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Kopfbahnhöfe, Teil 6 - SELTSAME GESPRÄCHE -*-*- FORMALITÄTEN

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
„Ich weiß nichts über die Probleme zwischen deiner Mutter und dir“, sagt Georg. „Die musst du selber klären. Aber irgendwie steckst du mir im Blut, Himmel, ich war so jung damals - und dann kamst du, ein Mädchen aus der Großstadt. Du hattest ein weißes Kleid an und bist auf einem Karussellpferd geritten beim Schützenfest. Ich war damals zwölf Jahre alt und du wahrscheinlich zehn.“ Georg lacht. „Ich habe mich sofort in dich verliebt, und all die anderen, die danach kamen, sahen dir ein bisschen ähnlich.“
Georg lügt doch mit Sicherheit. „Das weißt du noch?“, jetzt muss ich auch lachen. „So was gibt's doch gar nicht! Meine erste Erinnerung an dich ist, dass du über mir warst auf einer Wiese und mich erst irgendwie geküsst und danach angespuckt hast. Also erzähl mir nix über so ein sentimentales Zeug!“
„Manche Erinnerungen wird man einfach nicht los, sie sind wie ein Mückenstich“, Georg grinst irgendwie. „Er juckt und man kann sich kratzen noch und noch, aber er juckt immer mehr ...“
Wieder muss ich lachen: „Ich bin keine besondere Mücke, ich steche genauso wie andere Mücken. Und Illusionen sind doch Kacke! Sie halten nie das, was man sich von ihnen verspricht! Manchmal bleibt nur ein Juckreiz zurück ...“ Hilfe, was erzähle ich da? Juckreiz? Meine Mutter stirbt vielleicht und ich unterhalte mich mit einem fast Unbekannten über Juckreiz? Es hat was Vertrautes und das ist nicht richtig, nicht jetzt und überhaupt nicht!
„Das mag sein, Tony. Ist mir aber egal. Ich will mehr von dir wissen, ich will wissen, ob ich recht damit hatte, mich als Kind in dich zu verlieben. Und auch noch als hormongesteuerter Jugendlicher. Ich will dich kennenlernen, um das widerlegen zu können.“ Er zögert ein bisschen, bevor er weiterspricht: „Und um diesen Mist endlich loszuwerden, denn der nervt mich mittlerweile.“
„Kannst du sofort loswerden. Denn das mit dem Kennenlernen geht nicht, ich bin in festen Händen, und ich liebe meinen Freund, ich liebe ihn so sehr, dass es mir manchmal wehtut, denn ich glaube, ich bin nicht gut genug für ihn.“ Atemlos höre ich auf zu reden. Was ist los mit mir? Warum erzähle ich diesem Georg alles über meine Probleme? Es muss an der alten Heimat liegen, am Dorf und an meiner Kindheit. Oder am Sterben meiner Mutter? Bin ich im Augenblick besonders angreifbar? Und sind meine Ängste berechtigt? Bin ich wirklich nicht gut genug für Hardy? Kann ich seine dominierende Erscheinung auf Dauer nicht aushalten? Und die Frau, die ihn verfolgt? Und dass alle Frauen sich sofort in ihn verlieben?
„Du hast Zweifel, Tony. Warum?“
„Ich weiß es nicht“, sage ich, kleinlaut geworden. „Ich bin furchtbar, denn jeden Mann, der sich in mich verliebt, den vergraule ich.“ Und denke dabei an Parker, dann an Robert, der mich heiraten wollte. Und an Bruce, mit dem ich geschlafen habe aus Rache an Hardy. Oh ja, ich habe alle vergrault und das mit unbeabsichtigter Absicht. Paradox irgendwie.
„Das ist jetzt nicht wichtig. Nein, ich will nichts von dir, um Himmels Willen nein! Aber ich werde dir helfen, wenn deine Mutter sterben sollte. Und ich befürchte, das wird schon bald geschehen.“
So bald schon? Ich habe Angst davor. „Okay“, sage ich zögerlich. Auf einen guten Freund sollte man nicht verzichten. Aber er wird auch meine dunklen Seiten kennenlernen und ich hoffe, sie schrecken ihn nicht ab. Der andere Quatsch von wegen Kindheitsphantasien ... So toll bin ich nicht, bin weder die Hübscheste, noch sexy. Ich schaue an mir herab, ich trage einen schwarzen Pullover, eine graue bequeme Hose und gefütterte Stiefel, denn in Daarau kann es im Januar richtig kalt werden. Hoffentlich habe ich genug warmes Zeug eingepackt.
„Ich komme bei dir vorbei in den nächsten Tagen. Deine Mutter wird sterben, und danach wirst du jede Unterstützung brauchen, allein schon wegen der Formalitäten. Ja, ich weiß, es hört sich grausam an, aber es ist so. Und ich werde deine Mutter vermissen.“ Georg steht auf, geht zu meiner Mutter hin, hält kurz ihre Hand, sagt leise etwas zu ihr - und verlässt dann wortlos das Krankenzimmer.
Ich fühle mich seltsam allein und verlassen. Vielleicht, weil er ein Stück meiner Kindheit darstellt? Oder weil ich am Anfang dieser Zeit noch ein glückliches Kind war?
Kurz darauf kommt mein Vater herein. „Tony, mein Töchterchen, schön, dass du gekommen bist“, sagt er, umarmt mich kurz und setzt sich dann neben mich. Wir schauen meine Mutter an. Es sieht aus, als ob sie friedlich schläft. Ach wenn sie doch nur normal und friedlich schlafen würde ...
„Was meinst du, wie es ihr geht?“, fragt Daddy mich.
„Ich weiß es nicht, aber ihre Augen sahen furchtbar aus. Ich glaube, das wird nichts mehr.“ Wieder kommen mir die Tränen. Vor vier Jahren gab es einen Kater, er hatte die gleichen braunen Augen wie jetzt meine Mutter und er musste eingeschläfert werden. Es lag an der Leber. Der arme Toddy, er hat mich so geliebt und ich ihn auch. Sein Leben dauerte nur ein paar Monate. Nach ihm kamen Pascha und Kiddie ins Häuschen zu mir und Parker.
„Ja, könnte sein“, sagt Daddy gerade, „und ich habe Angst davor. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn sie nicht mehr lebt. Und ich habe ihr doch soviel angetan ...“
Mein Vater, der absolute Fremdgeher kriegt auf einmal ein schlechtes Gewissen. Und ich selber? Ich habe ihr auch soviel angetan. Nämlich meine Unbeugsamkeit und meine Verweigerung zu weinen. Ich war eine schlechte Tochter.
„Ach Daddy, du wirst dich nie ändern!“ Und ich mich vielleicht auch nicht, denke ich nebenbei.
„Ja, ich weiß ...“, sagt er.
Wir fahren zusammen nach Hause, ich packe meine Sachen aus und deponiere sie unten im Souterrain, dort gibt ein großes Zimmer mit einem Bauernbett, einer Kochplatte und einer Spüle, es ist fast schon ein Apartment mit dem großen Badezimmer gegenüber. Ich packe meine Sachen in den Kleiderschrank und den anderen Krempel in das Bad. Putze mir die Zähne und denke an Hardy. Was mag der jetzt wohl treiben? Nein, ich bin mir sicher, dass er nichts Schlimmes treibt.
Ich gehe nach oben ins Wohnzimmer. Mein Vater sitzt dort und grübelt vor sich hin. Ich setze mich zu ihm.
Das Telefon klingelt. Endlich! Hardy ruft mich an.
Nein, es ist nicht Hardy, es ist jemand aus dem Krankenhaus, und ich kann die Worte zuerst nicht realisieren. Dann aber doch.
Meine Mutter ist gerade gestorben. Sie sagen, dass sie unter starken Schmerz- und Betäubungsmitteln stand und nichts mehr gespürt hat bei ihrem Sterben.
Ich muss tief aus- und einatmen, stehe irgendwie unter Schock, bekomme keine Luft mehr. Es ging alles so schnell. Warum bin ich nicht eine Stunde länger bei ihr geblieben? Bei meinem kranken Kater Toddy bin ich bis zum letzten Augenblick geblieben, habe ihm übers Köpfchen gestreichelt und seine Pfote gehalten, habe ihm gesagt, alles wird gut - bis er durch die Spritze starb.
„Sie ist gerade gestorben“, sage ich mühsam zu Daddy. Der sitzt auf dem Sofa wie erstarrt. Ich versuche meinen Vater zu trösten, das ist schwer, denn ich weiß nicht, was ich da tun könnte. Ich umarme ihn nur schweigend - und wir verharren für eine lange Zeit so.
Irgendwann greife ich mir das Telefon und rufe Hardy an. Er ist sofort dran.
„Hardy, mein Psy San, wie geht es dir?“
„Mir geht es gut, meine Süße, aber dir, ich weiß nicht ...“
„Meine Mutter ist gerade gestorben, und ich hoffe, ihr Sterben war nicht furchtbar. Sie wollte gehen“, ich muss eine längere Pause machen, bevor ich weiterspreche: „Ich werde noch ein paar Tage hierbleiben müssen. Mein Vater kriegt das allein nicht auf die Reihe, den ganzen Beerdigungsmist. Und ich auch nicht. Ich muss mir Hilfe suchen, da gibt es eine Tante, die kennt sich damit aus. Und ein alter Freund aus Kindertagen wird mir dabei helfen.“
„Soll ich zur Beerdigung kommen?“, fragt er.
Ich muss überlegen. Natürlich wäre es schön, ihn hier zu haben, aber ich will ihn nicht unnötig strapazieren. Also sage ich: „Das ist lieb von dir. Aber nein, besser nicht. Es ist vorbei, und so eine Beerdigung ist doch nur eine leere Hülse, nur da wegen der Tradition. Und es gibt auch noch gar keinen Termin dafür.“
„Bleib so lange du kannst und willst“, sagt Hardy. „Die Katzen leben noch und ich liebe dich!“
„Ich hab dich auch lieb, mein Psy San!“ Es ist selten, dass wir uns solche Liebeserklärungen machen, aber wenn, dann ist es immer wunderbar und ich fühle mich getröstet. „Kümmere dich gut um die Katzen“, sage ich noch. Hardy verspricht es mir.
Trotzdem bin ich im Innersten schrecklich einsam. Das Haus ohne meine Mutter ist leer. Und ich vermisse sie. Wer hätte das jemals gedacht? Aber noch tut es nicht wirklich weh. Seltsam. Vielleicht kommt der richtige Schmerz erst später. Vielleicht trifft er mich irgendwann unerwartet. Aber jetzt wohl noch nicht.

-*-*- FORMALITÄTEN

Zwei Tage später, früh am Mittwoch kommt Georg vorbei. Neben ihm trippelt ein mittelgroßer Hund daher. Ist vielleicht eine Art Hütehund, gute Größe, nicht zu klein, nicht zu groß, schwarz-weiß im Fell - und nett anzusehen. Georg ist übrigens auch nett anzusehen, nämlich sehr männlich und zuverlässig. Er ist groß, hat markante Gesichtszüge und schmale Lippen.
„Ja, wer ist denn das? Du bist ja ein Hübscher!“ Ich beuge mich zu dem Hund herunter und lasse ihn erstmal an mir schnuppern. Ich glaube, mein Geruch gefällt ihm, denn er lässt sich von mir streicheln. Ich bin ja eher Katzenmensch und mit Hunden nicht vertraut, aber dieser Bursche gefällt mir. Vor dem habe ich gar keine Angst, kraule ihn hinter seinen flapsigen Ohren - und er lässt es sich gerne gefallen.
„Wie geht's dir, Tony?“, fragt Georg mich ohne Umschweife. Ich mag das, wenn jemand ohne Umschweife redet.
„Ich weiß es nicht“, sage ich. „Ich glaube, ich bin zu beschäftigt, um drüber nachdenken zu können.“
„Das ist der Sinn einer Beerdigung. Kann ich dir irgendwie helfen?“
„Ich muss eine Liste mit Adressen machen von Freunden und Verwandten wegen der Trauerkarten, aber ich weiß nicht, wie die heißen, geschweige denn, wo die wohnen ... Meine Tante Gertrud will aber gleich vorbei kommen, die hat mehr Ahnung als ich.“
„Habt ihr ein Beerdigungsinstitut beauftragt?“
„Ja, in der Kleinstadt. Und die Beerdigung ist am Montag. Schneller ging es nicht. Die machen ja alles, vom Totenschein bis zur Friedhofskapelle und hinterherigem Leichenschmaus. Mist, wieso erinnert mich Leichenschmaus immer an Kannibalismus? Ach, verdammt! Es ist so leer hier ohne sie! Sie hätte alles gewusst ... Und ich bin so unerfahren, kenne mich mit diesem ganzen Zeug nicht aus.“
„Du brauchst also nur die Adressen? Hier und auch in den anderen Dörfern kann man die Karten einfach so abgeben, das ist persönlicher. Man erspart sich das mühsame Adressieren - und die Leute freuen sich darüber.“
„Gut, dann werde ich das so machen. Meine Tante Lisa in Stuttgart habe ich schon angerufen - und meinen Onkel in Nürnberg auch. Aus meiner Stadt werden vielleicht auch ein paar Verwandte kommen, aber das ist zu schaffen. Und Schwesterchen Donni habe ich auch erreicht.“
„Dann hält es sich ja in Grenzen!“, sagt Georg gerade.
Georg hat eine beruhigende Wirkung auf mich und ich bin froh, dass er gekommen ist. Der nette Hund liegt mittlerweile neben mir auf der Küchenbank, hat seine Schnauze auf meinen Schoß gelegt und lässt sich von mir streicheln. Das Streicheln geschieht automatisch und es tut mir gut. „Wie heißt der Bursche?“, frage ich Georg.
„Er heißt Arnie.“ „Echt jetzt, nach Arnold Schwarzenegger, Terminator und so?“
„Ja“, sagt Georg.
Und ich gebe mich damit zufrieden. Immerhin kennen die hier auf dem Lande die wichtigsten Filme. Und vielleicht ist Arnie ja ein Roboterkillerhund.
Ich kraule ihn weiter, denn ich vermisse mittlerweile meine Katzen und hoffe, dass Hardy sie gut versorgt.
„Wenn die Leute es wissen, dann werden sie hier erscheinen und etwas erwarten ...“, höre ich Georgs Stimme im Hintergrund.
„Und was erwarten sie dann?“, frage ich ihn.
„Ist unterschiedlich ... Wenn es Kinder sind, die mit einem Beileidsbrief ankommen, dann gibt man ihnen ein Stück Zuckerkuchen. Den kannst du beim Bäcker backen lassen, der freut sich über jeden Auftrag. Nur mal angenommen, dass DU das nicht gebacken kriegst.“ Georg muss lachen.
Ich schüttele den Kopf. „Kriege ich auf keinen Fall gebacken. Wie viele Kuchen sollte man denn bestellen? Au Mann, diese dörflichen Gebräuche sind einfach ätzend!“
„Ich schätze mal, drei bis vier Bleche. Und genügend Schnaps sollte auch bereit stehen. Da kommen nämlich die Witwen und die Witwer an, um sich zu trösten, da kommen die Verheirateten an, oder einsame Männer und Frauen an, um sich zu trösten. Also halte Schnaps in jeder Menge bereit und viele kleine Gläschen ...“ Georg grinst bei diesen Worten.
Automatisch denke ich: Georg ist bestimmt keiner von diesen zu Tröstenden. Der macht nicht den Eindruck, als wäre er einsam. Neugierig frage ich: „So viele einsame Seelen gibt es hier?“
„Tja, ziemlich viele“, gibt er mir lakonisch zur Antwort. „Oder die sind alle Alkoholiker.“
Ich gebe mich damit zufrieden, habe wieder einen Brauch dazugelernt und weiß nun, dass es hier viele einsame Seelen gibt. Oder viele Alkoholiker.
-*-*-
Also ab in die Bäckerei, um Kuchen backen lassen. Und Schnaps muss ich auch kaufen. Mist, soviel Schnapsgläser gibt es hier nicht im Haus, ich müsste also die benutzten Schnapsgläser dauernd spülen. Aber Tante Gertrud, die Schwester meines Vaters wird mich bestimmt dabei unterstützen, nämlich eigene Gläser mitbringen und die ausgesoffenen spülen. Und wie soll ich den Kuchen servieren? Ich werde in der Kleinstadt jede Menge Pappteller besorgen.
Als Georg gegangen ist, raffe ich mich auf und traue mich in die Bäckerei. Sie liegt am anderen Ende des Dorfes, also keine vier Minuten entfernt.
Als ich die Tür öffne, erklingt ein zaghaft leises, irgendwie melodisches RING–RING–RING. Ich trete ein, und es riecht so, wie es nur einer uralten Bäckerei riechen kann, in der seit hundert Jahren Brot und Kuchen gebacken wurde und noch gebacken wird. Es ist der Geruch meiner Kindheit, und ich nehme jedes Molekül davon in mich auf.
Eine mollige ältere Frau kommt aus der Backstube heraus und nickt mir zu: „Ich wünsche Ihnen einen schönen guten Morgen!“
Dann schaut sie mich genauer an und sagt: „Du bist es, Tony. Ach, es tut mir so leid, dass die Leni gestorben ist, sie war doch noch so jung!“
Helene, oder abgekürzt Leni, so hieß meine Mutter. Und diese ältere Frau ist eine enge Verwandte von mir, nämlich eine sehr viel jüngere Schwester meiner Großmutter, sie lebt in einem Nachbardorf, und jetzt arbeitet sie hier? Ich habe sie seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie muss sicher was dazuverdienen zur Witwenrente. Sie konnte gut schneidern, natürlich nicht im eigenen Geschäft, sondern nur zu Hause. Und sie hatte ein Kind, einen Jungen, aber der war geistig schwer behindert. Es gab Familienfeste als ich noch klein war und wir Kinder zusammen spielten. Da hat dieser Junge mit einer Schüppe auf ein anderes Kind eingeschlagen, bis Blut floss. Und obwohl der Junge gefährlich agierte, wurde er in der Familie belassen, dort wurde er vor sich selber beschützt - und vor anderen auch. Irgendwann ist er dann gestorben. Ach meine arme Großtante! Sie ist immer noch so lieb wie früher, kann ihrem Schicksal trotzen und hat ihren Mut nicht verloren. Ich bewundere sie dafür. Und falls ich jemals in Daarau leben sollte, dann würde ich für sie sorgen, denn außerdem ist sie meine Patentante und hat mir ihren Namen, nämlich Wilma vererbt und der kommt mir jetzt nicht mehr so schlimm vor wie früher. Im Gegenteil: Ich sollte stolz auf ihn sein. Allerdings ist die Idee, jemals hier in Daarau zu leben ziemlich absurd.
Wir umarmen uns. „Ja, Tante Wilma - meine Mutter war viel zu jung, um sterben zu müssen.“ Eine Weile stehen wir so da, und ich finde es schön. „Und was ist mit dir?“, frage ich sie dann. „Schneiderst du immer noch?“
„Ja“, sagt sie, „aber es wird immer weniger. Die Leute kaufen nur noch fertige Sachen aus dem Katalog, und ich mache fast nur noch Änderungen.“
„Das ist schade, aber vielleicht kommen ja wieder bessere Zeiten.“
Ich bestelle vier Bleche Zuckerkuchen bei meiner Großtante Wilma, hoffentlich reicht das. Und ich werde sie spätestens bei der Beerdigung meiner Mutter wiedersehen.
 
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Kommentare  

Danke dafür, liebe Evi! Und ich hoffe, ich kann das Lebensechte einigermaßen aufrechterhalten.

Ingrid Alias I (23.03.2022)

Schön spannend, wie immer und äußerst lebensecht. Habe ich wieder sehr gerne gelsen.

Evi Apfel (20.03.2022)

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