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6 Seiten

Preis der Lust/ Kapitel 2

Romane/Serien · Erotisches
© rosmarin
2. Kapitel
___________
Hand in Hand schlenderten wir die verschlungenen von blühenden Büschen umsäumten schmalen Wege entlang. Unter einer alten Eiche setzten wir uns ins hohe noch nicht gemähte Gras.
Gigan hatte an alles gedacht. Er holte ein großes blaues Handtuch aus seinem Rucksack, zauberte belegte Brötchen, Tomaten, Gurken und sogar eine Kanne Tee mit zwei Tassen hervor und tischte auf.
„Bedien dich Geliebte.“

Geliebte. Wie sich das anhörte. Aus seinem Mund. Geliebte durfte mich nur Zappi nennen. Allerdings schien er das vergessen zu haben. Geliebte. Ein schönes Wort. Nur, ich war nicht Gigans Geliebte. Noch nicht.

„Komm wir spielen Federball.“

Wie Kinder jagten wir auf der Wiese hin und her. Unser Spiel wurde immer wilder. Sobald mal ein Ball nicht richtig kam, blieben wir stehen und küssten uns. Wir küssten uns, als sei es das selbstverständlichste der Welt. Ich war nicht einmal erschrocken darüber. Gigans Küsse schmeckten gut. Jung und frisch. Nicht fordernd, begehrend, einfach gut. Und überall roch es fantastisch. Die Grillen zirpten. In den Gipfeln der Bäume spielte der Wind.

Als wir genug hatten, setzten wir uns wieder unter die alte Eiche. Doch es war anders als vorhin. Ein zarter Hauch nach mehr lag über allem. Wir kuschelten uns eng aneinander, so eng, dass sich unsere Gesichter berührten.
„Du bist so schön“, Gigan legte eine Hand auf meine Brust, „wenn jetzt Kim Basinger vor mir stände, ich würde nur dich wollen.“
„Aber ob sie dich wollte?“
„Warum denn nicht?“ Gigan sah aus wie ein trotziges Kind. Sein Mund wurde ein Strich. In seinen Augen funkelte Eis hinter goldumrandeten Brillengläsern. Herausfordernd starrte er mich an. „Warum nicht?“
„Nur so“, lachte ich, „ich bin mir da nicht so sicher.“

Was sollte der Unsinn? Wusste ich es doch. Mit diesem Kerl würde es nur Probleme geben. Ich musste ihm sagen, dass das mit uns nichts werden könnte.

„Fühl mal, wie mein Herz klopft“, unterbrach Gigan meine vernünftigen Gedanken. Er nahm meine Hände, legte sie fest auf seine Brust. Sein Herz schlug tatsächlich schnell und hart. „Ich denke Tag und Nacht an dich. Ich träume von dir. Mir zittern die Beine, wenn ich dich sehe. In meinem Kopf bist nur du. Immer nur du. Und du quälst mich so.“
Verrückt. Verrückt. Das war ein Überfall. Mir blieben die Worte im Halse stecken.
„Ich quäle dich?“, presste ich heraus.
„Du weißt, dass ich dich liebe.“
„Weiß ich nicht.“
„Jetzt weißt du es.“
Gigan küsste mich plötzlich leidenschaftlich. Nichts war mehr von der Unschuld der ersten Küsse zu spüren. Diese Küsse waren gierig, fordernd. So fordernd, wie die Hände, die suchend unter meinen Mini tasteten.
„Ich will alles erkunden“, stöhnte Gigan erregt, „ich habe nicht viel Erfahrung mit Frauen, zeig mir, wo es für dich am schönsten ist.“

Das ging ja nun wirklich zu weit. Sanft nahm ich seine Hände von mir, stand auf, zog den Mini glatt. Jeden Moment konnten Leute vorbeikommen. Und überhaupt. Ganz schön unverschämt. Dieser Junge. Ein wenig reizte es mich aber schon. So ein kleines Abenteuer. Da will ich mal ganz ehrlich sein. Und so langsam regte sich auch etwas in meinem unteren Bereich.
Gigan akzeptierte mein Nein sowieso nicht. Auch er war jetzt ganz schön in Fahrt, zog mich stürmisch zu sich hinunter, hielt mit einer Hand meine Arme fest, gelangte mit der anderen wieder unter den Mini. Diesmal an die richtige Stelle. Und nun war es um mich geschehen. Ich ließ ihn gewähren. Seine Finger waren so neugierig, so fordernd, so überaus zärtlich. Ich fühlte die Nässe an den Innenseiten meiner Schenkel, meine Perle anschwellen zwischen seinen kräftigen Fingern, zitterte und stöhnte vor Erregung.
„Ein bisschen geübt hast du wohl doch?“, hechelte ich.
„Ja, und jetzt übe ich noch mehr.“ Gigan riss mich auf seinen Schoß. „Viel mehr.“
„Aber nicht alles auf einmal.“

Der Tag war am Schwinden. Dämmerung hüllte uns in ihren Mantel. Gigan übte noch immer. In der Luft hing der Duft eines herrlichen Sommertages. Die Vögel sangen ihr schönstes Abendlied. Nur für uns.

„Ich schließe jetzt das Tor ab.“ Vor uns stand ein Wächter mit Boxerhund und Grubenlampe. „Wollt ihr hier übernachten?“
„Ja“, sagte Gigan.
„Nein“, sagte ich.
„Ihr seid euch ja sehr einig“, sagte der Wächter.

*

Zappi war sauer. Er hatte wieder nichts gemacht. Er machte nie etwas, wenn ich nicht zu Hause war. Er saß wie gelähmt vor dem Fernseher und trank. Und wartete. Auf wen oder was? Auf mich. Diesmal. Wie es schien.
„Da bist du ja endlich.“ Zappi schaltete den Fernseher aus. Schaute mich an. Begehren flackerte in seinen schönen braunen Augen. „Ich warte schon ewig auf dich“, sagte er mürrisch, „hast dich wohl wieder mit diesem Dorftrottel herumgetrieben? Was will der nur von dir? Oder du von ihm? Er ist doch nur ein kleiner Handwerker.“
„Er ist ein Künstler. Ein Maler“, erwiderte ich trotzig und dachte an des Künstlers geschickte Hände, mein Seufzen und Stöhnen.
„Kümmere dich lieber um mich. Ich bin dein Mann.“

Na schön. Das fiel ihm jetzt ein. Außerdem tat er so, als würde ich mich ständig mit Gigan herumtreiben. Was war nur in ihn gefahren? Bisher war es ihm doch auch egal, ob ich da war oder nicht. Jeder machte sein Arbeit. Damit basta.

Erregt sprang Zappi vom Sessel, packte mich um die Hüfte, schrie: „Ich bin dein Mann! Und um ihren Mann muss eine Frau sich kümmern. Komm endlich. Es ist ja schon eine Ewigkeit her.“
„Ist doch nicht meine Schuld.“
„Hast du mit dem geschlafen?“
„Du hast doch gesagt, du würdest es merken, wenn ich je mit einem anderen Mann schliefe“, lachte ich frech.
„Also nicht“, stellte Zappi selbstsicher fest, „dein Glück aber auch.“
Das war mein alter Zappi. Und, noch erregt und feucht von Gigans Händen, ließ ich mich bereitwillig zu unserem Ehebett führen.

Zappi hatte nicht gemerkt, dass ich mit Gigan Händelsex hatte. Er war und blieb ein Betonklotz. Und der Sex mit ihm war auch nicht mehr das, was er mal war. Jedenfalls hatte er mich diesmal überhaupt nicht überzeugt. Das bisschen rein, raus, rein, raus, fertig ist der kleine Klaus war nichts für mich.

„Ich werde mich weiter mit Gigan treffen“, offenbarte ich ihm am nächsten Morgen, „er liebt mich.“
„Er liebt dich?“ Zappi lachte belustigt.
„Ja, er liebt mich. Und wenn mir danach ist, werde ich auch mit ihm schlafen.“
„Du kannst tun und lassen, was du willst“, knurrte Zappi beleidigt, „machst du ja sowieso. Aber er wird dich enttäuschen. Er ist jung und sucht das Abenteuer. Wer weiß, was er dir versprochen hat. Du bist so naiv und glaubst ihm.
„Gigan liebt mich.“
„Quatsch. Der weiß doch gar nicht, was Liebe ist“, sagte Zappi sehr ernst und streichelte mein Gesicht, „ich liebe dich, aber deswegen falle ich dir nicht zu Füßen und mache mich zum Klops.“
„Könntest du aber!“ Wütend sprang ich aus dem Bett, wickelte vor Empörung zitternd das Laken um mich, schrie: „Da wüsste ich wenigstens, dass du mich liebst, dass dir etwas an mir liegt! Aber dir ist es egal. Dir ist alles egal! Du denkst immer, alles sei selbstverständlich. Ist es aber nicht! Wenn du Angst hast, dich zum Klops zu machen, weil es gegen deine männliche Ehre verstößt, nehme ich mir einen, der sich für mich gerne zum Klops macht!“
Völlig außer mir legte ich mich auf den Teppich vor dem Bett.
Zappi hatte sich meinen Ausbruch gelassen angehört.
„Du musst wissen, was du willst“, sagte er ruhig, „und wenn es dein einzig Begehren ist, einen jungen Hirsch zu, na, du weißt schon, musst du es tun. Doch ich wette meinen Kopf, wenn er genug von dir hat, wirst du wieder zu mir kommen. Ich kann warten. Ich liebe dich.“
„Gefühlloser Klotz!“
Wütend eilte ich zum Telefon und rief Gigan an.

*

Mit dem alten blauen Vehikel fuhren wir zur Ostsee. Strahlend schien die Sonne. Auch in mir funkelnden tausend Sommersonnenstrahlen. Das kleine Erlebnis mit Gigan hatte schon jetzt seine Spuren hinterlassen. Nichts war wie vorher. Irgendwie hatten wir unsere Unbefangenheit, unsere kindliche Naivität, verloren. Wir wussten, wir wollten uns. Und die kribbelnde Spannung, die uns umhüllte, wie eine undurchdringliche Nebelwand, würde sich wohl bald entladen müssen, vergleichbar einem überheißen Sommertag, dem endlich ein kühler Regen oder ein Donnerwetter Erlösung bringen musste.

Wir fuhren auf einen fast leeren Parkplatz.
„Nur drei Mark für den ganzen Tag“, sagte der Parkwächter. „Bis zum FKK sind es nur fünf Minuten. Fast leer ist er auch.“
„Gehen wir? Gigan?“
„Wenn du willst.“
„Wir brauchen uns ja nicht ganz nackt auszuziehen.“
„Es ist gemischt.“ Der Wächter lächelte seine Frau an, die gerade aus dem Wärterhäuschen kam. „Drüben in Warnemünde ist das Nacktbaden jetzt verboten. Die Wessis sind ja prüder als der Papst selbst. Die wollen uns noch unsere letzte Freiheit rauben, was Pusselchen?
„Dafür haben die jetzt einen Hundestrand“, sagte Pusselchen, „aber dieser Strand gehört uns.“
Lachend wandte sich der Parkwächter wieder an uns: „Bis achtzehn Uhr ist der Windschutz wieder hier.“

*

Am steinigen Strand stellte Gigan den löchrigen Windschutz auf ein freies sandiges Fleckchen, nahm den Schlafsack aus seiner Umhüllung, legte ihn auf die Steine, darüber ein Laken und zog sich ungeniert nackt aus. Ganz nackt. Und so selbstverständlich.
Er tat alles ganz selbstverständlich. Er drängte sich ganz selbstverständlich in meine Ehe. Küsste mich ganz selbstverständlich. Behändelte mich ganz selbstverständlich. Und nun zog er sich auch noch ganz selbstverständlich ganz nackt aus. Das setzte doch allem die Krone auf. Dafür bewunderte ich ihn.
„Na?“, forderte er mich auf, es ihm gleichzutun.
„Meinen Slip behalte ich an. Will mir ja nicht den Po verbrennen.“

Gigan zauberte einen Korb Kirschen aus seinem Rucksack.
„Die sind aus Omas Garten.“
Wir naschten die Kirschen aus Omas Garten und legten uns dann auf das weiße Laken.
Nicht lange und Gigan tastete unruhig nach meiner Hand.
Mein Herz klopfte wieder wie verrückt, ich setzte mich auf. Gigan zog mich zurück, drängte seinen heißen Körper verlangend an meinen.
„Wie wunderschön du bist.“ Mit aufgestützten Armen lag Gigan über mir. Mit seinen Zähnen zog er meinen Slip bis zu den Füßen. „Wie wunderschön.“
Seine Männlichkeit öffnete sacht mit der Spitze meine feuchte Scham, sodass ich erregt erzitterte. Wie von selbst berührten meine Hände sein Gesicht. Seine Brust. Den flachen Bauch. Seinen ER. In diesem Augenblick sprang er abrupt auf.
„Du kleine Schlange!“, zischte er selbst wie eine Schlange, „ich bin ein Mann! Ich kann es dich auch richtig spüren lassen!“
„Du spinnst. Komm, wir gehen schwimmen.“

Ich musste unbedingt meine Sexlust zügeln, die mich an der Ostsee immer überfiel. Der Geruch. Die Sonne. Der Sand. Das Rauschen des Meeres. Das unergründlich Geheimnisvolle, das alles und jedes mit einem verträumten Zauber umgab, lösten diese Gefühle in mir aus. Und natürlich in diesem ganz besonderen Fall Gigan.

Schnell lief ich zum Meer, das verlockend in der Sonne glänzte. Doch es wollte erobert werden. Wie ich. Gigan hatte mich eingeholt. Hand in Hand sprangen wir über die Steine und einen Rand schmutziger Algen ins Wasser, schwammen, bespritzten uns, lachten übermütig.
Gigan sah so süß aus, so jungenhaft jung. Und wenn er lachte, blitzten seine weißen Eckzähne. Dragulazähne.

Wir legten uns wieder auf das Laken, ölten uns gegenseitig ein.
„Gefällt ER dir?“ Gigan küsste mich auf die Spitzen meiner Brüste.
„Und wie.“ Und wie er mir gefiel. Sein ER.
„Was und wie?“
"ER gefällt mir. Er hat Ähnlichkeit mit dem griechischen ER. ER berührt fast deinen Bauchnabel“, flüsterte ich zärtlich.
„Ich möchte sterben in dir.“ Gigans ER rückte bedrohlich näher. „Den Kleinen Tod, wie die Franzosen sagen.“
„Ja“, sagte ich und war bereit, zu sterben. Den Kleinen Tod.
„Lass mich dich glücklich machen.“
Bereitwillig öffnete ich meine Schenkel. „Ja, ja“, hauchte ich und zog Gigan noch fester auf mich.
In diesem Moment vernahmen wir ein Geräusch, ein Stöhnen, das nicht das unsere war.
„Da ist jemand Gigan.“ Ich setzte mich auf. Gigan rollte zur Seite.
Knapp einen Meter entfernt von uns stand ein Mann. Nackt. Ein Dreieckstuch gegen die Hitze um seinen Kopf geschlungen. Hingerissen starrte er uns an, rieb sein Glied, stöhnte: „Weiter, macht doch weiter.“ Er rieb weiter, stöhnte weiter. Und rührte sich nicht vom Fleck.
Ich lachte laut auf. Gigan sprang auf. Stellte sich vor den Mann, vertrieb ihn mit den unflätigsten Flüchen, mit Worten, die ich nie zuvor gehört hatte. Dreckskerl, Wichser, Spanner waren noch die harmlosesten.

„Der Kerl hat alles verdorben“, murrte Gigan, „unser schönes Liebesspiel. Wer weiß, wann du mal wieder Lust hast.“
„Wer weiß.“ Ich war völlig abgekühlt. „Vielleicht war er unser Schutzengel.“

Die Sonne versank schon im Meer. Die Wellen brachen sich im gleichmäßigen Rhythmus an den Steinen. Eine Möwe stieß einen spitzen Schrei aus. Der Sand rieselte vom Laken.
„Wir müssen“, sagte ich, „ist bestimmt schon spät.“
***



Fortsetzung in Kapitel 3
 
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Kommentare  

hallo else, danke für den kommentar, zappi liebt sie und lässt sie deshalb gehen, er weiß, dass man die liebe nicht festhalten kann.
gruß von


rosmarin (04.01.2013)

Beinahe hätte es geklappt, aber nur beinahe! Ich bewundere diesen Zappi, liebt die Frau und lässt doch alles zu. Aber ist er denn zu bewundern? Vielleicht ist er ja auch nur gefühlskalt und selbstgefällig. Schöne atmosphärische Dichte und tolle Charakterdarstellungen.

Else08 (02.01.2013)

@- sabine- das wort gibt es nicht, händelsex habe ich erfunden, auch gigan und zappi, die namen. mal sehen, ob es die vielleicht doch schon gibt?
gruß von


rosmarin (02.01.2013)

Du machst es wieder richtig spannend! Im Übrigen finde ich das Wort Händelsex klasse. Das Wort kannte ich noch nicht :)
Mir gefällt neben den erotischen Zügen auch das gesamte Stimmungsbild. Du hast die Gabe, die Ortschaften und Umgebungen sehr schön und ausführlich zu beschreiben.


Sabine Müller (02.01.2013)

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