328


7 Seiten

Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 19 - EIN URLAUBER IST ZURÜCK

Romane/Serien · Amüsantes/Satirisches
Das Telefon klingelt penetrant, es ist Freitagnachmittag und ich komme gerade vollgepackt vom Einkaufen zurück, ich lasse schwere Tüten fallen und haste zum Telefon. Eine männliche Stimme sagt irgendwas.
„Wer ist da?“, frage ich genervt.
„Ich bin's, Hardy.“
Ui, das überrascht mich jetzt etwas, aber ich bewahre meine Fassung. „Oh, der Urlauber ist zurück“, sage ich. „Und wie war's so?“
„Gefiel mir ganz gut“, er räuspert sich. „Diese Insel hat recht nette Ecken.“
„Obwohl sie rund ist?“ Das kann ich mir jetzt nicht verkneifen.
„Ääh was? Ach so, hahaha ...“, wieder räuspert er sich, bevor er weiter spricht: „Du bist doch wohl nicht schwanger?“
Wer? Ich? Die heiße Sonne von Mallorca hat ihm wohl das Gehirn versengt. Andererseits hat er mich auch nicht gefragt, ob ich irgendwie verhüte. Er hat mich überhaupt nichts gefragt - und ich habe es zugelassen. Ob er das immer so macht? Das könnte in die Hose gehen, aber nicht bei mir, ich nehme zwar nicht die Pille, weil ich die nicht vertrage, aber ich lasse mir alle paar Jahre eine Spirale einbauen. Und bis jetzt hat sie nicht versagt. Parker war nämlich sehr potent, ohne dass er mir große Freude bereiten konnte. Nee, besser nicht an Parker denken ...
„Nicht dass ich wüsste“, sage ich verärgert. „Und wenn, dann wäre es ja wohl MEIN Problem.“ Du lieber Himmel, wenn ich schwanger wäre, dann würde der sich so schnell verdrücken wie 'ne Ratte in die Kanalisation. Wäre ja auch ganz einfach, weil ich weder seine Telefonnummer, geschweige denn seinen Nachnamen weiß.
„Gut“, sagt er - und nach einer Pause: „Was meinst du Tony, hast du Lust bei mir vorbeizukommen? Ich bade gerade und da könntest du doch dazu steigen ...“
„Hmmm ...“ Wieder so eine Unverschämtheit vom ihm! Ich halte erst einmal den Mund, sonst könnte mir eine Beleidigung entwischen. Und denke nach. Ist eigentlich verlockend. „Also, du fährst in Richtung G., dann nimmst du die Ausfahrt G.-Stadtmitte, dann in Richtung Theater und dann rechts ...“ Schon erklärt er mir eifrig den Weg.
„Das Theater kenne ich, da wohnt eine Freundin von mir. Aber eigentlich hab ich...“ Er lässt mich gar nicht aussprechen: „Dann sofort wieder links in die Ahornstraße 7, ist ein altes Haus.“
„Gut, ich komme. Wird aber ein Weilchen dauern.“ Ich weiß nicht, wie diese Worte meinen Mund verlassen konnten, denn eigentlich will ich gar nicht dort hin. Oder doch? Hirn sagt nein, Körper sagt ja?
Dann teilt er mir noch seine Telefonnummer mit, so zur Sicherheit. Ich schreibe sie in mein kleines rotes Adressbüchlein, da steht alles drin, was wichtig ist, und zwar Telefonnummern und Adressen von meinen wenigen Liebhabern und Freunden. Und von wegen zu ihm steigen in die Badewanne, das kann er vergessen, der kann jetzt erstmal auf mich warten, bis das Wasser kalt ist.
Eine Stunde später fahre ich Richtung Nachbarstadt. Wie läuft es wohl ab? Ich darf ihn um nichts bitten, das ist klar, sonst kriege ich sofort wieder eine Abfuhr. Ich habe genug selbstgestopfte Zigaretten dabei und zwei Feuerzeuge. Das sollte reichen. Ich schätze mal, was zu trinken wird er mir wohl anbieten, denn ich habe keine Lust, auch noch meinen eigenen Wein mitzuschleppen. Bei mir hat er sich ja auch durchgefressen und gesoffen. Und zur Not trinke ich Leitungswasser.
Außerdem habe ich nichts bei mir, was darauf hindeuten könnte, ich wolle die Nacht bei ihm und mit ihm verbringen, mein winzig kleines Täschelein ist der Beweis dafür. Das ist offenkundig zu sehen. Und ich werde nüchtern bleiben, denn bisher hat er mich nur besoffen gesehen oder im verkaterten Zustand. Okay, beide Zustände sind normal bei mir, aber ich kann auch anders.
Das schöne Wetter hält immer noch an und das Verdeck meines Karmanns ist aufgeklappt, ich bin kein armes Mädel, ich verdiene genug, um den Karmann unterhalten zu können, auch wenn die blöde Wohnung mittlerweile zu teuer für mich ist, aber ich schaffe das schon. Ich schaffe alles! Auch wenn ich nur fünf Stunden am Tag arbeite.
Ich bin hübsch braun, aber nicht zu braun geworden, mein Haar ist fast weiß ausgebleicht, ich kann endlich meine Arme zeigen und trage ein schwarzes ärmelloses Turnhemd, eine beige lockere Hose und dazu einfache schwarze Sandalen. Meine Finger und Fußnägel sind hellrosa lackiert. Und ich habe ein blaues Jeanshemd dabei, falls es abends kühler werden sollte. Ich bin für alles gerüstet.
Ich nehme nicht den Weg über die Autobahn, ich hasse die Autobahnen in der Stadt, die haben so kurze Auffahrten, dass man Krämpfe kriegt, nein, ich fahre genau da lang, wo auch die Straßenbahn nach G. fährt. Hardys Wegbeschreibung ist gut, und ich finde auf Anhieb die Straße, wo er wohnt.
Haha, the street where you live ...
Es ist eine ruhige Straße, obwohl sie inmitten des Stadtzentrums liegt, es gibt viele freie Parkplätze – ich schätze mal, alle Bewohner sind ins Grüne gefahren – und ich kann in Ruhe nach der Hausnummer Ausschau halten. Altes Haus, hat er gesagt.
Es gibt nur ein älteres Haus auf der ungeraden Seite, und das ist schon fast eine Villa, bisschen runtergekommen vielleicht, aber stattlich, wirklich stattlich. Wieso muss ich an Olivers Eigenausstattung denken, nein, nein, verdrängen ist die Devise! Ich kann direkt vor dem Haus parken, steige aus und will das Verdeck zuklappen, denn möglicherweise gibt es Perverse, die mein altes Dampfradio samt Kassettenrekorder klauen könnten. Ist zwar unwahrscheinlich, aber man weiß ja nie... „Hey Tony!“, höre ich von oben eine Stimme und blicke hoch.
Natürlich ist es Hardy, er steht auf einem, nein, das ist kein Balkon, sondern ein verschnörkeltes Eisengitter mit einer Tür dahinter - und knöpft sich gerade sein Hemd zu. War er so lange in der Badewanne? Fast muss ich lachen, verkneife es mir aber.
„Fahr in die Einfahrt, dann kannst du das Verdeck offen lassen.“
„Okay.“ Ich nicke ihm zu. Also steige ich wieder ein und fahre in die Einfahrt, die sehr lang ist. Ich glaube, er hat Recht, hier ist es wohl sicherer. Er sah saugut aus, so von weitem. Ich habe vergessen, wie saugut er aussieht. Nein Quatsch, habe ich natürlich nicht vergessen, aber ich muss aufpassen.
Er steht unten in der Haustür und gibt mir wieder seinen obligatorischen Kuss auf die Stirn und ich nehme ihn gelassen in Empfang. Schöner Flur, alte Fliesen auf dem Boden, weiß gestrichenes geschnitztes Treppengeländer, irgendwie Jugendstil.
Seine Wohnung ist im ersten Stock. Es gibt drei Wohnungen in diesem Haus. Unten auf den Schellen hatten nämlich drei Namen gestanden und zwar: Irgendwas mit Irene was weiß ich, dann ‚Oliver Hardmann’ und nur ‚Hardmann’. Oliver Hardmann, das ist dann wohl Hardy. Allmählich glaube ich zu verstehen, wieso Hardy mit Spitznamen Hardy heißt. Denn Oliver und Hardy, das gehört einfach zusammen wie ‚Dick und Doof’. Und vielleicht hat es ja auch eine gewisse äääh ... sexuelle Bedeutung. Wer weiß ... Hart aber Hardy ... Tony, bitte wende deine Gedanken anderen Dingen zu! Aber immerhin scheint Oliver-Hardy einen gewissen Humor zu haben, denn sonst würde er den Namen Hardy nicht dulden. Gefällt mir irgendwie.
Die Wohnung hat nicht die typische deutsche Diele, sondern man kommt direkt in einen großen Raum, in dem nicht viel drin steht außer einem Schreibtisch, der ziemlich antik aussieht, einem großen braunen Ledersofa, einem kleinen Tisch davor und einem Fernseher. An einer Wand des Raumes stehen silberne Metallregale. Von IKEA? Sie sind vollgestopft mit Büchern, Schallplatten, Zeitschriften und Aktenordnern. Der Schreibtisch sieht sehr aufgeräumt aus. Stimmt ja, die Ferien sind noch lange nicht vorbei, und er wird sich erst in ein paar Wochen wieder füllen mit den Mathearbeiten seiner ‚Kinder’, wie er seine Schüler genannt hat. Wahrscheinlich ist er zu den ‚Kindern’ netter als zu mir. Klar doch!
Seine Anlage ist nicht so übertrieben wie die der meisten Männer, die ich kenne. Das finde ich gut. An der freien Wand hängt ein Druck von Degas’ Balletttänzerin. Ich steh ja eigentlich mehr auf die Expressionisten, aber Degas ist abgesehen von seinen Rennbahnbildern auch ganz nett. Gehört er zu den Impressionisten? Keine Ahnung, aber dieses Licht hat er wunderschön eingefangen. Ein interessantes Cover liegt vor dem Regal mit den Schallplatten. Eine papageienbunte Frau - ziemlich spitz und expressionistisch - ist darauf zu sehen. Ich nehme das Cover in die Hand und lese den Namen der Band. Es handelt sich zu meinem größten Erstaunen um ‚The The’. Es ist das erste Mal, dass ich das Originalcover sehe, denn ich habe ja nur die Kassette, aufgenommen von meinem Freund Ralf.
„Du hast dir ‚The The’ gekauft?“
„Klar!“, sagt Hardy. „Ist aber sehr verhalten. Jedenfalls die meisten Stücke.“
Er hat sich ‚The The’ gekauft! Ich bin schwer beeindruckt. Hat er das von mir? Ach Quatsch, es gibt bestimmt auch andere Musikinformanten.
Der Fernseher ist an. Er hat Leichtathletik geguckt. Irgendeine Europameisterschaft oder Olympiade? Ich habe mit Susanne auch ein bisschen davon gesehen, hauptsächlich Turmspringen, wobei wir uns köstlich über die Badehosen der Turmspringer und natürlich auch über die Profile der Springer in ihren Badehosen amüsiert haben.
Nun denn, die Spiele sind eröffnet! Ich setze mich auf das braune Sofa aus Büffelleder – zumindest halte ich es für Büffelleder – und es fühlt sich gut an, nicht so ekelhaft rutschig wie der Barhocker im Café Klonk an diesem entsetzlichen Abend mit Salvador. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Gar nix wahrscheinlich. Und ich fühle mich erleichtert, weil nichts passiert ist. Nichts passiert ist? Von wegen, es ist viel zuviel passiert, und ich habe irgendwie ein schlechtes Gewissen, aber nur mir selber gegenüber, mit Hardy hat das nichts zu tun, der hat keinerlei Ansprüche auf mich.
Hardy setzt sich in gebührendem Abstand neben mich hin. Auf dem Tisch stehen eine Flasche Cola, eine Flasche Rotwein und Gläser. Rotwein wäre zwar gut, aber ich nehme mir von der Cola, es ist besser, nüchtern zu bleiben.
Im TV ist gerade Hammerwerfen angesagt. Der muskulöse ungarische Werfer schleudert den Hammer mit einem Urschrei aus dem Käfig heraus und erzielt wohl eine echt gute Weite, was den Sportreporter dazu bewegt, mit begeisterter Stimme und rollendem ‚RR’ von sich zu geben:
„DAS WARR EIN IRRE WEITERR WURRF, ERR KÖNNTE DAMIT DIE FÜÜHRRUNG ÜBERRNEHMEN. DAS IST TRRADITION! JA, UNGARRN WARR IMMERR SCHON EINE HAMMERRWERRFFER-NATION!“
Ich blicke Hardy an. Und Hardy blickt mich an. Sein Blick ist seltsam, er schaut mich an, als wolle er mich prüfen. Aber das macht mir überhaupt nichts aus, ich brauche kein Zertifikat, für was auch immer, denn ich habe nichts zu verlieren.
„Was meinst du, Hardy? Geht man in Ungarrn nach Feierrabend immer in den Parrk und wirrft da ein paarr Hämmerr? Oh, ist Hämmer eigentlich die Mehrzahl von Hammer?“
„Weißt du was, Tony? Ich glaube, ich habe dich vermisst“, er grinst bei diesen Worten, und natürlich ist es eine Lüge. Es ist sonnenklar eine Lüge.
„Meinst du mich oder vielleicht Teile von mir?“ Ich hoffe, dass er mir jetzt keine patzige Antwort gibt, so was in der Art von: Wie kommst du darauf, dass einer wie ich so was wie dich – und seien es auch nur Teile von dir – in irgendeiner Art und Weise vermisst hat? Ich muss noch mehr aufpassen, sonst legt er mich rein. Und vielleicht habe ich mich schon zu weit aus dem Fenster gelehnt.
„Genau das habe ich vermisst.“ Er lächelt irgendwie heimtückisch.
Ist das jetzt eine Finte, um mich in Sicherheit zu wiegen? Ich stelle ihm jede Menge Fragen, und er beantwortet sie gar nicht? Was will er überhaupt von mir? Jedenfalls macht er keinerlei Anstalten, mich irgendwie zu berühren und seien es auch nur meine sekundär sexuellen Zonen. Warum bin ich eigentlich hier? Ha, noch mehr Fragen ...
Ich stehe auf und gehe auf den Balkon. Der ist wesentlich größer als der Ausguck an der vorderen Hausseite. Hier von der Rückseite des Hauses ist ein Garten zu sehen. Wunderschön ist er! Riesige Rhododendrenbüsche wachsen an seinen Rändern, dahinter hohe Backsteinmauern, die jedem Fremden den Einblick verwehren. Kein Rasen, nur unregelmäßig große Steinplatten sind dort ausgelegt, wo normalerweise der Rasen ist. Es hat was Mediterranes an sich.
„Was für ein schöner Garten!“, sage ich zu Hardy, der neben mir aufgetaucht ist. „Diese Rhododendrenbüsche! Die erinnern mich an einen Friedhof, ich mag Friedhöfe, da kann man sich ungestört sonnen, wenn man keinen Balkon hat. Und es gibt keinen Rasen, nicht die Spur davon. Ich mag meinen Rasen nicht, der nervt mich.“ Wieder schaue ich hinaus in den Garten. „Wer hat diesen wunderschönen Garten angelegt?“
„Das war dann wohl meine Schwester“, Hardy grinst mich an.
Er hat eine Schwester. Wie mag die wohl sein? Immerhin hat sie den gleichen Gartengeschmack wie ich. Der Unterschied zwischen ihr und mir ist: Ich kann meinen Geschmack nicht durchsetzen, nicht einfordern. Meine Wohnung ist zu teuer, da kann ich mich nicht auch noch um den Garten kümmern, geschweige denn ihn verändern.
Wir gehen wieder zurück ins Zimmer, gucken weiter Fernsehen, und die Entfernung zwischen uns verringert sich kein bisschen. Aber es ist lustig: Hardy ist nicht so ein Ochse wie mein Ex Parker, der meine Witze nicht verstand oder verstehen wollte, und ich will jetzt nicht an Robert denken, bei dem mir überhaupt keine Witze einfielen. Und ich muss nicht durch Alkohol auf Touren kommen, um wie bei Bruce überhaupt eine zweifelhafte Verständigung zwischen uns herstellen zu können, was ja mit der Transzendentalen Meditation endete. Er hatte tatsächlich schon mal einen fliegen sehen. So einen seltsamen Yogi, der sich ein paar Zentimeter in die Luft erhoben hat. Ich kann nicht verhindern, dass ich auflache, und Hardy blickt mich erstaunt an.
„Hast du schon mal einen fliegen sehen?“, frage ich ihn. „Ich meine so yogimäßig?“ Oh je, noch eine Frage. Hardy muss mich ja für unheimlich neugierig halten. Oder für total bescheuert.
Er schüttelt den Kopf und fängt an zu lachen, anscheinend weiß er, was ich meine. „Nein, und das ist doch albern“, sagt er. „Wenn ich fliegen will, dann bevorzuge ich ein Flugzeug. Ich hab aber öfter schon einen gesehen, der einen fahren lassen hat.“
Darüber muss ich lachen, das ist zu köstlich! Einen fahren lassen, einen fliegen sehen ...
„Gott sei Dank!“ Ich atme erleichtert auf. Wenigstens hat Hardy keine spirituellen Neigungen, egal was man sonst über ihn denken mag.
Es ist fast so witzig wie mit meiner Freundin Susanne, nein, es ist besser als mit meiner Freundin. Sex hängt in der Luft, Hardy sieht so hinreißend aus, dass ich ihn berühren will. Meine Augen hängen unauffällig an seinem Mund, sein Mund sieht wunderschön aus, so ausdrucksvoll und so sensibel ... Kicher! Der und sensibel! Der ist doch nur sensibel, wenn's drum geht, eine Frau ins Bett zu kriegen. Er trägt eine enge Jeans und dieses weiche tiefblaue Hemd darüber. Seine Haare sind leicht lockig und noch ein bisschen kürzer als vor drei Wochen. Aber die weiße Haarsträhne sieht immer noch genauso affig und sexy aus, und ich möchte gerne sein Haar berühren, aber natürlich gebe ich diesem Verlangen nicht nach. Das wäre ein gefundenes Fressen für ihn.
„Wie kommst du eigentlich mit deinem guten Aussehen klar?“ Oh nein! Schon wieder eine Frage. Und es ist ja nicht verkehrt, er weiß, dass er gut aussieht und er weiß, was für eine Wirkung er auf Frauen hat.
„Ganz gut, denke ich“, sagt er amüsiert und schaut mich wieder so seltsam prüfend an.
„Warum frage ich überhaupt?“ Wieder muss ich lachen. Und was soll der ganze Mist eigentlich? Berühren will er mich nicht, die Hoffung habe ich mir mittlerweile abgeschminkt. Ich selber wage es nicht, ihn zu berühren, weil ich Angst vor einer Abfuhr habe, und er macht sich vielleicht einen Spaß daraus, will mich zu irgendwas provozieren. Aber darauf kann er lange warten!
Ich stehe wieder auf und schaue mir seine Schallplatten genauer an. Da ist jede Menge Klassik dabei - und jede Menge Jazz und Blues. Von Klassik habe ich keine Ahnung. Ich denke, ich bin zu jung dafür, es interessiert mich aber. „Was ist richtig schön?“, frage ich Hardy. Schon wieder eine Frage ...
Er lächelt und sagt: „Es gibt unglaublich schöne Sachen darunter, ich bin auch neu dabei, aber Schubert ist der Hammer, willst du es mal hören?“
„Klar doch!“ Hardy ist fünf Jahre älter als ich und bestimmt viel reifer. Quatsch! Innerlich pruste ich vor mich hin. Haha, der und reifer! Er kramt im Regal herum und findet irgendwas, es ist dann wohl von Schubert, legt die Platte auf - und ich bin erstaunt: „Das ist wirklich schön!“ Und das von mir, einem Postpunkkind, das normalerweise nur auf Joy Division und Magazine steht, also entweder auf total dynamisch oder auf total schräg.
Er spielt noch ein paar Jazz Sachen, Dave Brubeck und Miles Davis. Auch nicht schlecht! Gewöhnungsbedürftig zwar, aber nicht schlecht. „Die sind genauso schräg wie Magazine“, sage ich. Natürlich kennt Hardy Magazine nicht. Der kennt so einiges nicht, aber falls ich mich noch mal mit ihm treffe, dann werde ihm einiges zeigen, egal ob buch- oder musikmäßig. Nur ist im Augenblick an so was nicht zu denken, denn hier passiert nichts. Absolut nichts!
Allmählich werde ich ungeduldig. Was mache ich hier? Was will er von mir? Erst soll ich zu ihm in seine Badewanne steigen - und jetzt? Nix, nothing, nada, niente ... Vielleicht sollte ich mich verabschieden, aber das möchte ich eigentlich nicht, also bleibe ich und harre der Dinge, die vielleicht gar nicht kommen werden.
 
Wenn du registriert und angemeldet bist und selbst eine Story veröffentlicht hast, kannst du die Stories bewerten, oder Kommentieren. Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diese Story kommentieren.
Weitere Aktionen
Wenn du registriert und angemeldet bist, kannst du diesen Autoren abonnieren (zu deinen Favouriten hinzufügen) und / oder per Email weiterempfehlen.
Ausdrucken
Kommentare  

Noch keine Kommentare.

Login
Username: 
Passwort:   
 
Permanent 
Registrieren · Passwort anfordern
Mehr vom Autor
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 30 - MANN TRIFFT AUF ANDEREN MANN  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 29 - KANN MAN DEN KARTEN TRAUEN?  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 28 - SEXZÄRTLICHKEITEN -*-*- VERSCHWUNDENE TÜREN  
10. September 1898 - ELISABETH, eine Pop-Ikone der Vergangenheit  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 27 - WIE VIELE MÄNNER? -*-*- TREU WIE SCHWÄNE  
Empfehlungen
Andere Leser dieser Story haben auch folgende gelesen:
Imhotep, der Junge aus Heliopolis - Kapitel 28  
Imhotep, der Junge aus Heliopolis - Kapitel 29  
Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 14 - AUF ZUR PARTY ...  
Genau hier genau jetzt  
Imhotep, der Junge aus Heliopolis - Kapitel 30  
Das Kleingedruckte | Kontakt © 2000-2006 www.webstories.eu
www.gratis-besucherzaehler.de

Counter Web De