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8 Seiten

Schwarze Schwäne - Weiße Schwäne, Teil 20 - ANYBODY -*-*- SEX MIT SCHUBERT

Erotisches · Kurzgeschichten
... Also bleibe ich und harre der Dinge, die vielleicht gar nicht kommen werden. Eine Stunde später schlägt Hardy mir tatsächlich vor, statt dieser Dinge einen trinken zu gehen. Die Kneipe wäre nicht weit entfernt und jetzt noch schön leer. Soso, jetzt noch schön leer ... Will er sich nicht zur Hauptverkehrszeit mit mir zeigen? Mittlerweile bin ich etwas frustriert. Was soll ich machen? Verstehe ich irgendwas falsch, oder will er mich nur demütigen, indem er mir sein Nichtinteresse so deutlich zeigt?
Ich hätte natürlich nach Hause fahren können. Aber nein, stattdessen gehe ich mit, und wir schlendern langsam – und selbstverständlich weit von einander entfernt – die Straße entlang in Richtung Innenstadt. Und wieder kommt er mir so unheimlich groß vor.
„Und wie war's sonst noch im Urlaub?“, frage ich ihn schließlich. Natürlich interessiert mich das nicht wirklich, ist 'ne reine Höflichkeitsfrage. Ich will schließlich nicht wissen, wie viele Frauen er dort angemacht und mit wie vielen er gepennt hat.
„Es war okay. Die Unterwasserwelt dort ist ziemlich eindrucksvoll“, berichtet Hardy steif und gewissenhaft, und es hört sich tatsächlich an, als ob ein Lehrer seinen Schülern einen Vortrag hält.
„Toll! Und die Überwasserwelt?“ Ich muss ein Kichern unterdrücken.
„Na, die war auch ganz nett, vor allem die Sonnenuntergänge“, sagt Hardy nach einem leichten Zögern, und er sieht mich dabei an, als würde er mir gleich an die Gurgel gehen, sauer und aufgebracht irgendwie. Anscheinend will er nicht über die Überwasserwelt sprechen.
Warum kann ich mir meine blöden Fragen nicht verkneifen? Antwort: Weil es mir Spaß macht, wahnsinnig viel Spaß macht, und vor allem, weil ich ihn damit provozieren kann. Denn irgendwas muss in der Überwasserwelt passiert sein, aber was? Das werde ich leider nie erfahren. Schade ... Ich schaue ihn verstohlen von der Seite her an, aber anscheinend hat er sich wieder eingekriegt und sieht wieder genauso gelassen und hochnäsig aus wie immer.
Es dauert wirklich nur ein paar Minuten, bis wir da sind. Bei dem Laden handelt es sich um eine Art Irish Pub und er heißt ‚Anybody’.
„An die Theke?“ Hardys Stimme ist anzuhören, dass er gerne an die Theke möchte und nur aus Höflichkeit fragt.
„Ich liebe Theken!“ Gott sei Dank will er an die Theke! Denn an einem Tisch mit ihm zu sitzen, womöglich noch ihm gegenüber, das könnte ich nicht ertragen, das ist nur was für frisch verliebte Pärchen. Die Theke ist neutraler und man hat mehr Abwechslung. Es sind nicht viele Leute da, und es scheint ein netter Laden zu sein. Er ähnelt sehr einem anderen Lokal, dem ‚Everybody’, kurz E-body genannt. Ist zwar nicht mein Stammlokal, aber ich war mit Parker letztes Jahr öfter dort, weil es nah an der neuen Wohnung lag. Und vor ein paar Monaten war ich auch mit Sybille, Alex und Robert da. Was mag Robert jetzt wohl treiben, ich hoffe, er hat eine Frau gefunden, die zu ihm passt. Ich hätte nie diese Frau sein können.
Die Theke hier im Anybody ist ähnlich lang, und auf den gepolsterten Barhockern mit den hohen Lehnen kann man bestimmt stundenlang bequem sitzen. Genau die gleichen haben sie auch im E-body, es sieht überhaupt alles aus wie spiegelverkehrt.
„Glaubst du an Parallelwelten?“, frage ich Hardy.
„Möglich ist alles“, sagt er. „Warum fragst du?“
„Dieser Laden ist unheimlich, den gibt es schon in meiner Stadt, auch ein paar Minuten von meiner Wohnung entfernt. Und er sieht genauso aus wie dieser hier.“
Er lächelt. „Es wird bestimmt eine Erklärung dafür geben ...“
Ich bestelle mir einen Kaffee und studiere die Speisenkarte. Hardy steht neben mir und bestellt sich ein Bier. Und ich habe natürlich meinen eigenen Deckel, auf dem alles aufgezeichnet wird.
Hardy unterhält sich mit dem Typen, der hinter der Theke steht. Und ich studiere immer noch die Speisenkarte, die mir sehr bekannt vorkommt. Die sieht auch aus wie die im Everybody. Also Zufälle gibt's ... Oder doch Parallelwelten?
Ich fühle mich absolut nicht vernachlässigt, ich kenne mich aus mit dem Kneipenleben, weiß aus langjähriger Erfahrung, dass Männer sich in einer Kneipe anders benehmen als zu Hause. Und deswegen finde ich es auch normal, dass Hardy mich ein wenig ignoriert. Aber es hält sich in Grenzen, das Ignorieren, denn ab und zu schaut er mich an, fragt ob ich Hunger habe - und empfiehlt mir schließlich die Spaghetti.
Okay, ich werde ihm mal vertrauen und bestelle die Spaghetti. Wenn die so sind wie im Everybody - also in meinem eigenen Universum - dann sind sie gut.
„Ja aber hallo! Wer ist denn das!“ Ich drehe mich erstaunt um und erblicke hinter mir Karel, den Wirt vom Everybody. Gibt es wirklich ein Paralleluniversum? Ich bin verwirrt und schaue auch dementsprechend drein ...
„Hallo Tony“, sagt Karel und grinst mich an. „Was treibst du denn hier? Bist du zur Konkurrenz übergelaufen?“
„Nöö, nicht wirklich ... Und du, mein Lieblingswirt? Solltest du nicht in deinem eigenen Laden sein?“ Ich bin immer noch verwirrt.
„Ich wollte meine Exfrau sprechen ...“, erzählt Karel.
„Wie denn, was denn?“
Es stellt sich heraus: Das Anybody gehört Karels Exfrau. Und deswegen kommt mir der Laden so bekannt vor, er hat das gleiche gemütliche Konzept und auch fast die gleiche Speisenkarte wie das Everybody. Karels Exfrau scheint aber nicht da zu sein.
„Und du? Hast du den Sack jetzt endgültig abgeschossen?“
Was meint er damit? Oh je, er meint Parker ... Diese Frage macht mich ein wenig verlegen, und hoffentlich hat Hardy nichts davon mitgekriegt, aber der steht nur einen halben Meter entfernt von mir, und ich spüre, dass er mich von der Seite her anschaut.
Also lächele ich nichtssagend, wäre ja noch schöner, wenn ich mein Privatleben hier ausbreiten würde. „Wir haben uns gütlich geeinigt ...“ Wow, das hört sich gut an. Gütlich klingt besser als gut, mehr so wie Güte.
„Sie hat meine ganze Speisenkarte übernommen, bis auf das Eibrot à la Bibi ...“ Gott sei Dank wird Karel durch die Speisenkarte abgelenkt. Natürlich meint er mit ‚sie’ seine Exfrau, und ich atme erleichtert auf, denn ich habe keine Lust, mich mit ihm über meinen Ex zu unterhalten, jedenfalls nicht, solange Hardy in der Nähe ist.
Zum Glück werden die Spaghetti gerade serviert. Ging ja echt schnell, bestimmt werden die nur kurz aufgewärmt wie im Everybody - aber sie schmecken gut, und es gibt viel Parmesankäse dazu.
Kaum ist Karel weg, er ist so unstet und kann nirgendwo Ruhe finden, erscheint seine Exfrau, die Wirtin vom Anybody. Ich kenne sie ein bisschen, aber lange nicht so gut wie die blonde Schwedin Maja, Karels jetzige Frau. Maja ist ein Engel, sie ist so wunderschön und erinnert mich an eine Erntegöttin mit ihrem üppigen blonden Zopf und ihrem ausgeglichenen Wesen. Ob ich auch mal so ausgeglichen sein werde wie Maja? Falls ja, wird das bestimmt noch 'ne Weile dauern.
Karels Exfrau Regina ist dagegen ein Biest! Aber ich bin froh, dass sich überhaupt jemand mit mir unterhält. Mit Hardy geht es ja nicht, denn der knobelt mit ein paar Leuten. Man spielt Bahrenbeck, ein langweiliges Würfelspiel, wie ich finde. Schocken ist viel besser, das sollte ich Hardy mal beibringen. Natürlich nur, falls ich ihn noch mal treffen werde, aber so wie das jetzige Treffen läuft, besteht da kaum Aussicht.
Jedenfalls unterhalte ich mich ganz gut mit der Wirtin Regina. Zuerst über Karel. „Wie steht es denn mit Karel, ist er glücklich mit Maja?“, fragt sie mich.
Ich sage: „Ja, es scheint gut zu klappen.“
Regina guckt ein wenig verärgert drein, es scheint ihr nicht zu passen, dass ihr Exmann glücklich mit Maja ist. Dann beugt sie sich über die Theke und fragt mich leise: „Bist du mit Hardy hier?“
Ich schaue sie erstaunt an und sage dann genauso leise: „Ich weiß es nicht genau. Aber ich war mit ihm verabredet irgendwie ...“
„Wow, das ist doch schon was!“ Sie schaut mich bewundernd an. „Normalerweise hat der nie 'ne Frau dabei, der ist immer solo ...“
„Echt jetzt?“ Ich kann das gar nicht glauben.
„Die Frauen schleppt er woanders ab. Man sagt ja: Wo man kackt, soll man nicht auch noch essen ...“ Dieses Gespräch nimmt einen Verlauf, der mir nicht gefällt und ich sage gar nichts mehr.
„Er soll ja wahnsinnig gut im Bett sein ...“
„Tatsächlich?“ Das wird ja immer peinlicher. Vor meinem geistigen Auge erscheint eine endlose Reihe von Frauen, die Hardy schon beglückt hat und vielleicht immer noch beglückt. Das ist kein schöner Anblick.
„Ich hörte davon, dass er nie eine mit nach Hause nimmt ...“ Reginas Blick nimmt etwas Lauerndes an.
„Ist nicht wahr ...“ sage ich und tue sehr erstaunt. Ich mag diese Frau nicht und ich atme erleichtert auf, als es voller wird und sie sich um andere Gäste kümmern muss.
Ich sitze schon seit fast zwei Stunden in diesem Lokal fest und nichts ist passiert. Hardy beachtet mich kaum und ich sollte gehen. Aber irgendetwas hält mich fest hier.
Ich teste ich das Klo an. Heiliger Strohsack, was ist denn das für eine Kloake! „Das Klo ist unter aller Sau, genauso wie das im Everybody“, sage ich zu Hardy. „Die Männerklos stehen auch ständig unter Scheiße“, meint der. „Ach nee, die Männer haben mehrere Klos? Das ist ja echt 'ne Diskriminierung!“ Er lacht und knobelt dann weiter.

-*-*- SEX MIT SCHUBERT

Warum gehe ich nicht einfach weg? Ich tue es nur nicht, weil ich Angst habe, im Dunkeln den Weg nicht zurück zu finden.
‚Kannst ja jemanden fragen’, meldet sich Hirn. Ach nee, bist du schlau, zische ich zurück. Ich weiß doch gar nicht, wo ich bin! ‚Du weißt wie die Straße heißt’, sagt Hirn, ‚sonst wärst du gar nicht bei Hardy gelandet.’ Hirn, du hast Recht, ich werde jetzt sofort abhauen!
„Komm, wir gehen“, sagt Hardy just in diesem Augenblick zu mir.
Na endlich! Ich bezahle schnell meinen Deckel, denn er soll nicht denken, er müsse mir was ausgeben. Haha, was er bestimmt nicht tun würde und falls doch, dann widerwillig.
Wir schlendern zurück zu Hardys Wohnung. Ich bin sehr schweigsam, fühle mich verarscht und gehe schnurstracks in die Einfahrt, in der mein Auto steht. „Na dann Tschüss“, sage ich zu Hardy.
„So kommst du mir nicht davon!“ Hardys Arm zieht mich weg von meinem Auto und hin zum Haus.
„Hey, was soll das!“, protestiere ich.
Er hält mich fest, schließt die Tür auf und schiebt mich trotz meines Protestes die Treppe hoch, oh je, ich glaube, mein Protest ist auch nicht ganz ernst gemeint.
Und dann sagt er beiläufig zu mir: „Ich hatte dir bei unserer ersten Begegnung doch was versprochen ...“
„Was meinst du?“ Ich schaue ihn mit großen Augen an. Und dann fällt es mir schlagartig wieder ein: ‚Ich werde dich lecken, bis du mich anflehst, dich zu ficken ...’ Ach das! Aua! Aber eigentlich eine verheißungsvolle Vorstellung.
Irgendwie geht es durch eine Tür, und ich lande auf einem breiten Bett. Das ist bestimmt seine Spielwiese. Er zieht mich unaufhaltsam aus, und ich glaube, ich helfe ihm dabei, bis ich schließlich nackt auf dem Bett liege und vage überlege, wie schnell das gegangen ist.
„Warte einen Moment“, sagt er.
Och nö, ich will nicht warten, muss ich aber wohl, Hardy bestimmt heute alles, er ist so verdammt dominierend! Er verschwindet irgendwohin, und einen Moment später höre ich die Musik von Schubert.

https://www.youtube.com/watch?v=R7ixGAOwCiQ (Franz Schubert, Trio op 100) Zur Erinnerung: Link markieren, mit rechter Maustaste in die Markierung klicken, im Menü auswählen: Link in neuem Fenster öffnen. Werbung abkürzen, Fenster minimieren und hier weiterlesen. Hoffentlich! ;-)

Sie ist wunderschön. Und sie klingt etwas in mir an, das ich eigentlich nicht wissen will.
Jetzt ist er auch nackt. Und wieder muss ich seinen Körper bewundern. Aber nicht lange, denn seine Blicke machen mich überaus nervös, und ich starre ihm atemlos ins Gesicht. Und dann machen seine Hände mich nervös, sie sind auf meinen Brüsten, so zart und quälend, und dann sind es seine Lippen, die irgendwo ... sind, und das verschafft mir einen ersten Vorgeschmack auf das, was vielleicht kommen mag.
Und zwischendurch Schubert, auch so verheißungsvoll quälend und so schön ...
Ab da schalte ich geistig ab. Auch mein ach so schlauer Verstand, der bei solchen Gelegenheiten immer lästig dazwischenfunkt, kann mich nicht erreichen. Und das ist gut so! Und mein Körper, der ja auch immer irgendwelche Vorbehalte hat, sagt ein schmetterndes JA! zu dieser Aktion.
Ich weiß nur, dass Hardy mich hinhält, bis ich ihn anflehe, mehr als die Innenseite meiner Schenkel zu küssen, und ich weiß auch, dass er nachfragt: „Willst du das wirklich?“
Was sage ich darauf? Irgendwas Blödes, so was wie eigentlich will ich nach Hause, aber ich stöhne dabei.
Und er hält mich spielerisch von sich weg, was mich wieder zum Stöhnen bringt, bis ich schließlich verlange: „Tu es, tu es doch endlich, du ... Bastard!“
Und dann tut er es endlich. Und ich winde mich unter ihm. Oh Gott! Er hat es drauf! Ich will näher an seinem Mund sein. Noch näher. Er soll mich verschlingen, dieser wunderbare Mund. Schubert dazu ... Diese Musik hat auch so eine Süße und so viel Bitteres - ich liebe sie!
Und wenig später liege ich atemlos da und kann es nicht glauben. So schnell hat er das geschafft? Ein Wildfremder? Das kann nicht wahr sein! Und ich habe immer noch nicht genug. Es nimmt kein Ende, ich will mehr, will ihn spüren ...
„Willst du immer noch nach Hause?“ Seine Stimme klingt wie gewohnt leicht spöttisch, aber auch erregt.
Nein, ich will nicht nach Hause, ich will, ich will dich ... Habe ich das gesagt?
Oh Gott, er ist so dominierend, und ich findet es herrlich. Also halte ich still, als wäre ich ein Gefäß, das gefüllt wird, und es ist irre gut.
Und wieder passiert es oder ist es die Fortsetzung von eben? Unaufhaltsam drifte ich ab, ich kann es nicht steuern, es passiert einfach. Und ich will mich nicht dagegen wehren, nein, will es zulassen, also lasse ich es zu und klammere mich irgendwie irgendwo an ihm fest, während es passiert ...
Als ich wieder zu mir komme, mache mir ernsthafte Gedanken. So ein endloser Orgasmus, das gibt's doch gar nicht! Vor ein paar Wochen dachte ich noch, ich wäre eigentlich schwer erregbar und mit den meisten Männern würde bei mir gar nichts gehen. Was für ein Irrtum! Aber vorgeschwebt hat es mir immer schon: Die totale Ekstase, sich einfach nur in die Lust fallen lassen. Mit Salvador ging es nicht, obwohl er doch viel netter als Hardy war, aber Hardy scheint genau der Richtige für sowas sein.
Und es ist so herrlich, nicht denken zu müssen, nicht agieren zu müssen und ihm die ganze Initiative zu überlassen. Bei Parker musste ich immer alles alleine machen in den letzten Jahren, bevorzugt Dinge, die ich nicht so mag. Das war nicht sehr befriedigend und hat mich ziemlich angeödet, aber es war wohl seine Art, mich zu demütigen, und genau deshalb finde ich Hardys Dominanz so wunderbar. Zumindest im Augenblick.
Ob er mir irgendwann einmal die Kontrolle überlassen wird? Ob ich ihn noch einmal treffen werde? Fragen über Fragen ... Mit ihm würde es Spaß machen, obwohl ich ihn doch gar nicht ausstehen kann.
Immer noch bin ich außer Atem, und immer noch zuckt irgendwas in meinem Körper, und es nimmt kein Ende.
Als er kurz darauf kommt, ächzt er, und gibt auch ein paar hellere Töne von sich wie ein kleiner Junge. Und ich kann ihm endlich dabei ins Gesicht schauen. Er sieht verletzlich und hilflos aus. Aber während ich ihm ins Gesicht starre, stelle ich fest, dass er irgendwie auch besorgt aussieht, nein, das ist untertrieben, er sieht entsetzt aus. Was passiert da mit ihm? Am liebsten würde ich ihm die Haare aus der Stirn streichen, tue ich natürlich nicht, ich bin ja schließlich nicht irre. Allein die Vorstellung, wie er mich hämisch angrinsen würde... Nein danke, nicht mit mir!
Am nächsten Morgen nach einer Nacht, in der ich die letzten fünf Stunden fantastisch erschöpft geschlafen habe, klettere ich unauffällig aus dem Bett. Ich vermeide es, Hardy dabei zu berühren, sammele meine herumliegenden Sachen ein und ziehe mich leise in dem großen Raum an. Ich erinnere mich an eine andere Nacht bei einem anderen Kerl, nämlich Bruce. Da war die Haustür nicht abgeschlossen, aber hier könnte es möglich sein, und deswegen lege ich ein Kissen zwischen Tür und Angel und gehe erst mal gucken. Zum Glück ist auch diese Haustür nicht abgeschlossen. Ich ziehe oben leise die Wohnungstür zu, verlasse das Haus und steige in mein Auto.
Es ist kühl an diesem Morgen und ich streife mein Jeanshemd über, weil ich keine Lust habe, das Verdeck zuzumachen. Während ich den Motor starte, denke ich nach. Es war so gemütlich in seinem Bett. Warum bin ich eigentlich gegangen?
Antwort: Ich will nicht neben ihm aufwachen. Ich werde keinem auf der Pelle hängen, und ihm erst recht nicht! Miteinander schlafen ist okay, Kneipenbesuche auch, und eine Nacht in der Woche sollte reichen, falls er sich überhaupt noch mal bei mir meldet. Ich selber habe nämlich nicht vor, ihm nachzulaufen, das bin ich meiner Ehre schuldig. Ehre? Automatisch muss ich an Salvador denken. Ich schneide eine Grimasse, während meine Haare im Fahrtwind flattern und meine Ohren sich kalt anfühlen. Ich habe bestimmt genauso wenig Ehre wie Hardy. Da passen wir ja gut zusammen. Andererseits habe ich nicht mit Salvador geschlafen, ich konnte es einfach nicht.
Und auf einmal weiß ich, dass Hardy sich bei mir melden wird. Er ist scharf auf mich, ich habe zwar keine Ahnung warum, aber er ist es. Und er weiß natürlich, dass ich auch scharf auf ihn bin, das ist ihm bestimmt nicht verborgen geblieben, ich muss lächeln. Also unentschieden ...
Trotzdem ist es verlockend, an sein gemütliches Bett zu denken, es ist bestimmt viel gemütlicher als das, was mich an diesem Samstag noch erwartet. Sie wird bestimmt furchtbar öde und langweilig sein, diese Geburtstagsgrillparty von einer bescheuerten ‚Freundin’ am Fluss.
 
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