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Auf dem Rücken des Dämons

Nachdenkliches · Kurzgeschichten
Einst lebte unter den vedischen Göttern ein Dämon, dessen Aufgabe es war, seine Herren dann und wann aus dem überirdischen Reich in das irdische zu tragen. Sie konnten schließlich nicht zu Fuß zu den Menschen kommen und prunkvolle Reittiere waren nur den größten der Götter vorbehalten. So schleppte der Dämon sie, wann immer sie es ihm befahlen, auf seinem Rücken auf die Erde, wo sie sich anbeten und reich beschenken ließen.
Der Dämon war gutmütig und sah es als seine Pflicht an, die Götter umherzutragen. Stark genug war er außerdem, so dass ihm auch größte Lasten nichts ausmachten. Was ihn aber bedrückte war die Selbstverständlichkeit, mit der die Götter die Geschenke der Menschen annahmen, ohne je etwas dafür zu tun. Sie wurden angebetet, Stürme und Dürren zu verhindern, Krankheiten zu heilen und Kriege zu beenden. Doch mit der Zeit wurden die Götter immer bequemer und auch gieriger, so dass sie bald nur noch mit den reichen Gaben der Menschen zurückkehrten, ohne dafür eines ihrer Wunder zu vollbringen.
An den meisten Leiden sind die Menschen schließlich selbst schuld, sagten sie sich und lachten manchmal sogar über deren Einfältigkeit. Die Menschen allerdings wussten, dass sie ohne die Götter nicht leben konnten und so brachten sie ihnen auch weiterhin ihre Reichtümer, mit der Zeit sogar immer mehr davon, da die Götter nie genug bekommen konnten und immer mehr einforderten. Wer sich weigerte, das Wertvollste seines Besitzes den Göttern zu geben, den verstießen sie von der Erde und er musste fortan in der Unterwelt ums Überleben kämpfen.
Diese Macht stieg den Göttern mehr und mehr zu Kopf, sie übertrafen sich in dem, was sie ihren Menschen abverlangten und bald waren jene unter ihnen, die mit der größten Gier die meisten Reichtümer angehäuft hatten, die angesehensten. Bald schon ließen sie sich selbst nur noch selten bei den Menschen blicken und schickten den Dämon allein in die irdische Welt, um die Gaben zu holen.
Er kam seiner Aufgabe gewissenhaft nach, auch wenn er sich mehr und mehr den Unmut der Menschen zuzog und selbst bald von ihnen als derjenige angesehen wurde, der sie ausbeutete. Zudem sah er, wie die Menschen immer mehr von ihrer Habe abgaben und immer weniger für sich selbst behalten durften. Der Neid unter ihnen wurde immer größer, jeder versuchte das, was ihm blieb, vor den anderen zu schützen und wer nichts hatte, musste es bei anderen stehlen.
Die Götter beobachteten das Schauspiel aus der Ferne und es belustigte sie sogar. Irgendwann sogar so sehr, dass einige den Dämon mit Schwertern und Äxten ins irdische Reich schickten, die er unter den Menschen verteilen sollte. So wurden ihre Kämpfe ums Überleben blutiger und die Götter begannen sogar darauf zu wetten, wer von ihnen siegen und wer alles verlieren würde. Ab und zu griffen sie ins Geschehen ein und ließen sich von dem Dämon die Gaben holen, die sie am meisten interessierten.
Mit jedem Male wurde es jedoch schwerer und die Menschen stellten sich alsbald auch dem Dämon mit ihren Waffen entgegen. Bei einigen der Stärkeren unter ihnen konnte der Dämon bald nichts mehr mitnehmen, so dass es immer die Ärmeren traf, die ihre wenige Habe auch noch abgeben mussten. Eine Weile ging das immer so weiter, doch als die Ärmsten nichts mehr zu verlieren hatten und ihre Wut größer und größer wurde, packten sie sich den Dämon und zwangen ihn schließlich, sie mit ins Götterreich zu nehmen.
Der Dämon war stark, konnte hunderte von ihnen auf seinem Rücken tragen und da der Mut der Verzweiflung sie stark gemacht hatte, ergab er sich ihnen und nahm sie mit ins überirdische Reich. Dort angekommen sahen die Menschen, wie die Götter es sich gutgehen ließen, wie sie all die Gaben, die sie von den Menschen bekommen hatten genossen und sich dabei die Kämpfe auf der Erde in aller Seelenruhe ansahen. Ein unbändiger Zorn übermannte sie, machte sie stark, sogar stärker als die faul gewordenen Götter und sie zerstörten alles, was sie sahen bis das gesamte Götterreich ebenso in Schutt und Asche lag wie das Reich der sich bekämpfenden Menschen.
 
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Kommentare  

Sehr gut geschrieben!

Daniel Freedom (04.08.2016)

Auch von mir ein dickes Lob.

Dieter Halle (24.07.2016)

Eine sehr schöne Geschichte,lebendig und flüssig geschrieben. Wunderbare Fabel, die einen nachdenklich machen sollte.

Gerald W. (21.07.2016)

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