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5 Seiten

Heißer Sommer

Amüsantes/Satirisches · Kurzgeschichten
Die Sonne sandte ihre verzehrende Glut über das Land. Seit Wochen hatte es nicht mehr geregnet, das ganze Tal schien verdorrt. Nur wo der Mensch mit künstlicher Bewässerung nachhalf, blieben die Büsche und Sträucher grün. Die kleine Fazenda am Talschluß war die einzige Oase weit und breit.
Ein hochbeiniges Auto quälte sich schlingernd die Schotterpiste zum Tor des
Anwesens hinauf. Hochaufgewirbelte Staubwolken ließen aus der Entfernung nicht das Fabrikat erkennen. Die Ranch schien ausgestorben. Nur einer beobachtete mit einem Feldstecher, den er an die Augen presste, den näherkommenden unerwarteten Gast.

„Scheiße, die Bullen“, entfuhr es Louis, als der Chevy näher kam und er das Polizeifahrzeug erkannte.
Er warf das Fernglas aufs ungemachte Bett seines ansonsten sehr geschmackvoll eingerichteten Zimmers und hastete hinaus. Die Hitze war mörderisch und machte ihm zu schaffen. Sein Hawaiihemd klebte an seinem untersetzten Körper, seine Khakihosen waren zerknittert und die Gürtelschnalle scheuerte auf seinem Bauch. Louis wischte sich mit einem großen blauen Taschentuch die schweißnasse Stirn, während er zum Pool marschierte.

Sid räkelte seine hochgewachsene Gestalt im Liegestuhl und schmökerte im neuesten Grisham. Er trug grasgrüne knielange Badeshorts, nippte ab und an von seinem eisgekühlten Prosecco und warf von Zeit zu Zeit ein Auge auf das Mädchen neben ihm.

Sid tätschelte mit seiner breiten Pranke besitzergreifend ihr pralles Hinterteil. Ihre Pobacken vibrierten unter seiner Berührung und Sue Ellen ließ ein leises behagliches Schnurren ertönen. Kein Bikinihöschen vermochte die prächtige Fülle zu bändigen, jedenfalls keines in der von ihr bevorzugten Größe. Sue Ellen döste vor sich hin. Ihr schien die Hitze nichts auszumachen. Ihr üppiger, langbeiniger Körper war tiefbraun gebrannt.
Grinsend nahm er mit spitzen Fingern einen Eiswürfel aus dem Behälter und legte ihn in die Vertiefung zwischen ihren Pobacken. Kreischend rollte sie sich auf die Seite und schoss empor.
Empört rief sie:
„Bist du verrückt geworden Sid? Igitt ist das kalt. Ich hätte einen Herzschlag kriegen können. Ich hab gerade so was schönes geträumt. Wir zwei waren ganz allein an einem einsamen Stand, die Palmen rauschten und du wolltest gerade...“

Schmollend verzog sich ihr Mund, als Sid laut lachte.

„Da trink einen Schluck auf den Schrecken. Anschließend drehen wir noch ein paar Runden im Pool und dann....“, grinsend kniff er ihr in den Po und reichte ihr ein Glas Prosecco.

„He Boss verdammt die Schnüffler kommen. Was sollen wir tun“ rief Louis, der plötzlich in ihre Idylle hineinplatzte.

Schlagartig wurde Sid ernst. Er stand auf, schnappte sich seinen Bademantel, warf ihn über und meinte zu Sue Ellen:

„Du gehst ins Haus und ziehst dir was an. Dein Aufzug ist nicht jugendfrei, außerdem geht das die Bullen nichts an. Denen fallen sonst nur die Augen aus dem Kopf. Louis du hörst auch auf Sue Ellen so gierig anzustarren. Mein Gott reiß dich zusammen. Geh vor, lass sie rein und bring sie hierher. Ach ja, bleib in der Nähe.“

„Ob die wegen Hank kommen? Soll ich Dr. Kendall anrufen, vorsichtshalber? Was meinst Du Boss“, flüsterte Louis heiser.

„Was wollen die ohne Leiche beweisen, denk doch mal ein bisschen. Oder hast du etwa noch...“, schluckte Sid, während sich sein Gesicht, im Gedenken an die Ereignisse vom Wochenende, leicht grünlich verfärbte.

„Ne Boss, weißt du doch, ehrlich. Der Zwinger ist gründlich geputzt. Und, na ja, du hast doch das letzte....“, brachte Louis, ein Grinsen mühsam verbergend, heraus. Vorsichtshalber zog er seinen Kopf etwas ein, und trabte dann ums Haus zum Eingang.

Doch Sid hatte sich schon wieder gefangen, seine Gesichtsfarbe wechselte wieder von leicht grünlich nach bronzebraun. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar, zog seinen Bademantel zurecht, goss sich ein Glas Prosecco ein, und setzte sich auf die komfortable Gartenbank, die im Schatten an der Hauswand stand. Er nahm sich seinen Roman vor, blätterte etwas darin und las dann scheinbar unbeeindruckt.

„Du Boss, das sind zwei Bul...., eh ich meine natürlich die beiden sind von der Polizei“, stammelte Louis und schaute schuldbewusst zu Boden.

„Na wenn das nicht mein alter Freund Sidney Ewing ist. Welche Bank hast du den ausgeraubt, damit du dir dieses prächtige Anwesen leisten kannst. Davon alten Omas die Handtaschen zu klauen, lässt sich das nicht finanzieren. Und mein ganz spezieller Kunde, Louis Alvarez, der Boxer. Da kann doch der dritte im Bunde, Hank Kaczmarek, nicht weit sein“, dröhnte der eine der beiden Polizisten mit tiefer rauer Stimme hervor.

Breitbeinig stand er da, die Daumen hinter dem Gürtel seiner Jeans verhakt, während sich sein Bauch oberhalb des Gürtels hervorwölbte. Seinen breiten, speckigen Hut hatte er weit nach hinten geschoben, die obersten Knöpfe seines Jeanshemdes standen offen, wie dunkler Pelz lugten die Brusthaare hervor. Ein fettiges Grinsen verzog seine Mundwinkel. Der Stern glänzte matt auf seiner Brust.
„Hank Kaczmarek war vor einer guten Woche, genauer gesagt am Freitag früh unten in Alamo, ganz genau gesagt war er schon im Revier. Dummerweise waren wir gerade im Einsatz, und dem Deputy wollte er nichts verraten. Der Deputy sagte, Hank war ganz aufgeregt.
Er hatte den Eindruck, das Vögelchen wollte ein wenig singen", lächelte seine Begleiterin, eine herbe, mittelgroße Brünette, in Jeans und einer Uniformbluse.

"Ja und jetzt fragen wir uns natürlich, was Hankieboy so in Angst und Schrecken versetzt hat, das er bei uns auspacken wollte. Ihr habt natürlich keinen blassen Schimmer, wo er sich so rumtreibt, oder", grinste der Sheriff.

"Ich glaube Hank wollte in den Osten zu seiner Schwester, Cincinatti oder so muss sie wohnen. Ja,
zugegeben, er hat früher mal für mich gearbeitet. Aber sone dicke Freundschaft war das nie, stimmts Louis", lächelte Sid, der sich eisern in der Gewalt hatte, mit einem schiefen Grinsen.

"Ne Officer, der Boss hat recht. Hank hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Ihm wird doch nichts zugestoßen sein", gab sich Louis besorgt.

Unterdessen war Sue Ellen heraus geschlendert. Ihre langen Beine steckten in hautengen blauen Jeans, und oben herum trug sie eine blassblaue Bluse, die unter dem Busen verknotet war und tiefe Einsichten gewährte.

Mit unverhohlen breitem Grinsen musterte der Sheriff ihre Erscheinung.

"Aber Sid, Hank war doch am Freitag Mittag noch da, oder etwa nicht", brach sie eingeschüchtert ab, als sie Sids Miene bemerkte, die sich bei ihren Worten jäh verdüsterte.

"Da hast du dich getäuscht Sue Ellen. Das war, äh, das war jemand vom, äh.... Partyservice", presste er mühsam heraus und grinsend ergänzte Sid
"du weißt doch Louis. Ist dir doch auch aufgefallen, diese Ähnlichkeit. Hast du Hank nicht sogar mal damit aufgezogen, das sein Vater wohl..... Mann war der damals sauer auf dich. Musst dich doch noch dran erinnern, Louis!"

"Ja, ja, jetzt wo du es sagst, erinnere ich mich. War ganz schön beleidigt damals der gute alte Hank. Ne, ne Officer, Hank war schon mindestens drei Wochen nicht mehr in der Nähe. Weiß ich genau, hatte nämlich noch Schulden bei mir, hat sich einfach verdrückt", fabulierte Louis mit unschuldiger Miene.

"Schluss mit der Märchenstunde", bellte der Sheriff und löste seine Blicke von Sue Ellens wohlgeformten Aussichten.

"Ich glaube Betsy", wand er sich an seine etwas missmutig schauende Begleiterin,
"He Betsy, was ist? Doch nicht etwa eifersüchtig auf dieses Dämchen da? Wo hast du sie aufgelesen Sid? Arbeitet die etwa auch für dich, oder nur zum Vergnügen, ach egal", brummte er und beobachtete die wütende Miene Sids und das beleidigte Gesicht Sue Ellens.

"Komm reg dich ab, Sid. War nicht so gemeint. Ist mir wirklich schnurz, woher...Ach vergiss es einfach", grinste er dann zu Sid hinüber.

"Ich glaube, wir sollten die ganze Bude auf den Kopf stellen, alles umgraben. Was meinen sie, Mister, wie der Garten nachher aussieht, wenn erst mal ein Bulldozer durch ist? Ich geh zum Auto und ruf die Jungs an. Clark, soll ich den Herrschaften ihre Rechte vorlesen", meldete sich die, die ganze Zeit stumme Begleiterin wieder zu Wort.

"Ach lass mal Betsy. Ich glaube nicht, das mein Freund Sid so dumm ist und eine Leiche in seinem
schönen Garten vergraben würde. Nicht wahr Sid, aber ihr wisst wo Hank abgeblieben ist? Wenn wir die zwei jetzt mitnehmen steht in einer Stunde sein Winkeladvokat auf der Matte und zehn Minuten später, der zweite Bürgermeister und was dann? Ja, wenn man gut schmiert, hat man viele Freunde, nicht wahr Sid?"

Sid fiel ein Stein vom Herzen und Louis schnaufte merklich auf, nur Sue Ellen schien nichts zu
begreifen, lächelte aber dann, als sie die gelösten Mienen der beiden anderen sah.

"Ihr rührt euch nicht aus dem County. Morgen früh kommt ihr runter in die Stadt und wir machen das Protokoll. Komm Betsy, wir lassen die beiden Gentlemen und die Lady jetzt wieder allein ihren
Müßiggang pflegen. Ich spürs, das ihr was mit Hanks verschwinden zu tun habt. Ich komm euch auf eure Schliche", mit einem letzten Blick streifte er Sue Ellens üppige Figur und wandte sich dann ab, Betsy im Schlepptau.

"Mensch Boß, jetzt brauch ich nen Bourbon. Ogottogott, meine Knie zittern vielleicht. Meinst du
der ahnt was", mit bleicher Miene stieß Louis die Worte heraus.

"Laß uns allein Suziebaby! Ich hab mit Louis was geschäftliches zu besprechen. Komm beweg deinen Arsch", fauchte Sid, als sie nicht gleich ging. Dann rauschte sie mit beleidigter Miene ins Haus.

"Meinst du Sue Ellen hat das geschluckt mit dem Partyservice vorhin, Louis? Was meinst du? Los red schon", presste Sid ungeduldig zwischen den Zähnen hervor.

"Ach Boss, weißt doch die Weiber. Schnell auf der Palme, schnell wieder herunter. Wirst sehen nachher ist sie wieder ganz lieb und umgänglich. Vielleicht solltest du aber...", kicherte Louis dann.

"Bist du wahnsinnig?", kreischte Sid, "Willst du sie etwa auch..?"

"Ach Boss, nicht was du denkst. Ich hab nur gemeint, vielleicht ein kleines Armband oder so, na du weißt doch, was den Miezen Freude macht", kicherte Louis und stieß Sid mit einem vertraulichen Grinsen an.

Grinsend nahm Sid die Bourbonflasche aus dem Kühler und schenkte beiden randvoll ein.

"Auf uns", kicherten beide, stießen die Gläser aneinander und sanken in ihre Sessel.
 
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Kommentare  

Kann ich nur zustimmen. Da kann man nur neugierig auf das nächste Kapitel warten.

Else08 (23.11.2011)

Spannend, humorvoll und flüssig geschrieben. Wirklich sehr gut. Ja, das solltest du weiterschreiben.

Gerald W. (22.11.2011)

Upps, jetzt hatte ich doch den Schluß unterschlagen. Wurde soeben angefügt.

Sorry


Wolfgang scrittore (21.11.2011)

Diese Geschichte folgt auf Hanky Boy. Ich überlege, das noch weiter zu spinnen. Mal sehen, was wird.

Wolfgang scrittore (20.11.2011)

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