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5 Seiten

Die Belfast Mission - Kapitel 03

Romane/Serien · Fantastisches
Kapitel 03 – Prolog

Es ist das 25. Jahrhundert. Die Welt wie sie einst war, existiert seit über vier Jahrhunderte nicht mehr. Auf der Erde herrschen atmosphärische Bedingungen, ähnlich wie auf dem Planet Venus und Mars. Ende des 21. Jahrhunderts hatte sich die Erdatmosphäre soweit ausgedehnt, dass ein Leben in freier Natur nicht mehr möglich war. Die vernichtenden UV-Strahlen drangen ungeschützt auf die Erdoberfläche nieder und richteten zunächst nur erhebliche Schäden an der Flora an, zudem bekriegten sich die Großmächte um die letzten Ressourcen der Welt. Die europäischen Staaten verurteilten diese Konflikte und erklärten sich als neutral. Aufgrund eines absehbaren Weltkrieges und die globale Katastrophe vor Augen, wurde in den Niederlanden 2095 der erste Prototyp einer Zukunftsstadt errichtet und innerhalb fünf Jahren fertiggestellt. Kurz darauf begann offiziell der Dritte Weltkrieg.
Eine gigantische Halbkugel, erschaffen aus einer neu entwickelten Titanlegierung, die sich zentral über die Niederlande erstreckte und mehrere Städte umfasste, schützte die meisten des niederländischen Volkes vor dem vernichtendem Klima sowie vor den totbringenden, radioaktiven Niederschlägen des neuen Weltkrieges. Diese Kuppelstadt, genannt Centrum, ragt 910 Meter in die Höhe und mit ihren 130 Etagen ist sie in der Lage, bis zu 15 Millionen Menschen einen Lebensraum zu bieten. In dieser hermetisch abgeriegelten Kuppelstadt war es notwendig, dass von Maschinen, die sogar geringe Abgase produzieren, abgesehen wurde. Die Hauptenergieversorgung war bislang der elektrische Strom, der aus unumgänglich produziertem Müll und von integrierten Wasserwerken erzeugt wird.
Die damaligen EU-Staaten waren sich einig. Die einzige Überlebenschance zukünftig waren weitere Konstruktionen solcher Kuppelstädte, sogenannte Citys, um sich von der vernichtenden Umwelt zu isolieren. Ausgerüstet mit Schutzanzügen und neu entwickelter Technologien sowie Maschinen, begannen alle europäischen Staaten eifrig mit dem Bau ihrer eigenen City, während sich die Großmächte bekriegten. Ganz Europa war nun einige jahrzehntelang ausschließlich damit beschäftigt, die Zukunft ihrer Kindeskinder zu sichern und so beschloss man den Niederländern, die bereits jahrelang trotz des Krieges in einer isolierten Welt ihr normales Leben im Centrum weiterführten, die Regierung über alle europäische Staaten zu überlassen. Daraufhin wurde Europa zu einem einzigen Staat umstrukturiert: United Europe.

Unterdessen bahnte sich eine weitere Katastrophe an. Diesmal drohte die Gefahr aus dem Weltall. Irgendwo innerhalb der Milchstraße ereignete sich eine Supernova, wobei ein Asteroidenschwarm auf den Planetengürtel, der zwischen den Umlaufbahnen von Jupiter und dem erdnahen Mars schon seit einer unendlichen Ewigkeit seelenruhig die Sonne umkreiste, zuströmte und aufschlug, worauf abertausende Asteroiden gegeneinander zerbarsten und wie unkontrollierte Schrotgeschosse mit unglaublicher Geschwindigkeit schwerelos in allen Richtungen umherflogen. Städtegroße Planetoiden bombardierten den Mars, schlugen wuchtig auf dessen Erdoberfläche auf und knackten die Erdkruste wie eine Walnuss auf, bis dieser Planet ebenfalls zu explodieren drohte. Sei es göttliche Fügung oder doch eher zufälliges Glück, aber lediglich eine handvolle Asteroiden, trotz alledem mit einem Durchmesser von bis zu 70 Kilometern, rasten direkt auf die Erde zu und noch bevor diese mit monströser Gewalt auf dem Erdboden des bereits ausgestorbenen Afrika, Australien und in den Weltmeeren einschlugen, explodierten die Himmelskörper, dessen abertausende Felsbrocken mit Überschallgeschwindigkeit über die Erdoberfläche schossen und überall unwillkürlich einschlugen.
Die Erde erzitterte. Gewaltige Donner ließen die Luft vibrieren, als die riesigen Asteroiden detonierten. Die Sprengkraft schleuderte herausgerissene Erdmasse kilometerweit, wie eine gigantische Säule, über die Stratosphäre hinaus. Zugleich zogen Schockwellen mit kolossalen Radien über die Kontinente hinweg. Die monströse Kraft, mit der sich die Druckwellen rasch fortbewegten, walzten sogar die größten Berge der Welt nieder. Dagegen waren die Atombomben nur Silvesterböller gewesen.
Selbst über ganz United Europe stürmte noch eine gigantische Erdlawine wie ein Tsunami hinweg, aber die Konstruktionen der Citys hielten stand. Trotzdem waren die Erschütterungen heftig genug gewesen, um zahlreiche Schäden in den Innengebäuden der Citys zu verursachen und überdies forderte die Katastrophe aus dem All zahlreiche Menschenleben. Dennoch überlebte die Menschheit ein weiteres Mal. Die Kuppelstädte waren jahrzehntelang verschüttet gewesen, doch das alltägliche Leben in den Citys konnte weitergehen. Im Laufe der Jahrhunderte fegten gewaltige Orkane die Citys wieder frei.

Der Mars kollabierte aufgrund der unzähligen Asteroideneinschlägen schließlich irgendwann und erlag ebenfalls einer Supernova. Ein Glied einer Kette im Sonnensystem fehlte nun, woraufhin Muttererde von der Gravitation des Jupiters aus ihrem ursprünglichen Orbit um die Sonne gesogen wurde. Seitdem verläuft die epileptische Umlaufbahn der Erde um die Sonne kritisch.
In den Sommermonaten herrschen seitdem Temperaturen bis zu 200 Grad Celsius, bevor die Zeit der starken Winde beginnt. Anfang Oktober kann damit gerechnet werden, dass sich der Himmel verdunkelt und gigantische Tornados und sintflutartige Regenstürme auf der Erdoberfläche wüten. Irgendwann, gegen Januar, wird der Wüstensand wieder weit hoch in die Atmosphäre geschleudert und verhindert, dass die Sonne kräftig genug sein wird, weiteres biologisches Leben zu erzeugen. Dann erhellt bis Ende Mai nur noch ein gelbliches Zwielicht das Land und die dünne Atmosphäre wird mit dichten, radioaktiven Staub verseucht sein. Allmählich sinken die Temperaturen irgendwann weit unter Minus 90 Grad Celsius, so lange, bis sich unser Planet der Sonne wieder unbarmherzig nähert.
Dreiviertel der Wasserkapazität aller Meere verdampften während der Jahrhunderte, nur in den Regensturmmonaten füllen sich die abgrundtiefen Schluchten wieder allmählich, bis die Wasserpumpen der Citys an den niedrigen Meeresspiegel reichen, das wertvolle Wasser herausgeschöpft und es in den Wasserwerken von Verschmutzungen und Radioaktivität gefiltert wird.

Jahr 2473, Gegenwart

United Europe ist nun die einzige Nation, die auf dem einstig wundervollen Planeten Erde existiert. Weitflächig verstreut ragen auf Europa, bis hinter dem Uralgebirge in das ehemalige Russland hinein, 345 Citys verschiedener Einwohnerkapazitäten hervor. Die zerbersten Stahlüberbleibsel des Eifelturms, das brachliegende Venedig oder die eingestürzte Ruine des Kölner Doms lassen beim Betrachten nur erahnen, um welche Stadt es sich hierbei einst gehandelt hatte. Die halbkugelförmigen Stahlkolosse wirken wie riesige Monumente einer fremden Zivilisation. Die Menschen in den Citys leben seither ihren gewöhnlichen Alltag. Die Technik schritt unentwegt voran. Man spezialisierte sich auf die Mikrotechnik, die mit geringer Energie lange andauernd funktioniert.
Beinahe 350 Jahre nach Kriegsende verdunkelte sich der Himmel abermals und Schatten hunderte Raumschiffe lagen über den Citys. Eine außerirdische Zivilisation, dessen Schicksal die einstige Supernova in der Milchstraße ebenso besiegelt und ihren Heimatplaneten gar komplett vernichtet hatte, suchte immer noch nach einem neuen Zuhause. Aber der Planet Erde blieb weiterhin für ein Leben unattraktiv. Nach der friedlichen, jahrzehnlanger Belagerung und Austausch beidseitiger aufschlussreichen Forschung, überreichten die Außerirdischen den Menschen geheimnisvoll leuchtende Steine, zum Dank ihrer Gastfreundschaft, und zogen Jahre später wieder friedlich davon. Es eröffnete sich eine völlig neue Lebensperspektive, als es Wissenschaftlern nach weiteren 50 Jahren harter Arbeit und unzähligen Experimenten mithilfe dieses mysteriösen Gesteins endlich gelungen war, im Jahre 2443 Zeitreisen in die Vergangenheit zu ermöglichen. Die Regierung von United Europe gründete daraufhin das Unternehmen Time Travel Agentur, ein Reisebüro welches Urlaubsziele in die vergangene Welt anbot.
Die Menschen im 25. Jahrhundert ernähren sich hauptsächlich von Nahrungspräparaten oder nehmen synthetisch hergestellte Lebensmittel zu sich. Vorhandene biologische Speisen werden von den Gesundheitsbehörden streng kontrolliert und nur bedingt genehmigt. Somit sollen mögliche Krankheiten oder gar Seuchen ausgeschlossen werden, die für eine hermetisch abgeriegelte Stadt der sichere Untergang bedeuten würde. Genauso atmen sie täglich ausschließlich künstlich hergestellten Sauerstoff ein, dieser aus den Klimaanlagen herausströmt und die wärmenden Sonnenstrahlen werden von Halogenleuchten an den Etagendecken ersetzt. Eine wohltuende Dusche vergleichen die Europäer mit einem prickelnden Frühlingsregen und City No 275, die in der ehemaligen Schweiz errichtet wurde, ermöglicht dem europäischen Staatsbürger Skisport. Dort wird der Schnee künstlich in Generatoren hergestellt, von Generatoren aus in Trockeneis gekühlte Rohre gepumpt und diese verteilen die erzeugten Schneeflocken in Leitungen, die wiederum zu den Etagendecken führen und herabgeblasen werden. Eine City des Winters war entstanden.
Zeitreisen in die Vergangenheit ermöglicht der Menschheit im 25. Jahrhundert, all dies in freier Natur am eigenen Leib zu erleben, und zudem lernen sie von ihren Vorfahren aus der untergegangenen Welt. Hauptsächlich reisen Akademiker durch Raum und Zeit und unterrichten, nach ihrer Wiederkehr ihren erworbenen Lehrstoff an den Universitäten oder in ihren Privatschulen, damit sich die europäischen Staatsbürger nach absolvierter Prüfung ebenfalls eine Lizenz zum Zeitreisen erwerben können. Um die wirkliche Natur wahrhaftig erleben zu können, so wie es einst war.

Die Interessen sowie Urlaubsziele der privaten Zeitreisenden unterscheiden sich voneinander. Manche TTA Kunden legen gar keinen Wert darauf, die freie Natur zu genießen oder ein echtes Rumpsteak mit Kräuterbutter zu verzerren, sondern schwören weiterhin auf die Nahrungspräparate und verweigern strikt biologische Mahlzeiten. Diese Leute verschlägt es vorzugsweise zu den historischen Ereignissen, wie beispielsweise zur Hochzeit von Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth (Sissi) im Jahre 1854, zum Start der Mondmission von Apollo 11, zur Kreuzigung von Jesus Christus oder sie besuchen das Jahr 1963 in Dallas, um das Attentat von John F. Kennedy leibhaftig zu erleben. Einige TTA Kunden wollen tatsächlich historische Katastrophen miterleben, wie das verheerende Erdbeben von 1906 in San Francisco oder das Attentat auf das World Trade Center am 11. September 2001. Andere wiederum verlangen nach etwas abenteuerlicherem und helfen beim Bau der Cheops-Pyramide mit, kämpfen in der Arena des römischen Kolosseum als Gladiator, ziehen in den Vietnamkrieg oder in mittelalterlichen Schlachten. Manchmal kommt es auch durchaus vor, dass die Abenteuerlustigen nie wieder durch das Zeitfenster zurückkehren.
Mit der Erfindung der Zeitreise eröffnete sich aber gleichzeitig eine neue Dimension des Verbrechens. Dabei unterteilt der UE-Secret Service die Straftaten in unterschiedliche Kategorien. Zum einen zählt das Kapitalverbrechen dazu, sich an der Vergangenheit zu bereichern. Zweitens, der unbefugte Aufenthalt in einer Zeitepoche, ohne die dementsprechende Lizenz für das jeweilige fremde Jahrhundert erworben zu haben, um ein neues Leben anzustreben. Aber das gravierendste Verbrechen, was unbedingt verhindert werden muss, ist die Zeitmanipulation: Die Veränderung vergangener Ereignisse.
Und damit die Historie der Menschheit unverändert bleibt, so wie sie in den Geschichtsbüchern geschrieben steht, sendet der UE-Geheimdienst seine Agenten in die vergangene Welt.
Das staatliche Zeitreiseunternehmen Time Travel Agentur bietet neuerdings sogar Kreuzfahrten mit Ozeandampfer des 20. Jahrhunderts an. Es stehen neuerdings Tickets zur Verfügung, die eine Reise auf berühmten Schiffen wie die Andrea Doria, Queen Mary, mit der Aida, Mauretania und ihr Schwesterschiff Lusitania ermöglichen. Ganz neu im Zeitreiseprogramm der TTA wird die Jungfernfahrt mit der legendären Titanic angeboten.
 
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