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Manchmal denke ich noch daran zurück, wie ...

Kurzgeschichten · Erinnerungen
© doska
Storybild
Hallo Leute, was haltet ihr davon, wenn ihr eure tollsten oder auch schlimmsten Erlebnisse hier mal aufschreibt?
Zum Bild: das ist ein Foto meiner längst verstorbenen Tante Frieda

Ich mach` mal den Anfang:

Ich war wohl so etwa zehn Jahre alt, als wir bei Herrn S. eine Bioarbeit schreiben sollten. Wir Mädels waren eigentlich alle in diesen Lehrer verknallt. Er war noch ganz jung – leider bereits verheiratet, aber das hinderte uns nicht daran, ihn jeden Tag aufs neue anzuschmachten. Auch unsere Jungs mochten diesen Lehrer sehr. Er war ihr großes Vorbild. Da wir recht gut bei diesem Lehrer aufgepasst hatten, weil er uns immer einen sehr anschaulichen Unterricht zu erteilen verstand, fiel es den meisten von uns bei dieser Arbeit gar nicht schwer, die vielen Fragen zügig zu beantworten.
Nur ich machte ewig lange herum, denn mir fiel bereits zu den ersten drei Fragen eine ganze Menge ein. Entsetzt huschte mein Blick schließlich zu den übrigen zwölf Fragen. Oh Mann, würde ich das noch schaffen? Ich hetzte diese Fragen nach einander durch, versuchte mich knapper auszudrücken, schrieb so schnell, wie ich nur konnte, aber der Zeiger der Uhr rückte unbarmherzig weiter. Bei der letzten Frage gelang es mir nur noch ein einziges Wort hinzukritzeln, denn schon zog Herr S. das Papier einfach unter meinem Füller weg. „Tut mir Leid!“, hörte ich seine tolle Stimme dicht an meinem Ohr. „Es hat bereits geklingelt. Auch DU musstest endlich deine Arbeit abgeben.“
Ich war den Tränen nahe, konnte ihm nur noch stumm zunicken. Aaach, ich hätte doch so gerne mit einer guten Arbeit bei meinem Lieblingslehrer geglänzt. Immer musste ich mir alles wegen meiner dämlichen Gründlichkeit vermasseln, aber so war ich leider.
Dann kam der furchtbare Tag, an dem die Zensuren von Herrn S. laut verkündet und die Arbeiten an die Schüler ausgeteilt werden sollten. Jeder von uns hatte diese zensierte Arbeit noch am gleichen Tag seinen Eltern zu zeigen und diese hatten eine Unterschrift zu leisten.
Mir war ganz schlecht, als die Namen derjenigen Schüler aufgerufen wurden, welche die besten Arbeiten geschrieben hatten. War ja klar, dass ich nicht dabei sein konnte. Danach kamen „nur“ die guten Arbeiten dran, schließlich die mit einem befriedigend. Ich bibberte, dass ich zumindest mit einer Vier nach Hause kommen durfte, aber auch diese Hoffnung ging dahin. Mein Herz schlug bis zum Halse, als Herr S. weitere Namen nannte und ich wieder nicht dabei war. Ich rang die Hände in meinem Schoß. Oh, hoffentlich wenigstens eine Fünf, aber keine Sechs ... bitte ... bitteee, betete ich im Stillen. Traurig nahm jetzt nur ein einziger Schüler seine Fünf in Empfang. Er wurde aber vom Lehrer sehr liebevoll getröstet und zur besseren Mitarbeit ermuntert, so wie es bei ihm üblich war. Eine sechs gab es nicht und wo war nun MEINE Arbeit geblieben? War die etwa verloren gegangen?
Ich ruckelte unruhig auf meinem Stuhl hin und her und wollte mich gerade melden, als Herr. S. tief Atem holte, mich dabei schmunzelnd mit seinen wunderschönen dunkelbraunen Augen anblickte und feierlich sagte: „ Eine Arbeit war so hervorragend, dass ich euch diese Antworten vorlesen möchte!“
Sämtliche Blicke flogen nun zu mir. Ich wurde vor Überraschung knallrot und keuchte. Ach, es war einer der glücklichsten Augenblicke in meinem Kinderleben.
 
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Kommentare  

Hallo Doska,
Prost Neujahr!!*hicks* Vielen Dank für dein nettes Statement!!!
Viele Grüße, Frankie


anonym (07.01.2009)

Hallo Frankie!
Mein Kommentar kommt zwar ein wenig spät, aber Weihnachten, Neujahr,da ist immer bei uns mächtig viel los. Ich hoffe du bist gut ins neue Jahr reingerutscht. Habe mir deine Fortsetzung ganz in Ruhe durchgelesen und muss sagen: Gute Story! Eine für dich vielleicht weniger schöne Erinnerung, für uns aber zum Schmunzeln. Ja, so sind Kinder eben, köstlich!


doska (02.01.2009)

Schade, dass hier nix mehr passiert. Schreibt doch auch mal was, ihr Andern!
Es hat doch jeder so kleine Erlebnisse in petto, oder?


Stefan Steinmetz (16.09.2008)

Hallo Doska,

gute Idee. Gelten auch kuriose und ausgeflippte Dinge? Mir fällt gleich immer so viel ein. Meistens Sachen, bei denen man nicht weiß, ob man Lachen oder Weinen soll. Aber die Geschichte bleibt ja noch online. Warte noch ein wenig, denn bekomme meinen Hintern nicht hoch bzw. meine Flossen.

LG Sabine


Sabine Müller (11.09.2008)

@Dublin: DOCH! Und OB im Geha diese Kügelchen waren! Das war ja Absicht! Der Geha-Füller wurde mit falschrum gesteckten Patronen gefüttert und das ging NUR mit den Geha-Patronen, die einen speziell eingedellten dünneren Boden zum Durchstoßen hatten. Aber am anderen Ende war das Kügelchen.
Kalkül der Geha-Leute: Auch Pelikaner benutzten ab und zu die Geha-Patronen.


Stefan Steinmetz (11.09.2008)

hallo doska,

naja, ich habe die realen Ereignisse nicht 1:1 berichtet, sondern Facetten der Erinnerung gemischt. In der realen Wirklichkeit waren es die Reste eines Bunkers auf einer Bauernwiese. Jemand hat erzählt, dort läge Menschenfleisch. Wir Kinder haben das ein halbes Jahr lang geglaubt und es galt als mutig, sich dem Bunker zu nähern.
(Playboy und Marsriegel waren ebenfalls Wirklichkeit...)

Jedenfalls eine nette Idee. Weitere Kindheitserinnerungen habe ich in "Die Geschichte des Mannes, der im Leben nur Scheiße gebaut hat" verarbeitet.

Cu

Nicolas


Nicolas van Bruenen (05.09.2008)

Oh, Go-ott?
Nicolas du Armer! Das ist ja ein arg schlimmes Erlebnis und daran wirst du bestimmt häufiger zurück denken, als ich an meine positiven Ereignisse. Eigentlich hättest du damals jemanden gebraucht, bei dem du dich mal aussprechen hättest dürfen. Na, so konntest du dich vielleicht heute auf diesem Wege ein bisschen erleichtern. Hm, hmmm....hast du vielleicht auch mal etwas Positives erlebt, was du hier reinstellen könntest? Doska fragend guckt.


doska (05.09.2008)

hrmpf! Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil! Türlich steht da was von Pia. NYC!
Blöd ich bin...


Stefan Steinmetz (04.09.2008)

Pia? *glotz* Da steht aber doch doska!
Könntest du das korrigieren Doska? Und bei mir steht auch ein falscher Fehler, an dem ich aber selber schuld bin. Es muss heißen: Sie liebte es, mir mir zu tuscheln...
und nicht: Sie liebte ich, mit mir zu tuscheln...

Imer diesen Schluderfehlr! Fürchterlic!

Dat mit der Schultüte war auch nicht ohne. Musste grinsen wie ein Honigkuchenpferd.

Und was diese kleinen Ereignisse angeht: Manno! Auf die Idee muss man erst mal kommen, dass das interessante Kurzgeschichten abgibt! Da sind noch mehr und ich werde die auch als "echte" Geschichten aufbereiten.


Stefan Steinmetz (04.09.2008)

Mensch Stefan!
Tolle Geschichte! War ein Genuss, sie zu lesen. Nein, ich würde sie so lassen, wie sie ist. Ich habe deine Gundula vor mir gesehen, wie in einem Film.
Ja, solche kleinen Dinge sind es, an die man nicht nur gern zurück denkt, sie geben einem - man sollte es nicht glauben - sogar Kraft und Mut. Eigene Erlebnisse sind oft so ganz anders als die mit viel Action überladenen Fernsehfilme. Na, da bin ich ja mal gespannt, ob dir noch etwas dazu einfallen wird, hehe.
Und wie sieht es mit Euch aus, ihr lieben Leser? Habt ihr vielleicht auch mal Lust, ein kleines Erlebnis hier zu veröffentlichen?


doska (04.09.2008)

Hallo Pia!
Wunderschöner Beitrag. Ja, das Leben schreibt manchmal nur ganz kleine feine Geschichten und die gehen einem trotzdem ans Herz. Hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht fällt dir ja noch etwas ein?


doska (04.09.2008)

Hi Stefan,
bist du sicher, dass du einen Geha hattest und keinen Pelikan? Im Geha waren keine Patronen (zumindest zu meiner Zeit nicht), da musste man das Plastikkäppchen durchstoßen. Nur in den Pelikan-Patronen waren die Kügelchen.
Die wir auch gesammelt haben wie doof.
Sehr schöne Schulgeschichte!!! LG Dublin


anonym (04.09.2008)

Jetzt habe ich auch mal was abgelassen. Das ist sogar als echte Kurzgeschichte brauchbar. Muss ich mal bei Gelegenheit zu einer richtigen Geschichte mit wörtlicher Rede und etwas mehr "Fleisch" auf dem Rippen umschreiben.

Stefan Steinmetz (04.09.2008)

Das weiß ich nicht mehr. Es war jedenfalls die allerbeste Arbeit, die sich mein Lieblingslehrer nur deswegen bis zuletzt aufgehoben hatte, um darauf näher einzugehen und ich hatte die ganze Zeit Blut und Wasser geschwitzt. Ach, ich habe noch eine ganze Menge Erlebnisse, an die ich zurück denken muss und wie ist es mit dir?

doska (04.09.2008)

Nett. Am liebsten hätte ich erfahren, welche Fragen denn gestellt worden waren und wie sie beantwortet wurden. Vor allem das einzelne Wort, das anscheinend als passend angesehen wurde.

Stefan Steinmetz (04.09.2008)

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