmal für die Arbeit bedanken, die Sabine geleistet hat, um die Geschichte dorthin zu bringen, wo sie jetzt steht! Alle können auf ihre Teile stolz sein.

liebe grüsse


Marco Frohberger (26.01.2002)

also, ich habe nichts gegen die autoren, nein , so mein ich das überhaupt nicht. es geht einfach um die sache selber. marco, bitte nicht böse sein. du weisst sicher wie ich das meine. :-)))

edith (21.11.2001)

sorry, ich kann mich mit den verschiedenen personen die an einer geschichte zusammen schreiben, nicht anfreunden. wenn ich lese, dann kommt immer ein gefühl des schreibers auf mich über, auch aus der ferne. und 3 personen bringen mein empfinden durcheinander. hört sich blöde an für einige, aber ich fühle aus der ferne das empfinden der einzelnen menschen. sorry bitte !!!!!

edith (21.11.2001)

Guten Tag
also ich finde die Story bis jetzt klasse.. man liest sich wortwörtlich fest und kann theoretisch nicht mehr aufhören - muss man aber da es ja irgendwie nicht weitergeht.. ich werde mich tagtäglich informieren wann die Fortsetzung kommt.. danke für dieses Stück Spannung :)


Nora (17.11.2001)

Guten Morgen,
das grenzt ja an Sadismus. Kaum hatte ich mich festgelesen, da geht es nicht weiter.
Ich freue mich ungeduldig auf Eure Fortsetzung.
Alles Gute
Angela


Angela (14.11.2001)

Interessante Page .. ich werde sie im Auge behalten

Queenie (11.11.2001)

*schmacht* geile Story.. macht mal weiter.. bitte.. ich lese sowas gerne..

Nora (11.11.2001)

Jetzt wird's spannend, was wird passieren? Wer ist dieser Mann Gerret??
Und wohin geht dieser unbekannte Mann nun??
Bitte schreibt weiter, und macht es spannend!! Diese Geschichte braucht unbedingt ne Fortsetzung!!!



Nadja (10.11.2001)

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