Julia Kretsch steht vor der Bank und sieht sich etwas verloren um.
Sie hat nichts mehr. Keine Wohnung, keine Arbeit und das Amt, da will sie nicht hin. Noch nicht jedenfalls. Sie hat jetzt alles verkauft, was sie hatte. Alle Möbel in der Wohnung, so spart sie sich die Umzugskosten und aus der Wohnung muss sie bis Morgen raus sein. Sie hat auch die meisten ihrer Klamotten verkauft, auch die Bücher und die Cd´s, den Fernseher genauso wie den DvdPlayer und alle Dvd´s. Sie hat auch ihre Bücher verkauft, was ihr noch am schwersten gefallen ist und heute noch zwei übriggebliebene Goldmünzen in der Bank. Schmuck hat sie, bis auf den Ring und die zwei Ketten und ihre Ohrstecker, die sie immer trägt, schon vorher zu Geld gemacht. Gold geht gut derzeit und sie braucht das Geld.
So und nun steht sie da. Und alles was sie noch ihr eigenen nennen kann, passt in ihr altes Auto, das tatsächlich noch zwei Jahre Tüf hat. Das ist ihr Hund, ihr Laptop, der Mp3Player, ihr Fotoapparat, ihre Gitarre, einige Klamotten und ihre Lieblingsbücher. Außerdem noch alles, was sie an Essbaren hatte, was sowieso nicht mehr viel ist und das Hundefutter. Das alles passt ohne Probleme in den Kofferraum, der Hund sitzt auf dem Rücksitz. Sei steigt langsam in ihr Auto und steckt das letzte Bündel Bargeld in das große Kuvert, wo schon die Einkünfte aus ihren Verkäufen drin sind. Insgesamt Siebentausenddreihundertzweiundvierzig Euro und Siebzehn Cent. Mehr ist ihr bisheriges Leben nicht mehr wert gewesen. Siebentausenddreihundertzweiundvierzig Euro, ein altes Auto und ein treuer Freund.
Sie fährt in ihre Wohnung zurück. Heut kann sie noch drin schlafen, auf einer alten Luftmatratze, aber Morgen muss sie weg sein. Sie parkt vor dem Haus und stellt den Motor ab, aber sie steigt dann doch nicht aus. Was soll sie denn jetzt machen, fragt sie sich. Wohin kann sie gehen? Wer kann und will ihr jetzt noch helfen, nach all dem Mist, den sie verbockt hat?
Wohin geht die Reise?